Most Wanted Bastard (eBook)
399 Seiten
Lyx.digital (Verlag)
978-3-7363-0892-3 (ISBN)
Liebe ist Chefsache ...
Henry Locke ist New Yorks einflussreichster CEO. Er hat aus dem kleinen Familienunternehmen ein weltweit agierendes Millionen-Imperium erschaffen. Auch wenn ihm das Geld egal ist - die Firma ist sein Leben. Bis seine Mutter auf dem Sterbebett ihr gesamtes Vermögen - und damit auch das Unternehmen - ihrem geliebten Hund Smuckers vermacht - und seiner Dogsitterin! Henry ist sich sicher, dass er die hübsche Victoria Nelson mit einer entsprechenden Summe schnell loswerden kann. Doch wenn Vicky im Leben eins gelernt hat, dann dass man sich nichts nehmen lassen sollte, was einem rechtmäßig zusteht - schon gar nicht von einem arroganten Millionär, der denkt, ihm gehöre die Welt. Vicky ist bereit die Firma zu übernehmen, auch wenn dies bedeutet, Henry öfter zu sehen, als ihr lieb ist ...
'Unglaublich unterhaltsam!' USA Today
Band 1 der Most-Wanted-Reihe von New-York-Times-Bestseller-Autorin Annika Martin
1
Vicky
Ich schmuggele ein kleines weißes Hündchen namens Smuckers in ein Krankenhaus in Manhattan, damit es ein letztes Mal sein Frauchen sehen kann, Bernadette Locke. Dank eines regelmäßigen Termins in einem von Kronleuchtern geschmückten Hundesalon auf der Fifth Avenue, dessen Besitzerin angeblich Hunde liebt, aber sie vermutlich insgeheim hasst, ist Smuckers’ Gesichtsfell zu einer so fluffigen weißen Wolke geföhnt, dass seine neugierigen schwarzen Augen und seine kleine Rosinennase kaum noch zu sehen sind.
Drei Dinge muss man über Bernadette wissen: Sie ist die bösartigste Frau, die ich jemals kennengelernt habe. Sie hält mich für so eine Art Hundeflüsterin, die Smuckers’ Gedanken lesen kann. (Kann ich nicht.) Und sie liegt im Sterben. Allein.
Die Leute in ihrem Wohnblock werden wahrscheinlich erleichtert sein, von ihrem Dahinscheiden zu hören. Ich weiß nicht, was sie getan hat, um ihren Zorn auf sich zu ziehen, und wahrscheinlich ist das auch besser so.
Irgendwo da draußen hat Bernadette einen Sohn, doch selbst der will nichts mit ihr zu tun haben. Auf dem gesprungenen Kaminsims in Bernadettes Wohnung steht ein Foto von ihm, ein Kleinkind mit einer trotzigen kleinen Furche zwischen den grimmigen blauen Augen. Und obwohl er von anderen Leuten umgeben ist, wirkt der kleine Junge irgendwie schrecklich einsam.
Damals, als Bernadette die Diagnose Endstadium erhielt, habe ich sie gefragt, ob sie es ihrem Sohn mitgeteilt habe und ob er sie nicht vielleicht endlich besuchen kommen würde. Doch sie tat die Frage mit einer verächtlichen Handbewegung ab – das ist Bernadettes Lieblingsantwort auf so ziemlich alles. Er kommt nicht, das kann ich Ihnen versichern.
Ich kann nicht glauben, dass er sie nicht besucht, nicht einmal jetzt. Das ist wirklich mies. Deine Mutter stirbt hier ganz allein, du Idiot.
Wie auch immer, wenn man das alles in einen Topf wirft und einmal umrührt, kommt diese seltsame Suppe heraus, wie ich mich an einem Pförtner vorbeischleiche und ihn herzlich – und hoffentlich umwerfend genug – anlächle, damit er nicht bemerkt, dass sich meine übergroße Handtasche ein wenig zu unnatürlich ausbeult.
Smuckers ist ein Malteser, das sind unfassbar niedliche Schoßhündchen. Und Smuckers ist der allerniedlichste.
In der Gegend auf der Upper West Side, wo meine kleine Schwester und ich aktuell in einer hübschen Wohnung zur Untermiete wohnen und auf einen Papagei aufpassen, waren Bernadette Locke und Smuckers ein berüchtigtes Paar auf den Bürgersteigen.
Ich sehe sie noch genau vor mir: Smuckers lockte die Leute mit seiner wahnsinnigen Flauschball-Niedlichkeit an, doch sobald sich ein nichts ahnendes Opfer näherte, bekam es von Bernadette eine Beleidigung an den Kopf geworfen. Ungefähr so, als wäre sie eine Venusfliegenfalle in Menschengestalt, die mit der Schönheit ihrer Blüte Fliegen anlockt, nur um sie gnadenlos zu zerquetschen.
Die Anwohner haben mit der Zeit gelernt, sich von den beiden fernzuhalten. Ich habe es auch versucht – wirklich.
Und dennoch bin ich jetzt hier, husche einen weiteren grell erleuchteten Krankenhausflur entlang und schmuggle den kleinen Hund zum dritten Mal innerhalb von zwei Wochen hinein. Es gehört nicht zu den Top Ten meiner Lieblingsbeschäftigungen. Nicht einmal zu meinen Top Hundert, aber Smuckers ist Bernadettes einziger wahrer Freund. Und ich weiß, wie es ist, gehasst zu werden und allein zu sein.
Ich weiß, wenn man gehasst wird, verhält man sich manchmal so, als wäre es einem egal, als Überlebensstrategie. Und das bringt die Leute dazu, einen noch mehr zu hassen, weil sie das Gefühl haben, dass man wenigstens ein bisschen niedergeschlagen aussehen sollte.
Bernadettes Hass war echter, analoger Nachbarschaftshass; meiner war auch echt, doch dazu kam noch eine lustige landesweite Online-Komponente, aber das Prinzip ist das gleiche, und wehe, wenn man auch noch einen süßen Hund hat. Oder wenn jemals ein Bild bei Facebook, Huffpost oder People.com erscheint, auf dem man zu lächeln wagt.
Ich weiß auch, wie es ist, wenn der Hass sich selbst verstärkt. Wie man manchmal Dinge tut, die die Leute dazu bringen, einen noch mehr zu hassen, weil es sich auf eine verdrehte Art besser anfühlt. Ich glaube, nur Menschen, die in ihrem Leben schon einmal gehasst wurden, können das wirklich verstehen.
Dann betrete ich das Krankenzimmer. »Da wären wir«, flöte ich und bin froh und erleichtert, dass kein Pflegepersonal in der Nähe ist. So gerne sich Smuckers auch in einer Handtasche tragen lässt, steckt er doch am liebsten den Kopf heraus, wie der verwegene Kapitän eines Kunstleder-Luftschiffs. Unnötig zu erwähnen, dass es ihm in der Tasche langsam zu eng wird. Ich hole ihn heraus. »Schau mal, Smuckers, deine Mama!«
Bernadette lehnt in ein paar Kissen. Ihre Haut ist fahl und die wenigen Haare, die sie noch hat, sind blendend weiß. Sie schlägt die Augen auf. »Endlich.«
In ihrem Arm steckt eine Kanüle, aber das ist alles. Die Ärzte haben alle Medikamente außer dem Morphium abgesetzt. Sie haben Bernadette aufgegeben.
»Smuckers freut sich so, Sie zu sehen.« Ich trete ans Bett und setze Smuckers neben ihr ab. Er leckt Bernadette über die Finger, und die Liebe, die in ihrem Gesicht aufleuchtet, lässt sie für einen Moment weich aussehen. Wie eine nette Frau.
»Smuckers«, flüstert sie. Sie bewegt die Lippen und redet mit ihm. Ich kann nichts hören, doch ich weiß aus früheren Gesprächen, dass sie ihm sagt, wie lieb sie ihn hat. Manchmal gesteht sie, dass sie ihn nicht verlassen will, dass sie nicht allein sein möchte. Sie hat Angst davor, allein zu sein.
Kraftlos krault sie Smuckers übers Fell, aber ihr Blick ist auf mich gerichtet, und inbrünstig flüstert sie etwas. Ich komme näher. Es hört sich an wie Aubergine.
»Haben Sie Hunger?«
»Aubergine …«, krächzt sie mit schwacher Stimme.
»Ja, Bernadette?«
»Aubergine lässt Ihren Teint …« Sie verzieht das Gesicht, »… wurmartig aussehen.« Sie schafft es, eine unglaubliche Verachtung in das Wort wurmartig zu legen, als hätte ich eine derartige Modesünde begangen, dass sie ihre ganze Kraft aufbringen muss, um es mir mitzuteilen.
»Mist. Ich hatte eigentlich auf schneckenartig gehofft«, erwidere ich scherzhaft, während ich Smuckers ein wenig anders hinsetze, damit er nicht auf ihren Schlauch tritt.
Sie schnaubt und wendet sich wieder ihrem Hündchen zu.
In den drei Jahren, die ich sie jetzt schon kenne, hat mich Bernadette stets für meine Modeentscheidungen kritisiert. Haben Sie das aus einem Sechzigerjahre-Katalog für Bibliothekare, Vicky? Hatte JCPenney Bleistiftröcke im Sonderangebot? Manchmal scheint ihr mein Anblick buchstäblich in den Augen wehzutun, mit meinem uninspirierten Pferdeschwanz und der Brille und so.
Ich habe den Verdacht, dass Bernadette früher einmal richtig viel Geld hatte, dass ihr Vermögen jedoch im Laufe der Jahre geschrumpft ist. Hinweis eins: Ihre Wohnung befindet sich in einer teuren Wohngegend, aber sie ist innen wirklich schäbig, als wäre sie einmal herrschaftlich gewesen, inzwischen allerdings heruntergekommen. Auch ihre Kleider sind abgetragene Versionen von dem, was vor vielleicht fünfzehn Jahren teuer war. Offensichtlich gibt sie für sich selbst kein Geld aus. Aber Smuckers? Für Smuckers ist ihr nichts zu teuer.
Ich nehme ihre Hand und lege sie dorthin, wo Smuckers es am liebsten mag, damit er sich beruhigt.
»Smuckers«, haucht sie.
Ich verspüre den Drang, ihr tröstend eine Hand auf den Arm zu legen, doch menschlicher Kontakt ist nichts, was Bernadette jemals von mir wollen würde.
Eigentlich bin ich nur als eine Erweiterung von Smuckers hier, als Kanal für seine wichtigen Botschaften. Abgesehen davon bin ich überflüssig. Wenn Bernadette mich irgendwie automatisieren oder in einer Sardinenbüchse aufbewahren könnte, an der nur eine Ecke nach oben gerollt ist, damit meine Stimme herausdringt, dann würde sie es tun.
Sie schaut erwartungsvoll zu mir auf. Mir ist klar, was sie will. Was hat Smuckers ihr mitzuteilen?
Ich weiß nicht, was ich sagen soll, oder vielmehr, was Smuckers sagen könnte. Diese Haustierflüsterer-Geschichte war nicht meine Idee, und nun, da sie auf dem Sterbebett liegt, kommt es mir in besonderem Maße falsch vor.
Aber sie wartet und funkelt mich an. Smuckers oder gar nichts.
Ich hole tief Luft und setze meinen Flüstererblick auf, der eigentlich nichts weiter ist als ein aufmerksamer Zuhörerblick. »Smuckers sagt, Sie brauchen keine Angst vorm Sterben zu haben«, fange ich an.
Sie wartet. Sie will mehr.
»Sie sollen wissen, dass alles gut wird, auch wenn es sich im Moment nicht so anfühlt.«
Sie nickt und murmelt Smuckers etwas zu.
Thematisch begebe ich mich hier auf neues Terrain. Bisher hat Smuckers sich auf Lifestyle-Themen beschränkt – bestimmte Arten des Nackenkraulens oder die Geschmacksrichtung seiner Hundeleckerlis. Hin und wieder kommentiert er die Possen der Tauben vor dem Fenster. Doch er hat ganz bestimmt noch nie eine göttliche Weisheit über den Tod oder ein besonderes Verständnis der esoterischen Geheimnisse des Kosmos von sich gegeben.
Aber an Bernadettes Gesicht erkenne ich, dass ihr Smuckers’ Worte gefallen.
»Vicky«, sagt sie zu Smuckers. »Vicky wird sich um dich kümmern.«
»Das werde ich, Bernadette«, bestätige ich. »Ich kümmere mich um Smuckers, als wäre er...
| Erscheint lt. Verlag | 1.2.2019 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Most-Wanted-Reihe |
| Most-Wanted-Reihe | Most-Wanted-Reihe |
| Übersetzer | Nina Restemeier |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Original-Titel | Most Eligible Bastard |
| Themenwelt | Literatur ► Romane / Erzählungen |
| Schlagworte | 20. - 21. Jahrhundert • arrogant • Australien • Beziehung • billionaire • Bücher • CEO • Courths • Dogsitterin • einflussreich • enemies to lovers • Erbe • Erinnerung • Familie • Familienunternehmen • Frauen • Frauenroman • Frauenromane • Freund • Freundin • Freundschaft • Gefühl • Gefühle • Geheimnis • Henry Locke • Krankenschwester • Leidenschaft • Liebe • Liebe / Beziehung • Liebesgeschichte • Liebesroman • Liebesromane • Liebesroman (modern) • Manhattan • Millionär • Millionen-Imperium • Nähe • New York • Ozeanien • Romanhefte • Romantik • Romanze • Schicksal • Schwester • State of Victoria • tough • Trennung • Unterhaltung • USA • Vergangenheit • Victoria Nelson • wohlfühlen • Zwischenmenschliche Beziehung |
| ISBN-10 | 3-7363-0892-2 / 3736308922 |
| ISBN-13 | 978-3-7363-0892-3 / 9783736308923 |
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