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Die schönsten russischen Märchen (eBook)

Imogen Delisle-Kupffer (Herausgeber)

eBook Download: EPUB
2018 | 1. Auflage
381 Seiten
Insel Verlag
978-3-458-76015-3 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Die schönsten russischen Märchen -
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»In einem Zarenreiche, in einem fernen Lande, lebte einmal ...« Wassilissa, die Wunderschöne, der Zarensohn Iwan, die Hexe Baba Jaga mit ihrem Häuschen auf Hühnerbeinen und der über übernatürliche Kräfte verfügende Bogatyr Ilja Murometz - nicht nur in Russland kennt sie jedes Kind: Sie sind Teil einer langen und reichhaltigen Erzähltradition und faszinieren seit Generationen Leser in aller Welt.

Der russische Märchenforscher Alexander N. Afanasjew ist dem Vorbild der Brüder Grimm gefolgt und hat das wertvolle literarische Erbe seines Landes zusammengetragen und für die Nachwelt bewahrt. Seine erstmals 1855 bis 1863 veröffentlichte Sammlung ist bis heute die verbreitetste und populärste russische Märchensammlung.

Der Fuchs, der Hase und der Hahn


Es lebten einmal ein Fuchs und ein Hase. Der Fuchs hatte eine kleine Hütte aus Eis, der Hase aber eine aus Baumrinde. Da kam der schöne Frühling — die Hütte des Fuchses zerschmolz, die des Häschens stand da wie immer. Da bat der Fuchs den Hasen, ob er sich wohl bei ihm wärmen könnte. Kaum war er drin, so jagte er den Hasen hinaus. Das Häschen ging fort und weinte, ihm entgegen aber kamen Hunde: »Tjaff, tjaff, tjaff! Weshalb weinst du, Häschen?« Das Häschen aber sagt: »Ach, laßt mich zufrieden, Hunde! Wie soll ich nicht weinen? Ich hatte eine kleine Hütte aus Baumrinde, der Fuchs aber eine aus Eis; da bat der Fuchs, ob er zu mir kommen dürfe, und dann jagte er mich hinaus.« — »Weine nicht, Häschen!« sagen die Hunde, »wir werden ihn hinausjagen.« — »Nein, ihr könnt das nicht!« — »Doch, wir können's!« Sie kamen zur Hütte: »Tjaff, tjaff, tjaff! Raus, Fuchs!« Der Fuchs sagt aber vom Ofen herunter: »Wenn ich dann so rausspringe, und wenn ich dann so auf euch draufspringe, dann wird eure Wolle nur so durch die Luft fliegen!« Da erschraken die Hunde und liefen fort.

Das Häschen geht fort und weint. Da kommt ihm der Bär entgegen. »Worüber weinst du, Häschen?« Das Häschen aber sagt: »Ach, laß mich zufrieden, Bär! Wie soll ich nicht weinen? Ich hatte eine kleine Hütte aus Baumrinde, der Fuchs aber eine aus Eis; da bat der Fuchs, ob er hereinkommen dürfe, und jagte mich dann hinaus.« — »Weine nicht, Häschen!« sagt der Bär, »ich jag den Fuchs hinaus.« — »Ach was, du jagst ihn sicher nicht hinaus! Die Hunde wollten ihn hinausjagen — und haben es nicht gekonnt, und du wirst es auch nicht können.« — »Doch, ich tu's!« Sie gingen hin. »Fuchs, mach, daß du rauskommst!« — Er aber ruft vom Ofen: »Wenn ich dann so rausspringe, und wenn ich dann so auf euch draufspringe, dann wird eure Wolle nur so durch die Luft fliegen!« Der Bär erschrak und lief fort.

Wieder geht das Häschen fort und weint, ihm entgegen aber kommt der Ochs. »Worüber weinst du, Häschen?« — »Ach, laß mich zufrieden, Ochs, wie soll ich nicht weinen? Ich hatte eine kleine Hütte aus Baumrinde, der Fuchs aber eine aus Eis; da bat er, ob er hereinkommen dürfe, und jagte mich dann hinaus.« — »Komm, ich werde ihn hinausjagen!« — »Nein, Ochs, du wirst ihn sicher nicht hinausjagen! Die Hunde haben es versucht und nicht gekonnt, und auch der Bär, du wirst es auch nicht können.« — »Doch, ich werde es tun!« So kamen sie zur Hütte: »Raus, Fuchs!« Er aber ruft vom Ofen: »Wenn ich dann so rausspringe, und wenn ich dann so auf euch draufspringe, dann wird eure Wolle nur so durch die Luft fliegen!« Der Ochs erschrak und lief fort.

Wieder geht das Häschen fort und weint, ihm entgegen aber kommt der Hahn mit einer Sense: »Kikeriki! Worüber weinst du, Häschen?« — »Laß mich zufrieden, Hahn! Wie soll ich nicht weinen? Ich hatte eine kleine Hütte aus Baumrinde, der Fuchs aber eine aus Eis; er bat, ob er hereinkommen dürfe, und jagte mich dann hinaus.« — »Gehn wir, ich jag ihn hinaus!« — »Nein, du kannst es nicht! Die Hunde haben es versucht, auch der Bär, und dann der Ochs, keiner hat es gekonnt, und du wirst es auch nicht können.« — »Doch, ich werde es machen!« So kamen sie zur Hütte: »Kikeriki! Ich trage eine Sense auf der Schulter, und ich werde den Fuchs zerstückeln! Geh raus, Fuchs!« Der Fuchs hörte es, erschrak und sagt: »Ich zieh mich schon an …« Da sagt der Hahn wieder: »Kikeriki! Ich trage eine Sense auf der Schulter, ich werde den Fuchs zerstückeln! Geh raus, Fuchs!« Der Fuchs aber sagt: »Ich zieh schon meinen Pelz an.« Der Hahn sagt zum drittenmal: »Kikeriki! Ich trage eine Sense auf der Schulter, ich werde den Fuchs zerstückeln! Geh raus, Fuchs!« Der Fuchs kam herausgelaufen, der Hahn aber zerstückelte ihn mit der Sense, und dann lebte er mit dem Häschen in Eintracht und Frieden. Da hast du das Märchen, und mir bitte einen Topf mit Butter!

Der Fuchs als Beichtvater


Sehr merkwürdig: Einmal kam der Fuchs aus fernen Einöden. Da erblickte er auf einem hohen Baume einen Hahn und spricht zu ihm mit freundlichen Worten: »Oh, du mein geliebter Sohn, Hahn! Du sitzest auf hohem Baume, hegst ungute, verfluchte Gedanken; ihr Hähne haltet euch Frauen in Menge: der eine zehn, der andere zwanzig, mancher — dreißig, es kommen auch vierzig vor! Wo ihr zusammenkommt, da prügelt ihr euch um die Frauen, als wären es Kebsweiber. Steige herab, du mein geliebter Sohn, steige zur Erde herab und tue Buße! Ich komme aus fernen Einöden, lebte dort als Einsiedler, trank nicht, aß nicht und habe viel Not gelitten — sehnte mich danach, dich, geliebter Sohn, beichten zu hören.« — »Oh, du mein Vater, Fuchs! Ich habe nicht gefastet und nicht gebetet. Komm zu einer andern Zeit!« — »Oh, du mein geliebter Sohn, Hahn! Und ob du auch nicht gefastet und gebetet hast, steige trotzdem herab zur Erde, tue Buße, auf daß du nicht in Sünden sterbest.« — »Oh, du mein Vater, Fuchs, du mit den Honiglippen und mit süßen Worten, du mit deiner schmeichlerischen Zunge! Verdammet einander nicht, auf daß ihr selbst nicht verdammet werdet; was ihr säet, das werdet ihr ernten. Du aber willst mich mit Gewalt zur Buße führen, und nicht mich erretten willst du, sondern meinen Leib fressen.« — »Oh, du mein geliebter Sohn, Hahn! Weshalb sprichst du so? Weshalb sollte ich solches tun? Hast du denn nicht das Gleichnis vom Zöllner und Pharisäer gelesen, wie der Zöllner sich rettete, der Pharisäer aber wegen seines Hochmuts zugrunde ging? Du, mein geliebter Sohn, wirst ohne Buße auf deinem hohen Baume zugrunde gehn. Senke zur Erde den Körper dein, so wirst du der Buße näher sein. Vergeben, losgesprochen, und das himmlische Reich wird dir offenstehn.«

Da erkannte der Hahn in seiner Seele die schwere Sünde, wurde gerührt und weinte und begann niederzusteigen von Zweig zu Zweig, von Ast zu Ast, immer tiefer und tiefer, bis er ganz auf der Erde anlangte und sich vor den Fuchs hinsetzte. Da sprang der Fuchs, der Arglistige, hinzu, packte den Hahn mit seinen scharfen Krallen, schaut ihn an mit seinen grausamen Augen, knirscht mit seinen scharfen Zähnen und will ihn wie irgendeinen gottlosen Frevler bei lebendigem Leibe fressen. Da sprach der Hahn zum Fuchs: »Oh, du mein Vater, Fuchs, du mit den Honiglippen und mit süßen Worten, du mit deiner schmeichlerischen Stimme, wie willst du meine Seele erretten, wenn du meinen Körper auffrißt?« — »Nicht wichtig ist dein Körper und dein buntes Kleid, wichtig aber ist, Freundschaft mit Freundschaft zu vergelten. Erinnerst du dich noch? Einst ging ich zu einem Bauern und wollte mir ein Hühnchen für meine Leibesnotdurft nehmen. Du Dummer aber, du Tagedieb, saßest dort auf deinem hohen Sitz und schriest und zetertest mit lauter und aufdringlicher Stimme, trampeltest mit den Füßen, schlugst mit den Flügeln. Darauf fingen natürlich auch die Hühner an zu gackern, die Gänse an zu schnattern, die Hunde an zu bellen, die Pferde an zu wiehern, die Kühe an zu muhen. Und dann vernahmen es natürlich auch die Bauern und ihre Weiber. Die Weiber kamen gelaufen mit ihren Ofenbesen, die Männer mit ihren Beilen und wollten mich wegen des Hühnchens dem Tode überantworten … und dabei lebt bei ihnen die Eule jahraus, jahrein und frißt immerzu Hühnchen. Du aber, du Dummer, du Tagedieb, du hast jetzt am längsten gelebt!« Da sprach der Hahn zum Fuchs: »Oh, du mein Vater, Fuchs, du mit den Honiglippen und mit süßen Worten, du mit deiner schmeichlerischen Stimme! Am gestrigen Tage rief man mich zum Metropoliten als Vorsänger, und ich wurde gepriesen vom gesamten Sängerchor: Ein schöner Bursche, tüchtig, fähig, Bücher zu lesen, und eine so prachtvolle Stimme! Ich könnte dich doch, oh, mein Vater Fuchs, durch ein Gesuch vielleicht zum Hostienbäcker befördern lassen. Oh, was werden wir dann für herrliche Einnahmen haben! Man wird uns süße Hostien spenden, große Osterbrote und Butter und Eierchen und Käschen.« Der Fuchs hatte sich so sehr in die Stimme und Erzählung des Hahns hineingehört, daß sich die Krallen lockerten. Da riß sich der Hahn los, flog auf einen hohen Baum und schrie und zeterte mit gewaltiger Stimme: »Teurer Herr Hostienbäcker, sei mir gegrüßt! Sind die Einnahmen groß? Sind die Hostien süß? Tut dir der Rücken vom Tragen des großen Osterbrotes nicht weh? Wünschest du nicht vielleicht, oh du Feind...

Erscheint lt. Verlag 4.10.2018
Verlagsort Berlin
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Anthologien
Literatur Romane / Erzählungen
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ISBN-10 3-458-76015-6 / 3458760156
ISBN-13 978-3-458-76015-3 / 9783458760153
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