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G. F. Unger Western-Bestseller 2362 (eBook)

Staub im Mondlicht

(Autor)

eBook Download: EPUB
2018 | 1. Aufl. 2018
Bastei Entertainment (Verlag)
978-3-7325-6611-2 (ISBN)

Lese- und Medienproben

G. F. Unger Western-Bestseller 2362 - G. F. Unger
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Als Les Gannaway im Pecosland zwischen die Fronten der Rancher und Viehdiebe gerät, glaubt er, am Ende seiner Fährte angelangt zu sein. Denn der Revolvermann des Ranchers Tyrel Starr ist der Mörder seines Bruders ...


»Bob, sieh dir sein Brandzeichen an«, sagt sie. Ihre Stimme klingt etwas kehlig und hat einen kratzbürstigen Klang.

Sie ist noch jung und offensichtlich gut gewachsen. Das kann Les unschwer erkennen. Vielleicht ist sie noch gar nicht verheiratet, sondern noch ein Mädchen.

Doch ganz gewiss ist sie sehr energisch, an Umgang mit Männern gewöhnt, und kann in fast jeder Situation für sich sorgen. Bei aller Weiblichkeit, die deutlich spürbar von ihr ausgeht, wirkt sie unerschrocken, unerschütterlich und stolz.

Der Schwarze kommt näher an Les Gannaway heran und betrachtet das Brandzeichen des grauen Wallachs.

»Ein fremder Brand, Miss Ann«, spricht er dann mit dunkler und dennoch weicher Bassstimme. Ganz gewiss kann er wunderbar singen, das nimmt man sofort an, sobald man ihn sprechen hört.

»Steigen Sie ab, Fremder«, sagt das Mädchen. »Bob wird Ihnen zu essen geben. Wir haben eine ganze Menge übrig, mehr, als Sie vertilgen können, Fremder.«

Les nickt. Er sitzt langsam ab, und als er dann neben dem Pferd steht, wirkt er beachtlicher als im Sattel. Er ist größer als sechs Fuß, hager und knochig, mit schmalen Hüften und breiten Schultern. In den Schultern wirkt er nicht so hager.

Sein Gesicht ist hohlwangig, dunkel und etwas unregelmäßig. Ganz bestimmt ist es nicht hübsch, doch männlich. Es sind einige harte Linien in diesem Gesicht. Als er nun lächelt, blinken seine Zähne, und er wirkt plötzlich jünger und nicht mehr so hart.

»Danke, Madam«, sagt er. »Ich bin Lesly Fisher und komme …«

»… aus Texas«, unterbricht sie ihn. »Das hört man Ihnen an. Doch es ist uns gleich, woher Sie kommen und wie Sie heißen.«

Er sagt nichts dazu, und er geht mit seinem Pferd zum Wasser, findet eine Stelle, wo er hinunterkann, und versorgt dort das Tier. Er nimmt sich dabei Zeit.

Als er dann zum Feuer kommt, hat der Koch das Essen für ihn bereit.

Er hockt sich nieder und betrachtet dann kauend den verwundeten oder vielmehr verletzten Mann, der ihm gegenüber auf der Decke liegt und manchmal vor Schmerzen stöhnt.

Es handelt sich offenbar um einen Mann in seinem Alter, also noch unter dreißig. Er ist kräftig gebaut, muskulös. Sein Gesicht ist von einigen Pflastern fast völlig verdeckt. Sein Kopf ist verbunden.

»Hatte er einen Unfall?«, fragt Les Gannaway, der sich hier unter einem falschen Namen vorstellte, sich Lesly Fisher nannte.

Er erhält nicht sogleich Antwort, doch er spürt, wie ihn das Mädchen sorgfältig und sehr abschätzend betrachtet.

»Ja, er hatte einen Unfall – so kann man es nennen«, sagt sie dann. »Es ist Clay Moore, mein Verlobter. Wir verloren unsere Mannschaft, und wenn Sie Arbeit suchen, so können Sie die sofort bekommen. Das hier sind vierhundert Rinder, und sie sind noch etwa dreißig Meilen von der Heimatweide entfernt. Wir zahlen Ihnen pro Tag drei Dollar für die Arbeit als Treiber. Aber vielleicht wird es eine gute Prämie geben, wenn Sie nicht fortlaufen wie unsere drei anderen Treiber. Ja, Sie können sich eine gute Prämie verdienen, wenn Sie durchhalten bis zur Moore Ranch. Und Sie sehen so aus, als könnten Sie auch dann noch durchhalten, wenn es etwas rau wird.«

Sie erwartet offensichtlich noch keine Antwort von ihm, denn sie bewegt sich nun, geht zu einem Pferd und sitzt auf. Sie trägt einen geteilten Reitrock, der ihr Bewegungsfreiheit gestattet. Sie reitet im Herrensitz in die Nacht hinaus.

Les Gannaway sah noch nie eine Frau geschmeidiger und leichter aufsitzen. Sie muss schon als Kind im Sattel gesessen haben, noch bevor sie lesen und schreiben konnte.

Mit einem Gewehr im Sattelschuh reitet sie ganz selbstverständlich in die Nacht hinaus, um nach der Herde zu sehen, die auf der anderen Seite des Sees lagert, weil das Ufer dort flacher und auch etwas schlammig ist, sodass sich die Rinder im Schlamm wälzen können, da die Büffelmücken in dieser warmen und windstillen Nacht besonders frech sind.

Hier am Feuer ist es nicht so schlimm.

Les betrachtet den schwarzen Cowboykoch. Der Schwarze ist keiner von diesen unterwürfigen Negern, die gewöhnt sind, zweitklassige Arbeit zu verrichten. Der Schwarze blickt frei und fest, und sein ganzes Benehmen wirkt ungezwungen, selbstbewusst – doch dabei bescheiden und bestimmt nicht großspurig.

Er hat seine Hosen in die Stiefel gesteckt. Im linken Stiefel steckt ein Revolver.

Eine Weile betrachten sich die beiden Männer schweigend.

Dann nimmt der Schwarze Les Gannaways leeren Blechteller und füllt ihn nochmals.

Der Verletzte auf der Decke bewegt sich etwas und stöhnt wieder. Es scheint, als sei sein Schlaf zu einem gewissen Teil Bewusstlosigkeit. Vielleicht hat man ihm ein Schlafmittel gegeben.

Les leert auch den zweiten Teller. Dann fragt er: »Was ist denn hier los, Mister Black?«

»Ich bin Bob Marmaduke«, sagt der Schwarze ruhig. »Man nennt mich in diesem Land entweder Nigger, schwarzer Hundesohn oder Bob. Und wenn Sie etwas wissen wollen, Mister, dann fragen Sie Miss Ann Sheridan.«

In seiner Stimme klingt keine Bitterkeit. Sie klingt auch nicht unfreundlich, nur schlicht und sachlich. Er spricht wie ein Mann, der eine gute Schulbildung erhielt. Es gibt gewiss nur wenige weiße Männer in diesem Land, die ihre Muttersprache so gut sprechen wie dieser Schwarze.

Les sagt nichts mehr. Er nimmt sein Bündel und zieht sich in den Schatten eines Busches zurück. Dort bereitet er sein Lager und ist wenig später schon eingeschlafen.

☆☆☆

Als er am Morgen das Mädchen am Feuer hantieren hört, erhebt er sich, wäscht sich, sattelt sein Pferd und bindet es in der Nähe des Feuers an. Dann tritt er ans Feuer und sagt: »Ich nehme den Job an, denn ich bin so abgebrannt, dass ich jeden Dollar gebrauchen kann.«

Er deutet auf Clay Moore, der immer noch auf der Decke beim Feuer liegt und offenbar noch schläft.

»Was ist ihm zugestoßen?«

»Er wurde mit Bullpeitschen bearbeitet und dann an einem Lasso ein Stück über den Boden geschleift«, spricht sie. Nun klingt ihre Stimme spröde und klirrt wie etwas, das bei der nächsten Gelegenheit zerspringen wird.

»Und Ihre Treiber bekamen Angst und ritten davon?«, fragt Les langsam.

Das Mädchen nickt. Sie kommt um das Feuer herum bis dicht zu ihm. Nun kann er sie im grauen Morgenlicht genauer ansehen. Er hält den Atem an, denn er glaubt, dass er noch niemals solch ein Mädchen sah. Sie ist auf eine herbe, dunkle und dennoch so klare Art von aparter und rassiger Schönheit.

Sie hat grüne Augen, die etwas schräg gestellt sind.

Diese Augen betrachten ihn ernst.

Ihre vollen Lippen sind fest zusammengepresst. Er begreift, dass ihr Mund sonst sehr ausdrucksvoll ist und sehr viel von dem verraten kann, was dieses Mädchen fühlt und denkt.

»Ja«, sagt sie, »unsere Treiber bekamen Angst und ritten davon. Doch es waren durchschnittliche Burschen, die wir nur für diesen Trail angeworben hatten. Sie, Lesly Fisher, sind kein durchschnittlicher Bursche. Ich glaube nicht, dass Sie so leicht fortlaufen können.«

»Vielleicht täuschen Sie sich, Ann Sheridan«, murmelt er, und er wird sich immer mehr ihrer reizvollen Nähe bewusst. Zugleich begreift er, dass dies ihre Absicht ist.

Oh, sie ist ganz bestimmt kein Flittchen! Er hält sie für sehr stolz. Doch sie muss sehr in Not sein, so sehr, dass sie nun sogar mit den Waffen einer zu allem entschlossenen Eva zu kämpfen beginnt.

»Laufen Sie nicht fort«, sagte sie. »Helfen Sie uns, die Herde auf die Weiden der Moore Ranch zu bringen. Sie werden es nicht zu bedauern haben.«

In ihren Augen glaubt er nun etwas zu erkennen, das er als ein Versprechen deuten kann.

Plötzlich möchte er wissen, wie weit sie zu gehen bereit wäre. Er fasst sie an den Schultern, beugt sich nieder und küsst sie.

Zuerst ist sie starr vor Schreck.

Dann versucht sie, ihn etwas spüren zu lassen, das in ihr für ihn gar nicht vorhanden ist.

Dann reißt sie sich los und schlägt ihm klatschend ins Gesicht.

»Nein«, sagt sie. »Ich kann es doch nicht! Scheren Sie sich zum Teufel, Lesly Fisher, oder wie Sie sonst heißen mögen! Ich brauche Ihre Hilfe nicht!«

Seine stoppelbärtigen Wangen brennen, denn sie schlug ihn kräftig rechts und links. Sie ist ein Mädchen, das bei aller reizvollen Weiblichkeit auch kämpfen kann.

Aber er grinst.

»Das wäre geklärt«, sagt er. »Sie können mich also nur mit Geld bezahlen. Und ich verlange tausend Dollar. Das ist mein Preis! Für tausend Dollar bringe ich die Herde dreißig Meilen weit auf die Weide der Moore Ranch.«

Sie sieht ihn an. Nun kann sie ihn im ersten Morgenlicht besser betrachten als im Mondlicht oder beim Feuerschein.

Heute kann sie auch in seinen Augen etwas erkennen, das ihr alles über diesen Mann sagt, denn sie kennt sich aus mit Männern jeder Sorte. Sie hat ihr ganzes Leben unter mehr oder weniger harten Männern verbracht, bis auf wenige Jahre, die sie auf einer feinen Schule im Osten war.

Mit dreizehn Jahren hat sie mit einer Schrotflinte gegen wilde Apachen kämpfen müssen. Zumindest zwei dieser Apachen hat sie damals tödlich getroffen.

Als sie nun den Fremden ansieht, da weiß sie plötzlich, dass er nicht einfach nur ein hartbeiniger Satteltramp ist.

Ihre Nasenflügel vibrieren, als wenn sie eine Witterung bekommen hätte. Oh, sie weiß mit einem Mal, dass sie sich für tausend Dollar einen Revolvermann anwerben kann.

Sie zögert nicht.

»Ich zahle...

Erscheint lt. Verlag 5.6.2018
Reihe/Serie Western-Bestseller
Verlagsort Köln
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Krimi / Thriller / Horror
Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte 2017 • 2018 • Abenteuer-Roman • alfred-bekker • Bestseller • bud-spencer • buffalo-bill • Cassidy • Chaco • clint-eastwood • Country • Cowboy • Deutsch • eBook • E-Book • eBooks • Erwachsene • Exklusiv • für • GF • g f barner • Indianer • jack-slade • Jugend • Karl May • kelter-verlag • Kindle • Klassiker • Krimi • Laredo • larry-lash • Lassiter • lucky-luke • Männer • martin-wachter • pete-hackett • peter-dubina • Reihe • Ringo • Roman-Heft • Serie • sonder-edition • Western • Western-roman • Westernromane • Wilder Westen • Wilder-Westen • Winnetou • Wyatt Earp • Wyatt-Earp
ISBN-10 3-7325-6611-0 / 3732566110
ISBN-13 978-3-7325-6611-2 / 9783732566112
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