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Tod im Mariendom (eBook)

(Autor)

eBook Download: EPUB
2021 | 1. Auflage
hansanord Verlag
978-3-947145-17-1 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Tod im Mariendom - Martin Schemm
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Als Christian Holenius im Jahr 1787 ins Haus des Hamburger Domherrn von Welmhoff kommt, um als dessen rechte Hand zu arbeiten, muss er miterleben, wie in dem alten Kurienhaus am Dom eines Tages Furcht und Schrecken Einzug halten. Es ereignen sich unheimliche Dinge und verstören die Kurienbewohner: Klopflaute sind zu hören, Möbel wandern durch die Räume und schemenhafte Gestalten erscheinen. Während Angst und Entsetzen rasch um sich greifen und sich der Spuk mit herabregnenden Steinen und brennenden Gegenständen weiter steigert, will allein der Domherr von alledem nichts wissen und vermutet eine Verschwörung gegen sich. Als schließlich jedoch Todesopfer zu beklagen sind, stößt Holenius nach langer Suche auf ein altes Geheimnis, in dessen Mittelpunkt ein düsteres Sakrileg aus der Vergangenheit des Domkapitels steht ...
'Tod im Mariendom' ist ein historischer und zugleich fantastischer Roman, in dessen Mittelpunkt unheimliche und bedrohliche Geschehnisse im Umfeld des Hamburger Mariendoms im Jahr 1787 stehen. Die packende Geschichte ist das jüngste Werk des Hamburger Historikers und Autors Martin Schemm, der im Jahr 2007 mit dem Deutschen Phantastik Preis ausgezeichnet wurde.

Der Historiker Martin Schemm wurde 1964 geboren, wuchs im Kraichgau südlich von Heidelberg auf, wo er auch studierte. <br><br> Heute lebt er mit seiner Frau im schönen Hamburg und hat eine erwachsene Tochter. Er arbeitet als Pressereferent beim Hamburgischen Beauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit. <br><br> Seit mehr als 20 Jahren widmet er sich in seiner Freizeit dem Schreiben, meist in den Genres Historischer Roman und Phantastik. Im Laufe der Jahre sind sieben Romane und zahlreiche Kurzgeschichten entstanden. <br><br> Im Jahr 2007 erhielt er den Deutschen Phantastik Preis. "Tod im Mariendom" ist sein jüngstes Werk. <br><br> Weitere Infos zum literarischen Schaffen des Autors finden sich auf www.martinschemm.de

Kapitel 2




       Nur zwei Tage später – es war der 19. Oktober 1787 – ereignete sich eine neuerliche Ungereimtheit. An jenem Abend war mir die große Ehre gewährt worden, gemeinsam mit der Familie des Domherrn von Welmhoff dinieren zu dürfen. Dies war eine seltene Auszeichnung, die Seine Hochwürden mir indes alle paar Wochen zuteilwerden ließ. Offenbar war ihm an einem guten Auskommen mit seiner rechten Hand gelegen. Nach dem Diner und einer artigen Konversation im noblen Speisezimmer empfahl ich mich bei den gnädigen Herrschaften schließlich gegen acht Uhr mit dem untertänigsten Dank und den besten Wünschen für eine gesegnete Nachtruhe.

        Als ich hernach durch das vom Kerzenschein der Wandleuchter erhellte Treppenhaus der Kurie nach oben stieg, vernahm ich über mir ein leises Flüstern und Tuscheln. Das konnten nur die beiden Hausmädchen sein, Elsa und Katharina, dachte ich mir. Und in der Tat, als ich das zweite Stockwerk erreichte, auf dem die Zimmer des Gesindes und auch mein eigenes lagen, sah ich die beiden im halbdunklen Gang beieinanderstehen. Die weißen Häubchen auf ihren Haaren und die langen Röcke berührten sich, so dicht steckten sie die Köpfe zusammen. Erst als ich von der Treppe auf die Galerie und in den Flurgang trat, lösten sie sich voneinander, verstummten verlegen und sahen mich auf unsichere, zugleich flehentliche Weise an.

        „Werter junger Herr“, sprach mich Elsa mit besorgt klingender Stimme und großen Augen an, „dürften wir untertänigst darum bitten, einen Moment Ihrer Zeit zu beanspruchen?“ Das blonde Mädchen war mit ihren neunzehn Jahren die jüngere der beiden Hausdienerinnen. Im Unterschied zu der drei Jahre älteren, aber stillen und unscheinbaren Katharina war sie aufgeweckt, strebsam und verbreitete stets beste Laune. Ich mochte sie gut leiden, sofern ich das angesichts des Standesunterschieds bemerken darf.

        „Selbstverständlich“, antwortete ich und musterte die beiden neugierig. „Was gibt’s denn? Kann ich euch helfen?“

        „Zu gütig von Ihnen, Herr Holenius. Ach je, wie soll ich’s nur sagen …?“

        „Einfach frei heraus, Elsa!“ Ich lächelte der Hausdienerin aufmunternd zu, doch sie zögerte. Unsicher warfen sich die beiden Frauen einen Blick zu. „Na, nur keine Scheu, bitteschön.“

        „Mit Verlaub, ich weiß nicht recht, wie ich beginnen soll“, stammelte Elsa und nestelte nervös an ihrer weißen Schürze herum. Zögerlich lugte sie in meine Richtung, so als wollte sie meine Hilfsbereitschaft ausloten. „Nun, also Katharina und ich, wir bemerken im Haus seit jüngster Zeit … Seltsames, das wir uns beim besten Willen nicht erklären können. Vielleicht hätten Sie die Güte, Herr Holenius, uns zu raten, wie damit umzugehen ist?“

        „Du machst es wahrlich spannend …“

        „Nun sag es dem gnädigen Herrn schon, Liebes“, flüsterte Katharina der jüngeren Dienerin zu und drückte ihren Arm.

        „Also gut …“ Elsa schluckte ihre Unsicherheit herunter und richtete sich entschlossen auf. „Kurz und bündig gesagt: Es ist nicht geheuer in der Kurie! Gnädiger Herr, hier geht es nicht mit rechten Dingen zu.“

        „Wie meinst du das?!“ Ich war einigermaßen überrascht, denn mit dieser Richtung des Gesprächs hatte ich nicht gerechnet. Natürlich erschien mir die Aussage völlig haarsträubend. „Unsere Kurie ist ein gesegnetes Haus Gottes, wie könnte es just hier nicht geheuer sein?!“

        „Es spukt auf dem Dachboden, gnädiger Herr …“ Elsa sah mich mit geradezu herausforderndem Blick an. „Jetzt ist es raus.“

        „Ja, bei der heiligen Muttergottes! Wir haben vorhin wahrhaftig Schritte oben gehört“, schaltete sich nun auch Katharina ein. „Jemand lief da über den Dielenboden.“ Sie starrte mich mit durchdringendem Blick an.

        „Das haben wir beide getrennt voneinander gehört, eine jede in ihrer Kammer. Ängstlich haben wir uns hier im Flur getroffen und sind zusammen hinaufgestiegen um nachzusehen. Doch da war niemand …“ Elsa wies auf eine Tür am Ende des Flurs, die zum Wäsche- und Trockenraum führte. Dort stieg eine schmale, steile Treppe hinauf in den zweigeschossigen Dachboden, der eine riesige Lagerstätte für alte Möbel, Hausrat, abgelegte Besitztümer und derlei Dinge darstellte. Da die Kurie über keinen Keller verfügte, war hier seit den ältesten Tagen des Hauses alles Denkbare von den jeweiligen Bewohnern abgestellt – und am Ende wohl meist vergessen – worden.

        „Das ist doch Unfug!“, antwortete ich kurzweg. „Das werdet ihr euch nur eingebildet haben.“ Ich schüttelte den Kopf und musste lachen. Beim Anblick ihrer sorgenvollen Mienen nahm ich mich jedoch zusammen und versuchte, sie zu beruhigen. „Es tut mir leid, ihr beiden, aber es muss ganz gewiss eine vernünftige Erklärung dafür geben.“

        Ein Stück weiter hinten im Gang öffnete sich in diesem Moment eine Tür und der junge Karl, der Hausbursche, trat heraus. Offenbar hatte er uns gehört und war neugierig geworden. Mit einer raschen Verbeugung in meine Richtung trat er kurzerhand zu uns und blickte gespannt in die Runde.

        „Verzeiht, junger Herr, aber welche soll es da geben?“, fragte Elsa, ohne dem neuen Zuhörer Beachtung zu schenken.

        „Nun, vielleicht waren ja der gute Albert oder unsere Köchin droben und sind wieder gegangen, ehe ihr beiden hinaufkamt? Oder Karl hier könnte es doch ebenso gut gewesen sein …“ Ich nickte in Richtung des Hausburschen, der indes sogleich entschieden den Kopf schüttelte.

        „Mit untertänigstem Verlaub, junger Herr, aber das ist kaum möglich.“ Elsa schob kämpferisch ihr Kinn vor und holte tief Luft. „Denn Albert und Hilde sind ja den ganzen Abend schon drunten bei den Herrschaften – Sie werden sie dort eben selbst noch gesehen haben.“

        „Hm, zugegeben …, dennoch gibt es gewiss eine Erklärung.“ Zwar war mein Argument widerlegt, dennoch schüttelte ich entschieden den Kopf. „Das hier ist kein Geisterhaus! Die Kurie ist alt und ihre Balken und Dielen nicht minder. Da knackt und knarrt es nun einmal an allen Stellen ohne Unterlass. Das war es wohl, was ihr gehört habt …“

        „Verzeiht, aber es waren wahrhaftig Schritte und hin und wieder auch ein deutliches Klopfen“, beharrte Elsa. „Und nicht das gewohnte Knarren eines alten Hauses – das kennen wir seit jeher und können es wohl unterscheiden.“ Das Hausmädchen sah mich zögernd an und neigte rasch den Kopf, als wollte sie sich für ihren hartnäckigen Widerspruch entschuldigen. „Die Geräusche sind im Übrigen auch nicht erst heute aufgetreten: Wir beide haben nämlich schon in der gestrigen Nacht ähnlich Seltsames von dort oben gehört. Katharina war davon aufgewacht, kam zu mir herüber und gemeinsam lauschten wir dem seltsamen Treiben. Das war wohl so gegen zwei Uhr in der Früh.“

        „Und nicht nur da droben ist es seltsam …“, fügte Katharina hinzu, wobei sie beinahe flüsterte. Sie drehte sich ein wenig zur Seite und blickte über das Holzgeländer der Galerie hinunter ins Treppenhaus. „Auch beim Hinaufgehen über die Stufen habe ich seit kurzem manches Mal recht nah ein Klopfen oder Pochen vernommen. So als käme es von jenseits der Wandvertäfelung.“

        „Stimmt, hab ich auch gehört“, warf der Hausbursche da ein und nickte mehrmals, so dass seine blonde Mähne hin und her flog. Karl war ein klein gewachsener junger Mann mit kräftigen Schultern und Armen. Als Faktotum des Hauses stand er für Botengänge, körperliche Arbeiten und einfachste Dienste bereit. Er war ein schlichter Bursche, manchmal etwas großtuerisch, im Großen und Ganzen jedoch treu und zuverlässig.

        „Ach, du also auch?“, fragte Elsa, sichtlich überrascht angesichts dieser unerwarteten Bestätigung.

        „Na sicher, seit ein, zwei Tagen oder so geht das jetzt“, erwiderte Karl prompt. Dann verzog sich sein rundes Gesicht zu einem Grinsen. „Aber, ihr einfältigen lieben Mädel, der gnädige Herr Holenius hat Recht: Da ist kein Spuk im Gange nicht! Und damit ihr wieder ruhig schlaft – soll ich euch sagen, was es ist?“ Im überschwänglichen Gefühl vermeintlichen Mehrwissens beugte er sich vor und legte rasch den Arm um Elsas Taille. Doch sie entwand sich dem anzüglichen Griff mit einem abfälligen Schnauben.

        „Sag schon, was du zu sagen hast, ungehobelter Flegel!“

        „Bitteschön, die Dame …“, lachte er und verbeugte sich linkisch, wurde nach einem strafenden Blick meinerseits indes wieder ernst. „Nun, wenn man mich fragt, dann ist es Gottes liebe Tierwelt, die da ihr Unwesen treibt. Hier in der Kurie lebt...

Erscheint lt. Verlag 8.1.2021
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Fantasy / Science Fiction Fantasy
Literatur Historische Romane
Literatur Krimi / Thriller / Horror
Schlagworte 1787 • Dom • Domherr • Fantastik • Furcht • Geschichte • Gespenst • Hamburg • Historiker • Roman • Schrecken • Spuk • Verschwörung
ISBN-10 3-947145-17-9 / 3947145179
ISBN-13 978-3-947145-17-1 / 9783947145171
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