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G. F. Unger Western-Bestseller 2366 (eBook)

Missouri-Legende

(Autor)

eBook Download: EPUB
2018 | 1. Aufl. 2018
Bastei Entertainment (Verlag)
978-3-7325-6615-0 (ISBN)

Lese- und Medienproben

G. F. Unger Western-Bestseller 2366 - G. F. Unger
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Noch nie hatte es jemand geschafft, fünfhundert Rinder auf dem Big Muddy ins Goldland von Montana zu bringen. Doch für die schöne Karen Hutchinson wagt Barton Lane das Unmögliche ...


»Selbstverständlich«, sagt sie. Doch sie verlässt nicht den Saloon, um draußen zu warten, wie es jede andere Frau getan hätte. Sie tritt näher an den Pokertisch heran, und die Männer begreifen, dass sie dem Spiel zusehen will.

Der Schiffseigner Barton McLane ist ein großer Mann, hager und sehnig, doch mit breiten Schultern. Er wirkt eigentlich gar nicht wie ein Flussschiffer, eher wie ein Reiter, ein Rindermann. Er ist bestimmt nur wenige Jahre älter als die Frau. Und er hat ebenfalls rote Haare, nur heller, flammender, herausfordernder. Seine Augen sind grau, sehr kühl und fest. Er hat ein ruhiges und kühn wirkendes Gesicht, und es ist jetzt ausdruckslos und starr.

Denn er spielt mit rauen und hartgesottenen Männern Poker.

Ohne noch einen weiteren Blick in seine Karten zu werfen, holt er seine Brieftasche heraus, zählt nochmals hundert Dollar ab, wirft sie zu dem anderen Geld in die Tischmitte und sagt: »Ich habe es jetzt eilig, Jungs! Wer will noch?«

Sein Nachbar starrt auf das Geld, und er müsste jetzt ebenfalls mit hundert Dollar mitbieten.

Er blickt zur Seite und Barton McLane an. Der erwidert den Blick unpersönlich und ausdruckslos.

Und da atmet der Mann langsam aus und sagt: »Ich passe! Ich steige aus!«

Das scheint eine Art Signal für die vier anderen Männer zu sein. Sie zögern und überlegen zwar, und sie blicken zumeist nochmals in ihre Karten und rechnen und kalkulieren. Sie starren auch Barton McLane an, misstrauisch, zweifelnd und manchmal sogar etwa böse.

Doch irgendwie zerbrechen sie dann an dessen ausdrucksloser Ruhe, die wie etwas Greifbares von ihm auszugehen scheint. Sie verspüren alle nacheinander die gleichen Zweifel und die gleiche Unsicherheit. Und sie geben auf. Sie bieten nicht mehr mit.

Als er das Geld einstreicht – es sind nun mehr als vierhundert Dollar, und das ist der Jahreslohn eines guten Cowboys! –, beginnt er zu lächeln.

»Jungs«, sagt er, »ihr müsst noch den richtigen Big-Muddy-Poker lernen.« (Big Muddy – so wird der Missouri genannt, und es bedeutet »Großer Schlammfluss«.) Er macht eine Pause, seine Zähne blitzen nun. »Also bis zum nächsten Mal. Und dann lasst euch von mir nicht so schnell aus dem Spiel bluffen.«

Er stopft das Geld in seine Taschen, erhebt sich, geht um den Tisch herum und verbeugt sich leicht vor der Frau.

»Wenn es Ihnen jetzt …«

»Schon gut, gehen wir hinaus!« Sie sagt es knapp, betrachtet ihn von oben bis unten und geht dann vor ihm aus dem Saloon.

Die Männer blicken ihnen nach.

»Was mag die von ihm wollen?«, fragt eine Stimme.

Doch inzwischen hat einer der Männer Barton McLanes Blatt aufgedeckt. Er erblickt ein jämmerliches Paar und beginnt schrecklich zu fluchen.

»Dieser Hundefloh!«, keucht er. »Ich habe drei Damen, und ich lasse mich von diesem Fluss-Rutscher aus dem Spiel bluffen! Mit einem jämmerlichen Neunerpaar blufft er mich aus dem Spiel. Ich …«

»Beim nächsten Mal wird er mich nicht mehr aus dem Spiel bluffen können, und wenn er gleich um tausend Dollar steigern sollte«, verspricht einer der Männer.

Die anderen nicken.

Doch einer, der am Spiel nicht teilgenommen hatte und in der anderen Ecke saß, sagt herüber: »Der gewinnt immer im Poker! Du kannst sicher sein, dass er beim nächsten Mal nicht blufft, wenn du der Meinung bist, Franky, er wollte dich wieder aus dem Spiel bluffen. Sei nur vorsichtig mit ihm. Der könnte mit dem Präsidenten spielen und würde nicht schlecht dabei abschneiden.«

☆☆☆

Barton McLane schreitet indes neben der Frau zu einem Haltebalken, an dem sie ihr Pferd angebunden hat. Es ist ein Rinderpferd mit einem richtigen Cowboysattel. Das erkennt McLane sofort. In einer Lederschlinge hängt ein Lasso.

Barton McLane betrachtet die Frau. Obwohl diese Frau ziemlich groß ist, muss sie zu ihm aufsehen. Sie tut es fest und geradezu. Daran erkennt er, dass sie gewöhnt ist, mit Männern umzugehen.

»Womit kann ich Ihnen dienen, Madam?«, fragt er.

Sie betrachtet ihn immer noch forschend.

»Es war interessant für mich«, sagt sie, »Sie Poker spielen zu sehen. Verraten Sie mir eines: Wie war Ihre Karte?«

»Ein Neunerpaar«, sagt er sanft. »Ich wollte schon passen. Doch dann kamen Sie herein. Ich dachte mir gleich, dass ich nun die anderen Spieler bluffen könnte. Aber wollen Sie von mir Unterricht im Poker bekommen?«

Sie lächelt ernst.

»Ich sah das Schiff an der Landebrücke«, sagt sie dann. »Und ich wollte mir den Eigner dieses Schiffes ansehen.«

»Sind Sie zufrieden?«, fragt er, und in seinen grauen Augen funkeln helle Lichter.

»Sie riskieren manchmal einen hohen Einsatz, um einen hohen Gewinn einstreichen zu können«, sagt sie.

Er nickt. »Sicher«, sagt er langsam. »Wollen Sie mich am Ende auch zu einem Spiel einladen?«

Sie nickt und klopft ihrem Pferd die Seite.

»Ein ziemlich raues Spiel mit hohem Risiko«, sagt sie.

»Und was kann ich gewinnen?«

»Ihr Reingewinn dürfte nach Abzug aller Unkosten etwa zwanzigtausend Dollar betragen«, sagt sie schlicht.

Er schweigt einige Sekunden und betrachtet sie.

»Was ist das für ein Spiel?«, fragt er.

»Ich besitze fünfhundert Rinder. Und Ihr Steuermann sagte mir, dass die ›Missouri Bee‹ genauso viele Rinder und noch einige Pferde fassen kann.«

»Rindertransport?«, fragt er.

»Ins Goldland von Montana«, sagt sie. »Dort oben an der Nordgrenze suchen zehntausend Männer nach Gold. Sie werden im Winter Fleisch haben müssen. Ich möchte fünfhundert Rinder auf dem Flussweg hinaufschaffen. Und ich suche einen Partner, der ein Schiff besitzt, welches groß genug ist. Ich bringe die Rinder! Sie bringen das Schiff! Ich bringe die Rindermannschaft. Und den Gewinn teilen wir!«

»Sie haben mir noch nicht einmal Ihren Namen genannt«, murmelt er kühl.

»Ich bin Karen Hutchinson«, sagt sie.

»Miss?«

»Mein Mann ist im Rindercamp – fünf Meilen von hier.«

»Und warum schickt er Sie, um Männergeschäfte zu erledigen?«

»Weil er am Red River vor Monaten eine Kugel in den Leib bekam und seit diesem Tag ein kranker Mann ist. Weil ich die Herde und die Mannschaft führe. Deshalb, Barton McLane!«

Sie sagt es hart, und als er sie betrachtet, da erkennt er auch ihre Härte, die kaum etwas Weibliches hat. Doch er ahnt, dass ihre Härte aus der Not und der Verzweiflung geboren wurde.

Und plötzlich verspürt er Mitleid mit ihr.

»Ich glaube nicht …«, beginnt er. Doch dann verstummt er und sieht schweigend zu, wie sie den Kopf hebt, wie sie das Kinn anzieht und sich strafft.

Sie wendet sich ihrem Pferd zu und hebt den Fuß, um ihn in den Steigbügel zu schieben.

McLane ist etwas betroffen und beschämt, denn die Frau handelt nun sehr stolz und entschieden. Sie bittet nicht mehr oder versucht es mit irgendwelchen Mitteln, von denen ja eine hübsche Frau sehr viele zur Verfügung hat. Nein, sie hat offen und frei ihr Angebot gemacht. Er hat es abgelehnt, und nun bittet sie ihn nicht und versucht es nicht mit Überredung. Das gefällt ihm an ihr, ja, er ist sogar sehr beeindruckt.

Er streckt seine Hand aus und erfasst ihren Oberarm.

»Vielleicht sollten wir uns ausführlich darüber unterhalten«, sagt er sanft.

Ihr Blick ist misstrauisch. Sie prüft nun wachsam und sorgfältig. Doch sie kann an ihm nichts erkennen, was ihr missfallen müsste. Sie sieht nur einen großen, hageren und rothaarigen Mann, dessen Gesicht ruhig ist und dessen Härte keine böse Härte ist.

»Wenn wir ausführlicher über die Sache reden wollen«, sagt sie, »dann borgen Sie sich für zwei oder drei Stunden ein Pferd und reiten Sie mit mir zur Herde. Wir können unterwegs darüber sprechen, und Sie können auch alles gleich selbst in Augenschein nehmen. Ich habe ja auch Ihr Schiff besichtigt, bevor ich zu Ihnen kam. Ihr Steuermann ist ein Mann wie ein Bär, doch er war sehr freundlich zu mir.«

Sie sitzt nun auf und wartet im Sattel.

Barton McLane überlegt drei Sekunden. Dann tritt er noch einmal in den Saloon und ruft von der Tür: »He, Charly Brown, kann ich für drei Stunden dein Pferd nehmen? Du kannst dafür drei Stunden auf meine Kosten trinken.«

»Das ist gemacht!« Ein kleiner Bursche, der schon ziemlich bejahrt ist, springt von einem Ecktisch auf wie von einer Nadel hochgejagt. Er saß dort und blätterte in einem Katalog für Damenbekleidung. Nun aber ist er schon unterwegs zum Schanktisch.

»Hast du gehört?«, fragt er laut. »Hast du gehört? Ich kann auf Barton McLanes Kosten drei Stunden …«

Barton McLane hört die weiteren Worte nicht. Doch als er aus dem Saloon kommt, grinst er. Denn er weiß genau, dass der kleine Charly Brown nicht viel vertragen kann und viel zu gierig ist, um drei Stunden durchzuhalten. Charly wird binnen zwanzig Minuten unter dem Tisch liegen, und er wird dennoch nur so viel getrunken haben, wie ein anderer nötig hat, um lustig zu werden.

Karen Hutchinson beobachtet aufmerksam, wie der große Rotkopf zu einem der hier angebundenen Pferde geht. Es ist ein altes, doch großes und starkes Pferd. Die Frau beobachtet, wie sich der Mann in den Sattel schwingt. Als sie es gesehen hat, da weiß sie, dass Barton McLane nicht immer zu den Flussleuten gehörte.

Und nun weiß sie auch die feinen Narben auf seinem Handrücken zu deuten. Es sind Lassonarben, die entstehen, wenn eine um die Hand geschlungene Lassoleine...

Erscheint lt. Verlag 3.7.2018
Reihe/Serie Western-Bestseller
Verlagsort Köln
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Krimi / Thriller / Horror
Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte 2017 • 2018 • Abenteuer-Roman • alfred-bekker • Bestseller • bud-spencer • buffalo-bill • Cassidy • Chaco • clint-eastwood • Country • Cowboy • Deutsch • eBook • E-Book • eBooks • Erwachsene • Exklusiv • für • GF • g f barner • Indianer • jack-slade • Jugend • Karl May • kelter-verlag • Kindle • Klassiker • Krimi • Laredo • larry-lash • Lassiter • lucky-luke • Männer • martin-wachter • pete-hackett • peter-dubina • Reihe • Ringo • Roman-Heft • Serie • sonder-edition • Western • Western-roman • Westernromane • Wilder Westen • Wilder-Westen • Winnetou • Wyatt Earp • Wyatt-Earp
ISBN-10 3-7325-6615-3 / 3732566153
ISBN-13 978-3-7325-6615-0 / 9783732566150
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