New York Affair - Manhattan für immer (eBook)
180 Seiten
Lyx.digital (Verlag)
978-3-7363-0927-2 (ISBN)
Sie hatte klare Regeln. Doch Regeln sind dazu da, gebrochen zu werden.
Ethan und Anna sind vielleicht durch mehrere tausend Meilen voneinander getrennt, aber ihre Regeln haben sie hinter sich gelassen. Doch es ist nicht nur die Entfernung, die ihrer gemeinsamen Zukunft im Weg stehen. Können sie die Vergangenheit wirklich hinter sich lassen und zusammen glücklich werden?
'Sehr, sehr heiß und so unterhaltsam!' Bookbitches Blog
Letzter Teil der New York Affairs.
1
Anna
Wie lange ich bereits dort gestanden hatte, wusste ich nicht. Ich betrachtete die Köpfe der Passagiere, die auf der anderen Seite der Sicherheitskontrolle auf den Duty-Free-Bereich zusteuerten. Vielleicht würde er seine Meinung ja noch ändern und wieder umkehren. Vielleicht würde er nachsehen, ob ich noch da war und nach ihm Ausschau hielt. Und falls er das tat, wollte ich sichergehen, dass es auch tatsächlich so war.
Ein kleines Kind rannte in mich hinein, und ich trat einen Schritt zurück, um das Gleichgewicht nicht zu verlieren. Als ich in die Hocke ging, um das kleine Mädchen zu beruhigen, rannte es davon. Der Vorfall hatte mich aus meinen Grübeleien gerissen, und ich blickte auf die Uhr. Fünf Minuten nach der Abflugzeit. Ich überprüfte die Anzeigetafel. Keine Verspätungen. Er war bereits in der Luft. Verschwunden.
Die dumpfen Magenschmerzen, die schon seit der Nacht zuvor in mir rumorten, kamen jetzt richtig durch. Mit unsicheren Schritten ging ich zu einer nahe gelegenen Bank, setzte mich und stützte den Kopf in die Hände. Er war tatsächlich weg.
Endlich hatten wir unser Gespräch über die Zukunft geführt. Ethan hatte mich nicht gebeten, nach New York zu ziehen. Ich hatte mir gewünscht, dass er das tun würde, aber den Gefallen tat er mir nicht. Andererseits hatte er die Sache zwischen uns auch nicht beendet. Er hatte gesagt, dass er mich liebte. Er hatte gesagt, er wünsche sich, dass es funktionierte, und ich beteuerte, dass auch ich mir das wünschte. Wir würden eine Fernbeziehung führen. Erleichterung und Euphorie hatten mich einige Stunden lang von den Komplikationen abgelenkt. Bis zu diesem Augenblick. Nun war ich wieder mit der Wirklichkeit konfrontiert, und die bestand darin, dass er in ein anderes Land ging. Wir lebten auf verschiedenen Kontinenten, was bedeutete, dass es Komplikationen geben würde. Diese Realität war nahezu unerträglich für mich.
Ich durchwühlte meine Tasche und holte Schlüssel und Handy heraus. Was musste ich als Nächstes tun? Ich konnte mich nicht mehr erinnern.
Entschlossen stand ich auf. Nach Hause fahren. Das musste ich jetzt tun. Ich ging zum Ausgang und nahm ein Taxi. Hatte ich dem Fahrer eigentlich gesagt, wohin die Reise gehen sollte? Ich schloss die Augen und lehnte den Kopf an die Rückbank.
»Miss? Hallo, Miss?«
Ich hob den Kopf. Es war der Taxifahrer. Er hatte angehalten. Ich blickte aus dem Fenster. Zu Hause.
»Tut mir leid, dass ich Sie wecke, Schätzchen«, sagte er. »Schlimmer Fall von Jetlag?«
Dabei hatte er mich gar nicht geweckt, jedenfalls nicht aus dem Schlaf.
Ich murmelte etwas Unverständliches und drückte ihm ein paar Geldscheine in die Hand.
Als ich die Wohnung betrat, beruhigte mich die vertraute Umgebung sofort. Es war zwar im Grunde kein Zuhause, kam dem aber immerhin recht nahe. Der Schmerz in meinem Magen wurde stärker, als mir einfiel, dass ich mir eine neue Wohnung würde suchen müssen. Diese hier blieb mir noch bis Ende März. Was würde bis dahin alles passieren? Zwischen Ethan und mir war nichts entschieden; wir wussten nur, dass wir irgendwie zusammen weitermachen wollten.
Ich streifte die Schuhe ab, ging ins Schlafzimmer und kroch vollständig angezogen unter die Decke. Ich konnte ihn immer noch riechen. Und fühlen.
Das gedämpfte Klingeln meines Telefons, das ich unter ein Kissen geschoben hatte, weckte mich. Es war immer noch dunkel. Ich strich mit dem Finger über das Wort »Sexgott« auf dem Display.
»Hey«, krächzte ich.
»Himmel, du klingst wahnsinnig sexy, wenn du gerade erst wach geworden bist.«
Obwohl ich noch halb schlief, musste ich grinsen.
»Du klingst immer sexy«, sagte ich. »Wo bist du?«
»In einem Taxi. Tut mir leid, dass ich dich geweckt habe.«
»Das muss dir nicht leidtun. Ich habe dich vermisst.«
»Jetzt schon?«
Ich nickte. »Ja.«
»Nur drei Wochen, meine Schöne.«
Sobald wir Weihnachten hinter uns gebracht hatten, würde ich nach New York fliegen. »Ja, drei Wochen«, wiederholte ich.
»Und ich werde dich immer noch jeden Tag kommen lassen.«
Stöhnend presste ich die Schenkel zusammen. Ethan hatte mir versichert, dass diese Fernbeziehungsgeschichte funktionieren würde, weil er wusste, wie guter Telefonsex geht, aber der Gedanke, dass wir einander drei Wochen lang nicht berühren würden, war einfach schrecklich.
»Wenn ich dich so stöhnen höre, bekomme ich augenblicklich eine Erektion. Das ist unfair, du weißt doch, dass ich in einem Taxi sitze.«
Erneut musste ich grinsen. Ich konnte ihn also auch auf fünftausend Kilometer Entfernung scharf machen – das linderte meinen Trennungsschmerz ein wenig.
»Tut mir leid. Das wollte ich nicht.«
»Musst du auch nicht. Es reicht, dass du existierst.«
»Gott, Ethan, ich liebe dich.«
»Ich liebe dich auch. Und jetzt geh duschen. Du hast doch dieses Meeting um 8 Uhr 30.« Es gefiel mir, dass er meinen Terminplan kannte. Wie lange das wohl so bleiben würde? Er wusste, was ich in dieser Woche vorhatte, aber galt das auch für die folgende?
»Wie spät ist es?«
»Kurz vor sieben in deiner Zeitzone«, antwortete er.
Ich stöhnte erneut. Ich könnte eine ganze Woche schlafen, oder vielleicht sogar, bis es Zeit war, nach New York zu fliegen.
»Hör auf damit, Anna.«
»Entschuldige. Bitte, leg nicht auf.«
»Du musst jetzt unter die Dusche. Ich rufe dich wieder an, wenn ich geschlafen habe. Und hör auf zu schmollen.«
Ich musste lachen, denn ich schmollte tatsächlich.
»Also gut. Ich liebe dich. Schlaf gut.«
»Das werde ich. Und ich werde von dir träumen.«
Wie die meisten Londoner fuhr ich mit der U-Bahn zur Arbeit, aber ich fühlte mich nicht so wie die meisten Londoner. Irgendwie kam mir die Stadt weniger strahlend vor als sonst, es war, als hätte jemand den Kontrast runtergedreht – die Menschen waren von einem leichten Grauschleier überzogen. Ich fühlte mich ausgeschlossen, so als wüsste ich etwas, was sie nicht wussten. Ich bewegte mich in meinem eigenen Tempo, und die Leute, die rechts und links an mir vorbeigingen, rempelten mich an, aber das war in Ordnung, denn ich war anders. Ich wusste es. Ich wusste, wie es war, jemanden wirklich und wahrhaftig zu lieben. Es war unglaublich und ließ mich vor Angst erstarren. Noch nie hatte ich mich derart ausgeliefert und verletzbar gefühlt.
Wir hatten nicht über Dinge gesprochen, die noch in ferner Zukunft lagen, aber wir hatten einige Grenzen festgelegt und Regeln aufgestellt. Natürlich hatten wir das.
Regel Nummer eins war, dass wir jeden Tag miteinander sprechen würden. Und wenn es nur für zwei Sekunden wäre. Regel Nummer zwei lautete, dass wir uns jeden Monat sehen und immer wissen würden, wann wir uns das nächste Mal trafen. Regel Nummer drei war absolute Ehrlichkeit. Wenn einer von uns meinte, dass etwas nicht funktionierte, dann würden wir darüber reden und dafür sorgen, dass es wieder besser lief.
Aber Regeln waren da, um gebrochen zu werden, oder etwa nicht?
»Nicht zu fassen, dass ich ins Büro muss, obwohl ich mir Sexy Scott nicht mehr ansehen kann.« Kaum war ich von meinem Meeting zurück, pflanzte Lucy schon ihren Hintern auf meinen Schreibtisch.
Glaubte sie etwa, dass ich sie mochte? Ich war mir ziemlich sicher, ihr niemals Grund zu dieser Annahme gegeben zu haben.
Ich berührte den Hermès-Schal, den ich trug, um etwas von Ethan bei mir zu haben, und versuchte sie zu ignorieren. Während ich meinen Posteingang öffnete und meine E-Mails durchsah, plapperte sie weiter, aber ich schaffte es, sie auszublenden.
»Anna? Hörst du mir zu? Er war richtig scharf auf mich.«
»Wenn du meinst, Lucy«, sagte ich, ohne den Blick vom Bildschirm zu lösen.
»Meine Güte, du bist ja echt ’ne Zicke.«
»Wenn du meinst.«
Schließlich ließ sie mich in Ruhe, und ich umgab mich mit einem Kokon aus Schweigen, der hoffentlich deutlich signalisierte, dass sie mich nicht erneut ansprechen sollte. Ich wollte einfach nur meine Arbeit erledigen und nach Hause gehen. Doch obwohl Lucy mir auf die Nerven ging, hatte sie recht: Ohne Ethan gab es hier keine Freude. Nicht für mich. Nicht in diesem Moment.
Leah rief an, vermutlich, weil ich auf ihre E-Mails und Textnachrichten nicht geantwortet hatte.
»Wie wär’s mit einem Mädelsabend bei mir? Daniel ist bei einem Geschäftsessen«, sagte sie.
»Ich muss noch jede Menge Wäsche waschen und meine Eltern anrufen. Vielleicht an einem anderen Tag in dieser Woche?« Ich wimmelte sie ab, und das merkte sie. Ich wollte einfach keine Gesellschaft. Ich wollte Ethan um mich haben. Und in der Wohnung fühlte ich mich ihm nahe, auch wenn er nicht dort war.
»Entwickele dich bloß nicht zur Einsiedlerin. Das würdest du mir nicht erlauben, und umgekehrt gilt das genauso.«
»Ich weiß deinen Dienst bei dem Eremiten-Spähtrupp zu schätzen und bin dir dankbar dafür, aber es ist alles in Ordnung. Wir sprechen uns später.«
Ich tauchte wieder in die Arbeit ab, wo ich allein sein konnte.
Am frühen Nachmittag summte mein Handy. »Hey«, flüsterte ich.
»Ich habe von dir geträumt«, sagte er.
Ich stand auf und schloss die Tür zu meinem Büro.
»War es ein schöner Traum?«, fragte ich.
»Du hast mir einen geblasen, also würde ich sagen, ja, es war ein schöner Traum.«
»Wie romantisch. Du...
| Erscheint lt. Verlag | 6.12.2018 |
|---|---|
| Reihe/Serie | New-York-Affairs-Reihe |
| New-York-Affairs-Reihe | New-York-Affairs-Reihe |
| Übersetzer | Anja Mehrmann |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Original-Titel | New Year in Manhattan |
| Themenwelt | Literatur ► Romane / Erzählungen |
| Schlagworte | 20. - 21. Jahrhundert • Afterwork • Ahrnstedt • Anna Kirby • billionaire • Boss • bossman • British Knight • CEO • Chef • Duke of Manhattan • Edel • Eine Woche in New York • Empire • Empire State • Ethan Scott • fast burn • Investmentbanker • King of Wall Street • Liebe / Beziehung • Liebesgeschichte • Liebesromane • Liebesroman (modern) • mächtig • Manhattan für immer • Neujahr • New York • New York Affair • Office romance • Park Avenue Prince • Penelope Ward • Reich • Romance • Royal • Silvester • thanksgiving • USA • Vi Keeland • Weihnachten • Wiedersehen in London • wolf of wall street • workplace |
| ISBN-10 | 3-7363-0927-9 / 3736309279 |
| ISBN-13 | 978-3-7363-0927-2 / 9783736309272 |
| Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR) | |
| Haben Sie eine Frage zum Produkt? |
DRM: Digitales Wasserzeichen
Dieses eBook enthält ein digitales Wasserzeichen und ist damit für Sie personalisiert. Bei einer missbräuchlichen Weitergabe des eBooks an Dritte ist eine Rückverfolgung an die Quelle möglich.
Dateiformat: EPUB (Electronic Publication)
EPUB ist ein offener Standard für eBooks und eignet sich besonders zur Darstellung von Belletristik und Sachbüchern. Der Fließtext wird dynamisch an die Display- und Schriftgröße angepasst. Auch für mobile Lesegeräte ist EPUB daher gut geeignet.
Systemvoraussetzungen:
PC/Mac: Mit einem PC oder Mac können Sie dieses eBook lesen. Sie benötigen dafür die kostenlose Software Adobe Digital Editions.
eReader: Dieses eBook kann mit (fast) allen eBook-Readern gelesen werden. Mit dem amazon-Kindle ist es aber nicht kompatibel.
Smartphone/Tablet: Egal ob Apple oder Android, dieses eBook können Sie lesen. Sie benötigen dafür eine kostenlose App.
Geräteliste und zusätzliche Hinweise
Buying eBooks from abroad
For tax law reasons we can sell eBooks just within Germany and Switzerland. Regrettably we cannot fulfill eBook-orders from other countries.
aus dem Bereich