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Western Doppelband 004 -  Thomas West

Western Doppelband 004 (eBook)

(Autor)

eBook Download: EPUB
2019 | 1. Auflage
270 Seiten
Uksak E-Books (Verlag)
978-3-7389-2382-7 (ISBN)
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3,49 inkl. MwSt
(CHF 3,40)
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Dieses Buch enthält folgende Western: Thomas West: Süßes Gift Thomas West: Tötet Shannon! Zwei dramatischer, tabuloser Western von Thomas West . Shannon muss sterben - und die Menschenjagd beginnt... Er scheint keine Chance zu haben. Aber gibt nicht auf. Harte Kerle, verführerische Frauen und ein Land so wild wie die Menschen, die in ihm lebten - das sind die Zutaten dieses Thomas West-Romans. So hart und rau, wie Thomas West es schildert, war die amerikanische Pionierzeit wirklich.

Thomas West: ​Süßes Gift




Es war lausig kalt an diesem Morgen. Ein frischer Nordwind blies über die Black Hills. Der Sommer hatte sich verabschiedet - ohne Zweifel. Und der Herbst pflegte verdammt kurz zu sein in dieser rauen Gegend des Dakota Territoriums. So kurz, dass er vorbei war, bevor man ihn überhaupt bemerkt hatte.

Joe Winter lehnte die Pike gegen den Fels und zog seinen zweitbesten Freund aus der Hosentasche - Whisky. Er setzte die flache Flasche an die Lippen und goss sich die flüssige Hitze in die Kehle. Das tat gut! Er seufzte genüsslich.

Graue Wolken jagten über den Himmel. Die dunklen Wipfel der Fichten wiegten sich im Wind. Sechzig Fuß unter Joe Winter rauschte der Fluss. Ein grauhaariger Mann kippte Wasser in eine Waschrinne. Lesley O'Belly, Joes Freund. Sein bester Freund.

Vom Wetter einmal abgesehen ein Tag wie die tausend anderen zuvor hier oben in den Black Hills. Seit vier Jahren schufteten sie sich hier die Seele aus dem Leib. Nichts sprach dafür, dass ein Tag begonnen hatte, den Joe sein Leben lang nicht vergessen würde.

"Hey, Les - wie wär's mit einem Schlückchen?", rief er Lesley O'Belly zu. "Macht schön warm!"

Unten am Fluss schleppte O'Belly zwei Kübel Wasser zur Waschrinne. "Hau rein, Joey - davon wird dir wärmer als von deinem Scheißwhisky!" Der dürre langmähnige Mann kippte das Wasser in die mit Geröll gefüllte Rinne.

Joey zuckte mit den Schultern, grinste und nahm noch einen Schluck. Dann griff er wieder zur Pike - und weiter gings: Hinein in den schon fast zehn Schritte tiefen Schacht, die Pike in den Fels treiben, das losgeschlagene Geröll in die Kübel füllen, die Kübel hinunter an den Fluss schleppen und in die Waschrinne leeren...

Wie gesagt - seit vier Jahren. Zu sechst hatten sie angefangen. Die ersten beiden hatten schon nach einem halben Jahr aufgegeben. Joey konnte sich kaum noch an ihre Namen erinnern. Jeremy war vor zwei Jahren an einer Blinddarmentzündung gestorben, Georgie hatte sich von einem Bären küssen lassen, und Phil hatte nach dem letzten Sommer aufgegeben.

Das spitze Eisen der Pike drang in den Fels, Funken sprühten, mehr als knöchelhoch stand Joey im Geröll.

Er wäre auch schon längst auf und davon. Allein die fanatische Beharrlichkeit des zwanzig Jahre älteren O'Belly hatte ihn bis zum heutigen Tag bei der Stange bleiben lassen. "Wir finden soviel Gold, dass wir unser Leben lang nicht mehr arbeiten müssen", verkündete Les jede Woche mindestens einmal. Seit vier Jahren - das muss man sich mal vorstellen. "Der Herr hat es mir im Traum gezeigt", pflegte Les zu sagen. Er glaubte an diesen Traum. Und schaffte es immer wieder den jüngeren Joey mit seinem Optimismus anzustecken.

Joey konnte sich nicht erinnern schon mal von einem Goldfund geträumt zu haben. Er träumte meistens von Frauen. Und wenn diese Träume so heftig wurden, dass sie ihn auch tagsüber keinen klaren Gedanken mehr fassen ließen, dann schwang er sich auf sein Maultier und ritt nach Deadwood hinunter. Etwa alle sieben oder acht Wochen. Dort tobte er sich aus.

Auf diese Weise hatte er mehr als die Hälfte der Nuggets verjubelt, die er hier oben in den Black Hills aus dem Fels gespült hatte. Die andere Hälfte war für Ausrüstung und Lebensmittel draufgegangen. Vor allem für Whisky.

Les war da anders. Er hatte schon ein Ledersäckchen voller Nuggets gesammelt. Lächerlich wenig für vier Jahre harte Arbeit. Aber wie gesagt - Lesley O'Belly hatte einen Traum.

Joey schaufelte das Geröll in einen großen Holzkübel und schleppte ihn aus dem Schacht zum Fluss hinunter. Er war ein großer, muskulöser Kerl, blond und mit sonnenverbranntem Gesicht und Oberkörper. Erst siebenundzwanzig Jahre alt sah er aus wie siebenunddreißig - der Whisky und die harte Arbeit.

Unten am Fluss kippte er das Gestein in die Waschrinne, nahm einen Schluck Whisky und kletterte mit dem leeren Kübel wieder den Hang zum Schacht hinauf. So ging das bis zum Mittag, und nach einer Pause weiter bis zum Abend.

Die Sonne stand tief im Westen, und der Himmel zwischen ihr und dem Horizont begann sich rot zu färben, als Joey auffiel, dass Les kein Wasser mehr schleppte und seine Pfanne nicht mehr schwenkte. Gar nichts tat er mehr. Er stand einfach nur vor der Rinne und starrte hinein.

"Hey, Les - schon Schluss für heute?!" Joey zog seine Flasche heraus und leerte sie. Er war nicht mehr hundertprozentig klar im Kopf.

Les rührte sich nicht von der Stelle. Joey feixte und packte den Stil seiner Pike. Nach ein paar Minuten drehte er sich wieder um. Les stand nicht mehr vor der Rinne - er kniete davon, hatte die Hände gefaltet und betete.

Joey brauchte ein paar Augenblicke bis er begriff. Er wollte schon lachen, aber das Lachen blieb ihm im Hals stecken. Er sperrte Mund und Augen auf, ließ die Pike fallen und rannte den Hang hinunter zum Fluss.

Les bewegte murmelnd die Lippen und schien weggetreten zu sein. Joey blickte in die Rinne. "Das glaub' ich nicht", krächzte er. Zwischen den Gesteinsbrocken glänzten Nuggets. Einige waren so groß wie Taubeneier, manche sogar wie eine Kinderfaust. "Ich glaub's nicht!", schrie Joey. "Ich hab's nicht mehr geglaubt, verdammt noch mal!" Er ging vor dem Betenden in Knie und schüttelte ihn. "Wir haben eine fette Ader gefunden!", jubelte er. "Wir haben's geschafft...!"


*


Es ging schon auf den Abend zu, und der Saloon füllte sich langsam. Ein paar Einheimische, ein paar Männer in Fräcken und mit steifen Hüten, einige Frauen von der weniger anständigen Sorte und vor allem Cowboys. Vor zwei Tagen war der erste Viehtreck aus Texas hier in Ellsworth angekommen.

Die Texaner fühlten sich wie zu Hause im Saloon - zogen ihre Jacken aus, hingen hemdsärmlig an der Theke und den Tischen, riefen und lachten laut durch den ganzen Schankraum und machten sich hemmungslos an die Frauen heran. Sie waren wochenlang unterwegs gewesen. Gestern war ihnen ihr Lohn ausgezahlt worden. Die meisten von ihnen trugen graue oder ehemals weiße Baumwollhemden und breite Hosenträger. Alle waren bewaffnet.

Louis P. Brainwell beäugte die wilden Kerle misstrauisch. Nicht die Art Kunden, die er bevorzugte. Er saß an einem rundem Tisch an der Schmalseite des schlauchartigen Raumes. Auf dem einzigen Stuhl am Tisch, der es ihm erlaubte, mit dem Rücken zur Wand zu sitzen. So, dass niemand hinter ihm stehen und in sein Pokerblatt schauen konnte. Und so, dass er den ganzen Saloon überblicken konnte.

Louis P. Brainwell war ein hochgewachsener, hagerer Mann. Vielleicht Mitte dreißig, vielleicht auch ein bisschen älter. Alles an ihm wirkte gepflegt und sauber. Auch sein dunkelbraunes, langes Haar. Er trug es in der Mitte gescheitelt und hinter die Ohren zurückgekämmt. Die gezwirbelten Spitzen seines schmal gehaltenen Schnurrbarts reichten fast bis zu seinen Wangenknochen. Auffällig war seine große, gerade Nase.

Er trug eine karierte, graue Weste, einen schwarzen Binder und ein gestärktes, weißes Hemd. Das Jackett, das hinter ihm an der Wand hing - ebenfalls grau und kariert - sah aus, als hätte er es gestern erst gekauft. Und an dem schwarzen, breitkrempigen Hut daneben glänzte ein seidenes Hutband.

Fünf weitere Männer hockten mit ihm um den Tisch herum. Alle stierten sie in ihre Karten. Hinter ihnen sammelten sich Schaulustige, blickten den Spielern über die Schultern und tuschelten miteinander. Sie spielten noch nicht lange. Louis hatte ein paar Cents verloren. Aber der Abend hatte erst angefangen.

Die Männer mussten sich noch warmspielen. Zwei, drei Stunden, ein paar Whisky und den einen oder anderen kleineren Gewinn - dann würden sie risikofreudiger spielen, höhere Einsätze bringen und unvorsichtig werden. Jedenfalls diejenigen unter ihnen, die keine Profis waren. Und dann würde Louis in seine Trickkiste greifen...

Louis war Profi. Pokern war sein Job. Pokern und ein Augen auf seine beiden Frauen haben. Rachel und Julie.

Rachel Nelson saß an einem der Tische in der Nähe des Eingangs. Groß, blond, in einem schwarzen Kleid, dessen Ausschnitt die Ansätze ihrer Schlüsselbeine enthüllte. Ein Prachtweib. Bei ihr am Tisch zwei Männer. Dunkle Fräcke, Melonen auf den Köpfen, graue Bärte. Unter den Westen wölbten sich ihre Bäuche. Vermutlich Männer, die geschäftlich in Ellsworth zu tun hatten.

Louis merkte, wie die Gentlemen ihre Blicke kaum noch bändigen konnten. Ständig hatte einer von ihnen seine gierigen Augen auf Rachels Schenkeln, die sich unter ihrem Kleid abzeichneten. Oder auf den prallen Wölbungen ihrer Brüste. Louis konnte die Männer gut verstehen.

Julie Cane stand an der Theke. Zwischen zwei Cowboys. Sie kicherte mit ihnen und ließ sich Whisky ausgeben. Louis kannte keine Frau, die soviel Schnaps vertrug, wie Julie. Sie war kleiner als Rachel, und schmaler. Sie hatte dunkles Haar, und ihre Haut war auffällig braun. Sie trug ein enges, hinten geschnürtes, hellrotes Kleid.

Louis schmunzelte in sich hinein. So von weitem wirkte die gute Julie wie eine süße, kleine Schmusekatze. Aber er hatte sie kennengelernt - sehr gut kennengelernt: Julie war das gerissenste Biest, das auf Gottes schönem Erdbodem herumschlich.

Julie und Rachel - Louis P. Brainwells Frauen. Natürlich war er nicht mit ihnen verheiratet. Mit keiner von beiden. Obwohl er...

Erscheint lt. Verlag 21.6.2019
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Romane / Erzählungen
ISBN-10 3-7389-2382-9 / 3738923829
ISBN-13 978-3-7389-2382-7 / 9783738923827
Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR)
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