Alpengold 272 (eBook)
64 Seiten
Bastei Entertainment (Verlag)
978-3-7325-6552-8 (ISBN)
Wo wir uns Liebe einst geschworen ... da soll ein neues Glück erblühen
Nie zuvor hat es in dem kleinen Örtchen Eppan eine hübschere Braut gegeben als die Tochter des Bärenwirts. In einem handgenähten Traum aus Seide und Spitze und mit kunstvoll hochgesteckten Locken sieht Hanna Bichler aus wie eine Madonna.
Als sie mit dem Lehrer Andreas Rainer vor den Traualtar tritt und ihm das Jawort gibt, strahlt sie vor Glück. Andreas ist ein wunderbarer Mann, aufmerksam, zuverlässig und liebevoll, und sie wird mit ihm eine gute Ehe führen, davon ist Hanna überzeugt. Dem Anderl allein gehört ihre ganze Liebe.
Und tatsächlich ist den Eheleuten das Glück hold. Doch eines Tages, als bei den Rainers schon ein goldiger, kleiner Bub in der Wiege liegt, kehrt Michl Gruber, Hannas erste große Liebe, in seine Heimat zurück. Und als Hanna und Michl sich begegnen, flammt die alte Leidenschaft wieder auf ...
Beim Bärenwirt in Eppan ging es hoch her. Es war Samstagabend, und die Bauern aus sämtlichen Dörfern im Umkreis waren gekommen, um sich das Neueste zu erzählen. Die wenigen Urlauber, die um diese Jahreszeit noch da waren, lauschten begierig dem harten Tiroler Dialekt.
Der Karcher-Josef schlürfte bedächtig seinen Roten. Seine Blicke folgten einem jungen Mädchen, das mit lachendem Gesicht durch die Reihen ging und die leeren Gläser nachfüllte.
»Sie ist ein fesches Madl geworden, die Hanna«, sagte er zu seinem Nachbarn, dem Hintermoser-Toni, und verzog seinen zahnlosen Mund zu einem Grinsen.
Das Gesicht vom Toni war gerötet. Sein Herz mache ihm zu schaffen, behauptete er stets, doch jedermann im Dorf wusste, dass seine Gesichtsfarbe eher von den Vierteln kam, die der Toni im Laufe eines Abends in sich hineinlaufen ließ.
»Ja, groß werden die Kinder und wir alt«, pflichtete er dem Josef bei, »aber was die Hanna angeht, hast du recht: Die ist ein blitzsauberes Madl geworden. Schad, dass sie nimmer zu haben ist, meinem Georg tät ich zureden, dass er sich einig wird mit ihr.«
»Was hast du gesagt?«, hakte Josef nach. »Hanna ist schon vergeben? Die ist doch net älter als siebzehn Jahr!«
»Fragt die Liebe nach dem Alter?« Toni schüttelte bedächtig den Kopf. »Erst gestern hab ich die Hanna gesehen, wie sie mit dem Michl vom Hotel drüben in der Dunkelheit gestanden ist. Sie haben sich recht gut unterhalten, schien mir, und zum Abschied hat sie ihm gar ein Busserl gegeben.«
Josef legte seine Stirn in Kummerfalten.
»Der Michl, sagst du? Das tät mir aber net gefallen. Der ist doch hinter jedem Rock her. Ein fescher Bursche ist er ja, aber für die Hanna viel zu schad.«
»Das kannst du net sagen, Josef. Der Michl ist die beste Partie für ein junges Madl. Das Hotel wird einmal ihm gehören, ja, und Hanna wird auch einen schönen Batzen mitbringen. Der Bärenwirt lässt sich doch net lumpen! Und die Hörner muss sich jeder Bursche abstoßen. Die Madln machen es ihm halt zu leicht, dem Michl. Und denk doch zurück, Josef: Haben wir zwei uns jemals eine Gelegenheit entgehen lassen? Weißt du nimmer, wie wir uns um die Resi vom Brunnenhof gerauft haben, wir zwei?«
Der Karcher-Josef lachte dröhnend und schlug mit der Hand auf den schweren Holztisch.
»Das war eine Hetz damals, und gekriegt haben wir sie alle zwei net, sondern der Metzgern-Bernd. Aber schau, da ist die Hanna. Mein Glas ist eh leer.«
Das Mädchen war zu den beiden an den Tisch getreten. Hanna war wirklich ein bildhübsches Dirndl. Ihr ebenmäßiges Gesicht war noch gebräunt von der Sommersonne. Die schweren goldbraunen Haare hatte sie in zwei dicke Zöpfe geflochten. Die dunklen Augen blitzten vor Lebensfreude, und wenn sie lachte, bildeten sich zwei kleine Grübchen in ihren Wangen. Sie trug ein Brokatdirndl, das die langen braun gebrannten Beine freigab.
»Was schaut ihr zwei mich denn so an?«, fragte Hanna lachend und setzte sich einen Augenblick neben Josef an den Tisch.
»Net glauben können wir’s halt, dass du auch ein bisserl Zeit hast für zwei alte Männer«, sagte der Josef und hielt ihr sein Glas zum Nachfüllen hin.
»Aber geh, Josef, hab eh immer Zeit für dich. Nur heut ist gar ein bisserl zu viel los. Die Berta ist uns krank worden, und die Mutter kommt kaum nach in der Küche. Da muss ich halt auch tüchtig mit anlangen.« Sie fuhr sich über die Wangen, die von der Hitze gerötet waren.
»Und was sagt dein Schatz dazu, wenn du keine Zeit hast?« Der Toni sah sie lauernd an. Und tatsächlich errötete Hanna noch ein bisserl mehr.
»Ah geh, mein Schatz! Ich wüsst net, wen du meinen könntest«, gab sie zurück und lachte etwas unsicher.
»Junge Madln sollen net lügen, sonst kriegen’s keinen Mann«, sagte Toni und drohte ihr lachend mit dem Finger.
»Ach, für so was hab ich doch noch lang Zeit. Aber jetzt muss ich gehen, die Mutter schaut schon raus aus der Küche.« Hanna nahm schnell ihren Krug und eilte an die Theke, wo der Vater mit dem Nachschenken kaum nachkam.
»Es ist jeden Samstag dasselbe«, jammerte der Bärenwirt, »die Leut haben einen Riesendurst, und wir kommen net nach.«
»Aber geh, Vater«, beschwichtigte Hanna ihn, »so schlimm ist es doch net! Gegessen haben jetzt fast alle, und mit dem Trinken können’s ein bisserl warten. Der Abend ist ja noch lang.«
Der Vater blickte ihr seufzend nach. Ja, wenn er sie nicht hätte, die Hanna! Keine Bedienung konnte es mit ihr aufnehmen. Hoffentlich blieb sie noch lange zu Hause. Aber wenn er am Sonntag in der Kirche sah, wie sich die Burschen die Hälse nach ihr ausreckten, wurde ihm immer angst. Hoffentlich machte sie keine Dummheiten. Sie war so lebenslustig und doch noch ein halbes Kind.
In der Küche band Hanna die Schürze ab. Misstrauisch sah die Mutter ihr zu.
»Wo willst du denn hin? Du kannst doch jetzt net weglaufen in dem Trubel.«
»Ich muss an die frische Luft, Mutter, und wenn’s nur zehn Minuten sind. Die Hausl-Marie vertritt mich in der Gaststube. Seit zehn Stunden bin ich jetzt da herinnen. Nur zehn Minuten, dann bin ich wieder da, das verspreche ich dir.«
»Na, dann geh schon«, brummte die Wirtin und füllte die heißen Speckknödel in die Suppenteller.
Draußen vor der Tür blieb Hanna aufatmend stehen. Mittlerweile war es stockdunkel geworden. Erschrocken sah sie auf die Uhr. Mein Gott, schon sieben vorbei. Ob er auf sie gewartet hatte, der Michl?
Sie zog die Strickjacke enger um die Schultern und hastete über den Dorfplatz, die schmale Gasse zur Kirche hinauf. Die Oktobernacht war schon empfindlich kalt.
Hanna blickte hinauf zur Mendelspitze. Der Berg hatte in der Nacht etwas Geisterhaftes. Unwillkürlich schauerte sie. Sie ging nicht gern allein im Dunkeln, obwohl sie jeden Stein hier kannte.
Ihr Herz schlug zum Zerspringen. Wenn er nun nicht mehr da war, der Michl? Er war sicher kein Mann, der auf ein Mädchen wartete.
Doch da löste sich ein Schatten vom Marterl, das am Wegrand stand. Hanna erkannte den Michl sofort. Mit einem Jubellaut lief sie auf ihn zu.
»Sei net bös, Michl, aber zugehen tut es bei uns, du kannst es dir net vorstellen!« Bittend sahen ihn ihre dunklen Augen an. Doch Michl war gar net bös. Er zog sie fest an sich.
»Und wenn ich eine volle Stund hätt warten müssen, für dich hätt ich es gern getan«, flüsterte er, »aber nun will ich zur Belohnung ein Busserl.«
Das ließ sich das Madl nicht zweimal sagen. Sie schlang die Arme um seinen Hals und hielt ihm ihren roten Mund aufmunternd entgegen. Und Michl küsste sie, dass ihr Hören und Sehen verging.
Aufseufzend gab sie der Bursche dann frei.
»Warum hast du nie mehr Zeit für mich? Du musst doch sehen, dass ich vor Sehnsucht fast vergehe«, sagte er.
Hanna strich sich über die erhitzten Wangen.
»Es ist nur jetzt so, Michl. Bald kommt der Winter und damit die ruhige Zeit. Dann gibt’s nimmer so viel Arbeit bei uns im Gasthaus. Aber jetzt muss ich den Eltern halt helfen. Sie haben ja nur mich. Und es ist auch besser so. Wir wollen doch net, dass geredet wird über uns zwei. Die Leut werden’s noch früh genug erfahren, dass wir zwei uns gernhaben.«
Michl drückte sie an sich.
»Der Gedanke, dass so viele Männer zu dir in die Gaststube kommen, lässt mir halt keine Ruh. Ich will dich für mich allein haben. Jeden, der dich nur anschaut, könnt ich in der Luft zerreißen.«
Hanna lachte glockenhell und schmiegte sich an ihn.
»Aber geh, Michl, sind doch eh nur alte Bauern, die zu uns kommen. Was sollt denn ich da sagen? All die feschen Urlauberinnen, die das Jahr über in deinem Hotel wohnen und dir schöne Augen machen. Da hätt ich wohl eher einen Grund.«
Michl legte ihr die Hand auf die roten Lippen.
»Seit ich dich hab und weiß, dass du mich gernhast, kann mir keine andere gefährlich werden. Lass die Leut nur reden. Unrecht haben sie ja net gehabt. Mir hat schon manches Madl gefallen. Aber das ist vorbei. Jetzt gibt es nur noch dich. Du bist die Einzige, die ich lieb hab.«
Das Madl lachte glücklich. Aber dann machte sie sich aus den starken Armen frei, so schwer es ihr auch fiel.
»Ich muss gehen, Michl. Der Vater wird sonst bös.« Sie drückte ihm noch einen Kuss auf die Wange und wollte gehen. Doch er hielt sie an den Armen fest.
»Erst musst du mir versprechen, dass wir uns morgen wiedersehen.«
Hanna überlegte. Morgen war Sonntag. Um Mittag würde es viel Arbeit geben, aber am Nachmittag würde es ruhiger werden.
»Ich möcht mit dir hinunter nach Bozen. Hab was zu besprechen, aber das dauert net lang. Wir können dann unten Kaffee trinken.«
Das Mädchen nickte.
»Ja, ich werde es versuchen. Wart halt um drei an der Birke auf mich.«
Noch ein schneller Kuss, dann war sie in der Dunkelheit verschwunden.
Michl zündete sich eine Zigarette an und setzte sich auf die kleine Bank vor der Friedhofsmauer. Seine Gedanken weilten bei dem Mädchen, das jetzt sicher wieder in der Gaststube stand. War es möglich, dass er, der alte Schürzenjäger, sich so verlieben konnte? Und ausgerechnet in ein siebzehnjähriges Madl, das noch ein halbes Kind war.
Seit dem Spätsommer hatte er nur noch Augen für sie, seit dem Tag, als er mit einigen Urlauberinnen zum Baden an den Kalterer See gefahren war.
Stolz wie ein Hahn hatte er im Kreise der jungen Mädchen gelegen, als ihm...
| Erscheint lt. Verlag | 5.6.2018 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Alpengold | Alpengold |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Romane / Erzählungen |
| Schlagworte | 2017 • 2018 • Alpen-Krimi • alpen-roman • Arzt • Arztroman • Arztromane • Bastei • Bergdoktor • Berge • Bergpfarrer • Bergroman • Bestseller • Bianca • Cora • Deutsch • dr daniel • dr laurin • dr norden • Dr Stefan Frank • eBook • E-Book • eBooks • Familiensaga • Großdruck • große-schrift • Hans Ernst • Heimat • Heimatromane • hermann-broch • Julia • Kelter • Kindle • Landarzt • Liebe • Liebesromane • Mira • Modern • Patient • Roman-Heft • romantisch • Schwarzwald • Serie • steingruber • Toni-Hüttenwirt • waidacher |
| ISBN-10 | 3-7325-6552-1 / 3732565521 |
| ISBN-13 | 978-3-7325-6552-8 / 9783732565528 |
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