Der Bergdoktor 1932 (eBook)
64 Seiten
Bastei Entertainment (Verlag)
978-3-7325-6763-8 (ISBN)
Er hat uns beide nicht verdient! - Wie aus Rivalinnen Freundinnen wurden
Als sie nachts nicht schlafen kann, beschließt Lisbeth, aufzustehen und im Internet noch ein Stündchen nach Schnittmustern für Brautkleider zu suchen. Doch kaum hat sie den Computer ihres Verlobten eingeschaltet, als sie die ungelesene Nachricht einer gewissen Chrissy findet: Das Mädchen sehnt sich nach Ruperts leidenschaftlichen Küssen und kann es kaum erwarten, wieder in seinen Armen zu liegen.
Lisbeth ist klar: Ihr Liebster betrügt sie. Doch als sie ihn zur Rede stellt, streitet er alles ab. Nein, er habe keine Affäre, es sei nur ein einmaliger Ausrutscher gewesen. Es tue ihm furchtbar leid, er liebe nur sie allein, und er beschwört sie, ihm zu verzeihen!
Blind vor Tränen packt Lisbeth ein paar Sachen ein und fährt zu ihren Großeltern nach St. Christoph, um Abstand zu gewinnen. Während sie versucht, die Trauer über den Betrug ihres Verlobten zu überwinden und noch um eine Entscheidung ringt, ob sie ihm verzeihen oder die Verlobung lösen soll, steht plötzlich Ruperts 'einmaliger Ausrutscher' vor der Tür ...
Der Notruf erreichte Dr. Burger exakt um siebzehn Uhr. Er wusste das deshalb so genau, weil er gerade auf dem Heimweg war und im Autoradio die Nachrichten begannen.
Hinter ihm lagen ein langer Tag in seiner Praxis sowie ein Hausbesuch auf dem Bayer-Hof. Dort hatte es das dritte Baby der Familie nicht mehr erwarten können und war zwei Wochen vor der Zeit zur Welt gekommen – so eilig, dass an eine Fahrt ins Krankenhaus nicht mehr zu denken gewesen war.
Martin Burger war gerade noch rechtzeitig eingetroffen, um das Baby in Empfang zu nehmen und Mutter und Kind zu untersuchen. Nach zwei Buben hatte die Familie nun ein kleines Madel bekommen. Mutter und Tochter ging es prächtig, deshalb hatte der Bergdoktor nichts dagegen einzuwenden gehabt, als die Bäuerin nichts von einer Überweisung in die Klinik hatte hören wollen.
Nele sollte der Sonnenschein der Familie heißen. Dr. Burger wünschte dem kleinen Madel den allerbesten Start ins Leben. Morgen früh, das notierte er sich in Gedanken, würde er vor seiner Sprechstunde noch einmal zum Bayer-Hof hinauffahren, um nach Mutter und Kind zu sehen.
Nun freute er sich auf eine Tasse Kaffee und einen Blick in die Zeitung, am liebsten in seinem Garten, wo er dem Rauschen des Windes in den Kirschbäumen und dem Lachen seiner Kinder zuhören konnte.
Dieser Plan musste jedoch warten, weil ihn ein dringender Anruf erreichte: Der junge Schäfer vom Rautenstein hatte eine verletzte Frau gefunden.
»Sie liegt unterhalb der Kogler-Alm! Das Blut läuft ihr nur so über Kopf und Gesicht, und sie liegt völlig verdreht da!«
»Ist sie am Berg abgestürzt?«
»Kann ich net genau sagen. Als ich sie entdeckt hab, lag sie schon so im Gras. Möglich, dass sie am Fels abgestürzt ist.«
»Weißt du, wer sie ist?«
»Leider net. Eine Urlauberin vermutlich. War wohl mit ihrem Dackel wandern. Der Kleine ist völlig durch den Wind.« Im Hintergrund war lautes Gebell zu vernehmen.
»Ist die Verletzte ansprechbar?«
»Nein, sie ist net bei Besinnung – was wohl eine Gnade ist, wenn ich mir ihre Verletzungen so anschaue.«
»Verstanden. Danke, dass du mich informiert hast, Valentin. Ich mache mich sofort auf den Weg. Bin in …« Er überschlug kurz den Weg. Sein Geländewagen konnte notfalls auch quer über die Wiesen fahren. Das würde ihn schneller zum Unglücksort bringen. »Ich bin in zehn Minuten da.«
»Alles klar. Beeilen Sie sich, bitte, Herr Doktor. Es sieht wirklich net gut aus, und ich kann ihr net helfen.«
»Stabile Seitenlage und die Blutungen so weit wie möglich stillen. Bewege sie möglichst net, solange wir net wissen, ob sie innere Verletzungen hat oder ihr Rücken betroffen ist. Ich komme so schnell, wie ich kann.«
Martin Burger beendete das Gespräch, drehte an seinem Lenkrad und gab Gas!
Sein Wagen rumpelte über die Wiese. Uneben war der Untergrund, deshalb wurde der Arzt gehörig durchgeschüttelt. Doch er war Schlimmeres gewohnt. Seine Notfalleinsätze hatten ihn schon zu den entlegensten Stellen des Zillertals geführt. Kraxelnd, rennend oder notfalls auch durch verfallene Bergwerksschächte kriechend, war er bereits zu Patienten vorgedrungen.
Nun ging es also steil den Hang hinauf in Richtung Kogler-Alm. Er trieb seinen Wagen voran. Wenigstens gab es hier oben keine Weidezäune, die ihn hätten aufhalten können. Das Weidevieh durfte sich frei bewegen und grasen, wo es wollte. Er musste einer Herde brauner Kühe ausweichen, ehe er wieder Gas geben und weiterfahren konnte.
Es war ein milder Sommerabend. Die Berge waren in Dunst gehüllt – ein Zeichen dafür, dass das herrliche Wetter noch mindestens einen weiteren Tag anhalten würde.
Tagsüber war es beinahe schon zu heiß gewesen. Er hatte in seiner Praxis die Jalousien fest geschlossen gehalten, um die Hitze des Tages auszusperren, und trotzdem war es in den Räumen drückend warm gewesen.
Nun jedoch, gegen Abend, wurden die Temperaturen durchaus angenehm. Insekten summten über den grünen Hängen, die mit leuchtend gelben Löwenzahnblüten gesprenkelt waren.
Vor Dr. Burger tauchte die Almhütte auf. So weit musste er jedoch nicht mehr fahren, denn unterhalb der Alm ging es eine steile Felswand hinab, und an deren Fuß stand ein junger Mann mit kurzen blonden Haaren.
Valentin trug nur eine helle Hose, kein Hemd. Das kräftige Spiel seiner Muskeln verriet, dass er sich in den Bergen zu bewegen wusste, und der ernste Ausdruck auf seinem Gesicht verriet, dass er schon schwere Zeiten erlebt hatte. Er hütete die Schafe auf dem nahen Rautenstein.
»Gott sei Dank, dass Sie da sind!« Der Schäfer winkte ihm. »Kommen Sie, bitte. Wir sind hier!«
Vor ihm lag eine Frau mit grau melierten Haaren im Gras. Ihr Gesicht war erschreckend fahl, und sie blutete aus mehreren Wunden an Kopf und Armen.
Sie hatte Wanderkleidung an, aber die karierte Bluse war ebenso zerrissen und blutig wie ihre grüne Hose mit den zahlreichen Taschen. Ihr rechtes Bein stand in einem alarmierenden Winkel ab, und auch ihre rechte Hand schien gebrochen zu sein.
Neben ihr saß ein Dackel und fiepte kläglich. Er schien zu wissen, dass es nicht gut um sein Frauchen stand.
Dr. Burger eilte mit seiner Tasche zu der Verletzten und tastete nach ihren Vitalfunktionen. Dabei zerbiss er einen Fluch auf den Lippen.
Ihr Puls war extrem schwach, ebenso wie ihre Atmung. Sie hatte bereits zu viel Blut verloren. Ihr Kreislauf stand kurz vor dem Kollabieren!
Ihre Wunden waren mit hellen Stoffstreifen abgedeckt. Offenbar hatte Valentin ihre Verletzungen notdürftig mit Fetzen seines Hemdes verbunden.
Eine kurze Untersuchung ergab ein alarmierendes Bild: Die Frau war nicht nur schlimm abgestürzt, nein! Wunden wie ihre hatte er schon einmal gesehen: Form und Größe verrieten ihm, dass sie von Kuhhörnern verursacht worden waren!
Die Frau musste auf ihrer Wanderung über die Weide gelaufen sein. Vielleicht hatte ihr Hund die Kühe aufgebracht, vielleicht war es einfach nur ihr Auftauchen gewesen, das war schwer zu sagen.
Die Kühe hatten Junge, die sie verteidigt hatten. Die Frau war von mindestens einer Kuh angegriffen und schwer verletzt worden, vermutlich sogar von mehreren Tieren. Sie wies auch Quetschungen an Brustkorb und Armen auf.
War sie niedergetrampelt worden?
Plötzlich regte sie sich und schlug stöhnend die Augen auf.
Ein Wimmern entfuhr ihr.
»Ganz ruhig, Sie sind in Sicherheit«, versicherte er rasch. »Ich bin Doktor Burger. Ich bin hier, um Ihnen zu helfen. Bleiben Sie bitte liegen, Sie sind verletzt.«
»Was ist mit mir passiert?«
»Erinnern Sie sich nimmer?«
»Ich war mit dem Hias wandern, und dann … oh!« Sie keuchte und hob den Kopf. »Jessas, was ist mit meinen Beinen? Warum spüre ich meine Beine net?«
Martin Burger fing einen alarmierten Blick von Valentin auf. Eine stumme Frage lag in den Augen des Schäfers.
»Wähl den Notruf und bitte in der Leitstelle um einen Helikopter«, bat der Bergdoktor halblaut. »Kannst du in der Zentrale unsere genaue Position durchgeben?«
»Natürlich.« Der junge Schäfer hielt das Telefon schon in seiner Hand.
Dr. Burger zog in der Zwischenzeit eine kreislaufstärkende Spritze auf und injizierte sie seiner Patientin. Anschließend machte er sich daran, ihre Wunden zu versorgen.
Auf keinen Fall durfte sie noch mehr Blut verlieren, sonst würde ihr Kreislauf nicht mehr lange durchhalten! Er führte Kochsalzlösung in seiner Ausrüstung bei sich, aber auch die würde nicht lange helfen.
Die Frau musste auf dem schnellsten Weg ins Krankenhaus! Hoffentlich stand gleich ein Helikopter zur Verfügung, sonst würde es eng werden. Seiner Patientin lief die Zeit davon!
***
Zwölf Monate später …
Der Stoff des Brautkleides raschelte bei jeder Bewegung. Lisbeth betrachtete sich im Spiegel und erkannte sich kaum wieder. Sie versank förmlich in der weißen Seide!
Das Mieder war über und über mit Perlen bestickt und so eng, dass sie kaum atmen konnte. Unterhalb der Taille bauschte sich der Rock in zahllosen Lagen. Er war weit genug, um problemlos eine halbe Fußballmannschaft darunter zu verstecken.
Das Kleid ist viel zu übertrieben, dachte Lisbeth zweifelnd. Es wird schwer genug sein, darin zu laufen. An Tanzen ist gar net zu denken!
Sie versuchte, sich zu drehen, aber die meterlange Schleppe nagelte sie förmlich an ihrem Platz fest. Steif und schwer zerrte das Kleid an ihr. Es fühlte sich beinah an, als hätte sie einen Betonklotz an den Füßen.
Ihre zukünftige Schwiegermutter war jedoch begeistert.
»Zauberhaft! Einfach zauberhaft!«, schwärmte Irene Stadler. »Wir müssen nicht weitersuchen. Dieses Kleid ist wie für dich gemacht. Wie für dich gemacht.« Sie hatte die Angewohnheit, im Überschwang Dinge zweimal zu sagen.
»Findest du wirklich?«
»Unbedingt. In diesem Kleid siehst du genau so aus, wie ich mir die zukünftige Frau meines Sohnes vorstelle. Genau so.«
»Ist es net zu üppig?« Lisbeth strich über den bestickten weißen Stoff und die Perlen. Dieses Kleid kostete vermutlich mehr als ihr Auto, und es gefiel ihr nicht einmal.
Eigentlich musste sie sich um die Kosten keine Sorgen machen. Ihre zukünftige Schwiegermutter bestand darauf, für die Hochzeit aufzukommen, auch für das Brautkleid. Damit fühlte sich...
| Erscheint lt. Verlag | 7.8.2018 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Der Bergdoktor | Der Bergdoktor |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | 2017 • 2018 • Alpen • Alpen-Krimi • alpen-roman • Arzt • Arztroman • Arztromane • Bastei • Bergdoktor • Berge • Bergpfarrer • Bergroman • Bestseller • Bianca • Cora • Deutsch • Doktor • Dr. • dr daniel • dr laurin • dr norden • Dr Stefan Frank • eBook • E-Book • eBooks • Familiensaga • Fortsetzungsroman • Großdruck • große-schrift • hans-ernst • Hans Ernst • Heimat • Heimatromane • hermann-broch • Julia • Kelter • kelter-verlag • Kindle • Landarzt • Liebe • Liebesromane • Medizin • Mira • Modern • Patient • Roman-Heft • romantisch • schicksalsromane • Schwarzwald • Serie • Sonnenwinkel • steingruber • Toni-Hüttenwirt • Verlag • waidacher |
| ISBN-10 | 3-7325-6763-X / 373256763X |
| ISBN-13 | 978-3-7325-6763-8 / 9783732567638 |
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