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Jerry Cotton Sonder-Edition 84 (eBook)

Die Cosa Nostra lässt schön grüßen ...

(Autor)

eBook Download: EPUB
2018 | 1. Aufl. 2018
80 Seiten
Bastei Entertainment (Verlag)
978-3-7325-6811-6 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Jerry Cotton Sonder-Edition 84 - Jerry Cotton
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Sie hießen Ernest Gale und James Kinner. Jeder von ihnen wollte die Macht über Manhattan. Die beiden belauerten sich wie hungrige Bestien. Und dann fielen sie übereinander her, von einer Stunde zur anderen. Männer starben schreiend in den Garben von Maschinenpistolen. Tankstellen brannten. Ein Nightclub flog in die Luft. New York wurde zum Schauplatz eines erbarmungslosen Gangsterkriegs. Phil und ich gerieten zwischen die Fronten. Doch unsere wahren Gegner in diesem teuflischen Spiel kannten wir noch nicht: die Cosa Nostra ...

1

Das Blitzlicht flackerte drei-, viermal. Die Augen des Mannes blieben offen. Seine Wimpern zuckten nicht, die Pupillen verengten sich nicht. Er war tot.

Ich packte den Fotografen an der Schulter und riss ihn zurück. Er stolperte gegen einen Tisch, stieß gegen einen Sektkühler, der scheppernd umfiel. Die Eisstücke rutschten übers Parkett bis an die Beine des toten Mannes.

»He, was soll’s?«, knurrte der Fotograf. »Nirgendwo hier steht Fotografieren verboten

»Sie verwischen die Spuren.«

Er lachte. »Welche Spuren? Sie hätten dabei sein sollen, als der Junge umfiel. Fünf Dutzend Leute trampelten schreiend über ihn hinweg in Richtung Ausgang.«

Der Tote lag am Rand der kleinen Tanzfläche neben einem umgestürzten Stuhl. Offenbar hatte er auf diesem Stuhl gesessen, als ihn die Kugel traf. Ein halb gefülltes Whiskyglas stand auf dem Tisch. Das Eis darin war noch nicht geschmolzen.

»Haben Sie gesehen, wie er getroffen wurde?«, fragte ich den Fotografen.

Er schüttelte den Kopf. »Ich war in einer anderen Ecke beschäftigt. Erst als die Frauen aufkreischten, wurde ich aufmerksam. Sehen Sie selbst. Jeder konnte auf den ersten Blick erkennen, was mit ihm passiert war.«

Die Kugel hatte den Mann in den Hals getroffen und die Schlagader zerrissen. Hemd und Vorderseite der Jacke waren blutgetränkt.

Außer dem Fotografen lehnte nur ein bleichgesichtiger Barkeeper hinter der Theke am Flaschenregal und kaute verzweifelt an seinen Fingernägeln. Er wusste, dass er eine Menge Schwierigkeiten zu erwarten hatte. Seine Kaschemme war illegal, namenlos, ohne Konzession und Leuchtreklame, ein sogenannter Point. Ein Punkt, an dem sich junge Frauen trafen, die Liebe verkauften. Kein Wunder, dass Käufer und Verkäuferinnen Hals über Kopf geflohen waren.

Draußen heulte eine Polizeisirene. Zwei uniformierte Cops kamen herein. Nach einem flüchtigen Blick auf den Toten ging einer sofort wieder hinaus.

Der Sergeant kam zu mir. »Sind Sie der G-man, Sir?« Ich nickte. »Irgendwelche Befehle, Sir?«

»Nein. Ihr Kollege alarmiert die Mordkommission?«

»Ja, Agent.«

»Kennen Sie den Toten?«

»Carlo DiBello, einer von Ernest Gales Muskelmännern. Gale kontrolliert diesen Bezirk. Vermutlich wissen Sie das, Agent.«

»DiBello! Diesen Namen nannte er, als er mich anrief«, bestätigte ich. »Ich wünschte, ich hätte ein paar Minuten früher hier sein können.«

»Wollte er auspacken?«, fragte der Fotograf.

»Sagen Sie mir Ihren Namen«, verlangte ich.

Er lächelte und zog aus der Innentasche seiner Jacke einen Presseausweis, ausgestellt von der Journalistenvereinigung des Staates New Jersey. Er lautete auf den Namen Harmon Loyd.

»Für welche Zeitung arbeiten Sie?«, wollte ich wissen.

»Ich halte nichts von festen Bindungen. Ich verkaufe meine Fotos an jeden, der sie haben will. Das bringt mehr ein.«

»Ich verstehe. Es müssen nicht unbedingt Zeitungen sein, denen Sie Ihre Schnappschüsse anbieten. Manche Leute mögen es gar nicht, wenn sie in gewissen Situationen fotografiert werden. Sie zahlen gut, besonders für das Negativ.«

Loyd grinste fröhlich. Er besaß ein gut geschnittenes Gesicht mit kühlen grauen Augen. Das dichte blonde Haar trug er lang und sorgfältig gescheitelt. Nach dem Geburtsdatum im Presseausweis war er zweiunddreißig Jahre alt.

»In einem Point ist das Risiko für einen Mann Ihres Berufs hoch. Wenn Sie von Gales Leuten erwischt werden, enden Sie in einem Krankenhaus oder im Hudson.«

Er zuckte mit den Schultern. »Ich bin leidlich trainiert und ungefähr gleich schnell im Zuschlagen wie im Weglaufen. Es kommt auf die Situation an.«

»Geben Sie mir den Film aus Ihrer Kamera.«

»Es ist nichts darauf außer den Fotos von dem Toten. Ich bin vorher nicht zum Schuss gekommen.«

»Trotzdem!«

Schulterzuckend spulte er den Film zurück, öffnete die Kamera und übergab mir die Kassette. »Schade. Ich hatte gehofft, die Bilder an eine Zeitung zu verkaufen.«

»New Yorks Zeitungsleser sind übersättigt mit Bildern von umgebrachten Leuten.«

Eine Gruppe Männer betrat den Point, begleitet von einem halben Dutzend uniformierter Polizisten: die Beamten der Mordkommission. Sie bauten ihre Geräte auf. Zum zweiten Mal flackerten Blitzlichter. Der Kommissionsarzt beugte sich kurz über den reglosen Körper.

»Tod durch Gewalteinwirkung«, verkündete er, wie es die Vorschrift verlangt.

Fünf Minuten später entdeckte ein Beamter der Spurensicherungsgruppe die Waffe, mit der Carlo DiBello getötet worden war. In einem der drei Zimmer, zu denen von der Kaschemme eine Treppe hinaufführte, fand er ein Dreyton-Gewehr mit Schalldämpfer. Da die Tür des Zimmers auf eine schmale Balustrade hinausging, von der aus man in den Saal hinuntersehen konnte, bestand kein Zweifel, dass DiBello von diesem Zimmer aus erschossen worden war.

Ich nahm mir den Keeper vor. »DiBello kassierte bei dir die Schutzgebühr?«

Nicht einmal beim Sprechen nahm er die Finger aus den Zähnen. »Ich weiß nichts«, nuschelte er.

»Wo ist das Telefon?«

Er wies mit dem Kopf auf die Stirnwand. »Dort ist ein Automat.«

Ich betrat die Zelle, nahm den Hörer ab, warf eine Münze ein und wählte Phils Nummer. Vermutlich hatte mich DiBello von diesem Apparat aus angerufen. Ungefähr zehn Minuten vor seinem Tod.

Phil meldete sich.

»Hast du die Hosen noch an?«, fragte ich.

»Frag mich nicht solche Sachen in Gegenwart einer Lady«, empörte sich mein Freund. Im Hintergrund kicherte eine junge Frau. Bei Phil war der Frühling schon seit einigen Wochen ausgebrochen, obwohl New York noch unter einer Decke von schmutzigem Schneematsch lag.

»Bestell der Kleinen ein Taxi und schick sie heim zu Mami. Fahr ins Hauptquartier und bring das Tonbandgerät aus der Einsatzzentrale in den Silver Strike Nightclub.«

»Zu Ernest Gale?«

»Genau.«

»In fünf Minuten.«

Bevor ich auflegte, bekam ich noch zwei Sekunden vom Protest der jungen Frau mit. Es klang wie das enttäuschte Miauen einer Katze.

***

Ein silbriger Neonblitz zuckte in Sekundenabständen über dem Eingang des Silver Strike Club. Der Portier legte die Hand an die goldbetresste Mütze. Ein Garderobengirl in Netzstrümpfen und einer Goldbrokatweste nahm mir den Hut ab, ein befrackter Kellner wollte mich zu einem Tisch geleiten.

»FBI«, sagte ich. »Ich brauche den Chef.«

Das Lächeln verschwand aus seinem Gesicht wie ausgeknipstes Licht. »Ich weiß nicht, ob Mister Gale im Hause ist«, lispelte er. Er kam nicht zurück.

An seiner Stelle erschien Nelson Giordano, Gales Sekretär, Leibwächter und gefährlichster Killer. Er war ein vierschrötiger, schweigsamer Mann, dessen schwarzes Kraushaar tief in die niedrige Stirn wucherte.

»Komm«, knurrte er. Durch die marmeladenrote Beleuchtung des Hauptraums führte er mich an der Bühne vorbei, auf der sich ein grell angestrahltes Mädchen aus den Kleidern wand. Die Strips des Silver Strike Club zählten zu den heißesten Shows in New Yorks kalten Winternächten.

Giordano öffnete eine Tapetentür. Der Gang dahinter war notdürftig erhellt und endete vor einer Mahagonitür, gegen deren Füllung Giordano respektvoll klopfte. Ein Grunzen antwortete.

Ich durfte eintreten.

Ernest Gale war ein Gebirge von einem Mann. Er war einen halben Kopf größer als ich, ein Dutzend Zoll breiter und mindestens vierzig Pfund schwerer. Zu Beginn seiner Laufbahn hatte er seine Körperkräfte benutzt, um Gegner aus dem Weg zu räumen. Später ließ er andere die schmutzige Arbeit machen und verließ sich auf die Einfälle seines Gehirns. Er war schlau, gerissen und skrupellos.

Der Silver Strike Club war seine Visitenkarte für die Öffentlichkeit. Hinter dieser Fassade dirigierte der riesige Mann eine Gangsterorganisation, die Gewinne aus jedem Verbrechen zog, das zwischen der 7th Avenue und dem Roosevelt Drive verübt wurde. Das FBI hielt Ernest Gale für den Boss mehrerer Racketbanden, die ihren fragwürdigen Schutz an Geschäftsinhaber jeder Größenordnung verkauften. Er verlangte einen Anteil am Gewinn der Bordelle und Points und kassierte bei den Wetten der illegalen Buchmacher mit.

»Hallo, G-man«, dröhnte er, ohne sich aus dem Sessel zu rühren, in dem er mit weit von sich gestreckten Beinen lag. Auf seinem mächtigen Schädel wuchsen nur noch ein paar einzelne Haare. Ein massiges Kinn, die aufgedunsenen Wangen und die kleinen, schräg stehenden Augen verliehen seinem Gesicht tatarische Züge. Auf Kleidung legte er nicht den geringsten Wert. Er steckte in seinem sackweiten Anzug wie ein Elefant in den Falten seiner Haut. »Wollen Sie einen Drink, Agent?« Er wartete die Antwort nicht ab, drückte auf einen Knopf an der Armlehne seines Sessels und sagte: »Whisky, Eis, Soda!«

Zwei Minuten später öffnete sich die Tür. Ein Brokatwesten-Mädchen schob einen Servierwagen herein, füllte Eis und Whisky in ein Glas und griff mit einem fragenden Blick nach der Sodaflasche. Ich verneinte. Lautlos verschwand die junge Frau.

»Bedienen Sie sich, Agent. Ich muss verzichten. Dem Arzt gefällt meine Leber nicht. Habe anscheinend früher zu viel von dem Zeug geschluckt.«

Ich rührte das Glas nicht an. Gale musterte mich aus den Augenwinkeln, grinste und drückte auf einen anderen Knopf an der Sessellehne. An der linken Seitenwand des Zimmers schob sich ein großes Gemälde in die...

Erscheint lt. Verlag 31.7.2018
Reihe/Serie Jerry Cotton Sonder-Edition
Jerry Cotton Sonder-Edition
Verlagsort Köln
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Krimi / Thriller / Horror Krimi / Thriller
Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte 2017 • 2018 • Abenteuer • alfred-bekker • Bastei • Bestseller • Deutsch • eBook • E-Book • eBooks • erste fälle • erste-fälle • gman • G-Man • Hamburg • Horst-Bosetzky • international • Kindle • Krimi • Krimiautoren • Kriminalgeschichten • Kriminalroman • Krimis • krimis&thriller • letzte fälle • martin-barkawitz • nick-carter • Polizeiroman • Reihe • Roman-Heft • schwerste fälle • schwerste-fälle • Serie • Soko-Hamburg • spannend • spannende Krimis • Spannungsroman • stefan-wollschläger • Stefan Wollschläger • Tatort • Terror • thomas-herzberg • Thriller • uksak • Wegner
ISBN-10 3-7325-6811-3 / 3732568113
ISBN-13 978-3-7325-6811-6 / 9783732568116
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