Goethes Werken (eBook)
1533 Seiten
Seltzer Books (Verlag)
978-1-4554-2943-1 (ISBN)
Romane: Die Leiden des Jungen Werther, Wilhelm Meisters Lehrjahre, Die Wahlverwandtschaften, Wilhelm Meisters Wanderjahre. Dramen: Die Aufgeregten, Egmon, Faust (I und II), Goetz von Berlichingen, Iphigenie auf Autris, Die Mitschuldigen, Die Naurliche Tochter, Torquato Tasso, Satyros, Die Geschwister, Die Laune des Verliebten. Novellen und Erzahlungen: Novelle, Belagerung von Mainz, Unterhantlungen Deutscher Ausgewanderten. Briefe und Aufsatze: Briefe aus de Scweiz (Zweite Abteilung), Italienishce Reise, Kampagne in Frankreich. Gedichte: Hermann und Dorothea, Reineke Fuchs, Romische Elegien, Venetianische Epigramme, West-Ostlicher Divan. Goethe''s Biographie von Dr. H. Doering.
Eine fortwährende Anregung gab dem Briefwechsel Goethe's mit Lavater, außer den Artikeln, die jener für dessen Physiognomik lieferte, besonders Lavaters Lieblingsthema, der Streit zwischen Wissen und Glauben. Ein Brief Goethe's, vom 24. November 1774, an Lavater und dessen Freund, den Diakonus Pfenninger in Zürich zugleich gerichtet, enthielt in dieser Hinsicht einige charakteristische Bemerkungen. Mit Herzlichkeit und in dem vertraulichen Tone schrieb Goethe: "Glaube mir, lieber Bruder, es wird die Zeit kommen, da wir uns verstehen werden. Du redest mit mir, wie mit einem Ungläubigen, der begreifen will, der bewiesen haben will, der nicht erfahren hat; und von alle dem ist gerade das Gegentheil in meinem Herzen.--Bin ich nicht resignirter im Begreifen und Beweisen, als ihr? Ich bin vielleicht ein Thor, daß ich euch nicht den Gefallen thue, mich mit euren Worten auszudrücken, und daß ich nicht einmal durch eine reine Experimental-Psychologie meines Innern euch darlege, daß ich ein Mensch bin, daher nicht anders sentiren kann, als andere Menschen, und daß Alles, was unter uns Widerspruch scheint, nur Wortstreit ist, der daraus entsteht, weil ich die Sachen unter andern Combinationen sentire, und darum, ihre Relativität ausdrückend, sie anders benennen muß, welches aller Controversen Quelle ewig war und ewig bleiben wird.--Und daß du mich ewig mit Zeugnissen quälen willst! Wozu das? Brauch ich Zeugniß, daß ich bin? Zeugniß, daß ich fühle? Nur so schätze, liebe, bete ich die Zeugnisse an, die mir darlegen, wie Tausend oder Einer vor mir eben das gefühlt haben, was mich kräftigt und stärkt. Und so ist das Wort der Menschen mir Wort Gottes, mögen's Pfaffen oder Huren gesammelt, und es zum Kanon gerollt oder als Fragmente hingestreut haben. Und mit inniger Seele fall' ich dem Bruder um den Hals--Moses! Prophet! Evangelist! Apostel! Spinoza oder Macchiavell! Darf aber auch zu Jedem sagen: Lieber Freund, geht dir's doch wie mir. Im Einzelnen sentirst Du kräftig und herrlich; das Ganze aber ging in deinen Kopf so wenig, als in den meinigen."
Der briefliche Ideenaustausch Goethe's mit Lavater verwandelte sich, als dieser 1774 wieder nach Frankfurt kam, in mündliche Ueberlieferung. Das Phantastische in Lavaters Natur verkannte Goethe nicht, aber er fand es, wie er in einem früher erwähnten Briefe sich ausgedrückt hatte, "mit dem schönsten, schlichtesten Menschenverstande gepaart." Ihn fesselte damals jede Natur, mochte sie auch von der seinigen noch so verschieden seyn. Nach Ems, wohin sich Lavater begab, begleitete ihn Goethe. Kaum wieder nach Frankfurt zurückgekehrt, traf er dort mit Basedow zusammen, der damals in der Pädagogik ein helleres Licht angezündet hatte, doch in allerlei seltsamen religiösen Ansichten befangen war, die er aufs Lebhafteste vertheidigte. Durch das Cynische in seinem Aeußern und ganzen Wesen fühlte sich Goethe zurückgestoßen, besonders durch den Geruch des schlechten Tabaks, den Basedow auf der Reise nach Ems, wohin ihn Goethe begleitete, fortwährend in die Luft blies. In mehrfacher Weise störte Basedow die gesellige Unterhaltung in dem Hause der Frau v. Stein zu Nassau. Als Goethe mit Lavater und Basedow wieder nach Frankfurt zurückkehrte, und, wie er in einem noch erhaltenen Gedicht sagt: "als das Weltkind zwischen zwei Propheten saß," benutzte er Basedows entschiedene Abneigung gegen die Trinitatslehre zu einer lustigen Rache. Er hieß den Kutscher schnell vorüberfahren bei einem Wirthshause, in welchem Basedow seinen brennenden Durst stillen wollte. Indem Goethe auf das mit zwei verschränkten Triangeln versehene Gasthofsschild hinwieß, äußerte er schalkhaft, daß Basedow, der schon über Einen Triangel außer Fassung gerathe, bei diesem Anblick geradezu verrückt hätte werden müssen.
Unbefriedigt und verletzt durch die ungleichartigen Naturen Lavaters und Basedows, schloß sich Goethe mit größerer Innigkeit den Gebrüdern Jacobi an, die er in Cöln kennen gelernt hatte. Der Dichter I.G. Jacobi verzieh ihm den Spott, den er sich über seine mit Gleim gewechselten Briefe und Gedichte, die damals im Druck erschienen waren, erlaubt hatte. Das offene Vertrauen, mit welchem ihm besonders F.H. Jacobi entgegenkam, gewann Goethe's Herz. Aber auch sein Geist fand Befriedigung in mannigfachen philosophischen Gesprächen, besonders über das System und die Lehre Spinoza's. Im wechselseitigen Austausch ihrer Ideen fühlten sich die Freunde sehr glücklich. Jacobi schrieb damals, den 27. August 1774, an Wieland: "Was Goethe und ich einander seyn sollten, seyn mußten, war, sobald wir vom Himmel herunter neben einander gefallen waren, sogleich entschieden. Jeder glaubte von dem Andern mehr zu empfangen, als er ihm geben konnte; Mangel und Reichthum auf beiden Seiten umarmten einander; so ward die Liebe unter uns."
In der Gemäldegallerie zu Düsseldorf, wohin Goethe mit den Gebrüdern Jacobi gereist war, fand sein Kunstsinn volle Befriedigung. Mit einem seiner Straßburger Bekannten, mit Jung-Stilling, traf Goethe in Elberfeld zusammen. Heinse, der Verfasser des Ardinghello, den er dort kennen lernte, bewunderte, nach einer brieflichen Aeußerung, an dem damals fünf und zwanzigjährigen Goethe "das Genie, vom Wirbel bis zur Zehe, den Geist mit Adlersflügeln."
Nach den verschiedenartigsten Richtungen verlor sich, als er wieder nach Frankfurt zurückgekehrt war, Goethe's literarische Thätigkeit. Er äußerte sich darüber in einem damaligen Briefe: "Geschrieben hab' ich allerlei, gewissermaßen wenig, im Grunde nichts. Wir schöpfen den Schaum von dem großen Strom der Menschheit mit unsern Kielen, und bilden uns ein, wenigstens schwimmende Inseln gefangen zu haben." So bezeichnete Goethe seine mannigfachen literarischen Entwürfe, von denen fast keiner ausgeführt ward. Längere Zeit beschäftigte ihn die Idee, das Leben Mahomet's dramatisch zu behandeln. Mehrere Scenen wurden theils skizzirt, theils vollendet. Erhalten hat sich jedoch von jenem Stück nichts weiter, als das in Goethe's Werken aufbewahrte Gedicht: "Mahomet's Gesang." Die bekannte Geschichte von dem ewigen Juden, die sich ihm schon früh durch die Volksbücher eingeprägt hatte, wollte er zu einem Epos benutzen. Auch die Fabel vom Prometheus hielt er für eine dramatische Bearbeitung geeigenet, von der sich jedoch nichts weiter erhalten hat, als das in Goethe's Werken aufbewahrte Gedicht "Prometheus." Vollendet ward von Goethe um diese Zeit (1774) nur das Trauerspiel "Clavigo", wozu ihm die von Beaumarchais geschriebenen Memoiren die nächste Veranlassung gegeben hatten. Gleichzeitig veröffentlichte Goethe aber auch unter dem Titel einer Farçe seine dramatische Dichtung: "Götter, Helden und Wieland." In den Anmerkungen zu seiner Uebersetzung Shakspeare's hatte Wieland den großen Britten scharf getadelt. Durch diesen Tadel und die zu moderne Behandlung der griechischen Götter in dem von Wieland geschriebenen Singspiel "Alceste" gereizt und aufgeregt, schrieb Goethe jenes satyrische Product, das seinen bisherigen Verhältnissen unvermuthet eine ganz andere und für sein späteres Leben einflußreiche Wendung gab.
Durch jene Posse hatte Goethe die Aufmerksamkeit eines jungen Fürsten erregt, der sich für den Verfasser des Götz und Werther bereits lebhaft interessirt hatte. Es war der damalige Erbprinz und nachheriger Großherzog Carl August von Sachsen-Weimar, der begleitet von seinem jüngern Bruder, dem Prinzen Constantin und dessen Erzieher v. Knebel, auf einer damalichen Reise Frankfurt berührte. Goethe ward den beiden Fürsten auf deren Wunsch, vorgestellt und bald nachher, im November 1775, als geheimer Legationsrath nach Weimar gerufen, wo er im damaligen geheimen Consilium Sitz und Stimme erhielt. Sein neues Verhältniß schilderte er in einem Briefe an Lavater vom 21. December 1775 mit den Worten: "Ich bin hier in Weimar wie unter den Meinigen. Der Herzog wird mir immer werther, und ich ihm immer verbundener." In einem spätern Briefe vom 22. Januar 1778 meldete Goethe seinem Freunde Merk: "Ich bin nun ganz in alle Hof- und politische Händel verwickelt. Meine Lage ist vorteilhaft genug, und die Herzogthümer Weimar und Eisenach sind immer ein Schauplatz, um zu versuchen, wie einem die Weltrolle zu Gesichte steht."
Mit vielem Humor charakterisirte Goethe seinen heterogenen Geschäftskreis in einem Briefe an Merk vom 5. August 1778. "Im Innern", schrieb er, "geht mir alles nach Wunsch. Das Element, in dem ich schwebe, hat alle Aehnlichkeit mit dem Wasser; es zieht Jeden an, und doch versagt dem, der auch nur bis an die Brust hineinspringt, im Anfange der Athem. Muß er nun gar gleich tauchen, so verschwinden ihm Himmel und Erde. Hält man's dann eine Weile aus, und kriegt das Gefühl, das einem das Element trägt, und daß man doch nicht untersinkt, wenn man gleich nur mit der Nase hervor guckt, nun so findet sich im Menschen auch Glied und Geschick zum Froschwesen, und man lernt mit wenig Bewegung viel thun."
Dieser Brief Goethe's enthielt auch eine Schilderung seiner durch ein bekanntes Gedicht verewigten Harzreise. "Letzten Winter", schrieb er, "hat mir eine Reise auf den Harz das reinste Vergnügen gegeben. Du weißt, so sehr ich's hasse, wenn man das Natürliche abentheuerlich machen will, so wohl ist mir's, wenn das Abenteuerliche natürlich zugeht. Ich machte mich ganz allein auf, etwa den letzten November, zu Pferde, mit einem Mantelsack, und ritt durch Schloßen, Frost und Koth aus Nordhausen den Harz hinein in die Baumannshöhle, über Wernigerode, Goßlar, auf den hohen Harz, das Detail erzähl' ich dir einmal, und überwand alle...
| Erscheint lt. Verlag | 1.3.2018 |
|---|---|
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Anthologien |
| Literatur ► Klassiker / Moderne Klassiker | |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| ISBN-10 | 1-4554-2943-0 / 1455429430 |
| ISBN-13 | 978-1-4554-2943-1 / 9781455429431 |
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Größe: 3,0 MB
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