Killerjagd (eBook)
335 Seiten
beTHRILLED (Verlag)
978-3-7325-6421-7 (ISBN)
Rachel Hyatt ist eine der besten Profiler bei Scotland Yard. Als sie zum Schauplatz eines besonders brutalen Mordes gerufen wird, weiß sie daher sofort: Hier war ein Profi am Werk - aber einer, der persönliche Gründe für seine Tat hat. Zumal sein Opfer nicht irgendwer ist, Sir Ian war ein wichtiges Mitglied des britischen Geheimdienstes. Noch ahnt Rachel nicht, dass sie soeben den Weg des gefährlichsten Killers Englands gekreuzt hat. Und dass sie sehr bald von der Jägerin zur Gejagten werden wird ...
Ein packender Serienmörder-Thriller mit einer toughen Ermittlerin auf der Jagd nach einem abartigen Killer.
Lesen Sie auch KILLER BLOG - In diesem begleitenden Thriller schildert Großbritanniens gefährlichster Serienkiller die Geschichte und die Morde aus seiner Sicht. Beide Romane bieten jeweils eine in sich abgeschlossene Handlung und können auch unabhängig voneinander gelesen werden.
eBooks von beTHRILLED - mörderisch gute Unterhaltung.
<p><b>Christine Drews</b> arbeitet seit ihrem Germanistik- und Psychologiestudium als Drehbuchautorin für zahlreiche deutsche TV-Produktionen. Ihr Debüt-Roman »Schattenfreundin« erschien 2013 bei Bastei Lübbe und war der Auftakt zu der erfolgreichen Münster-Krimi-Reihe um die Ermittler Charlotte Schneidmann und Peter Käfer. Mit »Phönixkinder«, »Tod nach Schulschluss« und »Mir entkommst du nicht« wurden bisher drei weitere Teile der Reihe veröffentlicht. Neben den Münster-Krimis schreibt Christine Drews auch Romane und Thriller. Die Autorin lebt mit ihrem Mann und zwei Söhnen in Köln.</p> <p>Homepage der Autorin: <a href="https://christinedrews.de/" target="_blank">https://christinedrews.de/</a>.</p>
Christine Drews arbeitet seit ihrem Germanistik- und Psychologiestudium als Drehbuchautorin für zahlreiche deutsche TV-Produktionen. Ihr Debüt-Roman ">SchattenfreundinPhönixkinderTod nach SchulschlussMir entkommst du nicht
2
Rachel Hyatt parkte ihren dunkelgrünen Land Rover hinter einem Streifenwagen, der vor dem Anwesen in der St. George Street Nr. 74 stand. Ein weiterer Polizeiwagen war vor der Garage abgestellt worden, der schwarze Kastenwagen der Spurensicherung drängte sich dicht dahinter. Rachel stieg aus und atmete tief durch. Die Nacht war anstrengend gewesen. Noah hatte ins Bett gepinkelt, und sie hatte die Bettwäsche wechseln, den Jungen abtrocknen und frisch anziehen müssen. Kein Grund zur Sorge, hatte sie sich gesagt, einem Vierjährigen konnte so was durchaus mal passieren. Aber den Schlaf hatte ihr die nächtliche Aktion trotzdem geraubt. Ihre tägliche Laufrunde war deshalb etwas kürzer ausgefallen als sonst, obwohl sie es eigentlich nicht mochte, wenn sich etwas in ihrer Morgenroutine änderte.
Sie stand vor dem grau verputzten Landhaus und blickte, ein Gähnen unterdrückend, an ihm hoch. Die Fassade war mit Efeu bewachsen, der sich seinen Weg zwischen den kleinen Sprossenfenstern bis zum Dachgiebel gebahnt hatte. Aus dem Schornstein stieg dünner Rauch auf. Es war recht warm für November, der Wetterbericht hatte für heute vierzehn Grad angekündigt, sodass für die Jahreszeit wenig geheizt wurde.
Das zweigeschossige Haus sah ordentlich aus und war von einem großen und sehr gepflegten Garten umgeben. Im Vergleich zu den anderen Villen, die in der Nachbarschaft standen, wirkte das Anwesen fast bescheiden. In Richmond ist das Geld zu Hause, hatte ihr Vater früher immer gesagt, wenn sie mit der Familie einen Ausflug zum Royal Botanic Garden gemacht hatten, und damit hatte er definitiv recht gehabt.
Rachel strich ihren dunkelbraunen Pferdeschwanz glatt, ging die drei Stufen hoch und betrat das Haus von Sir Ian MacKenzie.
»Nehmen Sie sich mal die Küche vor, vielleicht hatte der Täter die Tatwaffe von dort«, hörte sie eine tiefe Stimme sagen.
Bob ist also schon da, dachte sie und stellte sich auf eine mürrische Begrüßung ein. An Tatorten war ihr Kollege eigentlich immer schlecht gelaunt.
Sie ging an einem jungen Mann in der weißen Uniform eines Pflegedienstes vorbei, der totenbleich auf einem antiken Sessel im Flur saß. Dann betrat sie das Wohnzimmer.
»Hallo, Bob«, sagte Rachel und lächelte.
Detective Superintendent Bob Hall hatte die Statur eines Bären. Sein Kopf war kahl, die wenigen Haare, die ihm noch geblieben waren, rasierte er sich jeden Morgen ab. Ansonsten konnte er sich über mangelnden Haarwuchs nicht beklagen. Sein Gesicht war von einem gepflegten Vollbart bedeckt, dunkle Brusthaare lugten aus dem Hemdkragen hervor, und auch seine Arme waren mit dichtem Pelz besetzt. Man konnte fast meinen, die starke Körperbehaarung wäre eine Art Ausgleich für die Glatze, die er schon in jungen Jahren bekommen hatte.
Mit grimmiger Miene sah er Rachel an. »Was zur Hölle willst du denn hier?«, stöhnte er, bevor er seine Lippen zu einem schiefen Grinsen verzog.
Rachel ignorierte seine Bemerkung und stellte sich neben ihn. »Wow«, sagte sie leise, als sie den Tatort betrachtete.
Trotz des grotesk verzerrten Gesichts hatte sie Sir Ian sofort erkannt. Sie war oft genug an seinem Porträt vorbeigelaufen, das in einem Flur des MI6 hing. Sir Ian war eine angesehene Persönlichkeit, erst vor knapp einem Jahr hatte ihn die Queen für seine Verdienste zum Ritter geschlagen.
Und jetzt saß er mit gefalteten Händen in einem Rollstuhl. Sein Kopf war fast abgetrennt. Er schien nur noch von einer Sehne an der linken Seite gehalten zu werden und ragte unnatürlich schief nach hinten. Rachel konnte von ihrer Position aus in den aufklaffenden Schlund blicken. Mit nüchternem Interesse stellte sie fest, dass sie Luft- und Speiseröhre sehen konnte. Selbst die Halswirbel waren freigelegt.
Entweder war die Tatwaffe unglaublich scharf, oder der Täter ist mit enormer Kraft vorgegangen, dachte sie. Oder beides.
Sir Ians Kleidung war von Blut durchtränkt, ebenso der Teppich, auf dem der Rollstuhl stand. Ein blutiger Flokati war der Albtraum jeder Spurensicherung, und Rachel bemerkte, wie genervt ihre beiden Kollegen in den weißen Schutzanzügen aussahen. Für sie begann eine Sisyphusarbeit.
»Hat der Chef dich geschickt?«, fragte Bob und riss sie aus ihren Beobachtungen.
Rachel nickte. »Ja. MacKenzie war schließlich nicht irgendwer.«
»Was soll das heißen? Dass ich mit prominenten Toten nicht allein klarkomme?«
Sie verkniff sich eine Bemerkung. Bobs Empfindlichkeiten konnten manchmal ganz schön nerven.
»Nein, natürlich nicht. Aber der Chef war der Meinung, dass ein Profiler in diesem Fall wichtig sein könnte. Einfach als Signal, dass wir alles tun, um den Mord schnellstens aufzuklären. Sonst mischt sich nachher noch der MI6 ein.«
Die Antwort schien Bob zu beruhigen. Jedenfalls brummte er nur noch etwas Unverständliches in seinen Bart und wandte sich dann an Stephen Miller, den älteren der beiden Kollegen von der Spurensicherung.
Rachel wusste, dass Bob sie und ihre Arbeit schätzte. Aber sie stammten einfach aus zwei unterschiedlichen Welten. Bob Hall war ein hemdsärmeliger Mann aus einfachen Verhältnissen. Er hatte die klassische Polizeikarriere hinter sich, irgendwann mal als Bobby angefangen und sich zum Superintendent hochgearbeitet. Rachel dagegen stammte aus einer Akademikerfamilie, hatte in Oxford Psychologie studiert und veröffentlichte regelmäßig Artikel in Fachzeitschriften, in denen sie über ihre Arbeit als Profilerin berichtete. Ihre Herangehensweise an einen Fall – und eigentlich auch an das alltägliche Leben – war eine gänzlich andere als Bobs. Außerdem glaubte sie, dass er es ihr immer noch übel nahm, dass sie bei der letzten Schießprüfung einen Hauch besser abgeschnitten hatte als er. Eine Frau, die ihn ausgerechnet am Schießstand besiegte, war für einen Macho wie Bob nur schwer zu verkraften.
Er drehte sich wieder zu ihr. »Also: Paul Henderson war heute Morgen von halb sieben bis etwa Viertel nach acht hier, hat Sir Ian gewaschen, angezogen und ihm Frühstück gemacht. Als er das Haus verließ, lebte der alte Mann noch. Um zwölf Uhr kam er wieder, um ihm das Mittagessen zu bringen, aber da war Sir Ian schon tot.«
»Henderson ist der Mann im Flur?«
Bob nickte. »Ja. Ein Pfleger. Er kommt seit einem halben Jahr dreimal täglich. Steht ein bisschen unter Schock, der Kleine. Ich bin froh, dass er uns nicht auf die Leiche gekotzt hat. Oder auf den Flokati.«
»Was ist mit der Tatwaffe?«
»Verschwunden. Es sieht nicht so aus, als stamme sie aus der Küche des Opfers. Jedenfalls haben die Kollegen dort keinerlei Spuren entdeckt.«
»Es war also kein Einbrecher, der sich spontan ein Messer aus der Küche geschnappt hat.«
»Definitiv nicht. Zumal nichts geklaut wurde. Jedenfalls wurde nichts durchsucht, und es scheint auch nichts zu fehlen. Also, ein klassischer Einbruch war das nicht.«
Rachel wandte sich an Stephen, der gerade konzentriert die Schnittstelle am Hals der Leiche untersuchte.
»Was könnte das für ein Messer gewesen sein?«, fragte sie.
»Auf den ersten Blick würde ich sagen, es war eine Clip-Point-Klinge, wahrscheinlich mit Zähnen«, sagte Stephen nachdenklich, ohne von der Leiche aufzusehen. »Ein Kampfmesser, wird bevorzugt in der Army benutzt. Diese ausgefransten Stellen könnten ein Hinweis darauf sein.«
Rachel sah ihn fragend an, was Stephen, auch wenn er sie nur aus dem Augenwinkel sehen konnte, zu bemerken schien.
»So eine Clip-Point-Klinge ist vorne glatt und extrem scharf«, erklärte er. »Häufig sind sie dann weiter unten gezackt wie eine Säge. Daher die ausgefransten Stellen hier an der Haut.« Er zeigte auf eine blutige Stelle am Hals des Toten. »Aber die Obduktion wird das genauer bestimmen können.«
»Ist es schwierig, an so ein Messer heranzukommen?«
»Nein. Die meisten Soldaten haben so eins, außerdem gibt es die in jedem Army-Shop. Das Internet dürfte auch voll davon sein. Jäger benutzen es auch manchmal. Es eignet sich halt sehr gut zum Zerlegen, wie man sieht.«
»Kannst du den Todeszeitpunkt eingrenzen?«
»Nun ja … Der Mann ist kalt und ausgeblutet«, überlegte Stephen. »Und das war er schon, als der Pfleger ihn um zwölf Uhr fand. Wenn der Kopf fast abgetrennt ist, die Halsschlagader also durchgeschnitten wurde, sprudelt das Blut normalerweise fontänenartig aus der Wunde, nach ein paar Minuten hat sich das dann erledigt. Wir haben hier eine Raumtemperatur von vielleicht zwanzig Grad. Bis ein Körper so ausgekühlt ist wie dieser … Also ich würde tippen, dass er zwischen zehn und elf Uhr gestorben ist. Aber das ist nur eine Schätzung.«
Rachel sah auf, als der blasse Pfleger in der Wohnzimmertür erschien. Nervös kratzte er an einem Pickel herum, der rot auf seiner Wange leuchtete.
»Brauchen Sie mich noch?«, fragte er und sah dabei so elend aus, dass sie augenblicklich Mitleid mit ihm bekam. »Ich fühl mich nicht gut.«
»Ja, wir brauchen Sie noch. Aber es dauert nicht lange, es ist nur eine kleine Sache«, sagte Bob. »Danach können Sie gehen. Schauen Sie sich bitte noch einmal ganz aufmerksam im Zimmer um. Ist hier irgendetwas anders als heute Morgen?«
Paul Henderson sah ihn ungläubig an. »Soll das ein Witz sein?«
»Abgesehen von dem armen Sir Ian«, warf Rachel schnell ein. »Mein Kollege dachte eher an Details bei der Einrichtung. Fehlt ein Bild oder ein wertvoller Gegenstand, sind Möbel verrückt worden – so etwas. Jede Kleinigkeit könnte wichtig sein.«
Henderson nickte verstehend und sah sich aufmerksam um. Rachel beobachtete, wie sein Blick an den Wänden rauf- und runterfuhr, über die massive Schrankwand aus dunklem Holz glitt, die Landschaftsporträts neben...
| Erscheint lt. Verlag | 9.10.2018 |
|---|---|
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Krimi / Thriller |
| Schlagworte | 20. - 21. Jahrhundert • Auftragskiller • Blog • Cody McFadyen • Das Schweigen der Lämmer • Dexter • England / Großbritannien • Gefängnis • Geheimdienst • Hannibal Lecter • Hannibal Lector • Hochsicherheitstrakt • Im Kopf des Mörders • Insel • Irakkrieg • MI5 • MI6 • Profiler • Profilerin • Serienkiller • Serienmörder • Serienmörder-Thriller • Smoky Barrett • Soldat • Soziopath • The Rock • Thriller |
| ISBN-10 | 3-7325-6421-5 / 3732564215 |
| ISBN-13 | 978-3-7325-6421-7 / 9783732564217 |
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