Zum Hauptinhalt springen
Nicht aus der Schweiz? Besuchen Sie lehmanns.de

Zärtlich getröstet (eBook)

eBook Download: EPUB
2018 | 1. Auflage
130 Seiten
CORA Verlag
978-3-7337-5916-2 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Zärtlich getröstet - Judy Christenberry
Systemvoraussetzungen
1,99 inkl. MwSt
(CHF 1,90)
Der eBook-Verkauf erfolgt durch die Lehmanns Media GmbH (Berlin) zum Preis in Euro inkl. MwSt.
  • Download sofort lieferbar
  • Zahlungsarten anzeigen

Zuerst scheint der Defekt des Fahrstuhls mehr eine amüsante Unterbrechung ihres Büroalltags zu sein: Sharon und der attraktive John, den sie nur flüchtig kennt, unterhalten sich prächtig. Doch als sich auch nach Stunden noch nichts tut - zudem jetzt das Licht ausgeht, gerät Sharon in Panik. Zärtlich versucht John sie zu beruhigen. Und plötzlich - beide wissen hinterher nicht mehr, wie es geschah - lieben sie sich voller Leidenschaft. Minuten, die ihr ganzes Leben verändern ...

1. KAPITEL

Sharon Davies ging zu den Fahrstühlen. Dabei gab sie sich sicher und selbstbewusst, als sei ihr Leben vollkommen in Ordnung, ruhig und glücklich.

Sie hatte einen guten Job bei der Kane Haley AG, einer stark wachsenden Steuerberatungsgesellschaft in Chicago. Sie liebte ihre Arbeit, besaß eine großartige Familie, draußen schien die Sonne, und heute Morgen hatte sie zu Hause einen Schwangerschaftstest gemacht.

Als sich eine der Fahrstuhltüren öffnete, zögerte Sharon einen Moment, aber dann schubste sie jemand von hinten an. „Nun machen Sie schon, Lady. Ich hab ’ne Menge auszuliefern.“

„Entschuldigung“, murmelte Sharon und trat beiseite. „Gehen Sie nur vor. Ich nehme den nächsten.“

Zusammen mit anderen Passanten betrat der Bote den Aufzug und blickte Sharon an. „Kommen Sie schon. Es ist Platz genug.“

„Nein. Nein, ich … ich kann nicht.“ Sharon trat einen Schritt zurück.

Er sah sie an, als sei sie nicht ganz bei Verstand. Mag sein, dachte sie, andererseits gibt es sicher nicht viele Menschen, die von sich behaupten können, in einem Fahrstuhl schwanger geworden zu sein. Nämlich in genau diesem hier.

Die Tür schloss sich, und Sharon blickte auf ihr Spiegelbild in der Tür. Sie sah absolut nicht aus wie eine Frau, die schnelle Männerbekanntschaften suchte. Sie trug ein graues wollenes Kostüm mit einer lila Seidenbluse, deren Knöpfe bis auf den obersten alle geschlossen waren. Der Rock war schmal geschnitten, hatte jedoch eine moderate Länge. Die Schuhe mit den flachen Absätzen trugen auch nicht dazu bei, die Blicke der Männer auf sich zu ziehen.

Vor zwei Monaten hatte sie auch nicht anders gewirkt. Aber heute, nach einem chaotischen Morgen, an dem ohnehin schon alles falsch lief, kam sie zu spät zur Arbeit. Sie hasste Aufzüge. Aber der Gedanke, die Treppe zum sechzehnten Stock hinaufzusteigen, war auch nicht gerade verlockend. Nichts gegen Gymnastik, aber so verrückt war sie nun auch wieder nicht.

Der nächste Aufzug wartete. Sharon atmete tief durch und betrat die Kabine. Sie kreuzte die Arme vor der Brust. Niemand sollte merken, wie stark ihre Hände zitterten. Dann lehnte sie sich mit dem Rücken gegen die Wand und schloss die Augen. Sofort sah sie Jacks Gesicht vor sich – allerdings wirkte es heute nicht beruhigend auf sie.

Ihr war eher nach Weinen zumute. Sie riss die Augen wieder auf und blinzelte mehrmals. Sie wollte nicht weinen.

Die Tür öffnete sich in der obersten Etage, wo sich Sharons Büro befand. Rasch verließ sie den Aufzug, setzte ein freundliches Lächeln auf, um ihre männlichen Kollegen zu begrüßen, während sie zu ihrem Schreibtisch eilte. Dort fühlte sie sich sicherer. Nicht, dass man ihr die Schwangerschaft ansehen würde. Noch nicht. Als Erstes wollte sie sich jedoch einen Termin bei ihrer Frauenärztin geben lassen.

Sie nahm den Telefonhörer auf und wählte die Nummer ihrer Arztpraxis. Nach einem kurzen Gespräch legte sie wieder auf. Morgen früh um neun Uhr! Zumindest diese kleine Angelegenheit wäre geregelt.

Anschließend machte sie sich auf den Weg zum Büro ihres Chefs. Andrew Huffman stellte so etwas wie eine Vaterfigur für sie dar, seit ihr Vater Sharons Mutter und seine vier Kinder verlassen hatte. Sharon war die Älteste.

Der Kampf, der auf die Trennung ihrer Eltern folgte und noch andauerte, erinnerte Sharon jeden Tag daran, dass sie den Männern – jedenfalls den meisten – nicht trauen durfte. Immerhin konnten ihre Geschwister das College besuchen. Sharons Mutter arbeitete hart, und seit dem vierzehnten Lebensjahr trug auch Sharon zum Lebensunterhalt der Familie bei.

Mit achtzehn Jahren, gleich nach der Highschool, hatte Sharon in der Kane Haley AG angefangen. Dabei hatte sie das Glück, in der Abteilung von Andrew Huffman arbeiten zu dürfen. Andy ermutigte sie, sich durch die Weiterbildungskurse der Firma und durch Abendkurse weiterzuqualifizieren. Mit dieser Zusatzausbildung konnte sie dann Zug um Zug auch größere Verantwortung übernehmen.

Erst im August dieses Jahres hatte sie ihr Diplom gemacht, und Andy war darüber nicht weniger erfreut als sie selbst. Als sie jetzt an seine Bürotür klopfte, wusste sie, dass er im Rollstuhl hinter seinem Schreibtisch saß. Obwohl er kurz vor seiner Pensionierung stand, verfügte er noch immer über die Energie eines jungen Mannes.

„Herein.“

„Andy? Morgen früh habe ich einen Arzttermin. Ich werde also nicht vor zehn oder halb elf hier sein. Geht das in Ordnung?“

„Sicher. Haben Sie Probleme?“

„Nein. Ich will nur sichergehen in einer Sache.“ Ohne die Bestätigung eines Arztes wollte sie niemandem von ihrer Schwangerschaft erzählen. Diese Heimtests erschienen ihr doch nicht ganz zuverlässig.

„Okay. Vielleicht habe ich ja schon nächste Woche gute Nachrichten für Sie – bezüglich Ihres eigenen Projektes.“ Andy lächelte verschmitzt.

Sharon versuchte, Begeisterung zu zeigen. „Tatsächlich? Wissen Sie schon Genaueres?“

„Das darf ich noch nicht verraten. Machen Sie einfach so weiter wie bisher.“

Sharon ging an ihren Arbeitsplatz zurück. Sie und Andy hatten schon mehrmals darüber geredet, dass sie ein Projekt in eigener Regie übernehmen sollte. Solange sie noch kein Diplom hatte, konnte er ihr eine solche Verantwortung nicht übertragen, aber er hatte versprochen, sie würde diese Chance jetzt bekommen.

Gestern noch wäre sie vor Freude in die Luft gesprungen.

Heute zweifelte sie, ob sie den Job überhaupt schaffen konnte.

Sharon konnte kaum noch der Versuchung widerstehen, ihre Freundin Jennifer Martin anzurufen. Jen war Leiterin der Krankenversicherung. Sie war es auch, die Sharon auf die Idee mit dem Heimtest gebracht hatte. Als Sharon einmal beim Lunch über Müdigkeit und gelegentliche Schwindelgefühle klagte, hatte Jen sogleich gemeint, sie höre sich an, als ob sie schwanger sei.

Beide hatten lachen müssen, denn Jen kannte sich aus. Einen Monat, nachdem ihr Verlobter bei einem Autounfall ums Leben gekommen war, hatte Jen herausgefunden, dass sie ein Baby erwartete.

Aber Jen ahnte nicht, dass sie Sharon zu dem Test inspiriert hatte, denn sie wusste nichts von dem Vorfall im Fahrstuhl. Außer Sharon und Jack wusste niemand etwas davon.

Wenn sie doch bloß wüsste, wer Jack war.

„Der Test war korrekt, Miss Davies. Sie sind in der achten Woche schwanger. Ihr Baby entwickelt sich gut. Ich sehe keinerlei Probleme. Trotzdem möchte ich Ihnen noch einige Vitamine verschreiben und einen genauen Untersuchungsplan aufstellen.“

Die ältere Frau im weißen Kittel lächelte Sharon an, während sie sich auf der Patientenkarte Notizen machte. „Nun, wie heißt der Vater?“

Sharon blickte sie an. Seit sie vor acht Jahren bei der Kane Haley AG angefangen hatte, kam sie zu Dr. Norman in die Praxis. Sie befand sich im selben Gebäude wie Sharons Arbeitsplatz, und das war überaus praktisch.

„Oh. Ich gebe keinen Vater an.“ Ruhig legte Sharon die Hände im Schoß zusammen.

„Sie wissen nicht, wer der Vater ist?“, fragte Dr. Norman in scharfem Ton.

„Ich weiß, wer er ist, möchte den Namen aber nicht in meinen Papieren nennen. Es ist mein Baby, und ich werde für es sorgen.“

„Ach so. Er ist verheiratet.“ Die Ärztin presste die Lippen aufeinander.

War Jack verheiratet? Sharon glaubte es nicht, war sich ihrer Sache aber nicht vollkommen sicher. Als er sie im Fahrstuhl in seinen Armen hielt und zärtlich liebkoste, redeten sie zwar miteinander und vertrauten sich die intimsten Abschnitte ihres Lebens an. Dabei hatte er ihr auch von seiner Frau und dem ungeborenen Sohn erzählt, die bei einem Autounfall vor acht Jahren ums Leben gekommen waren.

Über sein Leben heute hatte Jack ihr eigentlich gar nichts erzählt. Vielleicht, weil sie sich auf eine intime Weise nahe waren und berührten, die seiner jetzigen Situation nicht angemessen war. Aber Sharon war so verängstigt gewesen und hatte in ihrer Panik geglaubt, sterben zu müssen, dass sie am liebsten mit ihm verschmolzen wäre.

„Miss Davies? Sharon? Ist alles in Ordnung?“, fragte die Ärztin.

„Ja. Warum?“

„Sie haben meine Frage nicht beantwortet. Ich fragte, ob Ihre Familie … Vielleicht haben Sie ja finanziell keine Probleme, da Sie versichert sind, aber eine Geburt ist auch eine emotionale Angelegenheit. Wird Ihre Familie Ihnen helfen?“

„Ja, meine Familie wird für mich da sein.“

„Ich muss Ihnen dennoch anraten, den Vater zu nennen, selbst wenn Sie nicht mehr mit ihm zusammen sind. Er hat das Recht, über seine zukünftige Vaterschaft informiert zu werden.“

Sharon blickte geradeaus. Selbst wenn sie Jack die Folgen ihrer seltsamen Fahrstuhlfahrt mitteilen wollte, war ihr nur bekannt, dass er Jack hieß. Kein Familienname. Sie war nicht einmal sicher, ob sie ihn wieder erkennen würde. Bevor der Aufzug stecken blieb, hatte sie den Mann nicht einmal angesehen. Und dann ging ja das Licht aus …

An seinen Geruch erinnerte sie sich. Ein wundervoller männlich herber Duft, frisch und aufreizend zugleich. Sharon hörte auch noch seine Stimme, dieses sexy Murmeln, mit dem er sie tröstete und faszinierte und die Gefahr vergessen ließ.

Nur seinen Namen, den kannte sie nicht.

„Ich möchte Ihnen empfehlen, einen Mütterkursus zu besuchen. Aber dort brauchen Sie einen Partner.“ Als Sharon nicht antwortete, fuhr sie fort: „Sie können auch allein hingehen, aber mit einem...

Erscheint lt. Verlag 29.8.2018
Reihe/Serie Digital Edition
Digital Edition
Digital Edition
Verlagsort Hamburg
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte bücher für frauen • Cora • cora bücher • cora digital edition • cora liebesromane • cora neuerscheinungen • cora romane • Cora Verlag • cora verlag kindle • eBook • ebook angebote • ebook günstig • ebook liebesroman • Frauenroman • Liebesgeschichte • Liebesroman • Romantische Bücher
ISBN-10 3-7337-5916-8 / 3733759168
ISBN-13 978-3-7337-5916-2 / 9783733759162
Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR)
Haben Sie eine Frage zum Produkt?
EPUBEPUB (Wasserzeichen)

DRM: Digitales Wasserzeichen
Dieses eBook enthält ein digitales Wasser­zeichen und ist damit für Sie persona­lisiert. Bei einer missbräuch­lichen Weiter­gabe des eBooks an Dritte ist eine Rück­ver­folgung an die Quelle möglich.

Dateiformat: EPUB (Electronic Publication)
EPUB ist ein offener Standard für eBooks und eignet sich besonders zur Darstellung von Belle­tristik und Sach­büchern. Der Fließ­text wird dynamisch an die Display- und Schrift­größe ange­passt. Auch für mobile Lese­geräte ist EPUB daher gut geeignet.

Systemvoraussetzungen:
PC/Mac: Mit einem PC oder Mac können Sie dieses eBook lesen. Sie benötigen dafür die kostenlose Software Adobe Digital Editions.
eReader: Dieses eBook kann mit (fast) allen eBook-Readern gelesen werden. Mit dem amazon-Kindle ist es aber nicht kompatibel.
Smartphone/Tablet: Egal ob Apple oder Android, dieses eBook können Sie lesen. Sie benötigen dafür eine kostenlose App.
Geräteliste und zusätzliche Hinweise

Buying eBooks from abroad
For tax law reasons we can sell eBooks just within Germany and Switzerland. Regrettably we cannot fulfill eBook-orders from other countries.

Mehr entdecken
aus dem Bereich
Roman

von Wolf Haas

eBook Download (2025)
Carl Hanser (Verlag)
CHF 18,55