Zum Hauptinhalt springen
Nicht aus der Schweiz? Besuchen Sie lehmanns.de

Jerry Cotton Sonder-Edition 93 (eBook)

Die Tupamaros von New York

(Autor)

eBook Download: EPUB
2018 | 1. Aufl. 2018
80 Seiten
Bastei Entertainment (Verlag)
978-3-7325-7344-8 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Jerry Cotton Sonder-Edition 93 - Jerry Cotton
Systemvoraussetzungen
1,99 inkl. MwSt
(CHF 1,90)
Der eBook-Verkauf erfolgt durch die Lehmanns Media GmbH (Berlin) zum Preis in Euro inkl. MwSt.
  • Download sofort lieferbar
  • Zahlungsarten anzeigen

''n Abend, Mister', tönte es in mein Ohr. 'Etwas Blei gefällig?'
Ich wandte den Kopf. Neben mir lief plötzlich ein Fremder.
Langsam streckte er die Hand vor. Auf der Innenfläche lag eine leicht deformierte Revolverkugel. Kaliber .7.65.
'Damit haben sie McKellan umgelegt', sagte er halblaut.
'McKellan?' Ich blieb ruckartig stehen. McKellan war ein Kollege von mir, FBI-Mann wie ich.
Die Spur der Tupamaros von New York wurde täglich blutiger ...

1

»’n Abend, Sir«, tönte es in mein Ohr. »Etwas Blei gefällig?«

Ich wandte den Kopf. Neben mir lief plötzlich ein Fremder. Er war fast so groß wie ich. Ich schätzte ihn auf fünfundzwanzig.

Er streckte mir seine Faust unter die Nase und grinste dabei. Es war kein gutes Grinsen. Ich war ihm dankbar dafür. Es sorgte für klare Fronten.

Langsam öffnete er die Hand. Auf ihrer Innenfläche, lag eine leicht deformierte Revolverkugel, Kaliber .7.65. Ich blieb stehen. Er stoppte gleichfalls. Sein Atem roch nach Bier, aber er war gewiss nicht betrunken. Langsam schlossen sich seine Finger um den Bleiklumpen. »Damit«, sagte er halblaut, »haben sie McKellan umgelegt.«

In mir vereiste etwas. Meine Muskeln spannten sich. »Trevor McKellan?«, fragte ich.

»Trevor McKellan«, bestätigte er.

Wir standen unter der blutroten Neonreklame einer Hotelfassade. Das Licht zauberte einen psychedelischen Farbeffekt auf unsere Gesichter, es ließ die Szene fremd und unwirklich erscheinen.

»Ja«, fuhr er mit seiner leicht provozierend wirkenden Stimme fort, »mit diesem Ding hat man Trevor McKellan über die große Grenze geschickt. Sie waren mit ihm befreundet, nicht wahr? Er war Ihr Kollege. Deshalb komme ich zu Ihnen.«

»Wer sind Sie?«

»Nennen Sie mich Jack«, schlug er vor. »Das genügt für den Anfang.«

Er trug eine Sportkombination, deren saloppes Aussehen nicht über ihre Qualität hinwegzutäuschen vermochte. Von den Schuhen bis zu der nachlässig geknoteten Wollkrawatte handelte es sich sichtlich um Erzeugnisse der gehobenen Preisklasse.

»Sie wollen mir eine Information verkaufen, stimmt’s?«

Seine volle Unterlippe wölbte sich spöttisch. »Ich will sie Ihnen schenken«, meinte er. »Sie sind doch daran interessiert, hoffe ich.«

Mein Mund wurde trocken.

Trevor McKellan war ein Mann nach meinem Herzen gewesen. Intelligent, zuverlässig, couragiert. Es hatte mich und meine Kollegen buchstäblich umgeworfen, als er vor zwei Jahren plötzlich seine Frau, seine Freunde und seinen Beruf im Stich gelassen hatte. Seit Jahren brannte uns die Frage auf den Nägeln, ob sich private Gründe oder ein Verbrechen hinter Trevor McKellans Verschwinden verbargen, und dieser Fremde wollte wissen, ob ich mich dafür interessierte!

»Woher stammt die Kugel?«, fragte ich.

»Aus McKellans Herzen.«

Ich spürte ein Frösteln auf meiner Haut und hatte Mühe, kühl und beherrscht zu bleiben. Ich starrte dem Fremden in die Augen. Im Widerschein der Neonreklame war ihre Farbe schwer zu bestimmen. Ich hielt sie für graublau. Sein Gesicht war leicht gebräunt, es hatte klare, scharfe Linien. Die Koteletten seines dichten dunklen Haars reichten ihm bis ans Kinn. Er war ein Typ, der sicherlich Glück bei den Mädchen hatte, der aber leicht zu verstimmen war, wenn er einmal nicht ankam. Ein Hauch von Überheblichkeit prägte seine Ausstrahlung.

»Wer schickt Sie?«

»Niemand«, antwortete er und blickte über seine Schulter. »Wenn jemand hören sollte …« Er unterbrach sich, als würde ihm erst jetzt bewusst, welcher Gefahr er sich aussetzte.

»Wer?«, drängte ich.

Er schaute mich voll an. »Ich komme aus eigenem Antrieb zu Ihnen«, erwiderte er. »Ursprünglich hatte ich vor, Sie telefonisch um ein Treffen zu bitten, aber dann hielt ich es doch für klüger, mich auf andere Weise mit Ihnen zu arrangieren. Ich beobachte Sie schon seit Tagen.«

Ich blickte auf meine Uhr. Drei Minuten nach elf. Ich war privat unterwegs gewesen und hatte mich entschlossen, von einem Vortrag zu Fuß nach Hause zu gehen. Die frische Nachtluft hatte mir gutgetan, aber von diesem Empfinden war im Augenblick nichts mehr zu spüren.

Ich zuckte mit den Schultern und sagte herausfordernd: »Ein Klümpchen Blei! Was beweist das schon? Vielleicht gehören Sie zu den Leuten, die sich gerne in den Vordergrund spielen. Der Fall McKellan hat einmal Schlagzeilen gemacht. Sie wären nicht der Erste, der sich damit interessant zu machen versucht.«

»Ich lese keine Zeitungen«, behauptete er.

»Woher wissen Sie, dass ich mit Trevor McKellan befreundet war?«, fragte ich.

»Ich weiß es eben.«

»Kannten Sie Trevor?«

»Persönlich? Nein.«

»Woher wollen Sie wissen, dass er tot ist?«

»Ich habe seine Leiche gesehen«, gab er zurück. »Oder das, was davon übrig geblieben ist.« Er schüttelte sich, als wollte er eine lästige Erinnerung loswerden.

»Führen Sie mich zu ihr«, verlangte ich.

Er winkte rasch ab. »Ist nicht zu machen, Sir. Ich habe einen Horror vor Toten. Sie müssen sich schon allein auf den Weg machen.«

»Einverstanden«, sagte ich. »Geben Sie mir die Adresse oder eine genaue Lagebeschreibung.«

Er hob mit einem Ausdruck milder Überraschung seine Augenbrauen. »Haben Sie keine Angst, dass ich Ihnen eine Falle stellen könnte?«

»Das lassen Sie nur meine Sorge sein.«

Seine Zungenspitze glitt nervös über die Lippen. »Setzen wir uns in meinen Wagen«, schlug er vor und blickte sich erneut um. »Er steht nur zwei Häuserblocks von hier entfernt.«

»Fühlen Sie sich beobachtet?«

»Nein, aber ich habe gute Gründe, sehr, sehr vorsichtig zu sein.«

Wir setzten uns in Bewegung. Das grellrote Licht blieb hinter uns zurück und entließ uns in eine weniger bizarr anmutende Umgebung. Trotz der späten Stunde herrschte auf der Straße noch lebhafter Betrieb.

»Es geht mir nicht um Trevor McKellan«, erklärte der junge Mann und schob seine Hände in die Hosentaschen. »Er ist für mich nur der Aufhänger. Ehe ich auspacke, muss ich jedoch die volle Sicherheit haben, dass mein Name im Dunkeln bleibt. Ich kann Ihnen wichtige Informationen liefern, aber als Zeuge komme ich nicht infrage. Ich möchte nicht wie die anderen enden.«

»Wie welche anderen?«

»Na, zum Beispiel wie Guy Lormand«, sagte er.

Ich runzelte die Augenbrauen. »Lormand, Lormand?«, rekapitulierte ich halblaut. »Lassen Sie mich nachdenken. Er war ein junger Mann aus der High Society. Ungefähr in Ihrem Alter. Starb unter mysteriösen Umständen an einer Überdosis Rauschgift.«

»Sie haben ein gutes Gedächtnis.«

»Das gehört zu meinem Job.«

»Lormand wurde ermordet«, sagte mein Begleiter mit harter Stimme.

»Von wem?«

»Nur die Ruhe, Sir. Ehe ich auspacke, brauche ich von Ihnen eine handfeste Garantieerklärung.«

»Sie weichen mir aus, sobald ich gezielte Fragen an Sie richte.«

»Wundert Sie das? Ich kann nur wiederholen, dass ich nicht wie Guy Lormand enden möchte.«

»Trotzdem setzen Sie sich diesem Risiko aus«, stellte ich fest. »Warum?«

»Darüber werden Sie nichts von mir erfahren. Das ist meine Privatsache. Es muss Ihnen genügen, dass ich mich entschlossen habe, die Gruppe hochgehen zu lassen.«

»Was sind das für Leute?«

»Killer«, sagte er und ließ seine Backenmuskeln spielen. »Männer ohne Furcht und Nerven. Das mag nach billiger Kinowerbung klingen, aber auf diese Burschen trifft es zu. Das Töten macht ihnen Spaß. Sie haben es geheiligt. Sie halten es für notwendig. Sie haben sich vorgenommen, New York zu kassieren.«

»Wie bitte?«, fragte ich.

Er hob die Schultern und ließ sie wieder fallen. Sein Blick ging starr geradeaus. »Ich weiß, dass das verrückt klingt, aber es ist die Wahrheit«, meinte er. »Mit New York wollen die Kerle beginnen, doch ihr Endziel ist höher gesteckt. Sie wollen das ganze Land unter ihren Einfluss bringen. Sie wollen es auf ihre Weise buchstäblich zerstören.«

»Mit Ideen – oder mit Sprengstoff?«

»Mit beidem. Für diese Leute gibt es dabei keine Begriffstrennung«, antwortete er. »Sie schrecken vor nichts zurück. Ich gehöre selbst der Organisation an. Innerlich habe ich mich längst von ihr distanziert. Trotzdem muss ich weiter mit den Wölfen heulen. Verräter werden bei uns nicht geduldet.« Er wandte den Kopf und schaute mir in die Augen. »Vermutlich halten Sie mich jetzt endgültig für einen Spinner. Aber ich kann und werde Ihnen beweisen, dass Sie unrecht haben. Hier, sehen Sie sich das einmal an.«

Er riss eine verknitterte Krawatte aus seiner Hosentasche. Ich erkannte sie sofort wieder. Trevor McKellan hatte sie am Tag seines Verschwindens getragen. Er hatte eine Vorliebe für auffällige Designs gehabt und war wegen dieser Eigenart oft genug von uns gefrotzelt worden.

»Kann ich sie haben?«, bat ich.

»Bitte«, erwiderte mein Begleiter und zog wie fröstelnd seine Schultern hoch. »Ich bin froh, dass ich das Ding loswerde.«

Ich nahm ihm die Krawatte ab. Sie fühlte sich feucht und klebrig an, als hätte sie längere Zeit in einem muffigen Raum gelegen.

In diesem Moment fiel der Schuss.

Er war nicht sonderlich laut. Für die meisten, die ihn hörten, war er nichts weiter als die Fehlzündung eines Autos, etwas Großstadtlärm ohne Bedeutung. Nur für meinen Begleiter war er mehr.

Für ihn war er der Tod.

***

»Ich werde zahlen«, versicherte Humphrey Kelly. »Ganz bestimmt. Ich brauche nur noch zwei Wochen Aufschub.«

Lionel Carters bläulich schimmernde Augenlider blieben unbewegt. Er saß wie ein Buddha in seinem Ledersessel, schwergewichtig, machtvoll und undurchschaubar. Aber seine Worte machten im nächsten Moment deutlich, dass er keineswegs die Absicht hatte, sich orakelhaft zu geben.

»Sie zahlen morgen«, sagte er scharf, »oder ich sorge dafür, dass Sie...

Erscheint lt. Verlag 4.12.2018
Reihe/Serie Jerry Cotton Sonder-Edition
Jerry Cotton Sonder-Edition
Verlagsort Köln
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Krimi / Thriller / Horror Krimi / Thriller
Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte 2017 • 2018 • Abenteuer • Action Abenteuer • action romane • action thriller • action thriller deutsch • alfred-bekker • Bastei • bastei hefte • bastei heftromane • bastei romane • bastei romane hefte • Bestseller • Deutsch • eBook • E-Book • eBooks • erste fälle • Fall • gman • G-Man • Hamburg • Heft • Heftchen • Heftroman • heftromane bastei • Kindle • Krimi • Krimiautoren • Krimi deutsch • krimi ebook • Krimi kindle • Kriminalfälle • Kriminalgeschichte • Kriminalgeschichten • Kriminalroman • Kriminalromane • kriminalromane 2018 • kriminalromane deutsch • Krimi Reihe • Krimireihen • krimi romane • Krimis • krimis&thriller • krimis und thriller kindle • Krimi Urlaub • letzte fälle • martin-barkawitz • Polizeiroman • Romanheft • Roman-Heft • schwerste fälle • Serie • Soko-Hamburg • spannend • spannende Krimis • spannende Thriller • Spannungsroman • Stefan Wollschläger • Tatort • Terror • thomas-herzberg • Thriller • Wegner
ISBN-10 3-7325-7344-3 / 3732573443
ISBN-13 978-3-7325-7344-8 / 9783732573448
Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR)
Haben Sie eine Frage zum Produkt?
EPUBEPUB (Wasserzeichen)

DRM: Digitales Wasserzeichen
Dieses eBook enthält ein digitales Wasser­zeichen und ist damit für Sie persona­lisiert. Bei einer missbräuch­lichen Weiter­gabe des eBooks an Dritte ist eine Rück­ver­folgung an die Quelle möglich.

Dateiformat: EPUB (Electronic Publication)
EPUB ist ein offener Standard für eBooks und eignet sich besonders zur Darstellung von Belle­tristik und Sach­büchern. Der Fließ­text wird dynamisch an die Display- und Schrift­größe ange­passt. Auch für mobile Lese­geräte ist EPUB daher gut geeignet.

Systemvoraussetzungen:
PC/Mac: Mit einem PC oder Mac können Sie dieses eBook lesen. Sie benötigen dafür die kostenlose Software Adobe Digital Editions.
eReader: Dieses eBook kann mit (fast) allen eBook-Readern gelesen werden. Mit dem amazon-Kindle ist es aber nicht kompatibel.
Smartphone/Tablet: Egal ob Apple oder Android, dieses eBook können Sie lesen. Sie benötigen dafür eine kostenlose App.
Geräteliste und zusätzliche Hinweise

Buying eBooks from abroad
For tax law reasons we can sell eBooks just within Germany and Switzerland. Regrettably we cannot fulfill eBook-orders from other countries.

Mehr entdecken
aus dem Bereich
Ein Fall für Albin Leclerc

von Pierre Lagrange

eBook Download (2025)
Fischer E-Books (Verlag)
CHF 12,65