Skrupellose Morde (eBook)
280 Seiten
Morawa Lesezirkel (Verlag)
978-3-99084-240-9 (ISBN)
Thomas Tradigist, geboren in Wien, lebt und schreibt in einem kleinen, idyllischen Dorf im Südburgenland. Ursprünglich arbeitete er als Ingenieur für Hochbau und Architektur, später in einem Krankenhaus als Krankenpfleger. Seine Liebe zu guten Krimis ließ ihn zur Feder greifen. Er wollte es quasi selbst einmal ausprobieren, den perfekten Mord zu begehen. Natürlich nur zwischen Buchdeckeln, versteht sich ...
Teil 1
Eine kleine Gaunerei
1
Venedig
Es sind nur wenige Menschen, die sich nicht von den kalten Windböen und dem feinen Eisregen abhalten lassen und über den Markusplatz eilen. Sogar die berühmten, sonst in Massen umherflatternden Tauben haben sich an diesem Nachmittag in Mauernischen und unter zahlreichen Vorsprüngen der Prokuratien verkrochen.
Zu den wenigen Menschen zählen zwei junge Frauen, bepackt mit zahlreichen Einkaufstaschen aus exklusiven Modeboutiquen. Sie gehen durch die Arkaden, mit hochgezogenen Mantelkrägen und tief ins Gesicht gezogenen Mützen. Sie sind um die sechsundzwanzig und sehr modisch gekleidet. Die eine ist groß gewachsen, trägt einen olivgrünen Wollmantel und hat die Figur eines Models. Unter der roten Schirmmütze verbirgt sie ihre langen, blonden Locken. Sie heißt Nina Gripp. Ihre Freundin, Andrea Aletaha, ist etwas kleiner und trägt eine Lederjacke. Sie hat einen roten Pagenkopf und ein rundliches Gesicht. Sie ist nicht ganz so dünn wie Nina.
Vor dem Café Florian bleiben sie stehen.
»Da hinein! Ich brauch einen Drink.«
Nina deutet auf den Eingang des ehrwürdigen Lokals.
»Das ist ein Kaffeehaus!«, sagt Andrea.
»Na und? Glaubst du, dass es hier keine Drinks gibt?«
»Doch, schon. Nur …«
»Komm! Mir ist furchtbar kalt. Und da drinnen ist es bestimmt angenehm warm.«
»Ich bin’s nicht gewesen, die unbedingt zu dieser erbärmlichen Jahreszeit nach Venedig fahren wollte.«
»Wer hat wissen können, dass es so schweinekalt sein würde? Also, gehen wir jetzt da rein oder nicht? Ich will ein Glas Champagner trinken.«
»Okay!«
Die Frauen betreten das überfüllte Café. Die Luft ist stickig, warm und feucht, durchzogen von blauem Zigarettendunst. Der Geräuschpegel ist hoch. Sie suchen einen freien Tisch und finden Platz in einem mit viel Gold und Spiegeln verzierten Raum. Nina setzt sich auf einen Stuhl, Andrea auf die mit rotem Samt bespannte Bank.
»Menschenskind, hier ist gar kein Platz für meine Sachen«, nörgelt Andrea.
»Bist du mit deinen Einkäufen zufrieden?«, fragt Nina.
»Ja klar! Echt schick, die Klamotten. Ich hätt’ nicht gedacht, dass wir hier so tolle Sachen finden.«
Nina lächelt.
»Wir sind in Italien, Schätzchen. Wo sonst soll man tolle Mode finden, wenn nicht hier?«
»Wir sind in Venedig und nicht in Mailand.«
»Du bist süß, Andrea. Du kannst in jeder Metropole in Italien exklusiv shoppen. Nicht bloß in Mailand.«
»Das weiß ich auch. Ich bin ja nicht bescheuert.«
Nina holt einen Lippenstift aus ihrer Handtasche.
»Nun sei doch nicht gleich beleidigt«, sagt sie und schminkt sich. Sie betrachtet sich in dem großen Wandspiegel hinter Andrea.
»Ich bin nicht beleidigt, aber …«, sagt Andrea.
»Aber?«
Andrea zündet sich eine Zigarette an. Sie bläst den Rauch nach oben und sieht den bizarren Girlanden nach, die er formt.
»Ist es wirklich okay, dass dein Vater meine Einkäufe bezahlt?«, fragt sie. »Ich möchte keinen Stress mit ihm bekommen.«
Nina verstaut den Lippenstift in ihrer Handtasche.
»Hast du schon jemals Stress mit ihm gehabt?«
»Nö! Nicht wirklich!«
»Eben. Wo liegt das Problem?«
»Könnte doch sein. Oder?«
»Vati ist der reichste Mann im Land. Laut Bloomberg hat er im letzten Quartal eine Milliarde Dollar verdient. Das musst du dir einmal vorstellen! Eine Milliarde Dollar! Und du glaubst wirklich, dass Vati sich für meine Kreditkartenabrechnung interessiert? Tut er nicht. Keine Sorge. Außerdem bezahle ich. Von meinem Konto.«
»Das dein Vater füttert. Aber mir soll’s recht sein. Ich könnt mir die Sachen eh nicht leisten, so teuer, wie sie waren.«
Ein junger Kellner tritt an den Tisch.
»Was darf es für die beiden Ladys sein?«, fragt er auf Deutsch mit italienischem Akzent.
»Für mich ein Glas Champagner!«
»Gin Tonic!«
Der Kellner verschwindet. Andrea blickt ihm hinterher.
»Was machen wir am Abend?«, fragt sie und wendet sich ihrer Freundin zu. »Ich will endlich Spaß haben.«
»Wir hängen in Harry’s Bar ab.«
»Das Harry’s ist doch total out. Da können wir auch gleich in der Hotelbar rumhängen. Wäre lustiger.«
»Sei nicht so destruktiv. Im Harry’s nehmen wir den Aperitif. Ich weiß, dass dort nicht viel los ist. Aber wir werden jemanden kennenlernen, der uns das venezianische Nachtleben zeigt.«
»Denkst du? Wahrscheinlich sollte ich im Internet ein wenig rumchatten.«
Andrea zerdrückt die Zigarette in einem Aschenbecher und zieht ihr Handy aus der Handtasche. Sie wischt übers Display.
»Vielleicht finde ich ein paar knackige Italiener auf Tinder.«
»Auf Tinder geht’s doch nur um Sex«, erwidert Nina.
»Na und? Was ist daran schlecht? Wir suchen ja auch nicht den Mann fürs Leben!«
»Wer weiß?«
»Nina! Wir wollen Spaß haben!«
»Ja, schon …«
»Na also! Dann lass mich ein nettes Date für heute Abend organisieren.«
»Andrea, ich will nicht schon wieder von einem Kerl abgeschleppt werden, der nur an Sex interessiert ist.«
»Sondern?«
»Ich will mehr.«
»Mehr? Du meinst jetzt aber nicht eine Beziehung?«
»Warum nicht?«
»Echt jetzt? Aber du hast doch mich! Bin ich dir auf einmal nicht gut genug?«
»Doch, natürlich! Aber wir sind Freundinnen, Andrea. Das ist nicht das Gleiche wie mit einem Mann.«
»Was willst du damit sagen, Nina?«
»Dass ich mit einem Mann Dinge erleben will, die ich mit dir nicht erleben kann.«
»Und was genau willst du erleben?«
»Ich will am Morgen neben einem Mann aufwachen, der ein echtes Leben hat, und mit ihm auf der Terrasse frühstücken. Ich will romantische Dinge erleben.«
»Für ein Frühstück auf der Terrasse ist es momentan viel zu kalt. Da hättest du im Sommer kommen müssen. Außerdem, willst du tatsächlich mit einem Italiener eine romantische Liebe à la Rosamunde Pilcher erleben? Am Dienstag fliegen wir nach Salzburg zurück.«
»Das weiß ich auch. Aber bis Dienstag will ich eine Affäre mit viel Gefühl und Zärtlichkeit erleben.«
»Was jetzt? Affäre oder Liebe?«
»Ich möchte mich verlieben.«
»Nina, vergiss es. Wenn du dich wie immer als Scarlett unters Volk mischst und erwähnst, dass du nur für ein paar Tage in Venedig bleibst, bist du für die Typen bloß eine schnelle Nummer. Sie faseln von Amore, aber am Ende hast du ein gebrochenes Herz. Ist es das, was du willst?«
»Vielleicht sollte ich mein Inkognito aufgeben. Ich mag mich ohnehin nicht mehr als eine Person ausgeben, die nicht existiert.«
»Bist du verrückt, Nina? Die Kerle wittern sofort das Geld deines Vaters, wenn du das tust. Sie versprechen dir wahre Liebe, Gefühle, Zärtlichkeit und ewige Treue.«
»Genau diese Dinge möchte ich hören.«
»Wenn es dir genügt, sie bloß zu hören, dann ist es ja okay. Aber hoffentlich weißt du auch, dass nichts davon wahr ist. Die Männer sind nur auf dein Geld aus.«
»Ich werde wohl nie einen Mann finden, der mich liebt. Entweder geht’s um Sex oder um mein Geld.«
»Eines Tages wirst du den Sohn eines Multimilliardärs kennenlernen. Er wird dich natürlich auch nur wegen deines Vermögens heiraten, aber danach gehört dir die halbe Welt. Genau das ist es, was Frauen sich wünschen. Also beschwer dich nicht.«
»Ich beschwer mich doch nicht. Aber ich brauch keinen Multimilliardär zum Mann. Ich will einen, der mich liebt. Verstehst du denn das nicht, Andrea?«
»Doch, schon! Ich versteh es schon. Bloß hat Gott sich das für dich ein wenig anders ausgedacht. Gott ist eben ein Schuft, der sich nicht um die persönlichen Wünsche des Einzelnen schert. Du hast halt Pech gehabt. Aber ich würde alles geben, könnt’ ich mit dir tauschen.«
»Und was soll ich deiner Meinung nach machen?«
»Dein Leben genießen! Hab Spaß! Niemand kann sich mehr Spaß leisten als du. Und wir sind nach Venedig gekommen, um jede Menge Spaß zu haben. Also vermies es uns nicht mit irgendwelchen...
| Erscheint lt. Verlag | 15.10.2018 |
|---|---|
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror |
| ISBN-10 | 3-99084-240-4 / 3990842404 |
| ISBN-13 | 978-3-99084-240-9 / 9783990842409 |
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