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Jerry Cotton Sonder-Edition 94 (eBook)

Die Flugzeug-Fänger

(Autor)

eBook Download: EPUB
2018 | 1. Aufl. 2018
80 Seiten
Bastei Entertainment (Verlag)
978-3-7325-7459-9 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Jerry Cotton Sonder-Edition 94 - Jerry Cotton
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Tiger Jones riss den Kopf hoch. Die beiden Flugzeuge kreisten immer noch über ihnen, kamen in einer flachen Kurve heran.
'Deckung!', schrie er seinem Gefährten zu. 'Die haben etwas vor ...'
Weiter kam er nicht. Von der linken Maschine löste sich ein dunkler ovaler Gegenstand, der im Sonnenlicht schimmerte.
'Eine Bombe - verdammt, jetzt haben sie uns!' Der Krach der Explosion fetzte den Rest seiner Worte hinweg und sprengte ihm fast die Trommelfelle ...

1

Malcolm Murray schnaubte vor Wut.

Er hatte ein kräftiges, vierkantiges Gesicht mit wuchtiger Kinnpartie und ausgeprägten Stirnhöckern unter dichtem schwarzem Haar, breite Schaufelhände und eine massive, grobknochige Figur, die nicht recht zu dem eleganten maßgeschneiderten Anzug passte. Seine Gesten wirkten hochfahrend und arrogant, seine Ausdrucksweise unverschämt. Mir war er weidlich unsympathisch.

»Ein Skandal ist das«, schimpfte er gerade. »Ein Skandal! Ich habe fünf Maschinen in zwei Monaten verloren. Der ganze Werbefeldzug für die Silverbird war umsonst. Wenn das so weitergeht, bin ich ruiniert.«

»Sie sind versichert, Mister Murray«, sagte ich ruhig.

»Versichert! Versichert!« Er schwenkte seine Havanna durch die Luft. »Fünf ungeklärte Unfälle bei einem neuen Flugzeugtyp ruinieren die Entwicklungsarbeit von Jahren! Jedes Kind muss begreifen, dass Sabotage dahintersteckt. Und was tut das FBI? Dreht Däumchen! Ich verlange …«

»Mister Murray«, meinte ich kühl. »Ich denke, Sie sollten die Polizeiarbeit lieber der Polizei überlassen.«

»Ich höre immer Arbeit«, giftete er. »Was haben Sie denn bis jetzt getan? Was …?«

Mir lief die Galle über.

»Mister Murray«, sagte ich scharf und betont. »Wir erzählen Ihnen nicht, wie Sie die Flugzeuge konstruieren sollen, die Ihre Firma baut. Also halten Sie es umgekehrt genauso. Das ist nämlich für alle Teile das Beste. So long.«

Er schnappte nach Luft. Sein Gesicht lief rot an. Wie von einer Bogensehne geschnellt sprang er auf. »Unverschämtheit!«, brüllte er. »Ich werde mich über Sie beschweren! Jawohl, das werde ich!« Mit langen Schritten verließ er unser Office und knallte die Tür hinter sich zu.

»Peng«, sagte mein Freund und Kollege Phil Decker trocken.

Ich verzog das Gesicht und machte mich wieder über die Akten her, die vor mir auf dem Schreibtisch lagen. Fünf ungeklärte, vermutlich auf Sabotage zurückzuführende Flugzeugabstürze über dem Atlantik. Jedes Mal hatte es sich um Maschinen vom Typ Silverbird gehandelt, die die Firma Murray Incorporated entwickelt und in kleiner Serie gebaut hatte. Sportflugzeuge – gut durchkonstruiert, technisch perfekt, durchaus konkurrenzfähig – aber nicht so sensationell, dass sie die Marktpositionen anderer Firmen bedrohten.

Mir kam die Sache in mehr als einer Beziehung merkwürdig vor. Nie war eine Spur von den abgestürzten Maschinen gefunden worden. Bei den Unglücksflügen hatte immer derselbe Pilot im Cockpit gesessen: Buck Anders, ein alter Hase, der seinen Job verstand und dem es jedes Mal gelungen war, rechtzeitig auszusteigen. Die Protokolle seiner Vernehmungen befanden sich bei den Akten. Sie waren kurz und lapidar: Der Knall einer Explosion, Rauchentwicklung, die Maschine schmiert ab und …

»Klick, klick, klick«, sagte Phil. »Ich höre dein Gehirn arbeiten. Hast du eine Idee?«

»Nein. Aber ich überlege gerade …«

Das Telefon klingelte.

Phil angelte nach dem Hörer und meldete sich. »Ja, Sir«, sagte er nach einer Weile und legte wieder auf. »Der Chef will uns sprechen«, brummte er in meine Richtung.

Wir verließen unser Office. Helen, die Sekretärin in Mr. Highs Vorzimmer, lächelte uns zu. »Steve und Clay sind schon drinnen«, sagte sie, bevor sie den Kopf wieder über die Spalten einer Statistik senkte.

Wir betraten das Chefbüro. Mr. High saß zurückgelehnt hinter seinem Schreibtisch, ruhig und beherrscht wie immer. Steve Dillaggio und Clay Holm, der erst vor zwei Wochen von Chicago nach New York versetzt worden war, hatten in den Besuchersesseln Platz genommen. Wir setzten uns ebenfalls. Ich fühlte mich ein wenig unbehaglich und überlegte, ob es nicht besser gewesen wäre, Malcolm Murrays Wutausbruch etwas diplomatischer zu begegnen.

Aber Mr. High erwähnte den Vorfall mit keinem Wort. »Murray war bei Ihnen«, sagte er in meine Richtung. »Hat er Ihnen erzählt, dass sein Chefpilot verschwunden ist?«

»Buck Anders?«, vergewisserte ich mich.

»Nein. Anders ist zweiter Mann. Der Pilot, um den es geht, heißt Tom Conroy.«

»Murray hat den Namen nicht erwähnt. Vermutlich war er zu wütend, um daran zu denken. Ich … Na ja, ich habe ihn praktisch hinausgeworfen.«

»Ich weiß, Jerry, und ich kann es Ihnen nicht einmal verdenken. Aber darum geht es jetzt nicht. Lesen Sie das hier.«

Er schob mir ein Blatt Papier hinüber – eine der üblichen Meldungen von der City Police, wie sie sich jeden Morgen auf Mr. Highs Schreibtisch stapeln. Ich überflog den Text: 11.15 Uhr, Canal Street, Fund einer männlichen Leiche, die üblichen Angaben über Ursache und Zeitpunkt des Todes … Als ich den Namen des Opfers las, zuckte ich zusammen.

»Thomas Gordon Conroy«, murmelte ich.

»Er wurde erschossen«, bestätigte Mr. High. »Harry Easton bearbeitet den Fall. Aber wir müssen uns in die Ermittlungen einschalten, da der Verdacht besteht, dass der Mord an Conroy mit den Flugzeugabstürzen zusammenhängt. Jerry und Phil, ihr werdet euch um die Sache kümmern. Steve und Clay sehen sich inzwischen auf Murrays Fluggelände um und versuchen, herauszufinden, ob tatsächlich die Möglichkeit zu Sabotageakten besteht.«

Wir nickten und erhoben uns. Phil und ich kehrten noch einmal kurz in unser Office zurück. Durch einen Anruf bei der City Police versicherte ich mich, dass Harry Easton mit seiner Mordkommission noch am Tatort war. Wir stiegen in den Hof des Distriktgebäudes hinunter, schwangen uns in meinen Jaguar und quälten uns durch das Gewühl des Mittagsverkehrs in Downtown.

Auf der Canal Street hätten wir beinahe einen unrasierten Säufer angefahren, der mir genau vor die Stoßstange torkelte. Im letzten Moment riss ich den Wagen herum. Ich fluchte und trat auf die Bremse. Der Unrasierte setzte sich in Trab – offenbar in der Annahme, dass ich ihm ans Leder wollte. Aber ich hielt nur, weil ich den Kastenwagen der Mordkommission am Straßenrand gesehen hatte. Wir stiegen aus. In der Einfahrt stoppte uns ein stämmiger uniformierter Cop. Wir zeigten ihm unsere Dienstmarken. Er tippte grüßend an die Mütze und ließ uns passieren.

In den Hinterhof drang auch um diese Tageszeit kein Sonnenstrahl. Mülltonnen standen herum, eine davon umgekippt, in einer Ecke türmte sich Schrott, an den Rückfronten der Häuser mit ihrem Gewirr eiserner Feuerleitern klebten ein paar verfallene Schuppen.

Tom Conroy lag in der Mitte des Hofes.

Er lag mit dem Gesicht nach unten, ein Bein ausgestreckt, das andere dicht an den Körper gezogen. Seine Arme waren in einer tastenden, Halt suchenden Bewegung erstarrt. Auf dem Rücken seines hellen Trenchcoats gab es in Höhe des Herzens einen großen dunklen Fleck – getrocknetes Blut.

Doc Reiser, der Polizeiarzt, richtete sich auf, als er uns sah. Auch Detective Lieutenant Harry Easton, der Leiter der Mordkommission vier, kam heran. Mit einer müden Bewegung strich er sich über seine blonde Bürstenfrisur.

»Wir haben ihn noch nicht abtransportiert, damit ihr euch ein genaues Bild machen könnt«, sagte er. »Der Tod ist gegen drei Uhr nachts eingetreten. Wieso er erst so spät gefunden wurde, ist mir ein Rätsel. Ed Schulz unterhält sich gerade mit den Hausbewohnern.«

»Wer hat den Toten entdeckt?«, wollte ich wissen.

»Eine Frau, die Kartoffelschalen in den Hof warf. Wir haben seine Taschen durchsucht. Hier!« Er wies auf Tom Conroys Besitztümer, die in einem flachen Pappkarton lagen.

Ich ging in die Hocke und sah mir die Sachen an. Fahrlizenz und Pass lauteten auf den Namen Thomas Gordon Conroy. Ein leeres Blatt mit dem Briefkopf der Firma Murray Incorporated. Zwei abgerissene Kinokarten, Taschentuch, eine Geldbörse mit dreißig Dollar und fünfzehn Cent und ein Schlüsselbund. Nichts, was auch nur den geringsten brauchbaren Hinweis gab.

Als ich mich wieder aufrichtete, tauchte in einer der Hintertüren die Hünengestalt von Ed Schulz auf, dem stellvertretenden Leiter der Mordkommission. Gespannt sahen wir dem langen Detective Sergeant entgegen.

»Irgendwelche Ergebnisse?«, fragte Harry Easton knapp.

»Eine Hausbewohnerin hat den Schuss gehört«, bestätigte Schulz. »Zweiter Stock links. Wollt ihr mit ihr sprechen?«

Wir nickten und folgten ihm durch ein steiles, düsteres Treppenhaus, in dem es nach frischem Bohnerwachs und Küchendünsten roch. Die Frau, mit der Ed Schulz gesprochen hatte, bewohnte ein möbliertes Zimmer mit lieblos zusammengewürfelter Einrichtung, fleckigen Tapeten und beschädigtem Stuck unter der viel zu hohen Decke. Sie hieß Mayella Gerald, war um die dreißig Jahre alt und gehörte zu den knallharten Typen, die sich selbst in dem üblen Viertel um Canal Street und Bowery behaupten können.

Misstrauisch blinzelte sie erst Phil, dann mich an. »Wer ist das?«

Ed Schulz stellte uns vor. »Würden Sie noch einmal erzählen, was Sie beobachtet haben, Miss Gerald?«

»Klar doch.« Sie besann sich auf die Regeln der Gastfreundschaft, bot uns wacklige Stühle an und setzte sich selbst auf die Lehne eines alten Sofas. Während sie sprach, nahm sie mechanisch die Lockenwickler aus ihrem blonden, vom vielen Färben glanzlosen Haar. »Also beobachtet habe ich eigentlich nichts. Aber ich wurde nachts wach, weil das Fenster klapperte. Um zehn vor drei war das.«

»Wissen Sie das genau?«, unterbrach Phil.

»Klar doch. Ich hab auf die Uhr gesehen. Also ich stand auf, um das verdammte Fenster zuzumachen. Da...

Erscheint lt. Verlag 18.12.2018
Reihe/Serie Jerry Cotton Sonder-Edition
Jerry Cotton Sonder-Edition
Verlagsort Köln
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Krimi / Thriller / Horror Krimi / Thriller
Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte 2017 • 2018 • Abenteuer • Action Abenteuer • action romane • action thriller • action thriller deutsch • alfred-bekker • Bastei • bastei hefte • bastei heftromane • bastei romane • bastei romane hefte • Bestseller • Deutsch • eBook • E-Book • eBooks • erste fälle • Fall • gman • G-Man • Hamburg • Heft • Heftchen • Heftroman • heftromane bastei • Kindle • Krimi • Krimiautoren • Krimi deutsch • krimi ebook • Krimi kindle • Kriminalfälle • Kriminalgeschichte • Kriminalgeschichten • Kriminalroman • Kriminalromane • kriminalromane 2018 • kriminalromane deutsch • Krimi Reihe • Krimireihen • krimi romane • Krimis • krimis&thriller • krimis und thriller kindle • Krimi Urlaub • letzte fälle • martin-barkawitz • Polizeiroman • Romanheft • Roman-Heft • schwerste fälle • Serie • Soko-Hamburg • spannend • spannende Krimis • spannende Thriller • Spannungsroman • Stefan Wollschläger • Tatort • Terror • thomas-herzberg • Thriller • Wegner
ISBN-10 3-7325-7459-8 / 3732574598
ISBN-13 978-3-7325-7459-9 / 9783732574599
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