Jerry Cotton 3184 (eBook)
64 Seiten
Bastei Entertainment (Verlag)
978-3-7325-6489-7 (ISBN)
'Überfall auf das Forschungslabor der SciTech in Arlington. Mehrere Eindringlinge. Es wurden Schüsse gemeldet.' Dieser Funkspruch erreichte Phil und mich an einem Sonntagabend. Wir rasten zu dem Gelände, aber es gelang uns nicht, zu verhindern, dass die Diebe mit ihrer Beute entkamen. Es handelte sich um Angriffsdrohnen, für die sie zu töten bereit waren! Die Drohnen konnten mit Sprengstoff beladen und auf ein Ziel programmiert werden. Dazu fehlte den Gangstern der entsprechende Code. Und den hatte nur ein einziger Mann: ein Wissenschaftler, der spurlos verschwunden war ...
Es war Sonntagabend. Gerade noch. Phil und ich befanden uns auf dem Rückweg von einem kleinen Ausflug in eine Bar in Arlington, in der wir einen Informanten getroffen hatten. Der Mann hatte uns angeblich etwas Wichtiges über ein neues Drogenverteilernetz der Dixie-Mafia an der gesamten Ostküste erzählen wollen. Im Verlauf des Gesprächs hatte sich jedoch herausgestellt, dass seine Informationen so dünn waren, dass sie nicht einmal ausgereicht hätten, um einem Supermodel Schatten zu spenden.
»Der Kerl hatte nur einen Wochenendblues«, knurrte Phil. »Der brauchte Gesellschaft.«
»Die hat er ja bekommen.«
»Ja.« Phil schnaubte. »Und einen Whisky auf Staatskosten.«
Ich lachte. »Von seiner Warte aus sicher ein gutes Geschäft.«
Phil fiel in mein Lachen ein. »Zu blöd, dass wir im Dienst waren, sonst hätten wir auch was von dieser Aktion haben können.«
»Man kann nicht immer gewinnen«, meinte ich.
Wir hatten den Potomac fast erreicht.
Phil streckte seine müden Glieder und gähnte. »Wenigstens haben wir morgen frei. Diese Bereitschaftsdienste sind manchmal wirklich so was von langw …«
Das Funkgerät in unserem Dienstwagen erwachte zum Leben.
»Überfall auf das Forschungslabor der SciTech in Arlington. Mehrere Eindringlinge. Es wurden Schüsse gemeldet.« Die Leitstelle gab die entsprechende Adresse durch.
»Das ist gleich hier um die Ecke.« Phil deutete mit dem Daumen über seine Schulter. »Allerdings in der anderen Richtung.«
Ich nickte nur. Mit quietschenden Reifen wendete ich den Wagen und gab wieder Gas.
***
Wir hörten die Schüsse schon, als wir uns dem SciTech-Gelände näherten.
»Das klingt nicht gut«, sagte Phil, während er seine Glock zog und mit ein paar routinierten Griffen überprüfte.
Ich kam vor dem Eingang des hauptsächlich aus Chrom und Glas bestehenden Hauptgebäudes zum Stehen. Ein von Stacheldraht gekrönter Maschendrahtzaun lief um das seitlich davon und dahinter liegende Firmengelände.
Wir stiegen aus unserem Dienstwagen aus.
Das Hauptgebäude wirkte verlassen.
Mit dem Blick folgte ich dem Verlauf des Zauns. In einem Abstand von zwanzig Yards aufgestellte Lampen taten ihr Bestes, um die Dunkelheit in Schach zu halten. Deshalb war auch nicht zu übersehen, dass das Zufahrtstor zu dem umzäunten Bereich, das sich nicht weit von uns befand, offen stand.
Eilig näherten wir uns der Einfahrt.
»Zumindest ist klar, wie die Eindringlinge auf das Gelände gelangt sind«, bemerkte Phil nüchtern.
In diesem Augenblick erklangen, nach einer kurzen Feuerpause, die seit unserem Eintreffen eingetreten war, wieder ein paar Schüsse. Sie kamen eindeutig aus Richtung eines niedrigen, lang gestreckten Gebäudes, das wir vom Tor aus sehen konnten und das zusammen mit dem kürzeren vorderen Gebäudeteil ein T bildete. Ein weiterer Hinweis, wohin wir uns wenden sollten. Als wäre nach dem Anblick des zerstörten Tors noch ein solcher nötig gewesen.
Phil nickte mir zu, und gemeinsam rückten wir auf das rückwärtige Gelände vor.
Auf dem Hof vermieden wir die von den Lampen auf den Boden geworfenen Lichtinseln, um uns nicht anzukündigen, dann setzten wir den Weg zum hinteren Bereich des Gebäudes fort, aus dem die Schüsse zu hören waren.
Die Chrom- und Glasfassade ging zum Ende hin in eine einfache verputzte Mauer ohne Fenster über.
Phil deutete auf eine schmale Metalltür.
Wortlos nahmen wir unsere Positionen seitlich der Tür ein. Vorsichtig langte Phil nach dem Türknauf und drehte ihn. Wir hatten Glück. Die Tür öffnete sich einen Spaltbreit. Phil streckt der Kopf vor und warf einen Blick ins Innere.
»Was siehst du?«, flüsterte ich.
»Eine Art Lager, aber von der Hightech-Sorte. Ziemlich geräumig. Beladene Regale, die in relativ großen Abständen voneinander stehen, hier und da ein paar Kisten auf den freien Flächen dazwischen, Kräne an den Decken. Wenn es Lagerhallen in Krankenhäusern gäbe, sähen die so porentief rein aus wie diese hier.« Er stockte kurz. »Da ist ein Typ in Uniform, der sich hinter einer der Kisten verschanzt hat. Anscheinend ein Wachmann. Er schaut zum Ende der Halle.«
Phil hatte kaum den Satz beendet, als ein weiterer Schuss aufbellte, gefolgt vom kurzen Hämmern einer Maschinenpistole.
»Dann befinden sich dort wohl die Eindringlinge«, folgerte ich. »Kannst du sehen, wie viele es sind?«
Phil schüttelte den Kopf. »Die Tür ist im Weg. Ich fürchte, wir müssen auf die harte Tour herausfinden, mit wie vielen Gegnern wir es zu tun haben.« Er sah mich an. »Auf drei?«
Ich brachte die Glock in Anschlag, bereit, meinen Partner zu sichern. »Wie immer.«
Phil zählte, stieß die Tür ganz auf und drang, nach links sichernd, in die Halle vor. Einen Sekundenbruchteil später folgte ich ihm, die rechte Seite und den Bereich vor uns im Auge behaltend. Durch das Gestänge eines der Regale vor uns sah ich den Wachmann, den Phil erwähnt hatte. Neben ihm lag ein weiterer Uniformierter, den mein Partner von seiner früheren Position aus nicht hatte sehen können. Der Mann rührte sich nicht.
Alarmiert ruckte der Kopf des noch einsatzfähigen Wachmanns zu uns herum – und mit ihm seine Waffe.
»FBI!«, rief ich und hielt mit der Linken meinen Dienstausweis hoch.
Der Wachmann senkte die Waffe ein Stück, war aber erst vollkommen davon überzeugt, dass wir auf seiner Seite waren, als die Eindringlinge auf uns zu schießen begannen.
Ich wandte meine Aufmerksamkeit nach links. Nicht weit von uns stand eine hohe, lange Metallkiste, die mehr als ausreichend war, um Phil und mir Deckung zu bieten. Wir duckten uns dahinter.
Ein paar Kugeln schlugen gegen das Metall und sirrten als Querschläger davon.
»Jaja, diese Bereitschaftsdienste sind manchmal sowas von langweilig«, zitierte ich Phils Bemerkung, die er eben im Wagen gemacht hatte. Das schien ewig her zu sein.
Phil zuckte mit den Schultern, richtete sich auf und gab drei schnelle Schüsse auf unsere Gegner ab. Als er wieder in Deckung ging, sagte er: »Vier Eindringlinge, wenn ich das richtig gesehen habe.«
Ich folgte seinem Beispiel und schnellte ebenfalls in die Höhe.
Zwischen uns und dem Ende der Halle erstreckte sich über die gesamte Breite des Gebäudes eine etwa fünfundvierzig Fuß lange freie Fläche. Dahinter befand sich ein größtenteils hochgefahrenes Rolltor, und hinter diesem wiederum stand ein weißer Truck mit geöffneten Hecktüren. Da er leicht schräg eingeparkt war, konnte ich auf der Seite den Schriftzug von U-Haul erkennen, dem verbreitetsten Vermieter von Umzugswagen in unserem Land.
Entweder hatten sich die Eindringlinge für ihren Einbruch ganz brav einen Truck gemietet oder es würde bald eine Anzeige über einen gestohlenen, fünfzehn Fuß langen Umzugswagen bei einer der Polizeibehörden von Washington oder Arlington eingehen. Ich tippte auf Letzteres.
Zwei Männer hatten sich einen abgestellten Gabelstapler zunutze gemacht und feuerten aus seiner Deckung auf uns und den Wachmann, während zwei Männer eine Kiste in den Truck schleppten. Auf der Ladefläche konnte ich ein paar weitere erkennen.
Die beiden Träger stellten ihre Last vorsichtig ab. Während einer von ihnen die Türen des Trucks schloss, zog sein Kompagnon eine Waffe und gab einen ungezielten Schuss in meine Richtung ab. Dann lief er geduckt zu den beiden Männern hinter dem Gabelstapler und brüllte ihnen etwas zu, das ich nicht verstehen konnte. Das war allerdings nicht nötig, denn im nächsten Moment hetzten die drei, immer wieder in unsere Richtung feuernd, zu ihrem Kollegen, der die Türen endlich geschlossen hatte.
Phil, der Wachmann und ich feuerten noch ein paar Schüsse auf die Flüchtenden ab, doch die sprangen von der Laderampe nach draußen und verschwanden Sekunden später im Führerhaus. Der Motor des U-Haul-Trucks heulte auf, dann schoss der Lieferwagen davon.
Ich zögerte den Bruchteil einer Sekunde. Auf seiner Flucht musste das Fahrzeug an der Tür vorbeikommen, durch die wir die Halle betreten hatten. Phil war dieser Gedanke offensichtlich auch gekommen, denn wir stürzten beinahe gleichzeitig zu der Metalltür und ins Freie.
Kaum waren wir draußen, als auch schon der Truck heranraste. Aus einem der Fenster streckte sich der Lauf einer Waffe. Kugeln klatschten um uns herum in die Außenmauer des Gebäudes.
Ich warf mich zu Boden und erwiderte das Feuer. Neben mir tat Phil, der zur Seite gehechtet war, das Gleiche. Unsere Kugeln prallten jedoch wirkungslos vom Heck des Trucks ab.
Und dann war er auch schon durchs Tor und in der Nacht verschwunden.
***
Durch die Metalltür kehrten wir in die Lagerhalle zurück.
Hinter dem Regal kniete der Wachmann neben seinem Kollegen. Phil und ich liefen zu ihm. Der Mann blickte uns an.
»FBI?«, fragte er, wie um meinen Ausruf von eben bestätigt zu bekommen.
»Wir waren zufällig in der Nähe, als der Überfall auf SciTech gemeldet wurde«, erklärte ich. »Wie geht es Ihrem Kollegen?«
»Den hat es an der Schulter erwischt. Wir brauchen dringend einen Krankenwagen.«
Phil griff nach seinem Handy. »Ich kümmere mich darum.«
Nachdem das erledigt war, schrieb er den Lieferwagen zur Fahndung aus. Leider hatte niemand von uns das komplette Nummernschild erkennen können, aber so viele U-Haul-Trucks mit ähnlich lautenden Kennzeichen würden um diese Uhrzeit nicht...
| Erscheint lt. Verlag | 26.6.2018 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Jerry Cotton | Jerry Cotton |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Krimi / Thriller |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | 2017 • 2018 • Abenteuer • alfred-bekker • Bastei • Bestseller • Deutsch • eBook • E-Book • eBooks • erste fälle • erste-fälle • gman • G-Man • Hamburg • Horst-Bosetzky • international • Kindle • Krimi • Krimiautoren • Kriminalgeschichten • Kriminalroman • Krimis • krimis&thriller • letzte fälle • martin-barkawitz • nick-carter • Polizeiroman • Reihe • Roman-Heft • schwerste fälle • schwerste-fälle • Serie • Soko-Hamburg • spannend • spannende Krimis • Spannungsroman • stefan-wollschläger • Stefan Wollschläger • Tatort • Terror • thomas-herzberg • Thriller • uksak • Wegner |
| ISBN-10 | 3-7325-6489-4 / 3732564894 |
| ISBN-13 | 978-3-7325-6489-7 / 9783732564897 |
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