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Orchidee und Technofossil - Daniel Falb

Orchidee und Technofossil

Gedichte

(Autor)

Buch
80 Seiten
2019
kookbooks (Verlag)
978-3-937445-98-4 (ISBN)
CHF 29,90 inkl. MwSt
Orchidee und Technofossil versammelt vier lange Gedichte. Jedes davon ist ein ganzes Leben. Das ist heute ein Leben, das sich allein der industriellen Landwirtschaft und ihrem Haber-Bosch Prozess verdankt, nur als eines von 7,5 Milliarden überhaupt erscheinen kann, "unter der Haube / *aus Linnen*, / da" (Svalbard Paem). Ein generationales Leben - voller Spermien und Eizellen -, das Schulden und Vermögen aufhäuft und vererbt, das die 1% der Reichen produziert und sich schuldig macht, ohne jemals angeklagt zu werden (Geber Quartett). Ein krebskrankes Leben, dessen wucherndes Fleisch von Algorithmen und Big Data der Spitzenmedizin und dessen Gehirn von den Wucherungen der neuen Faschismen durchsetzt ist (Kanker Quartett). Und es ist ein Leben, das wir als Glied einer generationalen Kette in der tiefen Vorgeschichte einer Zukunft führen, welche unser ökologisches und geologisches Erbe empfängt - die Technofossilien aus dem frühen Anthropozän (Chicxulub Paem). Wie der italienische Autor und Philosoph Franco "Bifo" Berardi jüngst die Poesie als Mittel gegen die zerstörerische Macht der Finanzmärkte in Stellung brachte, so versteht Orchidee und Technofossil das Gedicht - "unter der Haube / *aus Linnen*, / da" - als Hort und Brutstätte neuer Intuitionen und Widerstandsformen für die neue, geologische Zeit.- Daniel Falb

Daniel Falb, geboren 1977 in Kassel, lebt in Berlin. Er veröffentlichte drei Gedichtbände, zuletzt CEK, kookbooks 2015. In Übersetzung erschienen Naturezas-mortas sociais, Portugiesisch–Deutsch, Edition Sextante 2009, und New Zork, Niederländisch, Zegwerk 2014. Als philosophischer Autor arbeitet Falb zu Fragen der Geophilosophie, der kulturellen Evolution und der zeitgenössischen Poetik. Er war Kollaborateur der kollektiven Poetik Helm aus Phlox (mit A. Cotten, H. Jackson, S. Popp., M. Rinck), Merve 2011, in jüngerer Zeit erschien der Essay Anthropozän. Dichtung in der Gegenwartsgeologie, Verlagshaus Berlin 2015. Falbs Arbeit wurde mit zahlreichen Stipendien und Preisen gefördert, zuletzt mit dem Kurt Sigel-Lyrikpreis des PEN Zentrums Deutschland 2016. 2019 erscheint, als Beitrag zur geophilosophischen Metaphysik, die Abhandlung Geospekulationen. Metaphysik für die Erde im Anthropozän bei Merve.

Stimmen zu Daniel Falb

„Die eigene, unverwechselbare Stimme ist hier Teil eines ‚Wir‘, das in unpathetische und spannenden Diskursen und mit überraschenden Sprachbildern Erd- und Menschheitsgeschichte neu bedenkt: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Falbs Gedichtzyklus sprengt alle traditionellen Erwartungen an Lyrik. Statt Metrum, Reim und Strophe regiert das mehrbezügliche assoziative Verknüpfen von prägnanten Bildern und Redeteilen. Das Gedicht als ein Ort reiner Möglichkeiten. In strömenden, tauchenden und steigenden Sprachbewegungen treibt Falb seinen Text Richtung Erkenntnisgewinn voran.“
– Jury zum Kurt Sigel-Lyrikpreis 2016

„Was in diesen Gedichten besichtigt werden soll, ist das Anthropozän, also jenes geologische Zeitalter, das mit unserer massiven globalen Aktivität und Vernetzung angebrochen ist und in dem wir durch die rücksichtslose Übersteuerung aller selbstregulierenden Systeme des Raumschiffs Erde (Buckminster Fuller) im beschleunigten Modus auf unsere eigene Auslöschung als Spezies zusteuern. Die Gedichte sind also aus einer Zukunft geschrieben, in der wir und die menschlichen Artefakte nur mehr Teil eines Stratums sind, das von kommenden Alien-Geologen besichtigt werden kann. Daher die Konglomeratstruktur der Gedichte, das wilde Nebeneinander von Fundstücken, die umfängliche Kontextarbeit benötigen, um als Gedichte gelesen werden zu können.“
— Udo Kawasser, www.fixpoetry.com

„Wie die Eisschollen auf Friedrichs Bild von der Verlorenen Illusion (Das Eismeer, 1823/4) schieben sich hier die Schichten übereinander und stellen Bezüge her, die das Material auf kaleidoskopische Art und Weise zu Suchbildern ordnet, deren Folgerichtigkeit in der Kontingenz liegt.“
— Jan Kuhlbrodt, www.signaturen-magazin.de

[Auf] an den Strand, an dem Die Schwimmende Schildkröte ihre Eier vergräbt. Dort ist das Loch im Sand, wo sie ihre Eier vergräbt. Dort reinigt sie ihr Gefieder, atmet Luft sich in den Magen (Sprechen ist Essen). Dort ist die Grabestelle in Cis-Cary Fowlers Gesicht, neben dem Kreuz, an der vertäfelten Wunde. Dort ist der Ort, an dem der Marsrover Curiosity stehen geblieben ist, und an dem meine Neugier an ein Ende gekommen ist, an einem Ball mit ungesehener Höhlenmalerei. Dort aber schlüpfst du, und zeigst mir ungefragt den Inhalt deines „Magens“ – er ist noch weiß und leer –, da sich Svalbard Paem, dein Leben, – Dir – übergibt.

Erscheinungsdatum
Reihe/Serie Reihe Lyrik ; 64
Illustrationen Andreas Töpfer
Verlagsort Berlin
Sprache deutsch
Maße 130 x 210 mm
Themenwelt Literatur Lyrik / Dramatik Lyrik / Gedichte
Schlagworte Anthropozän • Deutsches Literaturarchiv Marbach • Haber-Bosch Prozess • Svalbard
ISBN-10 3-937445-98-6 / 3937445986
ISBN-13 978-3-937445-98-4 / 9783937445984
Zustand Neuware
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