Raumschiff Rubikon 9 Das Erste Reich (eBook)
240 Seiten
Uksak E-Books (Verlag)
978-3-7389-2437-4 (ISBN)
Nar’gog-System, Scobees Zeitebene – ca. 2450 n. Chr.
Felvert betrat die Steuer-Acht von Torstation 1. Im Kontrollzentrum der Station waren zahlreiche Felorer mit Überwachungsaufgaben beschäftigt. Holoprojektoren erzeugten einen Panorama-Blick über das Nar’gog-System. Linien, Farben und Kolonnen sich verändernder Symbole veranschaulichten eine Vielzahl von Parametern.
Raum.
Zeit.
Dimensionen.
All das wurde hier genauestens beobachtet, um die relative Sicherheit zu gewährleisten, in der sich die Heimat der Jay’nac befand. Aber der entartende, bizarre Mutationen hervorbringende Zeitfluss im Rest der Milchstraße blieb ein ständiger Quell der Sorge – sowohl für die felorischen Tormeister als auch für die anorganischen Jay’nac, deren Heimatwelt wie eine letzte Insel der Stabilität in dem temporalen Chaos anmutete.
Felvert bewegte sich in die Mitte des Raumes, dessen Grundfläche den Achten ähnelte, aus denen sein Körper bestand – zwei sich überschneidende Kreise, im weitesten Sinne –, der ansonsten eine wurmähnliche Form hatte.
„Es ist gut, dass du da bist“, sagte ein anderer Felorer, der intensiv an einer Konsole arbeitete. Boolvert hatte derzeit die Kontrollhoheit der Steuer-Acht inne.
„Was ist geschehen?“
„Das weiß ich noch nicht. Aber mehrere der anderen Stationen meldeten Daten mit minimaler Abweichung.“
„Eine temporale Erschütterung? Ich dachte, die könnte uns nichts anhaben. Nicht hier, innerhalb unseres geschützten Bereichs.“
„In diesem Punkt scheinen unsere bisherigen Erkenntnisse nicht ganz zu stimmen.“
„Wir sollten unsere Keelon-Verbündeten um Rat fragen.“
„Sicher.“
Boolvert drehte sich zu Felvert um. Der wurmartige Körper war dabei gerade aufgerichtet. Er besaß keine erkennbaren Sinnesorgane, aber dennoch eine Wahrnehmung, die so umfassend war, dass sie die Fähigkeiten der meisten bekannten Spezies bei weitem in den Schatten stellte. Die anorganischen Jay’nac eingeschlossen, in deren Dienst die Felorer standen.
„Nimm bitte die Werte zur Kenntnis, Felvert“, wandte sich Boolvert an den obersten Tormeister
„Das tue ich. Sie sind in meinem Mentalspeicher, aber ich bin etwas verwirrt. Hast du die bereits interpretiert?“
Boolvert verneinte. „Eine Interpretation möchte ich nicht wagen. Noch nicht. Aber ich habe ein Reihenmodell entwickelt, das uns zeigt, ob es möglicherweise gefährliche Tendenzen gibt.“
„Und? Gibt es sie?“
„Ja.“
Will Felvert mich auf die Probe stellen oder ist er tatsächlich so ratlos wie jeder gewöhnliche Tormeister?, fragte sich Boolvert. Letzteres wäre eine endgültige Bestätigung dafür, dass wir es mit einem absolut außergewöhnlichen Ereignis zu tun haben. In der temporalen Schutzzone des Nar’gog-Systems dürfte so etwas eigentlich gar nicht geschehen... Zu dumm, dass sich das Universum nicht an unsere Axiome hält!
„Dann werden wir das Phänomen weiter beobachten“, stellte Felvert klar.
„Jawohl“, bestätigte Boolvert.
„Ich möchte eine Verbindung zu allen anderen Stationen!“, verlangte Felvert und unterlegte diese Worte mit einer Reihe von Emissionen, die sich an verschiedene andere Sinne der anwesenden Felorer richteten.
Was als Zeichen der Entschlossenheit dienen soll, entpuppt sich als Menetekel der Ratlosigkeit!, erkannte Boolvert. Ein Schwall von Gedanken hielt sein Bewusstsein in Aufruhr. Konnte es sein, dass die felorischen Tormeister und ihre Helfer, die Keelon, irgendeinen temporal-physikalischen Faktor bei der Abschirmung des Nar’gog-Systems unbeachtet gelassen hatten? Die Missachtung irgendeiner Kleinigkeit reichte bereits aus, um für eine Katastrophe zu sorgen. Niemandem hätte das bewusster sein sollen als Wesen wie den Felorern oder den Keelon, die mit der Zeit und den Dimensionen jonglierten und die Realität durch Eingriffe in die Vergangenheit änderten.
Aber vielleicht sind wir zu selbstsicher und überheblich geworden!, überlegte Boolvert. Wir haben die Kräfte des Raumes und der Zeit nach unserem Gutdünken manipuliert und vielleicht holen uns jetzt die Folgen unserer Hybris ein ...
Ein weiterer Felorer meldete sich zu Wort und riss Boolvert aus seinen grüblerischen Gedanken. „Die Konferenzverbindung ist geschaltet, Felvert.“
Gestalten erschienen wie aus dem Nichts. Es handelte sich überwiegend um Felorer. Ein paar Keelon und Jay’nac waren allerdings auch darunter. Sie bildeten einen Halbkreis.
Felvert war bewusst, dass es sich um Hologramme handelte, die mittels einer Transmission in Echtzeit übertragen wurden. Das menschliche Auge hätte sie von der Realität nicht unterscheiden können.
„Es gibt minimale Abweichungen verschiedener Werte“, sagte Felvert. „Eine solche Instabilität dürfte es eigentlich innerhalb unseres Schutzbereichs nicht geben. Das Universum da draußen mutiert. Der Zeitfluss entartet, und das temporale Chaos erfasst alles. Dort sind die Abweichungen normal, aber nicht hier ...“
Unter den Hologrammen entstand ein aufgeregtes Gemurmel.
„Wir haben das natürlich auch registriert, aber sämtliche Werte lagen noch innerhalb der Toleranzgrenzen“, meldete sich einer der erschienenen Tormeister zu Wort.
„Sie müssten exakt mit den Vorgaben übereinstimmen“, gab Felvert zu bedenken. „Ich möchte also alle bitten diese Vorgänge zu beobachten. Es könnte sich um eine sich anbahnende, sehr ernste temporale Krise handeln.“
„Ist das dein Ernst, Felvert?“, fragte ein Felorer namens Gelenervert, der die Leitung der Torstation 2 innehatte. Er war bekannt dafür, mit kritischen Kommentaren nicht zu sparen und keinen Respekt vor Autoritäten zu kennen. „Könnte es nicht sein, dass es ich einfach um periodisch auftretende dimensionale Effekte oder Interferenzen mit Pararealitäten handelt? Du weißt, dass derlei Effekte auch von uns noch wenig erforscht wurden. Ich habe dazu ein Modell entwickelt, das auf 12-dimensionaler Mathematik beruht und eigentlich aussagekräftig genug sein müsste!“
Gelenervert!, durchfuhr es Felvert. Es ist doch immer dasselbe mit dir! Musst dich in den Vordergrund spielen. Aber dazu sollte man nicht unbedingt eine Krisensituation nutzen!
Felvert blieb sachlich. Keine seiner Sinnesemissionen ließ erkennen, wie tief die Verachtung war, die er für Gelenervert empfand, den er für einen anmaßenden Wichtigtuer hielt.
Diese ruhige Beherrschtheit erwartete man von Felvert. Schließlich war es ja durchaus auch möglich, dass doch etwas an Gelenerverts Einwänden dran war. In diesem Fall wäre es seine Pflicht gewesen, darauf einzugehen. Wenn Felvert jedoch ganz ehrlich war, dann wäre ihm nichts so lieb gewesen, als dass sich all die Bedenken, all die Befürchtungen als völlig unbegründet herausstellten.
Am besten, man sicherte sich nach allen Seiten ab. Mit dieser Devise war Felvert immer gut gefahren. Sein unbestrittener Führungsstatus unter den Felorern war der greifbare Beweis für die Richtigkeit dieser Haltung.
Das Hologramm von Gelenervert ließ neben sich ein zweites holographisches Fenster erscheinen, in dem vieldimensionale Diagramme erschienen, die die komplizierten Berechnungen veranschaulichen sollten.
„Die Gefahr einer ernsten Krise kann nicht übersehen werden. Sie liegt gegenwärtig bei 20 Prozent“, sagte Gelenervert. „Ich denke, dazu braucht man nicht viel mehr zu sagen.“
„Zwanzig Prozent? Das ist nicht viel“, behauptete einer der anderen anwesenden Felorer.
„Wenn es dabei bleibt“, erwiderte Gelenervert mit unterschwelligern, sehr ernsten Sinnesemissionen, die ihre Wirkung nicht verfehlten. Gelenervert setzte eine Pause, ließ die Sinnesemissionen aber weiter auf seine felorische Umgebung. Ein Teil dieser Emissionen wurde durch die Holo-Übertragung herausgefiltert. Doch das, was mit der Transmission zu den Verantwortlichen der anderen Stationen gelangte, war mehr als ausreichend. „Aber wir wissen alle, wie leicht sich diese Tendenz-Werte verändern können“, sagte Gelenervert. „Ich habe außerdem Detailmessungen der Raumzeitstruktur vorgenommen und den dimensionalen Stabilitätsfaktor errechnet. Er liegt knapp unterhalb der Grenze, die wir für stabil halten. Aber dieser Grenzwert ist letztlich willkürlich, das wissen alle hier. Die Situation könnte man durchaus auch als Vorspiel zu einer Katastrophe interpretieren.“
„Was schlägst du vor?“, fragte Felvert.
Die Aufmerksamkeit aller war jetzt auf Gelenervert gerichtet. „Ich bin dafür, bereits prophylaktisch Gegenmaßnahmen zu unternehmen“, erklärte dieser. „Die dimensionale Stabilität sollte durch eine Erhöhung des primären Tempus-Faktors erhöht werden – und zwar bevor es zu spät ist und wir den Kollaps nicht mehr abwenden...
| Erscheint lt. Verlag | 4.9.2019 |
|---|---|
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Fantasy / Science Fiction ► Science Fiction |
| ISBN-10 | 3-7389-2437-X / 373892437X |
| ISBN-13 | 978-3-7389-2437-4 / 9783738924374 |
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