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G. F. Unger 1966 (eBook)

Ballanghers Stolz

(Autor)

eBook Download: EPUB
2018 | 1. Aufl. 2018
Bastei Entertainment (Verlag)
978-3-7325-6600-6 (ISBN)

Lese- und Medienproben

G. F. Unger 1966 - G. F. Unger
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Als Matt Ballangher in einem Pokerspiel die Brücke ins Goldland gewinnt, ahnt er nicht, dass sie und die Rache, die ihn hergeführt hat, zu seinem Schicksal werden ...

Zwanzig Dollar pro Nacht, damit kann man gut auskommen. Ein Minenarbeiter verdient hier in Canyon City vier Dollar pro Schicht.

Hier im Spielraum geht es ziemlich leise zu. Doch im benachbarten Tingeltangel ist es laut. Durch die dünne Wand klingt Musik. Auf der Bühne tanzen Mädchen. Man hört es an der Musik, am Stampfen der Füße. Und dann singen sie sogar noch.

Matt Ballangher hebt den Kopf, als ein Mann an ihren Tisch tritt, der etwas zu hastig atmet und in dessen blaue Augen kaum verborgene Unruhe flackert.

»Kann ich mitspielen, Gents?«, fragt er etwas heiser – dann sitzt er auch schon.

Der Frachtfahrer sagt jetzt erst: »Sicher, Sie können mitspielen. Ich kenne Sie, Mister. Sie sind doch Steve Quade von der Bridge Station, nicht wahr?«

»Der bin ich«, sagt der Mann und mustert die anderen Spieler der Reihe nach. Sie nicken zum Einverständnis, auch Matt Ballangher tut es. Denn ihm ist der neue Mitspieler sympathisch. Der Mann ist in seinem Alter, also um dreißig, blond, blauäugig, groß und geschmeidig. Er ist ein sehr männlich und hart aussehender Bursche, dem man verwegene Kühnheit zutraut.

Aber dennoch geht eine ständige Unruhe von ihm aus. Es scheint fast so, dass er sich draußen wie ein Gejagter fühlt, der froh ist, mit anderen Männern an einem Pokertisch sitzen zu können.

Dieser Steve Quade legt Geld auf den Tisch, lässt sich vom Chinajungen ein Glas Whisky bringen und beginnt mitzuspielen. Er spielt unkonzentriert und beobachtet ständig die Tür.

Er spielt ziemlich leichtsinnig. Es dauert keine Stunde – und er hat fast hundert Dollar verloren.

Der Frachtfahrer fragt plötzlich: »Steve, was ist los?«

»Oh, nichts«, sagt dieser. »Ich habe mit meiner Braut gestritten. Es wird keine Hochzeit geben. Aber das ist meine Sache. Spielen wir! Wenn man Pech in der Liebe hat, muss man doch beim Spiel ein Glückspilz sein – oder? Ich will es probieren.«

Sie starren ihn an – neugierig, wachsam, etwas misstrauisch. Dann nicken sie.

Im Spielraum des Canyon Saloons sind alle Tische belegt. Und um die Rouletttische, bei den Würfeln und auch beim Faro stehen die Gäste dicht gedrängt. Manchmal schieben sich Männer der verschiedensten Sorte an ihrem Tisch vorbei.

Dann wirkt Steve Quade lauernd, angespannt, und er scheint sogar bleich unter der gebräunten Gesichtshaut zu werden.

Sein Spiel wird immer leichtsinniger. Das Limit der Einsätze ist längst erhöht. Es ist vorauszusehen, wann Steve Quade nicht mehr mitspielen kann, weil ihm das Geld ausgegangen ist, es sei denn, er hätte noch welches in seinen Taschen.

Um Mitternacht ist es dann so weit.

Er verliert den letzten Dollar, als der Pot an Matt Ballangher geht.

»Na, dann können wir ja aufhören«, sagt der Goldgräber, der mehr als fünfzig Dollar gewann. Er sagt es mit einem erleichterten Seufzen.

»Nein – nein«, widerspricht ihm Steve Quade. Nun sieht man die Schweißperlen auf seiner Stirn im Lampenschein glitzern. »Nein, Gentlemen! Jetzt geht es erst richtig los. Ich bin noch längst nicht blank. Ich habe noch ’ne Menge zu bieten. Hier!« Er nimmt seinen Hut ab, den er bisher weit aus der Stirn geschoben hatte. Aus diesem Hut bringt er ein zusammengefaltetes Papier zum Vorschein.

Er faltet es auseinander. Seine langen, geschmeidigen Finger sind dabei etwas zu unruhig, fast schon zittrig.

»Hier«, sagt er. »Das ist unter Brüdern dreitausend Dollar wert, wahrscheinlich sogar noch mehr. Gebt mir Kredit. Ich habe doch Kredit für die Bridge Station bei euch? Lasst mich nicht hängen. Ich will weiterspielen.«

»Nein«, sagt da der Mineningenieur und erhebt sich.

Der Frachtfahrer und der Goldgräber sehen sich an und blicken dann wieder auf Steve Quade.

»Die Bridge Station«, sagt der Frachtfahrer, »he, die Bridge Station wollen Sie aufs Spiel setzen? Holla, das würde ich aber nicht, Steve Quade. Niemals! Sind Sie denn verrückt? Da mache ich nicht mehr mit!« Nach diesen Worten erhebt auch er sich und geht.

Der Goldgräber folgt seinem Beispiel, wobei er murmelt: »Ich bin doch nicht verrückt.«

Matt Ballangher mischt langsam und lässig die Karten. Aber dabei sieht er Steve Quade fest an.

»Was ist mit der Bridge Station? Warum bekamen sie alle plötzlich kalte Füße?«

Steve Quade sitzt nun ausgebrannt da, kraftlos und erschöpft.

»Ach«, sagt er, »mir gehört die einzige Brücke weit und breit, die über eine Schlucht weiter hinauf ins Goldland führt, ins Five-Finger-Canyon-Land. Es ist die einzige Stelle, an der man eine Brücke bauen konnte. Ich habe sie gebaut und zugleich eine Station für Frachtwagen und Postkutschen errichtet, dazu einen Store und ein kleines Gasthaus. Das alles ist wahrhaftig dreitausend Dollar unter Brüdern wert.«

Matt Ballangher nickt langsam. »Ins Five-Finger-Canyon-Land führt also nur der Weg über diese Brücke?«, fragte er langsam.

Steve Quade nickt.

»Ja. Bei mir müssen sie alle hinein und auch wieder heraus.«

»Dann ist sie dreißigtausend Dollar wert«, murmelt Matt Ballangher.

»Mir nicht – wenn ich mit dreitausend hier wegkommen könnte. Mir nicht. Ich will nur mit dreitausend weg. Und ich möchte in Gesellschaft bleiben, bis die Morgenpost abfährt. Das ist es.«

Matt Ballangher nimmt das Papier und sieht, dass es sich um eine Urkunde handelt. Das Land zu beiden Seiten der Brücke ist als Claims eingetragen, und diese Claims reichen über den Schluchtrand hinunter bis zur Mitte der Schluchtsohle, wo sie sich treffen.

Es ist eine einwandfreie Sache. Die Brücke verbindet vier durch eine Schlucht getrennte Claims miteinander.

»Wer will es haben?«, fragt Ballangher pulvertrocken. »Wer ist der Bursche, vor dem Sie sich die ganze Zeit fürchten und davonlaufen wollen?«

»Das weiß fast jeder im Goldland«, murmelt Steve Quade. »John McClusky ist hier der liebe Gott. Sind Sie so neu im Land?«

Matt Ballangher nickt: »Neu in Canyon City – aber vom Five-Finger-Canyon-Land hab ich schon gehört. Das soll ein gutes Versteck sein. Doch zugleich auch eine Mausefalle, nicht wahr?«

Steve Quade nickt.

»Die Brücke«, murmelt er, »kann dreißigtausend Dollar wert sein, wenn sie einem Mann gehört, der sie halten kann. John McClusky will sie haben. Gegen ihn kann ich sie nicht halten. Aber er soll sie nicht bekommen. Ich wollte meine Reisekasse auffüllen und verschwinden. Es war meine Absicht, die Brücke einer großen Minen- und Bodenverwertungsgesellschaft in Denver anzubieten, einer Gesellschaft, die groß genug gewesen wäre, um sich nicht vor John McClusky zu ducken. Verstehen Sie, Freund? Aber jetzt hab ich sogar mein Reisegeld verloren. Wollen wir noch einmal spielen, Mister? Ich setze diese Besitzurkunde gegen Ihr ganzes Geld.«

»Ich bin Ballangher, Matt Ballangher«, murmelt dieser und nimmt die Urkunde nochmals zur Hand, vertieft sich darin.

Aber er kann nur noch einmal feststellen, dass das Dokument astrein ist. Ursprünglich waren es vier Claims, die von vier verschiedenen Besitzern angemeldet worden waren. Einer der vier Besitzer war Steve Quade. Er kaufte den anderen Männern die Claims ab. Zwei der Claims befinden sich diesseits und zwei jenseits der Schlucht. Nach der Urkunde ist die Brücke eine Brücke auf einem privaten Claim.

Alles ist vom Claimbüro und dem Regierungsbeauftragten bestätigt. Die Claimnummern sind registriert. Es ist alles astrein.

Matt Ballangher entschließt sich.

»Ja, spielen wir. Ich habe etwas über tausend Dollar. Spielen wir. Bruderherz, du hast die Chance, mich völlig blank zu machen. Und das Gleiche kann auch ich bei dir tun. Also?«

»Die höchste Karte gewinnt«, sagt Steve Quade. »Und wenn ich gewinne, dann leistest du mir Gesellschaft bis zur Abfahrt der Postkutsche, ja?«

Matt Ballangher nickt.

Er wendet sich um, entdeckt einen der Hauspolizisten, der nicht weit entfernt an der Wand lehnt und fortwährend die Spieltische beobachtet. Er begegnet dem Blick des Mannes und winkt ihn heran.

»Ist was?«, fragt der Bursche mürrisch, denn es passt ihm nicht, dass er so herangewinkt worden ist.

»Bitte, helfen Sie uns, Freund«, sagt Matt Ballangher. »Mischen Sie die Karten für uns. Eine Wette, wissen Sie?«

Der Mann zögert und schaut Quade an. »Sie sind doch Steve Quade – der von der Brücke?«, fragt er.

»Na und?«, fragt Quade zurück.

Der Mann sagt nichts. Er starrt auf die zusammengefaltete Urkunde, so, als wüsste er genau, um was es geht. Dann blickt er Matt Ballangher an.

Er sieht einen großen, hageren, dunklen Burschen, von dem eine indianerhafte Kühnheit ausgeht. Er sieht einen Mann mit hellen, kühlen Augen, in dessen dunklem Gesicht ein paar Narben sind.

»Na schön«, sagt er, nimmt die Karten, mischt sie und legt das Häufchen dann auf den Tisch.

»Das ist es«, sagt er. »Und nun will ich sehen, wer gewinnt.«

»Das geht schnell«, murmelt Steve Quade. Er wischt mit der Hand über das Kartenhäufchen, sodass sich die Karten ausbreiten. Dann ergreift er eine und wirft sie mit dem Bild nach oben auf den Tisch.

Es ist eine Karo-Dame.

Matt Ballangher zögert nicht. Er hat noch niemals in seinem Leben gezögert, wenn es darum ging, eine angefangene Sache zu beenden. Überdies hat er ein gutes Gefühl, und schon immer konnte er sich auf seinen Instinkt verlassen.

Die Karte, welche er umdreht, ist ein Joker.

Der Hauspolizist grinst und sagt:...

Erscheint lt. Verlag 10.7.2018
Reihe/Serie G.F.Unger
Verlagsort Köln
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Krimi / Thriller / Horror
Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte 2017 • 2018 • Abenteuer-Roman • alfred-bekker • Bestseller • bud-spencer • buffalo-bill • Cassidy • Chaco • clint-eastwood • Country • Cowboy • Deutsch • eBook • E-Book • eBooks • Erwachsene • Exklusiv • für • GF • g f barner • Indianer • jack-slade • Jugend • Karl May • kelter-verlag • Kindle • Klassiker • Krimi • Laredo • larry-lash • Lassiter • lucky-luke • Männer • martin-wachter • pete-hackett • peter-dubina • Reihe • Ringo • Roman-Heft • Serie • sonder-edition • Western • Western-roman • Westernromane • Wilder Westen • Wilder-Westen • Winnetou • Wyatt Earp • Wyatt-Earp
ISBN-10 3-7325-6600-5 / 3732566005
ISBN-13 978-3-7325-6600-6 / 9783732566006
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