Dr. Stefan Frank 2453 (eBook)
Bastei Entertainment (Verlag)
978-3-7325-6581-8 (ISBN)
Schockierende Wahrheit - Die Ärzte gaben ihm kein Jahr mehr
Eigentlich ist es nur eine geplante Routinekontrolle, die Robin Haller in die Praxis seines Hausarztes Dr. Stefan Frank führt. Krank fühlt er sich nicht. Klar, als erfolgreicher Anwalt ist er häufig großem Stress ausgesetzt, da bleibt es natürlich nicht aus, dass er öfter erschöpft und kraftlos ist. Aber das ist wohl kaum etwas Ungewöhnliches.
Sorgfältig untersucht Stefan Frank seinen Patienten. Der Mann wirkt blass, seine Lymphknoten sind etwas angeschwollen. Vermutlich braucht er dringend ein wenig Erholung.
Doch als dem Grünwalder Arzt die Blutwerte des attraktiven Anwalts vorliegen, runzelt er bestürzt die Stirn. Der Befund ist mehr als besorgniserregend - er ist eine Katastrophe!
In der Münchner Waldner-Klinik muss sich Robin Haller weiteren Tests unterziehen. Auch hier sind die Ergebnisse niederschmetternd. Bald steht fest: Wenn nicht ein großes Wunder geschieht, dann bleibt dem jungen Mann kein Jahr mehr ...
Jasmin las aufmerksam jedes Wort des Artikels, der heute als großer Aufmacher im Münchner Journal erschienen war. Der Text las sich flüssig und spannend, ganz so, wie es sich für einen spektakulären Kriminalfall gehörte. Und sie war die Autorin – wenn das kein Grund zum Jubeln war! Sogar der Druckfehlerteufel hatte sich zurückgehalten.
Der Chefredakteur würde zufrieden sein – und hoffentlich bald ihrem Wunsch nach einer Gehaltserhöhung nachkommen. Als sie ihm das Thema vor einiger Zeit schon mal aufgetischt hatte, war er einer Entscheidung ausgewichen. Aber jetzt war sie schon fast zwei Jahre beim Tagesanzeiger und fand, dass sie nun mehr Geld verdient hatte.
Eine ganze Woche lang hatte sie den Mordprozess um Lukas B. verfolgt. Anfangs hatte der Angeklagte geleugnet, seine schwangere Freundin im Schlaf getötet und die Leiche in die Isar geworfen zu haben. Erst, als die Beweise erdrückend geworden waren, hatte er in der Hoffnung auf Milde und unter falschen Tränen ein Geständnis abgelegt. Die Richter aber hatte er nicht überzeugen können. Für den heimtückischen Mord hatte er die lebenslange Freiheitsstrafe bekommen, gegen die sein sprachgewandter Anwalt vergebens angekämpft hatte.
Ihr Lieblingskollege, der ein Stockwerk höher in der Wirtschaftsredaktion saß, rief als Erster an, um ihr zu gratulieren.
„Super geschrieben, Gratulation. Der Anwalt des Angeklagten wird beleidigt sein, wenn er deinen Prozessbericht liest.“
„Der hat ja noch bis zum Schluss auf mildernde Umstände plädiert“, erwiderte Jasmin. „Laut seinem Plädoyer hat der Täter im Affekt gehandelt und unter Einfluss von Alkohol. Aber damit ist er nicht durchgekommen.“
„Du musst mir noch mehr von der Geschichte erzählen. Gehen wir abends was trinken? Ich lade dich ein.“
„Heute passt es mir nicht“, sagte sie. „Aber irgendwann in den nächsten Tagen.“
In diesem Moment betrat Chefredakteur Felix Gruber Jasmins kleines Büro.
„Ein sensationell guter Artikel über den Kerl, der seine Frau gemeuchelt hat“, lobte er seine Gerichtsreporterin und grinste zufrieden. Gleichzeitig ließ er ein weiteres Exemplar der heutigen Ausgabe auf Jasmins Schreibtisch segeln.
Jasmin vergaß für einen Moment, zu atmen. So viel geballtes Lob aus seinem Mund war selten. Das musste sie erst mal verdauen.
„Wenn du so weitermachst, wird aus dir noch mal eine ganz Große“, fuhr Gruber fort.
Nur mit Mühe konnte sie sich einen Jauchzer verkneifen. Aber ein hauchzarter Film von Freudentränen legte sich über ihre Augen, die in dem Gesicht mit den zarten Sommersprossen wie zwei Smaragde leuchteten.
Inzwischen hatte sie sich auch daran gewöhnt, dass der Chefredakteur sie gelegentlich duzte. Einige hier hielten sein Du sogar für eine besondere Auszeichnung. Ob diese Einschätzung wirklich zutraf, wusste sie nicht.
„Es waren spannende Tage im Gerichtssaal“, erwiderte sie jetzt betont sachlich. „Schön, wenn am Ende das richtige Urteil gesprochen wird.“
„Geschieht ihm recht. Jetzt kann er viele lange Jahre über seine Tat nachdenken.“ Felix Gruber reckte den rechten Daumen in die Höhe und marschierte in sein Büro zurück.
Den ganzen Tag über bekam Jasmin lobende Mails und Anrufe von Kollegen aus dem Pressehaus. Jeder wolle sie persönlich beglückwünschen. Manche mutmaßten schon, sie bekäme demnächst einen Medienpreis.
Gegen achtzehn Uhr schickte sie sich an, die Redaktion zu verlassen. Daheim würde sie entspannt ein warmes Bad nehmen und bei einem Glas Wein einen Film anschauen.
Außerdem wollte sie im digitalen Miet-Markt für Wohngemeinschaften nach einer neuen Mitbewohnerin für das Dreizimmer-Apartment in Haidhausen suchen. Seit Gina ausgezogen war, hatte Jasmin weniger Geld zur Verfügung, weil sie jetzt die Miete für die Wohnung allein stemmen musste. Bis jetzt hatte sich noch niemand gefunden. Es sollte wieder eine Frau sein.
Während sie ihre Jacke überzog, warf sie einen kritischen Blick aus dem Fenster. Regenwolken näherten sich. Wenn sie es noch im Trockenen nach Hause schaffen wollte, musste sie sich jetzt auf den Weg machen.
Sie hatte schon die Türklinke in der Hand, als das Telefon auf ihrem Schreibtisch wieder klingelte. Sie hatte die Anrufe nicht mitgezählt, aber fünfzig kämen heute bestimmt zusammen. Okay, für einen weiteren Glückwunsch reichte die Zeit noch. Jasmin hob ab.
„Spreche ich mit Frau Kronau?“, erkundigte sich eine Frauenstimme mit provokantem Unterton.
Jasmin atmete kurz durch. Hier lag spürbar Ärger in der Luft.
„Was kann ich für Sie tun?“
„Hier ist die Kanzlei Falkenberg und Partner“, fuhr die Anruferin fort. „Ich mache Sie darauf aufmerksam, dass Ihr Artikel Konsequenzen für Sie haben wird, und zwar äußerst unangenehme. Herr Dr. Haller wird Sie zur Verantwortung ziehen. Sie hören wieder von uns. Einen schönen Abend noch.“
„Moment mal, ich …“
Die Anruferin hatte aufgelegt.
***
An diesem Freitagmorgen waren alle Stühle im Wartezimmer des Grünwalder Doktorhauses besetzt. Viele Patienten bevölkerten in diesen Tagen wegen einer Sommergrippe die Praxis. Da kein Kranker abgewiesen wurde, nur, weil er keinen Termin hatte, geriet der Praxisablauf ziemlich durcheinander. Dr. Frank und sein Team machten Überstunden.
„Na, heute geht’s mal wieder rund“, meinte Martha Giesecke, die kurz beim Empfang vorbeischaute. „Aber mit so was haben wir ja Erfahrung.“
Bevor Marie-Luise der Kollegin zustimmen konnte, ging schon wieder die Türglocke, die seit Praxisbeginn im Minutentakt bimmelte.
Während Marie-Luise Flanitzer die soeben eintretende Patientin in Empfang nahm, ging Martha zum Wartezimmer, um den nächsten Patienten für die Blutabnahme aufzurufen.
„Herr Dr. Haller!“, rief sie durch die geöffnete Tür.
Ein großer schlanker Mann erhob sich. Martha betrachtete ihn kurz und wies auf die offen stehende Tür.
„Da lang und bitte auf dem Stuhl Platz nehmen.“
Robin Haller kam ihrer Aufforderung nach und schaute ihr zu, wie sie sich die Utensilien zurechtlegte. Die Prozedur war ja immer die gleiche.
„Wie geht’s?“, fragte Martha launig. „Hab schon gelesen, dass der Prozess mit dem Frauenmörder ein gutes Ende genommen hat.“
„Finden Sie?“, lautete die leicht gereizte Rückfrage.
„Also, ick hätte den gleich zu zweimal lebenslänglich verurteilt, es waren ja zwei Morde, die Frau und das Ungeborene. So einen Kerl darf man doch nicht mehr auf die Menschheit loslassen. Und so ein Unhold wie der wird auch noch verteidigt …“
Den Rest ihrer Kritik ließ sie in der Luft hängen, bedachte den Patienten aber noch mit einem schrägen Seitenblick.
„Krempeln Sie mal den Hemdsärmel hoch!“, befahl sie dann.
Robin gehorchte augenblicklich. Die Arzthelferin schlang ein Gummiband um den Oberarm und zurrte es fest, bis sich das Blut staute. Mit den Fingerkuppen suchte sie das Innere der Armbeuge ab.
„Wo haben Sie denn die Venen, um Himmels willen?“
Robin lächelte dünn und machte keinerlei Anstalten, auf Schwester Marthas laienhafte Ansichten einzugehen. Zweimal lebenslang gab es im deutschen Strafrecht nicht. Dennoch konnten gefährliche Täter nach Verbüßung der Haftstrafe in Sicherungsverwahrung genommen werden, eine Maßnahme, die seinem Mandanten ebenfalls drohte.
„Wir leben in einem Rechtsstaat“, erwiderte er nur ganz allgemein. „An die Regeln müssen sich alle halten.“
„Na, der hat sich auch an keine Regel gehalten.“ Endlich hatte Martha die Vene gefunden. „Achtung, jetzt pickt es. Für einen Mörder, der seine Frau und das ungeborene Kind umbringt, habe ich kein Verständnis. Eine geradezu abscheuliche Tat …“
„Auch ein Mörder hat ein Recht darauf, dass er verteidigt wird. Wir leben ja nicht mehr im Mittelalter, wo jemand schon wegen kleiner Delikte geköpft wurde.“
Martha gab einen Laut von sich, der an einen gereizten Hund erinnerte. Doch schnell besann sie sich, schnaufte noch einmal kurz durch und setzte die Blutentnahme fort, bis drei Kanülen gefüllt waren.
„So, das hätten wir“, sagte sie. „Jetzt noch ein EKG, dann geht’s rein zum Chef.“
Wenig später begrüßte Stefan Frank seinen Patienten mit einem festen Händedruck.
„Willkommen, Herr Haller. Über Sie wird ja heute ausführlich berichtet.“
„Leider nicht besonders positiv.“
„Ich denke, Sie haben getan, was Sie konnten. Bei einem solchen Fall bleibt dem Gericht ja nicht viel Spielraum.“
„So ist es.“ Robin verspürte eine gewisse Genugtuung darüber, dass Dr. Frank ihn verstand. „Ein Anwalt ist nun mal für die Verteidigung des Täters da, ganz egal, was er getan hat. Auch wenn ich auf mildernde Umstände plädiert habe, so war mir doch klar, dass es zu der hohen Strafe kommen wird, die in solchen Fällen angedroht ist.“
Stefan Frank lehnte sich in seinem Sessel zurück.
„Dann erzählen Sie mal, wie es Ihnen ergangen ist …“ Er warf einen Blick auf den Bildschirm. „Das letzte Mal waren Sie vor eineinhalb Jahren hier.“
„Ich bin nur wegen einer Routinekontrolle gekommen. Meine Verlobte hat mich gedrängt, Sie mal wieder aufzusuchen. Aber wie das so ist, man schiebt den Arztbesuch vor sich her. Zurzeit bin ich in der Kanzlei sehr eingespannt. Da ist alles andere immer wichtiger.“
„Nun sind Sie ja da. Haben Sie Beschwerden, über die wir reden...
| Erscheint lt. Verlag | 26.6.2018 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Dr. Stefan Frank |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | 2017 • 2018 • alfred-bekker • anna-martach • Arzt • arzt-krimi • Arztromane • Bergdoktor • bergklinik • Bestseller • Bianca • Cora • der-Notarzt • Deutsch • Doktor • Dr. • dr daniel • dr laurin • dr norden • Dr Stefan Frank • eBook • E-Book • eBooks • E-Books • Familiensaga • Fortsetzungsroman • Frauen • für • für Frauen • glenn-stirling • Großdruck • große-schrift • hanna-dietz • Happy End • Hedwig Courths Mahler • Heft-Roman • Historical • Horst • Julia • kaipurgay • Kelter • Kindle • Klinik • Klinik-roman • klinik-see • Krankenhaus • Krankenschwester • Kurfürstenklinik • Landarzt • Landdoktor • laura-martens • Liebe • Liebesroman • Liebesromane • martin-Kelter • Medizin • Mira • Modern • morland • Patient • patricia-vandenberg • Romance • romantisch • Schicksalsroman • Serie • sissy-kaipurgay • spannend • Tiffany • Verlag • weymar-hübner |
| ISBN-10 | 3-7325-6581-5 / 3732565815 |
| ISBN-13 | 978-3-7325-6581-8 / 9783732565818 |
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