Folge 37/38: Chronik der Sternenkrieger Doppelband: Zerstörer/Sunfrosts Weg (eBook)
300 Seiten
Uksak E-Books (Verlag)
978-3-7389-2032-1 (ISBN)
ÜBER EINE WOCHE WAR inzwischen vergangen. Die Zeit raste wie im Fluge. Jeder Tag war voller Sonnenschein und Bienengesumm. Alice schloss sich manchmal Britta und dem Vater an, und sie zogen los und suchten Heidelbeeren. Alice konnte mitunter sehr nett sein, wenn sie wollte. Aber meistens räkelte sie sich daheim herum und langweilte sich. Was sollte aus seinen Töchtern einmal werden unter dem Einfluss der Mutter? Philipp machte sich in dieser Hinsicht mehr Sorgen, als Tulla ahnte.
Britta hockte auf dem breiten Sandweg und betrachtete intensiv eine Ameisenstraße. Neben ihr kauerte Muschi und sah eifrig zu. Wie emsig die Tiere doch am Werke waren.
Philipp saß auf der Terrasse und las in der Zeitung. Durch die Heide fuhr eine junge Frau auf dem Fahrrad. Nun hatte sie den Zaun erreicht und stieg ab. Sie schob das Kopftuch zurück und ihre Augen strahlten, als sie das Kind dort in der Sonne sah. Wie braun und kräftig es ausschaute. Es schien glücklich zu sein, trotz der Trennung. Sie konnte sich von dem Anblick nicht losreißen.
Steffi musste wohl ein Geräusch verursacht haben, denn plötzlich hob Britta den Kopf, erkannte die Mutter und flog jubelnd den Gartenweg hinab.
„Mami, Mami, liebste Mami“, hörte Philipp sie rufen.
Er stand auf und beschattete die Augen mit der Hand. Zwei Punkte flogen aufeinander zu und umarmten sich stürmisch. Eine Mutter und ihr Kind. Er ließ ihnen Zeit, bis er kam, um Steffi zu begrüßen.
Ihre großen, violetten Augen lachten ihn an, und das wie Silber gesponnene Haar leuchtete in der Sonne. Aber Philipp erschrak so sehr über ihr Aussehen, dass er es kaum verbergen konnte.
„Ich werde Ihnen nie vergessen, wie hilfreich Sie zu meinem Liebling waren. Ich spüre, Britta hat es gut gehabt, sonst würde sie nicht so glücklich aussehen. Ich habe mir die ganze Woche Vorwürfe und Sorgen gemacht.“
„Wie steht es in Bilstein?“, lenkte der Mann ab.
„Es geht aufwärts. Wir haben alles wieder in Ordnung gebracht. In den Räumen riecht es zwar noch etwas muffig, aber sobald die Wände ganz trocken sind, kann ich neu tapezieren. Das gibt noch allerhand Arbeit.“
„Kommen Sie, Steffi, leisten Sie mir Gesellschaft beim Frühstück. Sicher sind Sie müde. Wie sind Sie heraufgekommen?“
„Mit dem Fahrrad, ein Bus fährt ja nicht.“
Er schob ihr den Korbsessel zurecht. Erschöpft ließ sich die junge Frau darin nieder. Tulla kam in diesem Augenblick aus dem Haus. Sie starrte das Mädchen an. Zwar war Steffi schon 28 Jahre alt. Dabei aber von unberührter und mädchenhafter Grazie und mit natürlichen, anmutigen Bewegungen. Tulla sah, diese dort war wirklich schön. Sie brauchte nicht wie sie viele Mittelchen, um anziehend zu sein, um bei den Männern Wirkung zu erzielen.
Sehr höflich und zuvorkommend begrüßte sie den Gast und erklärte sich bereit, das Gedeck zu bringen. Philipp sah seine Frau einen kurzen Augenblick von der Seite an. Wenn sie höflich zu einer Frau war, erkannte sie deren Schönheit an.
Für eine Weile war das Gespräch unterbrochen. Britta lief wieder in den Garten. Steffi sah ihr nach.
„Sie haben es hier herrlich, wie im Paradies. Ich verstehe gar nicht, dass Sie da noch Lust haben, Ihr Leben aufs Spiel zu setzen. Ich würde mit dem zufrieden sein, was ich hätte.“
„Nicht alles ist Gold, was glänzt“, sagte Philipp leise. Sie sah ihn lange nachdenklich an, so, als verstehe sie seinen geheimen Kummer.
„Nun wollen Sie uns den kleinen Sonnenschein wieder fortnehmen, Steffi? Warum lassen Sie das Kind nicht noch eine Weile hier oben? Wir würden uns darüber freuen, wirklich. Wir haben Britta sehr gern. Sie sehen so müde und abgespannt aus. Verzeihen Sie mir, dass ich es ausspreche. Aber bevor Sie wieder Ihren Beruf aufnehmen, sollten Sie zuerst einmal an Erholung denken. Sie müssen doch schon die ganze Zeit von Ihren Reserven gelebt haben. Das Kind braucht Sie noch lange, wissen Sie das nicht?“
Steffi nickte langsam und nippte an dem Kaffee. Tulla spürte, dass das Mädchen mit ihrem Mann allein sprechen wollte, und so ging sie zurück ins Haus. Aber sie beobachtete voller Grimm die beiden durch das Fenster.
„Sie haben gewiss recht, ich muss unbedingt etwas für mich tun, sonst kann es zu Komplikationen kommen. Der Arzt hat festgestellt, dass meine Lungenflügel angegriffen sind. Ich muss nächste Woche für zwei Monate in ein Sanatorium in den Schwarzwald.“
Philipp erschrak. So schlimm stand es also. Und er hatte es die ganze Zeit nicht gewusst.
„Das tut mir sehr leid, Steffi, aber sicher werden Sie schnell wieder gesund.“
„Das hoffe ich, schon Brittas wegen. Wie ich daran gekommen bin, weiß ich nicht. Ganz gesund war ich ja nie. Ich habe jahrelang die Bürde und Last allein tragen müssen und habe nie einen Menschen besessen dem ich mich anvertrauen konnte. Da gehen Energie und Kraft dahin. Sie wissen, Britta ist unehelich, und die Vorurteile in so einer kleinen Stadt... Dass ich die Stelle als Lehrerin behalten durfte, ist mir bis jetzt noch rätselhaft.“
Du hättest mich ja als Freund haben können, dachte Philipp. Ich war damals gekommen, wollte dir beistehen, weil ich es dem Kameraden versprach. Aber sie hatte ihm fast verletzend die Tür gewiesen.
„Ich bin gekommen, um Britta zu holen.“
„Aber Sie müssen doch zur Kur. Wo lassen Sie das Kind?“
„Ich habe mich um alles gekümmert. Zum Glück war eine Stelle in einem nahen Kinderheim frei. Britta wird dort so lange unterkommen, bis ich wieder daheim bin.“
Philipp schnellte vor. „Britta in ein Kinderheim? Wissen Sie auch, was Sie dem Mädchen antun wollen?“
Ihre Augen flimmerten, und die Hand zitterte leicht, als sie die Tasse hob.
„Warum machen Sie es mir so schwer? Natürlich weiß ich es, aber was soll ich denn machen? Mir bleibt doch keine andere Wahl. Diese Zeit wird auch noch vorübergehen.“
„Lassen Sie das Kind doch einfach hier!“
Sie zuckte zusammen und sah ihn an. „Das kann ich nicht, ich kenne Sie doch kaum. Für diese lange Zeit? Jetzt geht es um viele Wochen. Ich kann Ihnen diese Bürde nicht aufhalsen. Es ist sehr lieb von Ihnen, mir dieses Angebot zu machen. Aber ich kann es einfach nicht annehmen!“
„Und warum nicht?“, fragte er hart. „Wieder einmal zu stolz? Damals waren Sie es schon einmal, soll jetzt sogar das Kind unter Ihrem Hochmut leiden?“ Sie war sehr bleich geworden, blickte ihn kurz an und sah dann wieder in den blühenden Garten.
„Sie sind sehr hart, Herr Limberg.“
„O nein, ich spreche nur die Wahrheit. Wir mögen Britta, und ich meine es so wie ich es ausspreche. Ich denke in erster Linie an das Kind. Lassen Sie es hier. Sollte es Ihnen wirklich so schwerfallen, einmal etwas zu tun, was Sie nicht beschlossen haben? Denken Sie an Britta, hier wird sie glücklich sein, aber nicht in einem Heim. Dieses kleine, zärtliche Mädchen!“
„Aber ihre Frau, sie wird mir böse sein.“
Philipp rief Tulla. Er erzählte ihr, um was es sich handelte.
Ihre erste Regung war Ablehnung. Sie hasste diese Frau wegen ihrer Schönheit. Aber wenn das Kind ging, würde dadurch wahrscheinlich alles noch schlimmer.
„Sie können sie ruhig hierlassen, Frau Fels, wir mögen Britta alle, und sie macht uns keine Arbeit, wirklich nicht.“
„Sehen Sie!“, lächelte Philipp.
„Ich weiß gar nicht, wie ich Ihnen danken soll“, flüsterte Steffi leise.
„Lassen wir das. Wir freuen uns, dass Britta noch bleiben darf.“
So geschah es nun. Steffi versprach, dem Heim abzuschreiben. Philipp erbot sich, sie mit dem Wagen zurück nach Bilstein zu bringen und gleichzeitig die Sachen für Britta zu holen. Das Mädchen war natürlich traurig, von der Mami getrennt zu werden, aber der Gedanke, die ganze Zeit im Heidehaus bleiben zu können, stimmte sie wieder froh und heiter.
Steffi sah mit Verwunderung, wie sehr Philipp und Britta sich verstanden. Es gab ihr einen leisen Stich. Bis jetzt war sie allein die Vertraute des Kindes gewesen. Nun war da ein anderer in ihr Leben getreten. Noch einmal drückte sie Britta an ihr Herz, dann ging sie, ohne sich noch einmal umzublicken. .
Philipp Limberg kam von Bilstein zurück und stellte gleich seinen Wagen in der Garage ab. Heute würde er ihn nicht mehr benötigen. Er stand hinter dem Haus und sah wie traumverloren zum Forstbruch. Rötlich schimmerte der Torf zwischen den Latschenkiefern. Langsam ging die Sonne unter.
Tulla war hinter ihn getreten, ohne dass er es bemerkte. Und mit dem Instinkt der Frau sagte sie leise: „Sie liebt dich.“
Philipp schnellte herum, fast hätte er den Koffer mit Brittas Sachen fallen gelassen.
„Was sagst du da?“, stammelte er.
„Sie liebt dich“, erwiderte sie ruhig.
Ungeachtet ihrer finsteren Augen, lachte der Mann. Ja, er lachte zum ersten Mal nach vielen Jahren in Gegenwart seiner Frau.
„Du bist verrückt“, keuchte er nach einer...
| Erscheint lt. Verlag | 30.8.2019 |
|---|---|
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Fantasy / Science Fiction ► Science Fiction |
| ISBN-10 | 3-7389-2032-3 / 3738920323 |
| ISBN-13 | 978-3-7389-2032-1 / 9783738920321 |
| Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR) | |
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Größe: 454 KB
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