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Kriegerjahre (eBook)

König der Wikinger 1 - Roman

(Autor)

eBook Download: EPUB
2019
Heyne Verlag
978-3-641-21322-0 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Kriegerjahre - Jan Ove Ekeberg
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Norwegen im Jahr 1028. König Olav kehrt in seine Heimat zurück. Nachdem er in Dänemark geschlagen wurde, ist sein Königreich verloren. Jetzt herrscht Dänemark über Norwegen. Olav kennt nur ein Ziel: Er will den Thron zurückerobern. Während er in Russland Unterstützung sucht, beginnen für seinen Halbbruder Harald harte Zeiten. Der ungestüme Harald will um jeden Preis an Olavs Seite kämpfen. Unter der Zucht des Kriegers Hane soll aus Harald ein großer Kämpfer geschmiedet werden. Gleichzeitig gerät Harald in eine Familienfehde und muss um sein Leben kämpfen. Harald beweist sich immer wieder in Kampf und List, bis er schließlich Seite an Seite mit Olavs Mannen für die Freiheit Norwegens kämpft ...

Jan Ove Ekeberg lebt und arbeitet in Norwegen als Autor, Journalist und Nachrichtensprecher. Schon seit früher Jugend fasziniert ihn die Welt der Wikinger. Für seine Romane um die historische Figur von Harald dem Harten hat Ekeberg jahrelang recherchiert. In Norwegen wird seine Trilogie 'Der König der Wikinger' von Publikum und Presse gefeiert.

1


In jener Nacht errang der Winter den letzten und endgültigen Sieg über den Herbst. Im Morgengrauen schwebten kleine weiße Nebelschwaden über einer dünnen Schneeschicht. Sie erinnerten an feine Sommerwolken, die schnell an einem bleichen Himmel dahintrieben. An anderen Orten jedoch war der Nebel so dicht, dass er eins wurde mit dem Schnee, alles zu einem undeutlichen Weiß verschmelzen ließ und vom Sieg des Winters Zeugnis ablegte.

Harald Sigurdsson gefiel es, dass der Winter gekommen und das Eis unten auf dem Steinsfjord so dick geworden war, dass er darauf reiten konnte.

Er blickte über die Landschaft hinweg auf das eisbedeckte Wasser. Eine Wuhne war dort draußen ins Eis geschlagen worden, doch im morgendlichen Halbdunkel wurde das Loch, aus dem sie Wasser für das Vieh holten, erst sichtbar, wenn man ganz dicht herankam. Der Viehbrunnen war von einer dünnen Eisschicht bedeckt, auf die sich Schnee gelegt hatte, der die Öffnung verbarg.

Mit schnellen Schritten überquerte Harald den großen Hofplatz und trat auf den Stall zu. Ein paar dünne, verlorene Halme ragten steif und erfroren aus dem Schnee hervor, als wollten sie dem Winter trotzen.

Sein Herz schlug. Für gewöhnlich dachte er nie daran, dass sein Herz schlug. Heute allerdings tat er es, denn dieser Tag war nicht wie andere. Sollte es nötig sein, würde er an diesem Tag ein Leben auslöschen, ein menschliches Leben. Das erste. Wenn er müsste.

Zwei Tage waren vergangen, seit er auf Hof Bønsnes an der Tür gestanden hatte. Wie so oft war er dort hingeritten, um seinen zwei Jahre älteren Kameraden Ragnar zu besuchen. Doch gerade als er die Halle des Hofs betreten hatte, hörte er, wie jemand seinen Namen erwähnte. Er war wie angewurzelt im Halbdunkel stehen geblieben. Es war Ragnar, und der hatte im selben Moment hinzugefügt: »… dieser Sohn des Schweinemistbauern Sigurd Syr«.

Im Dunkeln verborgen, hatte er den ganzen niederträchtigen Plan über seine Ermordung und die seiner Brüder mit angehört, den Ragnar und dessen Vater geschmiedet hatten, um Hof Stein in ihre Gewalt zu bringen …

Harald setzte seinen Weg über den Hofplatz fort. Als er den Stall betrat, mistete Stallbursche Kårstein gerade die Boxen aus.

»Du siehst ja heute zeitig nach ihm, Harald.«

»Kümmer du dich um den Mist.«

»Wenn du willst, kann ich Steinsvarten holen.«

»Du sollst ausmisten, sag ich!«

Kårstein stützte sich auf die Mistgabel. Harald spürte den Blick des alten Knechts im Nacken, während er den Stall durchquerte. Kårstein konnte doch unmöglich wissen, was heute geschehen würde?

Die ganze Syr-Sippe stinke nach Schweinedreck, hatte Ragnar gesagt. Und dennoch wollte er sich mit Ingerid vermählen, denn wenn er sie erst zur Frau genommen hätte, könnte er den Reichtum und das Ackerland von Hof Stein übernehmen. Und wenn es so weit wäre, wollte er zum Speer greifen und Harald und seine Brüder töten.

Als Ragnars Vater, Sigvald, ihn daran erinnerte, dass die Syr-Sippe unter dem Schutz König Olavs stehe, hatte Ragnar erwidert, er habe keine Angst vor einem Feigling wie Olav. Der König habe sich zwar schon gegen einige der Häuptlinge gewandt, sowohl im Westen als auch in Trøndelag, aber niemals würde er es wagen, sich ihnen entgegenzustellen, die zur Sippe des Häuptlings Kalv Arnesson aus Trøndelag gehörten. Dann hatten Ragnar und Sigvald die Becher erhoben. Lange hatte Harald sie reden hören, bis sie einander schließlich schworen, dass Hof Stein ihnen zufallen sollte, noch bevor die ersten Triebe auf den Feldern sichtbar wären.

Harald ballte unwillkürlich die Fäuste. Ragnar würde ihn anflehen und die Worte zurücknehmen müssen. Wenn er es nicht tat, musste er sterben.

Das Pferd folgte gehorsam, als Harald es hinaus in den Stallgang führte. Er bürstete Rücken und Flanken ab. Nachdem er es gesattelt hatte, gab er dem Pferd eine Handvoll Hafer. Über fünfzig Pferde konnten sie auf Stein halten, aber nur der junge Hengst bekam ­Hafer. Ragnar hatte es ihm beigebracht. Im letzten Sommer waren sie viel zusammen gewesen. Ragnar hatte ihm gezeigt, wie er sein eigenes Pferd behandelte.

»Gib ihm etwas direkt aus der Hand, dann weiß das Pferd, wer es füttert«, hatte Ragnar gesagt, als sie auf Bønsnes im Stall standen. Damals hatte Ragnar sich eingeschmeichelt und ihn glauben lassen, sie seien Freunde.

Harald lenkte das Pferd auf den Hof und ließ es den Weg nach Bønsnes einschlagen. Im Galopp ritt er über die weite Ebene unterhalb der Siedlung. Unter den Hufen knirschte der hart gefrorene Schnee.

Vor zwei Tagen auf Bønsnes hatte er sich vorsichtig aus dem Langhaus geschlichen und das Pferd leise weggeführt, bis er außer Sichtweite war. Niemand hatte ihn gesehen, und niemand sollte erfahren, was er gehört hatte. Stattdessen hatte er darüber nachgedacht, wie er Ragnar und dessen Vater aufhalten könnte. Jetzt, da der Tag gekommen war, brannte der Gedanke in seinem Kopf. Kaum nahm er die kleinen Bauernhöfe wahr, die den vertrauten Weg über die Halbinsel nach Bønsnes säumten. Auch Menschen und Tiere nicht.

Bønsnes war nicht so groß wie Hof Stein. Doch der Hof lag auf einer hübschen Anhöhe, die Aussicht auf den breiten Tyrifjord bot. Nachdem Olav Bønsnes als seinen ersten Königshof in Norwegen übernommen hatte, war dort eine Kirche errichtet worden, ähnlich der auf Hof Stein.

Als Harald Bønsnes fast erreicht hatte, hielt er etwas oberhalb der Ansiedlung an. Dort unten sah er Ragnar aus dem Stall kommen. Er führte seinen grauen Hengst auf den Hofplatz, setzte die linke Stiefelspitze in den Steigbügel, stieß sich fast unmerklich ab und schwang sich in den Sattel.

Harald war zweimal mit Ragnar um die Wette geritten und musste beide Male den grauen Hengst an sich vorbeiziehen lassen. Doch dieses Mal hatte er nicht die Absicht, zu verlieren. Sein Plan beruhte darauf, dass er das Wettrennen gewann. Er setzte den jungen Hengst in Bewegung und ritt zum Hof hinunter.

Ragnar blickte auf. Harald hob den Arm.

»Ich soll dich von Ingerid grüßen«, sagte er.

Ragnar antwortete nicht, lächelte aber.

Ragnar hatte Ingerid ein kleines Silberkreuz geschenkt, nachdem er im Jahr zuvor von einer Wiking­fahrt zurückgekommen war. Harald hatte eine Münze mit eigenartigen Zeichen von Ragnar bekommen. Ragnar hatte gesagt, die Münze sei vom König in England geschlagen worden, eine Monatsreise entfernt. Die Zeichen stünden zur Ehre ihres Gottes darauf, ­Jesus Christus. Harald war stolz gewesen, jemanden wie Ragnar zu kennen, der über das Meer gesegelt war, sich wie ein erwachsener Mann in den Kampf begeben hatte und mit einem Silberschatz zurückgekehrt war.

Mit dem Silber und einer Geschichte über seine Großtaten hatte Ragnar Ingerids Gunst gewonnen und ihn selbst glauben lassen, sie seien Freunde.

Die Herrschaft über den Königshof Bønsnes sowie die meisten Einkünfte daraus hatte Olav einst Ragnars Vater, Sigvald Sigvaldsson, überlassen und diesen zu seinem Statthalter in Ringerike ernannt. Jetzt wollten Sigvald und Ragnar sich gegen den König und seine Sippe auf Stein wenden.

Harald war froh, dass er den Mund gehalten hatte. Nur er allein konnte Ragnar und dessen Vater aufhalten. Nur er konnte ihre niederträchtigen Pläne durchkreuzen und die Ehre seines eigenen Geschlechts retten.

Seite an Seite ritten sie jetzt im Schritttempo ein Stück des Wegs. Als die Pferde warmgeritten waren, trieb Ragnar seinen grauen Hengst zu einem leichten Trab an. Harald folgte seinem Beispiel. Sie ritten weiter. Der Weg von Bønsnes nach Stein führte über eine große Halbinsel mit mehreren Höfen. Als sie aus einem Waldstück kamen und eine kleine Anhöhe erreichten, lag die weite Ebene, hinter der Hof Stein lag, direkt unter ihnen.

»Steinsvarten zählt fünf Winter. Jetzt wagst du es wohl nicht mehr, mit mir um die Wette zu reiten?«, rief Harald.

Ragnar verzog den Mund zu einem höhnischen Grinsen, sagte aber weiterhin nichts.

Harald ritt dichter an ihn heran und stieß ihm den Ellbogen gegen die Schulter. Seine Stimme klang lauter als beabsichtigt:

»Ich hab ihn mit Hafer gefüttert und gut gepflegt. Genau wie du gesagt hast. Sieh nur, wie kräftig er geworden ist.«

Ragnar lachte, und Harald fuhr fort:

»Deshalb willst du kein Wettrennen mehr. Du hast Angst, zu verlieren.«

Ragnar drehte sich zu ihm. Da war etwas mit seinen Augen. Etwas, das Harald nie zuvor gesehen hatte. ­Wichen Ragnars Augen seinem Blick etwa aus?

»Dein Pferd ist ein verkrüppeltes Fohlen, deine Mutter wischt dir immer noch den Arsch ab, und du willst mit mir um die Wette reiten?«

Harald spürte, wie ihm die Röte in die Wangen stieg. Ragnar strich seinem Hengst über den Nacken.

»Nun denn, Zeit für einen Galopp. Meinetwegen kannst du auch einen kleinen Vorsprung bekommen.«

Inzwischen waren sie unten auf der Ebene angelangt. Harald stieß dem Hengst die Stiefel in die Flanken. Das Tier stürmte fröhlich los. Harald machte sich ganz leicht in den Steigbügeln und beugte sich flach nach vorn. Als er die nach Stein führende Anhöhe hi­naufraste, drehte er sich um und sah, dass Ragnar einige Längen zurücklag. In scharfem Galopp ritt er über den Hofplatz und konnte gerade noch zwei Männern ausweichen, die ein Pferd an einem Schlitten führten. Der junge Hengst lief ungestüm über die Äcker auf den eisbedeckten Fjord zu. Hinter sich hörte Harald die Hufschläge von Ragnars Pferd näherkommen.

Ein Baumstamm lag am Rande des Viehbrunnens, damit...

Erscheint lt. Verlag 1.8.2019
Reihe/Serie Die König-der-Wikinger-Trilogie
Die König-der-Wikinger-Trilogie
Übersetzer Andreas Brunstermann
Verlagsort München
Sprache deutsch
Original-Titel Den siste Vikingkongen - Krigens Laeregutt
Themenwelt Literatur Historische Romane
Schlagworte Abenteuerroman • eBooks • Historische Romane • Historischer Roman • König • Norwegen • Serien • Vikings • Wikinger
ISBN-10 3-641-21322-3 / 3641213223
ISBN-13 978-3-641-21322-0 / 9783641213220
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