Dr. Stefan Frank 2461 (eBook)
Bastei Entertainment (Verlag)
978-3-7325-6781-2 (ISBN)
Zuflucht in deinen Armen - Kann Daniela durch einen Unbekannten den Glauben an die Liebe wiederfinden?
Am liebsten würde Daniela nur noch mit gesenktem Kopf durch Grünwald laufen. Gerade ist ihre Ehe in die Brüche gegangen, und unter den Bewohnern der idyllischen Gemeinde ist das Getuschel groß. Dabei hasst die Krankenschwester es, der Mittelpunkt von Klatsch und Tratsch zu sein!
Gemeinsam mit ihrer guten Freundin Marie-Luise fährt sie zu einem Tanzabend - wild entschlossen, ihre Sorgen einmal für ein paar Stunden zu vergessen und sich zu amüsieren. Doch das ist leichter gesagt als getan. Zwischen den vielen Paaren fühlt sie sich wie ein verlorenes Mauerblümchen. Einzig die Bekanntschaft mit dem sechs Jahre jüngeren Nikolai lenkt sie kurz von ihren Problemen ab.
Nach diesem Abend trifft sie an anderer Stelle zufällig erneut auf Nikolai. Recht schnell wird ihr klar, dass der junge Mann Interesse an ihr zeigt. Panisch verschließt sich Daniela vor seinen Annäherungsversuchen. Nikolai ist ein sehr sympathischer und wunderschöner Mann, ja, aber gerade deshalb will sie ihn nicht in ihr Leben lassen! Für einen wie ihn ist sie doch viel zu langweilig und alt, es wäre nur eine Frage der Zeit, bis er sie sitzen ließe! Nein, sie darf nicht zulassen, dass sie sich in diese Gefahr begibt. Sie muss Nikolai aus dem Weg gehen ...
„Ick tippe auf Avocado-Hand.“ Martha Giesecke schloss das Fenster des Grünwalder Doktorhauses.
Ihre jüngere Kollegin, Marie-Luise Flanitzer, schrieb auf dem Computer gerade eine Bestellung für Verbandsmaterial.
„Avocado-Hand?“, wiederholte sie zerstreut.
„Jawohl. Franziska Hartwig ist im Anmarsch. Ihre linke Hand ist blutverschmiert.“
Schnell stand Marie-Luise auf und sah aus dem Fenster. Richtig, da kam die fünfzehnjährige Tochter ihrer besten Freundin im Eilschritt durch den Vorgarten. Mit der rechten Hand hielt sie sich die blutende linke. Ein etwa gleichaltriges Mädchen hatte ihr einen Arm um die Schultern gelegt und redete hektisch auf sie ein.
Marie-Luise Flanitzer lief zur Tür der Praxis und öffnete sie weit.
„Franzi! Was ist denn passiert?“ Mit einem routinierten Blick vergewisserte sie sich, dass kein frisches Blut aus der Wunde zwischen Daumen und Zeigefinger quoll.
„Ich habe mich geschnitten“, antwortete das Mädchen mit den schulterlangen rotblonden Haaren betreten. „Ganz blöd, mit dem Brotmesser.“
„Grüß Gott, Frau Flanitzer“, meldete sich ihre Begleiterin aufgeregt zu Wort. „Das hat vielleicht geblutet – echt krass! Deshalb sind wir lieber gleich hergekommen.“
„Das war genau richtig von euch, Jana“, versicherte Marie-Luise und schloss die Tür hinter den beiden Teenagern. „Herr Dr. Frank wird die Wunde gleich versorgen.“ Sie drehte sich zu ihrer Kollegin um. „Schwester Martha, wir müssen diese Patientin vorziehen. Ich sage schnell im Sprechzimmer Bescheid.“
„Und ick im Wartezimmer.“ Martha Giesecke kam um den hohen Tisch am Empfang des Doktorhauses herum. Sie wusste, welche Irritationen es auslösen konnte, wenn ein Notfall dazwischengeschoben wurde. In solchen Fällen bewährten sich ein paar erklärende Worte – und ihr strenger Blick, der keine Widerrede zuließ. „Servus, Mädels. Jana, du kommst am besten gleich mit mir.“
„Ins Wartezimmer?“, fragte das brünette Mädchen mit der Zahnspange enttäuscht. Sie hatte gehofft, Dr. Frank über die Schulter gucken zu dürfen. So etwas Spannendes passierte schließlich nicht alle Tage.
„Genau.“ Schwester Martha zwinkerte ihr zu. „Heute sind die neuen Zeitschriften angekommen. Bestimmt ist etwas für dich dabei.“
Janas Miene hellte sich auf. Sie schwärmte für Mode, konnte sich die Hochglanzmagazine aber nicht leisten.
„Na gut“, meinte sie und nahm den Arm von den Schultern ihrer Freundin. „Bis gleich, Franzi. Halt die Ohren steif.“
Marie-Luise ging mit Franzi den Korridor entlang. Als sie die Hand hob, um anzuklopfen, wurde die Tür des Sprechzimmers aufgezogen. Stefan Frank hatte eine Hand auf der Klinke, im Türrahmen stand der Patient, den er nach abgeschlossener Behandlung vorgehen lassen wollte.
„Herr Dr. Frank, wir haben einen Notfall. Schnittwunde.“ Die Arzthelferin trat einen Schritt zur Seite, damit der Patient vorbeigehen konnte.
Mitleidig blickte der vollbärtige Mann auf Franzis Hand.
„Auweia, das sieht ja übel aus, junge Dame. Das wird sicher sehr unangenehm. Dann wünsche ich dir alles Gute. Ich habe das Ganze für heute zum Glück schon hinter mir. Servus miteinander.“
Franzi wurde noch eine Spur blasser, und Marie-Luise widerstand der Versuchung, mit den Augen zu rollen. Als der liebe Gott das Taktgefühl verteilt hatte, war Herr Braun offenbar zu kurz gekommen. Sie schob die Tochter ihrer Freundin in das Sprechzimmer und schloss die Tür hinter sich.
„Grüß dich, Franziska“, sagte der Arzt lächelnd.
„Grüß Sie, Herr Dr. Frank.“ Das Mädchen wurde ein bisschen ruhiger. Wenn ihr Hausarzt lächelte, gab es keinen Grund zur Panik – obwohl ihr vorhin in der Küche beim Anblick des vielen Blutes speiübel geworden war.
Stefan Frank wusch sich die Hände und trocknete sie ab.
„Setz dich bitte auf den Stuhl am Fenster, und lege deine linke Hand auf den Tisch. Erzähl mal, wie hast du dich denn geschnitten?“
Schnell breitete Marie-Luise ein steriles Tuch auf dem Tisch am Fenster aus. Dann zog sie Einmalhandschuhe aus dem Schrank und hielt sie ihrem Chef hin. Er schlüpfte hinein.
„Also, Jana und ich sind heute zu einer Party eingeladen. Ist ja Freitag, da können wir morgen ausschlafen“, begann Franzi.
Stefan Frank setzte sich auf den Stuhl gegenüber, nahm vorsichtig ihre Hand und betrachtete sie, während Marie-Luise sterile Kompressen und Kochsalzlösung auf dem Tisch deponierte.
„Jedenfalls bringt jeder Gast etwas fürs Büffet mit. Wir sind mit Guacamole dran. Wissen Sie, was das ist?“
„Ja. Keine Sorge, ich fange jetzt an, aber es wird nicht wehtun.“ Dr. Frank tränkte eine Kompresse in Kochsalzlösung und begann, das Blut von der Wunde zu wischen. „Guacamole ist ein mexikanischer Dip aus Avocado, Chili und Koriander.“
„Genau. Den haben wir noch nie selbst gemacht, und wir wollen uns ja nicht blamieren. Also haben wir uns im Internet einen Film angeguckt. Man schneidet die Avocado in zwei Hälften. Dann nimmt man die Hälfte mit dem Kern in die linke Hand und lässt mit der rechten ein langes Messer runtersausen. Mit Schmackes, sodass die Klinge im Kern stecken bleibt. Wenn man das Messer dann dreht, löst sich der Kern ganz leicht aus der Avocado.“
Marie-Luise seufzte.
„War wohl ein bisschen zu viel Schmackes?“
„Muss wohl“, räumte Franzi kleinlaut ein. „Im Film hat es ganz leicht ausgesehen, aber ich bin mit dem Messer abgerutscht und hab mir mit der Spitze in die Hand gestochen.“
„Du hattest Glück im Unglück“, stellte Dr. Frank fest. „In der Hand liegen viele Sehnen, Nerven und Gefäße auf engem Raum und zudem dicht unter der Haut. Du hast keine verletzt. Allerdings ist der Schnitt ziemlich tief.“
„Müssen Sie den nähen?“, fragte Franzi beklommen.
„Nein, Klammerpflaster reichen. Aber zuerst desinfiziere ich die Wunde. Hast du Schmerzen?“
„Nö, gar nicht.“
„Gut.“ Er nahm eine neue sterile Kompresse, strich braune Salbe aus einer Tube darauf und bedeckte den Schnitt sorgfältig damit. „So, jetzt warten wir einen Moment.“
„Und Zitronensaft“, sagte Franzi nachdenklich.
„Wie bitte?“
„Zitronensaft kommt auch in die Guacamole. Eigentlich Limettensaft, aber Limetten gab es nicht im Supermarkt. Schmeckt bestimmt auch mit Zitronen, oder?“
„Bestimmt“, versicherte Stefan Frank und wischte die braune Salbe von ihrer Hand.
Anschließend zog er die Einmalhandschuhe aus, warf sie in den Mülleimer und schlüpfte in das nächste Paar, das Marie-Luise Flanitzer ihm hinhielt.
Konzentriert machte er sich daran, drei schmale Klammerpflaster so auf die Haut zu kleben, dass die Wundränder möglichst gut zusammenwachsen konnten. Zum Schluss legte er ein breites weißes Pflaster darüber und fixierte es mit zwei Streifen Klebeband.
„Halte die Hand ruhig, und achte darauf, dass sie nicht nass wird.“
„Nicht nass?“ Entgeistert blickte die Schülerin ihn an. „Und wenn ich dusche?“ Das wollte sie vor der Party unbedingt noch tun – inklusive Haarewaschen und Haarkur.
„Dann ziehst du einen Einmalhandschuh darüber und bindest ihn am Handgelenk mit einem Gummi fest. Leg die Hand am besten oben auf die Duschkabine oder die Vorhangstange, damit du nicht in Versuchung gerätst, sie unter das Wasser zu halten. Es ist wichtig, dass die Wunde trocken bleibt.“
Franzi nickte.
„Ist gut.“
„Sollte die Hand anschwellen oder wehtun, melde dich bitte sofort, auch außerhalb meiner Sprechstunde.“
„Mach ich. Und wie lange muss ich dieses Pflaster tragen?“
„Drei Tage, wenn es keine Komplikationen gibt. Lass dir bitte für Montag einen Termin geben, dann schaue ich mir die Wunde noch einmal an. Mit etwas Glück können wir die Klammerpflaster dann entfernen.“
Franzi lächelte erleichtert. Halb so schlimm. Sie fand es sogar ganz gut, heute Abend mit der verbundenen Hand bei der Party aufzukreuzen. Das würde Klemens aus ihrer Parallelklasse einen Grund liefern, sie endlich anzusprechen. Er war echt süß, aber leider ebenso schüchtern. Jetzt bekam er einen Anlass auf dem Silbertablett!
Stefan Frank riss sie aus ihren Gedanken, indem er aufstand.
„Also dann, alles Gute für dich, Franziska. Und viel Spaß heute Abend.“
„Vielen Dank, Herr Dr. Frank. Auch fürs Drannehmen zwischendurch. Normalerweise erledigt Mama so etwas, aber sie arbeitet heute Nachmittag. Und es hat so doll geblutet, dass ich nicht warten wollte, bis sie von ihrer Schicht nach Hause kommt.“
„Gut, dass du nicht gewartet hast. Schnittwunden muss man möglichst schnell versorgen. Also: alles richtig gemacht.“
Marie-Luise Flanitzer begleitete Franzi zum Wartezimmer, wo Jana die Hochglanzzeitschrift ein wenig widerstrebend zurücklegte. Von ihr aus hätte die Behandlung ruhig ein bisschen länger dauern können. Beeindruckt musterte sie den Verband.
Nachdem die beiden Teenager die Praxis verlassen hatten, schaute Marie-Luise ihre Kollegin fragend an.
„Woher wussten Sie eigentlich das mit der Avocado?“
Schwester Martha schmunzelte.
„Gestern stand ick an der Supermarktkasse hinter den beiden Mädels. Sie haben einen Haufen Avocados gekauft. Und Schwester Inge aus der Waldner-Klinik sagt, det immer wieder Patienten mit Schnittwunden aufkreuzen, die sie sich beim Entkernen von Avocados zuziehen. In der Klinik...
| Erscheint lt. Verlag | 21.8.2018 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Dr. Stefan Frank |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
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| ISBN-10 | 3-7325-6781-8 / 3732567818 |
| ISBN-13 | 978-3-7325-6781-2 / 9783732567812 |
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