Zum Hauptinhalt springen
Nicht aus der Schweiz? Besuchen Sie lehmanns.de
Kleinschmied und die Eisenbahnmorde -  Peter Faust

Kleinschmied und die Eisenbahnmorde (eBook)

(Autor)

Peter Plechaty (Herausgeber)

eBook Download: EPUB
2018 | 1. Auflage
228 Seiten
Morawa Lesezirkel (Verlag)
978-3-99084-317-8 (ISBN)
Systemvoraussetzungen
2,99 inkl. MwSt
(CHF 2,90)
Der eBook-Verkauf erfolgt durch die Lehmanns Media GmbH (Berlin) zum Preis in Euro inkl. MwSt.
  • Download sofort lieferbar
  • Zahlungsarten anzeigen
Die Meisterin eines noblen Schneidersalons in Wien bezweifelt die Zeitungsmeldung über den Mord und den Selbstmord der beiden Salonbesitzer im Nachtzug nach Venedig. Sie macht Chefinspektor Kleinschmied auf Unstimmigkeiten in den Berichten der Medien aufmerksam. Kleinschmied beginnt nachzuforschen. Bald ist er einem Mörder auf der Spur, doch er jagt einen, der schon vor einigen Jahren amtlich für tot erklärt worden war...

Ein Jahr nach dem Ende des 2. Weltkrieges erblickte er das düstere Licht einer schwer verstörten Welt. Spontan entschloss er sich, einen Beitrag zur Erheiterung seiner Umwelt zu leisten. Daran hinderten ihn zuerst die Volksschule, dann das Gymnasium und später die Technische Universität, seine Lehrer wollten ihn nämlich ernsthaft erziehen. Das wäre ihnen fast gelungen, hätte er nicht, unter der Anleitung eines verständnisvollen Philosophen unter ihnen, seine Liebe zum Schreiben und Erzählen entdeckt. Eine Liebe, die durch fünfunddreißig Jahre technisches Berufsleben immer genährt und erprobt wurde. Einige Bücher mit satirischen Kurzgeschichten, ein Theaterstück und Kriminalromane zeugen davon.

1

Chefinspektor Kleinschmied marschierte in seinem Büro auf und ab, ihm war langweilig. Das ging ihm immer so, wenn er einen Fall abgeschlossen hatte. Dann achtete er hoffnungsfroh auf Schrittgeräusche, die gedämpft aus dem langen Gang vor seinem Büro in sein Zimmer drangen. Er war jedes Mal enttäuscht, wenn sich keine Tür öffnete und sich die Schritte langsam wieder entfernten. Das Klingeln von Telefonen hörte er in einem solchen Gemütszustand aus allen umliegenden Büroräumen.

Endlich ging die Tür zum Vorzimmer auf: Enttäuscht sah er, dass Inspektor Pospischil seinen Kopf hereinsteckte, irgendetwas von Frau Schmidt wollte. „Pospischil bringt sicher keinen neuen Auftrag“, dachte sich Kleinschmied und musste lachen. Pospischil war ein recht biederer Beamter, man konnte sich auf ihn zwar verlassen, musste aber aufpassen, ihn nicht zu überfordern. Da hörte er, was Pospischil seine Assistentin fragte: „Kann ich mit meiner Veronika zum Chef? Sie hat etwas Seltsames entdeckt. Ich fürchte, da ist ein Doppelmord geschehen.“ Frau Schmidt hatte noch kein Wort herausgebracht, da war Kleinschmied schon im Vorzimmer, an der Tür und sagte: „Kommt herein!“

„Meine Lebensgefährtin, Veronika Solmann, ist eine im Salon Pokorny angestellte Schneidermeisterin“, begann Pospischil, nachdem die für Kleinschmied hochwillkommene Abwechslung Platz genommen hatte.

„Pokorny?“, fragte Kleinschmied. „Geht es um die Zwillinge, die am Sonntag im Nachtzug nach Venedig ums Leben gekommen sind?“

Frau Solmann nickte nur stumm. „Genau um die geht es“, antwortete Pospischil.

„Mord und Selbstmord“, sprach Kleinschmied weiter, „ist zumindest in der Zeitung gestanden.“

„Es war bei beiden Pokornys Mord“, antwortete Pospischil. Und zu Frau Solmann gewandt: „Zeig dem Herrn Chefinspektor die Zeitung.“

Frau Solmann legte eine Zeitung auf den Tisch. Auf einem Bild, das einen sitzenden Mann in einem Zugabteil zeigte, konnte man sehen, dass er eine Waffe in der Hand hielt. Eine Schusswunde war nicht abgebildet.

„Das ist Georg Pokorny. Er hält den Revolver, mit dem er sich in den Mund geschossen haben soll noch in der Hand“, schluchzte Frau Solmann.

„Das ist eine Pistole“, korrigierte sie Pospischil vorsichtig, mit einem Feingefühl, das ihm Kleinschmied gar nicht zugetraut hätte.

„Was ist an dem Bild verdächtig?“, fragte Kleinschmied.

„Die Pokorny-Zwillinge waren beide Linkshänder“, antwortete Frau Solmann.

„Die Zwillinge waren Linkshänder. Der angebliche Selbstmörder hatte die Waffe in der rechten Hand. Das war Mord, Herr Chefinspektor!“, sagte Pospischil.

„Vielleicht ist das Zeitungsbild seitenverkehrt“, wand Kleinschmied ein.

„Ist es nicht. Ich hab nachgefragt, hab mit dem Fotografen gesprochen. Durch das Fenster sieht man die Uhr am Nachbarbahnsteig auf der richtigen Seite“, bestätigte Pospischil den Verdacht seiner Veronika.

Kleinschmied wollte schon zum Telefon greifen, dann fragte er noch: „Man sieht am Zeitungsbild deutlich die Hand mit der Waffe. Kann es sein, dass die Zwillinge irgendwelche Zeichen auf den Händen hatten? Zeichen an denen man die Hände unterscheiden könnte?“ Und als er meinte, Frau Solmann hätte die Frage nicht richtig verstanden: „Rötungen, Muttermale, Verletzungen, fehlende Fingerglieder …“

„Schneider sind doch Handarbeiter, Veronika. Kommen da nicht auch Verletzungen vor?“, half Pospischil, als Frau Solmann bei fehlenden Fingergliedern zusammenzuckte.

„Nein, da ist mir nichts aufgefallen“, antwortete Frau Solmann zögernd.

„Sicher?“, fragte der Chefinspektor.

„Ja“, antwortete Frau Solmann mit fester Stimme.

Obwohl Kleinschmied den Eindruck hatte, dass Frau Solmann ihre Chefs makellos sehen wollte, griff er zum Telefon und meldete Oberst Kupsky, dass er gerade über den Tod der Zwillinge Pokorny von einem schweren Mordverdacht gehört hat.

„Ich komm gleich zu dir“, war der Oberst kurz angebunden und keine Minute später erschien er bei Kleinschmied im Büro. Seine erste Frage war: „Arbeitet der Salon Pokorny weiter?“

„Im Augenblick schon noch“, antwortete Frau Solmann.

„Werde ich meinen Frack noch bekommen? Er wurde mir für nächsten Montag versprochen. Wenn ich den nicht bekomme, bringt mich meine Frau um“, stöhnte der Oberst.

„Da bin ich leider überfragt“, antwortete Frau Solmann.

„Im Mordfall Kupsky würde ich mich aber als befangen erklären“, konnte sich Kleinschmied nicht verkneifen.

„Wieso Mordverdacht?“, fragte der Oberst rasch, um auf Kleinschmieds Bemerkung nicht eingehen zu müssen.

„Ein Linkshänder soll sich erschossen haben, hält aber die Waffe auf dem Zeitungsfoto in der rechten Hand“, erklärte Kleinschmied.

„Linkshänder. War das alles?“

„Erzähle, was du mir gesagt hast“, ermunterte Pospischil seine Gefährtin.

„Die Brüder waren für den Militärdienst untauglich und hassten Waffen derart, dass sie sogar keine Arbeiten für Jäger machten.“

„Wenn Verzweiflung im Spiel ist, ist alles möglich“, meinte der Oberst. „Selbstmord durch Mundschuss ist beliebt, auch von Waffenfeinden. Er funktioniert nämlich immer.“

„Die falsche Hand, Herr Oberst“, versuchte Pospischil, den Oberst zu überzeugen.

„Die falsche Hand könnte auch auf einen Kompromiss im psychischen Kampf zwischen Todessehnen und Gewissen hindeuten. So ein Kompromiss entspricht einem Würfelwurf“, philosophierte der Oberst zum Entsetzen der Zuhörer.

„Aber nur, wenn zweimal die Sechs Leben, und jedes andere Augenpaar Tod bedeutet“, antwortete Kleinschmied und fragte, um wieder sachlich zu werden: „Wie kamen die beiden Brüder miteinander aus?“

„Es hat nie ein böses Wort gegeben, all die Jahre, die ich in der Firma gearbeitet habe. Sie hatten einfach das angeborene Einverständnis von eineiigen Zwillingen. Keiner hat etwas getan, was der andere nicht leiden konnte.“

„Das sagt sie aus langjähriger Erfahrung“, warf Pospischil ein.

„Ich war schon bei der Mutter der Zwillinge, Roswita Pokorny, als junge Schneidermeisterin tätig, musste sogar pro forma den Betrieb führen, bis die Zwillinge Meister waren, weil Mutter Pokorny keinen Meisterbrief hatte.“

„Die Zwillinge waren ledig?“

„Georg war ledig. Kurt war verheiratet.“

„Kurts Frau wollte sich scheiden lassen, Herr Chefinspektor“, ergänzte Pospischil. „Erzähle noch, was du darüber weißt, Veronika.“

„Das ist doch Tratsch, Richard.“

„Wenn ich mir ein Bild von den Lebensumständen der Leute machen soll, ist auch der Tratsch hilfreich, Frau Solmann“, sagte Kleinschmied schnell, er wollte einer sicher wenig hilfreichen Bemerkung seines Obersts zuvorkommen.

„Kurt und Helga haben einander bei der Pflege der sterbenden Mutter Pokorny kennengelernt. Helga soll da schon ihren Freund, einen gewissen Sikora, gehabt haben, der sie aber, im Gegensatz zu Kurt, nicht heiraten wollte.“

Da Frau Solmann wieder schwieg, ermunterte Pospischil die Zaudernde: „Erzähle weiter!“

„Es wird getratscht, dass Helga ein Kind wollte, Kurt war aber nicht in der Lage dazu, konnte ihren Kinderwunsch nicht erfüllen. Sie versuchte, so wird erzählt, auch Georg auszuprobieren, doch der wollte mit Frauen nichts zu tun haben. Die Schneiderei hat sie nicht interessiert, also wollte sie nach kaum vier Jahren Ehe die Scheidung.“

„Wo ist Frau Pokorny jetzt?“, fragte Kleinschmied.

„Das weiß ich nicht. In der Werkstätte ist sie nach dem Tod der Zwillinge noch nicht aufgetaucht.“

Da Frau Solmann wieder schwieg, redete Pospischil, dem der Geduldsfaden gerissen war, weiter: „Die Zwillinge haben ihren Mercedes wie ein geliebtes Kind behandelt und der ist jetzt verschwunden.“

„Das Auto steht nicht in der Garage, wie sonst, wenn die Zwillinge auf Reisen waren“, ergänzte Frau Solmann.

„Durften Sie auch mit dem Auto fahren?“, wollte der Oberst wissen.

„Oder jemand anderer aus der Firma?“, ergänzte Kleinschmied die Frage des Obersts schnell, bevor Frau Solmann antworten konnte.

„Um Gottes willen! Das hätten die beiden niemals zugelassen. Nein, niemand von uns durfte damit fahren. Aber wenn einer von beiden Waren ausliefern wollte, musste der Kofferraum sorgfältig von uns Angestellten beladen werden. Dafür wurde uns der Autoschlüssel gegeben, den wir sofort, nach getaner Ladearbeit, persönlich zurückgeben...

Erscheint lt. Verlag 2.11.2018
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Krimi / Thriller / Horror
ISBN-10 3-99084-317-6 / 3990843176
ISBN-13 978-3-99084-317-8 / 9783990843178
Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR)
Haben Sie eine Frage zum Produkt?
EPUBEPUB (Ohne DRM)
Größe: 2,0 MB

Digital Rights Management: ohne DRM
Dieses eBook enthält kein DRM oder Kopier­schutz. Eine Weiter­gabe an Dritte ist jedoch rechtlich nicht zulässig, weil Sie beim Kauf nur die Rechte an der persön­lichen Nutzung erwerben.

Dateiformat: EPUB (Electronic Publication)
EPUB ist ein offener Standard für eBooks und eignet sich besonders zur Darstellung von Belle­tristik und Sach­büchern. Der Fließ­text wird dynamisch an die Display- und Schrift­größe ange­passt. Auch für mobile Lese­geräte ist EPUB daher gut geeignet.

Systemvoraussetzungen:
PC/Mac: Mit einem PC oder Mac können Sie dieses eBook lesen. Sie benötigen dafür die kostenlose Software Adobe Digital Editions.
eReader: Dieses eBook kann mit (fast) allen eBook-Readern gelesen werden. Mit dem amazon-Kindle ist es aber nicht kompatibel.
Smartphone/Tablet: Egal ob Apple oder Android, dieses eBook können Sie lesen. Sie benötigen dafür eine kostenlose App.
Geräteliste und zusätzliche Hinweise

Buying eBooks from abroad
For tax law reasons we can sell eBooks just within Germany and Switzerland. Regrettably we cannot fulfill eBook-orders from other countries.

Mehr entdecken
aus dem Bereich