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G. F. Unger 1963 (eBook)

Larrabees Ritt

(Autor)

eBook Download: EPUB
2018 | 1. Aufl. 2018
Bastei Entertainment (Verlag)
978-3-7325-6597-9 (ISBN)

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G. F. Unger 1963 - G. F. Unger
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Um die Menschen des Wagenzugs vor dem sicheren Verderben zu retten, wagt Van Larrabee den mörderischen Ritt durch die weiße Hölle des Blizzards ...


»Nanu«, macht Van Larrabee nur staunend. »He, Regenbeißer, was ist anders geworden zwischen uns beiden?«

»Alles, Larrabee, alles. Der Bozeman-Weg ist gesperrt. Und kein weißer Jäger, Frachtfahrer, Goldsucher oder gar ein Soldat darf sich jetzt noch im Indianerland aufhalten. Wir jagen sie alle zum Teufel oder töten sie. Es ist Krieg. Die Weißen haben wieder einmal einen Vertrag gebrochen. Sie wollen eine Kette von Forts am Bozeman-Weg errichten und haben damit schon begonnen. Aber das weißt du doch sicherlich alles.«

Van Larrabee nickt. Er selbst hat in Laramie die Soldaten gesehen, welche unter Colonel Henry B. Carrington ausrückten, um am Piney Creek, dicht unter dem Massiv der Big-Horn-Berge, ein Fort zu errichten, welches Fort Phil Kearney heißen soll.

»Was kann ich dafür, Regenbeißer?« Er fragt es bitter und setzt dann nach einigen Atemzügen hinzu: »Ich bin nur ein Jäger. Und ich will zu meinem Jagdrevier im Yellowstone-Land, dorthin, wo die heißen Quellen sind, in denen wir einst als Knaben badeten. Lass mich meines Weges reiten, Regenbeißer.«

Aber der schüttelt den Kopf. Sein Englisch ist nicht schlechter als das, welches Larrabee spricht. Aber sie besuchten ja auch dieselbe Missionsschule. Regenbeißer spricht ebenfalls die französische Sprache fließend. Und sie hätten sich auch in Cheyenne unterhalten können, weil Larrabee diese Sprache so gut spricht wie ein Cheyenne.

»Wenn du nicht Larrabee wärst«, sagt Regenbeißer nach dem Kopfschütteln, »dann wärst du schon tot. Aber ich lasse dich reiten – nur dieses eine Mal noch. Ich lasse dich noch einmal reiten. Kehr um! Und komm nicht wieder in dieses Land.«

»Es ist auch mein Land«, widerspricht Larrabee. »Ich wurde in diesem Land geboren wie du.«

»Dann komm zu uns Cheyennes und lebe unter uns. Dann reite mit uns, so wie du es einst als Knabe tatest. Und dann kämpfe mit uns gegen die Soldaten! Dann bist du einer von uns. Und dann hast du ein Recht, in diesem Land zu leben. Also?«

Es ist die glasharte Forderung, sich zu entscheiden.

Larrabee atmet langsam aus. Und die Bitterkeit steigt in ihm auf.

Nun ist der Frieden also dahin, denkt er, und es gibt keine Neutralen mehr, nur noch Feinde. Denn im Zweifel entscheidet die Hautfarbe. Und ich bin ein Weißer. Dass mein Vater sein ganzes Leben lang mit den Indianern Handel trieb, verdammt, das zählt nicht mehr. Das Gold in Montana hat die Weißen verrückt gemacht.

Er seufzt noch einmal. Dann will er umkehren. Er muss dazu um seine beiden Packtiere herumreiten, und sie werden dann dem Zug der Leine folgen und ebenfalls umkehren.

Aber als die Leine schon ihre Köpfe herumzuziehen beginnt, da sagt Regenbeißer hart: »Lass sie hier!«

Larrabee hält an und blickt über die Schulter zurück.

»Sie tragen alles, was ich besitze«, sagt er. »Es sind Vorräte bis zum Frühjahr. Dafür gab ich meinen letzten Dollar. Ich könnte in Laramie ohne Geld nicht überwintern.«

»Du kannst auf deinem Pferd fortreiten und dein Leben mitnehmen – oder du kannst kämpfen«, erwidert Regenbeißer schlicht.

Larrabee schielt auf die beiden schwer und hoch beladenen Packtiere. Allein dreihundert Schuss Munition für seinen Spencer-Karabiner und seine schwere Sharps sind in den Packlasten, und er fragt sich, wie viel Weiße die Indianer damit töten werden.

Aber er hat keine andere Wahl, will er am Leben bleiben. Gewiss, er traut sich zu, mit seinem Colt noch einige Rote von den Pferden zu schießen, denn er ist schnell und sicher mit dem Colt. Seine Reflexe sind die eines Wildkaters. Aber zuletzt würden sie ihn töten. Und so seufzt er zum dritten Mal, lässt die Leine fallen und reitet ohne seine beiden Packtiere aus dem Creek.

Die Roten am Ufer lassen ihn zwischen sich durch. Er kennt sie fast alle, zumindest vom Sehen, einige sogar beim Namen. Jetzt spürt er ihre feindliche Strömung, die ihn wie ein Atem anweht. Und er weiß, dass er es wahrhaftig den alten Zeiten mit Regenbeißer zu verdanken hat, wenn er jetzt mit dem Leben davonkommt.

Er reitet langsam im Schritt und hofft sehr, dass alle Krieger Regenbeißers Entscheidung respektieren. Regenbeißer ist kein großer Häuptling, aber er ist ein Krieger, der immer wieder zum Anführer gewählt wird, wenn ein Trupp auszieht, um zu jagen oder in den Kampf zu reiten.

Doch niemand schießt ihm in den Rücken. Sie lassen ihn reiten.

Erst nach einer halben Meile lässt er sein Pferd traben. Vor ihm liegen die vielen Radfurchen des Bozeman Trails. Er reitet darüber hinweg und benutzt eine Abkürzung durch die Hügel.

In ihm sind immer noch Bitterkeit und Zorn im Widerstreit. Einige Male ist er versucht umzukehren und sich seine beiden Packtiere mitsamt den Lasten wiederzuholen. Aber seine Chance wäre zu gering. Und so fragt er sich, wie er wohl durch den Winter kommen wird.

Etwa drei Stunden später stößt er wieder auf den Wagenweg. An den frischen Spuren und vor allem an den Pferdeäpfeln kann er erkennen, dass vor weniger als zwei Stunden hier ein Wagenzug nach Norden fuhr.

Einen Moment lang ist er versucht, diesem Wagenzug nachzureiten und ihn zu warnen. Denn er ist sicher, dass die Indianer schon auf diesen Wagenzug warten. Doch er ist nicht der Hüter von Wagenzügen. Auch würde er solch einen Wagenzug gewiss nicht zur Umkehr bewegen können. Auf die Frachtwagenzüge wartet im Goldland von Montana tausendprozentiger Gewinn. Und für Gewinn wagen die Menschen alles, einfach alles.

Er setzt also seinen Weg fort.

Als es dann Nacht wird, erreicht er den Laramie Fork und sieht die Lichter des Forts und nicht weit davon die Lichter der Grenzstadt. Er denkt an die Zeit, als Fort Laramie noch ein Handelsfort war, also den weißen Händlern gehörte, und Frieden war zwischen Roten und Weißen.

Aber dann wurde in Montana Gold gefunden. Und auf der Kansas-Prärie begann man mit dem Abschlachten der riesigen Büffelherden. Vom Missouri her – von Omaha – plante man den Bau einer Eisenbahn nach Westen. Und nach dem beendeten Krieg zwischen den Nord- und Südstaaten strömten die Siedler nach Westen ins Indianerland. Das alles machte die Indianer misstrauisch. Sie wollten einen neuen Vertrag abschließen, der ihnen ihre Gebiete garantierte. Doch mitten in die Verhandlungen platzte Colonel Carrington mit seinen siebenhundert Mann, Wagenzügen und Baugerät. Als sich herausstellte, dass er mitten im Indianerland am Bozeman Trail ein Fort errichten sollte, da war für die großen Häuptlinge die Verhandlung beendet.

Und seitdem ist Krieg.

Van Larrabee seufzt bei dem Gedanken, dass nun alles vorbei ist.

Eine halbe Stunde später hat er Laramie erreicht und betritt bald darauf das Office des Handelsagenten. Dieser hockt hinter seinem narbigen Schreibtisch und betastet seinen verbundenen Kopf. Dann knurrte er: »Raus hier. Ich will allein sein. Raus hier!«

Erst als Van Larrabee in den Lichtkreis der Lampe tritt, erkennt ihn der Mann. »Nanu, du bist wieder hier, Larrabee? Du bist doch erst gestern …«

Larrabee geht sattelmüde und steif ein wenig im Raum umher und schenkt sich zwischendurch aus einer Flasche ein Glas ein. Der Agent hält sich den verbundenen Kopf und beobachtet ihn fast teilnahmslos. Erst als ihm Larrabee seine Geschichte erzählt hat und fragt, wo er wohl Kredit bekommen könne für neue Einkäufe, kommt Ausdruck und Leben in des Agenten Blick.

Er knurrt: »Du kommst mir gerade richtig, Larrabee. Was kannst du verdienen in einem Jagdwinter, wenn die Jagd gut ist?«

»Etwa zweitausend Dollar netto, wenn du mir die Felle fair bezahlst«, erwidert Larrabee.

Der Agent nickt. »Du kannst zehn Prozent von hunderttausend Dollar verdienen«, sagt er schließlich, »wenn du mir diese hunderttausend Dollar zurückbringst.«

»Heee«, macht Larrabee nur und setzt nach einigen Atemzügen hinzu: »Warum sollte ich hunderttausend Dollar zurückbringen, wenn ich sie habe und dann nur zehntausend dafür bekomme?«

Der Agent lässt ein Grollen hören. »Weil du ein ehrlicher Bursche bist«, sagt er dann. Er deutet auf den Tresor in der Ecke des Raumes. »Der stand offen und ich war mit meinem Gehilfen beim Geldzählen, weil Geld gekommen war für den Pelzkauf im Frühjahr. Da kam ein Maskierter herein und hielt mir den Revolver unter die Nase. Wir mussten das Geld in zwei Segeltuch-Postsäcke packen. Der Kerl verlangte dann, dass wir uns umdrehten, und gab mir was auf den Kopf. Als ich erwachte, lebte mein Gehilfe noch. Er konnte mir noch sagen, dass er dem Banditen die Maske abgerissen und den Mann erkannt hatte. Der Kerl gehört zum Wagenzug, welcher heute Morgen abfuhr. Aber er konnte mir den Kerl nicht mehr beschreiben. Der Bursche hat ihn im Handgemenge niedergeschossen. Mein Gehilfe starb, nachdem er mir das gesagt hatte, was nun auch du weißt. Hol mir das Geld, Larrabee. Wenn’s einer schafft, dann du. Zehn Prozent gebe ich dir davon ab. Na, willst du? Du brauchst nur dem Wagenzug nachzureiten und herauszufinden, wer der verdammte Hurensohn war. Und in einem der Wagen wird auch das Geld sein. Es ist völlig sicher, dass es einer der Männer im Wagenzug war, vielleicht sogar ein Bursche mit Familie. Du wirst Zeit brauchen. Vielleicht musst du mit bis nach Montana. Dort wird der Kerl das Geld sicherlich ausgeben. Es sind nagelneue Banknoten. Ganz frisch mit Banderolen von der Kansas-Bank. Also?«

Van Larrabee staunt. »Ja, das mache ich«, sagt er schließlich langsam. »Aber sei nur nicht so sicher, Haggerty, dass ich dir das Geld bringe, wenn ich es habe.«

»Da bin ich verdammt sicher«, stöhnt der...

Erscheint lt. Verlag 19.6.2018
Reihe/Serie G.F.Unger
Verlagsort Köln
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Krimi / Thriller / Horror
Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte 2017 • 2018 • Abenteuer-Roman • alfred-bekker • Bestseller • bud-spencer • buffalo-bill • Cassidy • Chaco • clint-eastwood • Country • Cowboy • Deutsch • eBook • E-Book • eBooks • Erwachsene • Exklusiv • für • GF • g f barner • Indianer • jack-slade • Jugend • Karl May • kelter-verlag • Kindle • Klassiker • Krimi • Laredo • larry-lash • Lassiter • lucky-luke • Männer • martin-wachter • pete-hackett • peter-dubina • Reihe • Ringo • Roman-Heft • Serie • sonder-edition • Western • Western-roman • Westernromane • Wilder Westen • Wilder-Westen • Winnetou • Wyatt Earp • Wyatt-Earp
ISBN-10 3-7325-6597-1 / 3732565971
ISBN-13 978-3-7325-6597-9 / 9783732565979
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