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Im Schatten der Kornblume -  Beatrice Gleicher

Im Schatten der Kornblume (eBook)

eBook Download: EPUB
2018 | 1. Auflage
392 Seiten
Morawa Lesezirkel (Verlag)
978-3-99084-170-9 (ISBN)
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Eine ungewöhnliche Geschichte über die Liebe, das Leben, das Überleben im Schatten der Kornblume, dem Zeichen der Nazis.

Beatrice Gleicher, geboren 1957 in Deutschland, kommt 1965 mit ihren Eltern nach Österreich. Ausgebildet zur Tanzpädagogin, studiert sie seit frühester Jugend an der Musikhochschule und am Konservatorium der Stadt Wien Klavier, Gesang und Schauspiel. Ihre Gesangkarriere bringt sie an mehrere Musiktheater. 1993, mit dem dritten Kind schwanger, hängt sie ihre Theaterkarriere nach 25 Jahren an den Nagel. Es folgen noch zwei Kinder. Um die Zeit mit ihren Kindern verbringen zu können, lässt sie sich zur Cranio-Sakral-Osteopathie-Therapeutin ausbilden und betreibt mit ihrem Mann Michael (Kinderarzt) 20 Jahre eine Gemeinschaftspraxis. In dieser Zeit entstehen einige Bücher und Theaterstücke. 2014 kehrt sie wieder mit eigenen Theaterstücken auf die Bühne zurück. 2016 gründet sie den Theaterverein KUNSTSPIELEREI, um ihre Theaterprojekte zur Aufführung zu bringen: u.a. 'Dein ist mein ganzes Herz', die Lebensgeschichte Franz Lehars Librettisten Fritz Löhner Beda (seit 2014) 'Willkommen in meinem Salon, Berta Zuckerkandl' im Palais Schönburg, Wien. (seit 2016) 'Heidelbeer Pirogen' Tragikomödie (seit 2018) Beatrice Gleicher ist verheiratet und hat 5 Kinder (4 Söhne, 1 Tochter)

Vorwort

Zu meinem 80. Geburtstag schenkte mir meine Schwiegertochter Beatrice eine kleine alte Holzschatulle. Drinnen lag ein leerer weißer Bogen Papier und ein Stift. Wenn du willst, sagte sie damals, schreibe ich deine Lebensgeschichte auf. Die Kinder werden größer und eines Tages werden sie fragen, wie ihre Großeltern den Krieg überlebt haben. Wie wir den Krieg überlebt haben? Jahre waren vergangen, hatten wir alle versucht, die Gräuel dieser Zeit zu vergessen. Wollten nicht mehr darüber sprechen. Schon gar nicht mit unseren Kindern und Kindeskindern. Ich habe noch fünf Jahre gebraucht, bis ich den Mut aufbrachte, Beatrice meine Geschichte zu erzählen. Eine Liebesgeschichte in den Wirren des zweiten Weltkrieges. Im Schatten der Kornblume, dem Zeichen des Nationalsozialismus.

Meine Eltern Jakub und Adela waren eigentlich auch Cousin und Kusine. Sie stammten beide aus einer großen, jüdischen, kinderreichen Familie. Geboren wurden sie um die Jahrhundertwende in der Nähe von Lemberg, in einem kleinen polnischen Dorf, Nahe gelegen zur Ukraine. Das gehörte damals alles noch zu Polen, heute liegt es in der Ukraine. Meine Vorfahren hatten in diesem kleinen Dorf, in dem hauptsächlich Ukrainer lebten, ein Gasthaus. Obwohl in diesen Dörfern der Anteil an Ukrainern überwog, wurden aber die Gasthäuser meistens von Juden geführt.

Jakub wurde wohl 1890, Adela wahrscheinlich 1895 geboren. So genau weiß das heute niemand mehr.

Genau zur selben Zeit kommt in einem kleinen Ort in Oberösterreich, den bis zu diesem Zeitpunkt kaum jemand kannte, der aber zu großem Ruhm weltweit gelangen sollte, ein Kind einfacher Eltern auf die Welt.

In Braunau am Inn wird am 20. April 1889 Adolf HITLER geboren als Sohn eines Zollbeamten Alois HITLER (bis 1877 Schicklgruber) und seiner Frau Clara (geb. Pölzl).

1903 stirbt sein cholerischer Vater, der für ihn und seine Geschwister ein sehr strenger Vater war.

1905 verlässt HITLER die Realschule ohne Abschluss. Zunächst geht er keiner ordentlichen Arbeit nach. Fährt immer wieder nach Wien, wo er sich sehr für Theater und Musik interessiert. Am meisten beeindrucken ihn Wagneropern. Er widmet sich der Lektüre VÖLKISCHER SCHRIFTEN. Besonders stark beeinflusst ihn zu jener Zeit der PANGERMANISMUS Georg von Schönerers 1842-1921.

1907 übersiedelt er nach dem Tod seiner geliebten Mutter, die er bis zu ihrem Tode mit Hilfe eines jüdischen Arztes selbst gepflegt hatte, nach Wien, wo er sich zwei Mal vergeblich als Maler an der Wiener Kunstakademie bewirbt. Eine Zeitlang lebt er von dem Erbe seiner verstorbenen Eltern, dann im Obdachlosenasyl mit Gelegenheitsarbeiten, wie dem Bemalen kleiner Ansichtskarten oder kleiner Bildchen mit Wienmotiven, die er mit Hilfe eines jüdischen Freundes verkauft. Später unterstützt ihn ein anerkannter jüdischer Rahmenmacher und verkauft in seinem Geschäft die Bilder Hitlers.

Hier in Wien begegnet er dem immer stärker werdenden Antisemitismus, den er anfangs noch zu bekämpfen versucht, da er selbst sehr viel jüdische Freunde hat, doch gerät er nach und nach immer mehr in die Faszination der herrschenden Politik, wie zB den Ansichten des damals amtierenden Bürgermeisters Dr. Karl Lueger.

1913 übersiedelt er nach München, um sich dem Wehrdienst der österreichisch-ungarischen Armee zu entschlagen.

1914 tritt er als Kriegsfreiwilliger in das Bayrische Reserve-Infanterieregiment Nr. 16 ein. Im Dezember des gleichen Jahres erhält er bereits die erste Auszeichnung des Eisernen Kreuzes II. Klasse.

1918 erhält er die zweite Auszeichnung des Eisernen Kreuzes I. Klasse. Am 15. Oktober 1918 erleidet er bei einem Gasangriff eine schwere Vergiftung, die zur zeitweisen Erblindung führt.

1919 wird er von seiner Einheit zu einer Teilnahme an einem Rednerkurs ausgewählt, auf dem er sich überraschend als talentierter Redner auszeichnet.

Am 12. September 1919 tritt er der DAP bei (Deutsche Arbeiter Partei).

1920 wird die Partei in NSDAP umbenannt.

1921 gelingt es ihm die Führung der Partei zu übernehmen.

Meine Eltern Jakub und Adela wuchsen als Cousin und Kusine zusammen auf. Schon damals als Kinder beschlossen sie zu heiraten. Als sie heranwuchsen und es immer offensichtlicher wurde, dass sich Jakub und Adela so Nahe standen, versuchten die Eltern der Beiden, immer wieder das Paar auseinander zu bringen. Sie waren ihrer Ansicht nach zu nahe verwandt. Aber es half alles nichts! Die Liebe der beiden zueinander war so stark, dass sie eines Tages gegen den Willen ihrer Eltern heirateten. Schon bald stellte sich der erste Beweis ihrer Liebe ein – das war ICH. An einem wunderschönen Julitag 1921 erblickte ich das Licht dieser Welt. Meine Eltern beschlossen mich nach einer verstorbenen Schwester meines Vaters zu nennen – Eugenia. Doch alle nannten mich Genia.

Geboren wurde ich in Lemberg, in der Stadt, in die meine Eltern übersiedelt waren. Lemberg nannte man damals „Klein Wien“. Nach der Stadt, in der ich heute lebe. Es gehörte ja damals noch zur K.u.K. Monarchie und die schwebte mit all ihrem Zauber über der ganzen Stadt. Ein bisschen kleiner als Wien, hatte sie doch sehr viel Ähnlichkeit mit ihrer großen Schwester. Wie Wien ist Lemberg in Bezirke eingeteilt, die um das Stadtzentrum angeordnet sind, in dessen Mitte auch ein Opernhaus steht. Nur so viele Geschäfte wie Wien hatte Lemberg zur damaligen Zeit noch nicht. Wir wohnten in der Nähe des Zentrums, in der Janovskystraße 32.

Nun trat also Leben in die Janovskystraße. Ich stellte das bisher ruhige Leben meiner Eltern ganz schön auf den Kopf. Mein Vater hatte sich als Kaufmann selbständig gemacht und mit einem meiner Onkel als Kompagnon, ein Geschäft in der Innenstadt aufgemacht. Man bekam in unserem Geschäft alles Mögliche zu kaufen. Tischwäsche, Bettwäsche und Kleinigkeiten, die man in einem Haushalt brauchen konnte. Meine Mutter hatte eine Schneidereiausbildung absolviert, die sie aber bis zu diesem Zeitpunkt noch nie ausgeübt hatte. Dafür half sie ab und zu im Geschäft, wenn man sie brauchte. Na ja, das fiel ja nun auch flach, seit es mich gab und sollte bald absolut unmöglich werden. Denn zwanzig Monate später wurde meine Schwester Ludwika, genannt Lusia, geboren.

Unsere Wohnung war für damalige Verhältnisse relativ groß. Ein Speisezimmer, ein Salon, zwei Schlafzimmer, Küche Bad und eine kleine Kammer für Rusia, unser Kindermädchen. Anfangs teilten wir unser Kinderzimmer noch mit meiner Großmutter mütterlicherseits. Ich erinnere mich nur noch sehr dunkel an sie. An eine kranke alte Frau, die ihre Tage nur noch im Bett verbrachte. Sie war sehr fromm. Mehr als der Rest der Familie. Als sie noch bei uns lebte, musste die Küche unbedingt koscher sein. Darauf bestand sie. Wir aber bekamen hinter ihrem Rücken sogar manches Mal Schinken gereicht. Denn uns sollte Rusias Meinung nach schließlich an nichts fehlen. Auch wenn wir ihn nur heimlich aus dem Wurstpapier essen durften. Als sie dann starb wurde uns der Schinken schon auf dem Teller serviert und aus war es mit der koscheren Küche.

Meine Eltern waren beide nicht besonders fromm. Sie kümmerten sich nicht um sture Regeln. So hielt mein Vater sein Geschäft am Samstag (Sabbat) immer offen. Einzig und allein an Roshashana (Jüdisch Neujahr) und Yom Kippur (Bus- und Bettag) wurden unsere Geschäfte geschlossen. Doch einige Dinge behielt meine Mutter nach dem Tod ihrer Mutter bei. Sie bereitete weiterhin am Freitagabend Fisch zu. Dann, vor dem Essen, legte sie sich ein Spitzentüchlein über den Kopf, entzündete die Sabbatkerzen, bedeckte ihre Augen mit den Händen und sprach die Bracha.

Dann kam meine Schwester Bella auf die Welt. Wann sie geboren wurde, weiß ich leider nicht mehr. Ich muss ca. 4 1/2 Jahre alt gewesen sein. Als sie auf die Welt kam, veränderte sich für uns alles. Sie war so ein hübsches Baby – wie eine kleine Puppe. Schwarze Löckchen umrahmten ihr Gesicht aus dessen Mitte zwei wunderschöne wasserblaue Augen leuchteten. Mein von mir so heiß geliebter Vater sah scheinbar nur mehr Bella. Sie wurde unser Familienmittelpunkt.

Daraufhin übersiedelten wir in das Haus meiner Großeltern väterlicherseits. Es war ein wunderschönes altes, dreistöckiges Haus mit einem großen Hof mit alten schiefen Pflastersteinen. Auf der einen Seite wurde der Hof durch einen Maschendrahtzaun begrenzt. Auf unserer Seite des Zaunes wuchs im Frühling immer wunderschön duftender Flieder in allen Farben. Hier verbrachte ich die meiste Zeit des Tages mit Lusia, Bella und unserem Kindermädchen Rusia.

Meine Großeltern lebten in den ersten beiden Stockwerken mit Stazzek und Dora, den Kindern meiner verstorbenen Tante Eugenia, nach...

Erscheint lt. Verlag 18.9.2018
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur
ISBN-10 3-99084-170-X / 399084170X
ISBN-13 978-3-99084-170-9 / 9783990841709
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