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Gespräche mit Hitler -  Hermann Rauschning

Gespräche mit Hitler (eBook)

eBook Download: EPUB
2012 | 1. Auflage
272 Seiten
Europa Verlag GmbH & Co. KG
978-3-905811-52-0 (ISBN)
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(...) Rauschning war viel zu sehr praktischer Politiker, als daß es ihm mit dem Buch auf simple Hitler-Philologie angekommen wäre; tatsächlich wollte er damit wirken, aufrütteln. In diesem Sinne ist auch Schieders Charakterisierung des Buches zu verstehen, die Hänel in seinem zitierten Resüsmee verballhornt hat: daß das Buch 'in erster Linie eine Kampfschrift und keine Programmschrift' war; so hat immer noch sein an gleicher Stelle geäußertes Urteil Bestand, daß die 'Gespräche mit Hitler' 'ein Dokument von unbezweifelbarem Quellenwert insofern (sind), als die Deutungen enthalten, die aus unmittelbarer Einsicht erwachsen sind.' Es bleibt zu hoffen, daß diese Ausgabe ihren Teil dazu beitragen kann, eine neuerliche Beschäftigung mit Rauschning und seinen 'Gesprächen mit Hitler' anzuregen. Denn das Schicksal, vergessen oder als 'Fälschung' abgetan zu werden, hat das Buch sicherlich nicht verdient. (Marcus Pyka, aus Zur Einführung) ' Dieser Weltumsturz, das ist das Ziel des jetzt begonnenen Krieges. Es ist Hitlers Überzeugung, daß es nur dieses einen siegreichen Krieges bedarf, um die Erde nach seinem Willen neu zu ordnen. Ein phantastischer Gedanke. Aber die falsche Schöpferkraft der Hysterie vermag vielleicht eines: die Welt in Trümmer zu schlagen.§ (Hermann Rauschning)

I.
Der kommende Krieg

 

»Der kommende Krieg wird völlig anders aussehen als der letzte Weltkrieg. Infanterieangriffe und Masseneinsätze interessieren nicht mehr. Dieses jahrelange frontale Abringen in erstarrten Formen wird nicht mehr wiederkommen. Dafür garantiere ich. Es war eine Entartung des Krieges.« Hitler blickte mit seinen starr gewordenen Augen aus der kleinen Glasveranda seines Berghauses auf die Bergwand drüben. »Wir werden die Überlegenheit der freien Operation wiedergewinnen.«

»Glauben Sie, Herr Hitler, daß Deutschland geheime Erfindungen vorbereitet hat, die jeden Widerstand brechen können, denen auch die französische Maginotlinie nicht standhält?« Der Danziger Gauleiter Albert Forster winkte mir zu, jetzt habe er Hitler bei seinem Lieblingsthema.

»Alle Armeen haben geheime Erfindungen parat. Ich bin skeptisch über ihren Wert,« erwiderte Hitler. — »Aber die Durchschlagskraft unserer neuen S-Munition. Ist es wahr, daß der elektrische Krieg ganz neue Möglichkeiten für einen Angriff schafft?« warf Forster ein. »Und die neuen Giftgase und der Bakterienkrieg. Wird man die Bakterien als Waffe im kommenden Krieg verwenden?«

»Ein Volk, dem sein Recht vorenthalten wird, kann jede Waffe verwenden, auch den Bakterienkrieg.« Hitlers Stimme wurde lauter. »Ich habe keine Skrupel und ich werde die Waffe haben, die ich brauche. Die neuen Giftgase sind grauenhaft. Aber es gibt keinen Unterschied zwischen dem langsamen Sterben im Drahtverhau und den Todesqualen des Gasvergifteten oder des Bakterienverseuchten.

In Zukunft steht ein ganzes Volk gegen das andere, nicht mehr eine Armee nur gegen feindliche Armeen. Wir werden die physische Gesundheit unseres Feindes schwächen, wie wir seine moralische Widerstandskraft brechen. Ich kann mir wohl denken, daß die Bakterienwaffe eine Zukunft hat. Noch sind wir nicht so weit, aber es werden Versuche angestellt. Sie verlaufen günstig, wie ich höre. Aber die Anwendung dieser Waffe ist beschränkt. Ihre Bedeutung liegt in der Zermürbung des Gegners vor dem Krieg. Unsere eigentlichen Kriege werden sich überhaupt vor den militärischen Handlungen abspielen. Ich kann mir denken, daß wir ein feindliches England damit niederhalten. Oder Amerika.«

»Glauben Sie, mein Führer, daß Nordamerika sich noch einmal in die europäischen Dinge einmischen wird,« warf der dritte von uns, der junge Führer der damaligen Danziger SA. ein. — »Jedenfalls werden wir verhindern, daß es das noch einmal versucht. Es gibt neue Waffen, die dafür wirksam sind. Amerika befindet sich dauernd am Rande einer Revolution. Es wird mir ein leichtes sein, in den Vereinigten Staaten Revolten und Unruhen hervorzurufen, so daß die Herren genug mit ihren eigenen Angelegenheiten zu tun haben werden. Wir benötigen sie nicht in Europa.« »Sie sagten, man wird den Feind schon vor dem Kriege mit Bakterien verseuchen. Wie kann dies geschehen, mitten im Frieden,« fragte Forster. »Durch Agenten, durch harmlose Reisende, das ist immer noch das sicherste Mittel, das einzig wirksame zur Zeit,« fährt Hitler fort. »Übrigens müssen Sie sich vorstellen, daß es mehrere Wochen, wenn nicht noch länger dauert, ehe sichtbare Erfolge in Epidemien auftreten. Vielleicht wird man Bakterien auch im Gipfelpunkt des Krieges einsetzen, dann nämlich, wenn die Widerstandskraft des Gegners zu kippen beginnt.«

Unser Gespräch verbreitete sich über einige Details des künftigen Gas- und Bakterienkrieges. Wir saßen in der etwas engen Veranda von Haus Wachenfeld auf dem Obersalzberg. Hitlers wundervoller Wolfshund lag zu seinen Füßen. Die Berge leuchteten über einen freundlichen Wiesenabhang jenseits des Tales herüber. Es war ein zauberhafter Augustmorgen von jener herben, an den Herbst mahnenden Klarheit, die in den bayrischen Bergen immer wieder erfrischt. Hitler summte Motive aus Wagner'schen Opern. Er schien mir zerstreut, sprunghaft. Eben mitteilsam, versank er unmittelbar darnach in ein trockenes Schweigen. Übrigens war es die Zeit, als sich der Nationalsozialismus seiner schwersten Krise näherte. Die Partei war in eine fast verzweifelte Lage geraten. Aber aus jedem Wort Hitlers klang die feste Überzeugung, bald an der Macht zu sein und das deutsche Volk einem neuen Schicksal entgegenführen zu können. Wir sprachen von dem Ausgang des Krieges, der tragischen Wendung aller deutschen Siege.

»Wir werden nicht kapitulieren, niemals,« stieß Hitler hervor. »Wir können untergehen, vielleicht. Aber wir werden eine Welt mitnehmen. Muspilli, Weltenbrand.« Er summte ein charakteristisches Motiv aus der »Götterdämmerung«. Unser junger Freund von der SA. unterbrach das Schweigen; es sei das überlegene Waffenmaterial unserer Gegner gewesen, das schließlich die unglückliche Entscheidung des Kriegsendes herbeigeführt habe. »Es liegt nicht an den Waffen, es liegt immer an den Menschen,« verwies ihn Hitler. »Aber doch entscheiden neue Erfindungen und überlegene Waffen über das Schicksal ganzer Nationen und Gesellsrh2ftsklassen. Ist es nicht das, wohin Sie hinauswollten, mein Führer, als Sie eben sagten, daß der kommende Krieg ganz anders verlaufen würde wie der letzte? Die neuen Waffen, die technischen Erfindungen werden die ganze Kriegsführung ändern. Sie werfen die ganze Strategie über den Haufen. Heute hat Deutschland die Überlegenheit der Waffen und technischen Erfindungen.« »Nein, die Strategie ändert sich nicht. Wenigstens nicht durch technische Erfindungen. Das ist falsch.« Hitler wurde lebhaft. »Was hat sich seit der Schlacht bei Cannä geändert? Was hat die Erfindung der Pulverwaffen im Mittelalter an den Gesetzen der Strategie geändert? Ich denke skeptisch über den Wert technischer Erfindungen. Es hat keine technische Neuerung gegeben, die die Gesetze der Kriegführung auf die Dauer zu revolutionieren imstande war. Jeder technischen Erfindung folgt eine andere auf dem Fuße, die ihre Wirkung wieder aufhebt. Gewiß schreitet die Waffentechnik vorwärts, und sie wird noch viele Neuerungen schaffen, bis sie das absolute Höchstmaß der Zerstörung erreicht haben wird. Aber alles dies kann nur eine vorübergehende Überlegenheit sicherstellen.«

Heß, damals Hitlers Privatsekretär, der sich am Anfang des Gespräches zurückgezogen hatte, trat hinzu. »Den Herren scheint nicht klar zu sein, wie Deutschland angesichts des beschränkten Werts technischer Neuerungen für die Kriegsführung künftig dem Schicksal entgehen könnte, wieder in einen jahrelangen Stellungskrieg hineinzugeraten,« vermittelte Heß.

»Wer sagt, daß ich einen Krieg anfangen werde wie die Narren von 1914? Geht nicht unsere ganze Bemühung darauf hinaus, gerade das zu verhindern? Die meisten Menschen haben keine Phantasie.« Hitlers Gesicht verzog sich zu einer verächtlichen Grimasse. »Sie können sich das Kommende nur in den Bildern ihrer eigenen, kleinen Erfahrung vorstellen. Sie sehen nicht das Neue, das Überraschende. Auch die Generäle sind steril. Sie verfangen sich in ihrem eigenen Fachwissen. Der schöpferische Genius steht immer außerhalb des Kreises der Fachmänner. Ich habe die Gabe, die Probleme auf ihren einfachen Kern zurückzuführen. Man hat aus dem Krieg eine Geheimwissenschaft gemacht. Man hat ein feierliches Wesen darum veranstaltet. Krieg ist das Natürlichste, Alltäglichste. Krieg ist immer, Krieg ist überall. Es gibt keinen Beginn, es gibt keinen Friedensschluß. Krieg ist Leben. Krieg ist jedes Ringen. Krieg ist Urzustand. Gehen wir zurück auf die primitiven Handlungen, meinetwegen der Wilden. Was ist Krieg anderes als List, Betrug, Täuschung, als Überfall und Überraschung? Totgeschlagen haben sich die Leute erst, wenn sie nicht anders weiterkonnten. Kaufleute, Räuber, Krieger, das war früher eins. Es gibt eine erweiterte Strategie, es gibt einen Krieg mit geistigen Mitteln. Worauf kommt es im Kriege an, Forster? Daß der Gegner kapituliert. Wenn er das tut, habe ich Aussicht, ihn ganz zu vernichten. Warum soll ich ihn auf militärische Weise demoralisieren, wenn ich es auf andere Weise billiger und besser kann?«

Und nun entwickelte Hitler die Grundlinien seines Krieges, den er seitdem vielfach erprobt hat. Damals war es eine ungewöhnliche und wenig einleuchtende Lehre. Man sah, er hatte sich mit diesen Dingen lange und eingehend beschäftigt. Er fühlte sich als ein neuer großer Stratege, als ein künftiger Kriegsherr in einem neuen und bisher unerhörten Sinn.

»Wenn ich Krieg führe, Forster, dann werde ich eines Tages mitten im Frieden etwa Truppen in Paris auftreten lassen. Sie werden französische Uniformen anhaben. Sie werden am hellen Tage durch die Straßen marschieren. Niemand wird sie anhalten. Alles ist bis aufs kleinste vorbereitet. Sie marschieren zum Generalstabsgebäude. Sie besetzen die Ministerien, das Parlament. Binnen wenigen Minuten ist Frankreich, ist Polen, ist Österreich, ist die Tschechoslowakei seiner führenden Männer beraubt Eine Armee...

Erscheint lt. Verlag 7.3.2012
Verlagsort München
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Essays / Feuilleton
ISBN-10 3-905811-52-9 / 3905811529
ISBN-13 978-3-905811-52-0 / 9783905811520
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