G. F. Unger Western-Bestseller 2363 (eBook)
Bastei Entertainment (Verlag)
978-3-7325-6612-9 (ISBN)
Auf der Suche nach seinem vermissten Partner kommt Lonestar Lane nach Clay City. Den toten Freund kann er nicht wieder lebendig machen, doch er kehrt die wilde Stadt mit eisernem Besen aus ...
Daniel Lane und Artie Crow hatten sich vor Jahren am Brazos River in einem wilden Camp kennengelernt. Artie steckte damals in einer Klemme, weil er einen Royal Flush in der Hand hatte und seine Spielpartner diesen Royal Flush nicht anerkennen wollten, da im Pokerpott mehr als tausend Dollar lagen. Artie hätte gegen die vier wilden Jungs keine Chance gehabt.
Doch Daniel Lane mischte sich ein, und seit diesem Tag blieben sie zusammen. Artie blieb immer der leichtsinnige und verwegene Junge, auf den Daniel Lane aufpassen musste wie auf einen kleinen Bruder.
Jetzt sollte er also tot sein.
»Warum habe ich Narr ihn reiten lassen?«, murmelt Daniel bitter. »Ich hätte wissen müssen, dass ihn die zwei Jahre auf der einsamen Weide nicht verändert haben.«
Er hebt den Kopf und blickt Ike Monk an.
»Wollen Sie mir die Geschichte nicht genauer erzählen?«
Ike Monk betrachtet ihn nun nochmals. »Warum nicht?«, murmelt er. »Fast alle Leute in Clay City könnten Ihnen diese Geschichte erzählen. In meinem Alter wird ein Mann zumeist geschwätzig und hört sich gerne reden. Aber versorgen Sie lieber erst Ihr Pferd. Es hat ein Recht darauf. Der linke Vorderhuf muss sicherlich beschlagen werden.«
»Ich habe keinen einzigen Cent in der Tasche«, erwidert Daniel.
»Das macht nichts. Ich habe das Pferd und den Sattel Ihres Freundes verkauft. Abzüglich der Summe, die Artie Crow mir schuldig war, bekommen Sie noch achtundfünfzig Dollar heraus.«
Da nickt Daniel und folgt dem Stallmann mit dem Rappen bis zu einer leeren Box. Beide versorgen sie dann schweigend das müde Tier. Dann kehren sie zu dem Vorraum zurück und nehmen auf der Futterkiste Platz.
»Yeah, Artie Crow kam mit einer Herde und verkaufte diese«, murmelt Ike Monk dann. »Er kam jeden Tag in den Stall, um nach seinem Pferd zu sehen. Und jedes Mal sagte er mir, dass es ihm in dieser Stadt gefiele und er leider schon morgen heimreiten müsse. Das sagte er mir jeden Tag, und so vergingen zehn Tage. Er hatte auch Glück im Spiel und trug mehr als zweitausend Dollar in seinen Taschen herum. Er war ein tüchtiger Junge. Am elften Tage erkannte er wohl das größte Geschäft seines Lebens.«
Hier macht der Alte eine Pause und betrachtet Daniel von der Seite her, als müsste er ihn nochmals abschätzen.
»Hier in unserer Stadt war der Whisky alle«, sagt er dann. »Ein Zug war entgleist, und gerade der Waggon mit der Whiskyladung wurde restlos zertrümmert. Die Stadt war ohne Schnaps. Und das war schlimm für alle durstigen Jungs. Artie Crow erkannte seine Chance. Er telegrafierte schon mit Kansas City, bevor die Saloonwirte hier richtig Bescheid wussten. So kam es, dass Artie Crow hier plötzlich zum Zwischenhändler von Schnaps, Wein und Bier wurde. Ich weiß nicht, wie er es fertiggebracht hat, aber jeder Tropfen Feuerwasser, der nach Clay City kam, gehörte ihm. Alle Sendungen waren an ihn gerichtet. Die Wirte hier in unserer Stadt und sogar der große Darren McMahon mussten sich an Artie wenden, wenn sie ihre durstigen Gäste zufriedenstellen wollten. Binnen weniger Tage hatte Artie Crow mehr als zehntausend Dollar verdient.«
»Und dann tötete ihn jemand?«, fragt Daniel Lane rau.
»Yeah, man fand ihn in einer Gasse.«
»Ausgeplündert?«
»Nun, er hatte drei Dollar in der Tasche. Das ist alles, Fremder. Mehr kann ich Ihnen nicht sagen. Es wäre gut, wenn Sie mich jetzt nicht danach fragen würden, wer Ihren guten Freund getötet haben könnte.«
»Aha, es gibt also bestimmte Vermutungen?«
»Wenn Sie lange genug in dieser Stadt sind, werden Sie schnell herausfinden, welchen Mann Artie Crow sich zum Gegner gemacht hatte. Aber das geht mich nichts an. Das müssen Sie selbst herausfinden. Wollen Sie einen kostenlosen Rat von mir, Fremder?«
»Yeah. Mein Name ist Daniel Lane.«
»Well, Dan Lane, mein Rat lautet: Reiten Sie schnell wieder fort. Es wird nicht lange dauern, dann wird jemand herausfinden, dass Ihr Pferd den gleichen Brand wie Artie Crows Tier trägt. Und dann bekommen Sie eine Menge Verdruss, junger Freund. Sie können Artie Crow nicht mehr lebendig machen.«
Daniel Lane erwidert nichts. Er nimmt sein Bündel auf und will den Stall verlassen.
»He, Sie bekommen noch das Geld für Artie Crows Pferd«, sagt der Alte hinter ihm.
Daniel hält inne. »Geben Sie mir fünfzig Dollar und behalten Sie die anderen als Vorschuss für Futtergeld und Stallmiete.«
Der Stallmann schlurft zu seinem Büroverschlag in der Ecke. Er zündet dort drinnen eine Lampe an. Durch das Fenster kann Daniel sehen, wie Ike Monk seine Geldkassette öffnet.
Als Daniel den Kopf wieder wendet, sieht er im offenen Stalltor einen Mann stehen, der ihn aufmerksam betrachtet. Der Mann trägt einen Prince-Albert-Rock, ein weißes Hemd, eine Samtschleife und einen breiten Hut mit sehr flacher Krone. Er kommt in den Stall herein, sieht Daniel scharf an und geht den Gang entlang. Als er die Box erreicht, in der Daniels Rappe steht, hält er an, wirft einen Blick auf das Brandzeichen und kehrt wieder um.
»Willkommen in unserer Stadt, Mister Lane«, sagt er sanft. »Ich bin Rick Bakalyan und habe hier ein Anwaltsbüro. Artie Crow hat meine Dienste in Anspruch genommen. Ich glaube, wir sind in der kurzen Zeit ziemlich gute Freunde geworden. Er hat mir viel von Ihnen erzählt, Mister Lane.«
Daniel betrachtet den Mann eingehend. Ike Monk kommt aus seinem Büroverschlag geschlurft und drückt ihm fünfzig Dollar in die Hand. Dabei sagt er: »Ihr Artie Crow hat wohl immer sehr schnell Freundschaft geschlossen, Daniel Lane?«
»Das hat er. Er war ein großes Kind«, erwidert Daniel und betrachtet den Anwalt immer noch aufmerksam. Er kann wirklich nicht sagen, dass ihm dieser Rick Bakalyan gefällt. Der Anwalt wirkt eher wie ein Kartenhai aus einem Spielsaloon. Er hat ein langes Pferdegesicht und zu kurze Lippen, die ständig gelbe Zähne sehen lassen, sodass er wirkt, als grinse er unentwegt. Er hat zwei kleine schwarze Augen, die ständig nach allen Seiten blicken und so unruhig sind wie die eines misstrauischen und feigen Bastardhundes.
»Wozu brauchte Artie Crow Ihre Hilfe?«, fragt Daniel ruhig.
»Selbst der tüchtigste Geschäftsmann braucht die Hilfe eines guten Anwalts«, erklärt Rick Bakalyan mild. »Und Artie Crow war einige Tage sehr erfolgreich.«
»Kennen Sie seinen Mörder?«, fragt Daniel plötzlich, und er sieht, wie der Mann leicht zusammenzuckt und einen halben Schritt zurückweicht.
»Oh, Sie reiten sehr schnelle Pferde, Mister!«, schnappt der Anwalt dann. Er reißt sich zusammen und sagt ruhiger: »Es wird nicht schwer sein für Sie, herauszufinden, wer Interesse daran hatte, dass Artie Crow keine Geschäfte mehr machen konnte.«
Nach diesen Worten greift er an die Hutkrempe und geht hinaus.
Daniel sieht den Stallmann an. Doch der wendet sich plötzlich ab und geht in seinen Verschlag zurück.
Daniel atmet aus, schwingt sich sein Bündel über die Schulter und verlässt den Stall. Er betritt den Plankengehsteig auf der Straße und geht darauf entlang, bis er zum Eingang eines Hotels kommt.
»Imperial Hotel, Besitzer D. McMahon.«
Das steht auf dem Schild.
Ein Mann tritt aus der Dunkelheit einer Nische. Seine Glieder knacken. Es ist der Anwalt Rick Bakalyan. Er geht an Daniel vorbei und sagt: »Die ganze Stadt gehört ihm, und er musste von Artie Crow teuren Whisky kaufen.«
Dann ist der Anwalt vorbei.
Nachdenklich betritt Daniel das Hotel. Hinter dem Anmeldepult sitzt ein alter Mann. Dieser Mann wirkt verschlafen, aber er wird ganz plötzlich hellwach, so als wäre ihm ein Schrecken in die Glieder gefahren. Er starrt den späten Gast an wie einen Geist. Dabei schnappt er nach Luft und keucht: »Oh, was ist das?«
Daniel Lane betrachtet Hank Bennett ernst. Ja, er kennt ihn, und er weiß auch und ist darauf vorbereitet, dass es in dieser wilden Stadt hier mehr als einen Mann geben wird, dem er bekannt ist. Wilde Städte wie Clay City gleichen gewissermaßen Sammelplätzen, zu denen gewisse Sorten von Männern streben, die nichts anderes als Hechte im Karpfenteich sind.
Daniel Lane, der seiner Vergangenheit entkam und mehr als zwei Jahre auf einer einsamen Weide lebte, hat nun einen Schritt getan, der ihn wieder aus der Vergangenheit treten ließ.
Er sagt zu Hank Bennett: »Nun, Bennett, wir kennen uns gut, nicht wahr?«
»Ich dachte, Sie wären tot« krächzt der alte Mann. »Zum Teufel. Sie leben wohl länger als sieben Katzen?«
Daniel Lane grinst. Er dreht das Anmeldebuch herum und trägt sich darin ein. Er schreibt: Daniel Lane. LC Ranch. Osage Creek, Kansas. Dann streckt er die Hand aus und murmelt: »Zimmerschlüssel, Bennett.«
Der gehorcht. Als Daniel Lane die Treppe hinaufgegangen ist und oben die Tür klappt, setzt sich Hank Bennett in Bewegung. Er verlässt das Hotel und betritt wenige Minuten später durch die Hintertür ein bestimmtes Haus.
In einem Raum, der halb als Büro und halb als Wohnzimmer eingerichtet ist, sitzen einige Männer beim Pokerspiel.
Hank Bennett sieht aber nur einen dieser Männer an und sagt: »Ich habe einen Tiger gesehen, McMahon. Er geht auf zwei Beinen und trägt einen alten Colt. Sein Name ist Daniel Lane, und er kommt von der LC Ranch am Osage Creek in Kansas.«
Dann ist es eine Weile still. Endlich sagt eine Stimme: »Dieser Artie Crow kam auch von der LC Ranch. Sein Pferd und seine Rinder trugen dieses Brandzeichen. Wer, zum Teufel, ist Daniel Lane? Hank, woran erkennst du einen Tiger? An den Streifen im Fell...
| Erscheint lt. Verlag | 12.6.2018 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Western-Bestseller |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | 2017 • 2018 • Abenteuer-Roman • alfred-bekker • Bestseller • bud-spencer • buffalo-bill • Cassidy • Chaco • clint-eastwood • Country • Cowboy • Deutsch • eBook • E-Book • eBooks • Erwachsene • Exklusiv • für • GF • g f barner • Indianer • jack-slade • Jugend • Karl May • kelter-verlag • Kindle • Klassiker • Krimi • Laredo • larry-lash • Lassiter • lucky-luke • Männer • martin-wachter • pete-hackett • peter-dubina • Reihe • Ringo • Roman-Heft • Serie • sonder-edition • Western • Western-roman • Westernromane • Wilder Westen • Wilder-Westen • Winnetou • Wyatt Earp • Wyatt-Earp |
| ISBN-10 | 3-7325-6612-9 / 3732566129 |
| ISBN-13 | 978-3-7325-6612-9 / 9783732566129 |
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