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Mein (nicht ganz) perfektes Leben (eBook)

(Autor)

eBook Download: EPUB
2018 | 1. Aufl. 2018
355 Seiten
beHEARTBEAT (Verlag)
978-3-7325-4797-5 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Mein (nicht ganz) perfektes Leben - Sandra Binder
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Die Liebe ist ein Hirngespinst!

Lila wollte ihren Ex nicht anfahren. Das war ein Unfall. Ehrlich! Obwohl ... verdient hat er es schon. Schließlich zerstört seine kleine Affäre Lilas gesamten Lebensplan. Nun muss sie wieder von vorn anfangen. Und das ein Jahr vor der Deadline - ihrem dreißigsten Geburtstag.

Doch dann trifft Lila auf Fred, ihren neuen Nachbarn. Die beiden könnten kaum unterschiedlicher sein: er der introvertierte Brummbär; sie der Wirbelwind, der sein Leben nach Plan leben will. Trotzdem entwickelt sich zwischen Lila und Fred eine Freundschaft, und es stellt sich heraus, dass sie mehr gemeinsam haben als auf den ersten Blick erkennbar: Die Liebe gleicht bei ihnen immer einem Desaster. Ein Grund, sie hartnäckig zu umgehen.

Doch ausgerechnet bei ihrem neuen Job lernt Lila den perfekten Mann kennen. Der attraktive Unternehmer Marcel ist völlig anders als Fred, so kultiviert und charmant. Moment - wieso denkt sie plötzlich so häufig über ihren Nachbarn nach?

eBooks von beHEARTBEAT - Herzklopfen garantiert.


'Ein leichtes Lesevergnügen mit viel Gefühl und Charme.' (TasmanianDevil8, Lesejury)


'Ein absolut lesenswertes Buch. Perfekt für den Strand im Sommer, da es so wunderbar locker und leicht geschrieben ist, obwohl es doch so viel Tiefgang beherbergt.' (JennyY93, Lesejury)


'Der Roman ist in einem wunderschönen Ton geschrieben. Er liest sich leicht und flüssig, ist aber nie langweilig, sondern man findet sehr viele amüsante Szenen und tollen Wortwitz.' (nosysimi, Lesejury)




Kapitel 1 – Alles auf Anfang


»Nun, wie fühlen Sie sich dabei?«

Lila schürzte die Lippen und musterte die gelangweilten Gesichter um sich herum. Die Psychologin stellte ihr hier nicht einfach nur eine Frage – das tat sie nie. Es war ein Test. Was Lila wirklich fühlte, war unerheblich, hier ging es darum, die richtige Antwort zu finden. Sie musste sich also fragen: Wie würde sich ein geistig gesunder Mensch fühlen, wenn er auf einem unbequemen Stuhl mitten im Raum saß, umringt von sieben oder acht geistig nicht ganz so gesunden Menschen?

»Wissen Sie, das ist nicht so leicht zu beantworten.« Lila schlug die Beine übereinander und legte einen Finger an den Mundwinkel. »Zu Anfang haben Sie gesagt: Jeder Mensch nimmt Gefühle anders wahr und stattet sie mit unterschiedlich starken Energien aus. Ich meine, wenn ich Ihnen nun sage, dass es mir gut geht, und Sie nehmen dieses ›gut‹ ganz anders wahr als ich, dann können Sie doch mein Befinden gar nicht richtig beurteilen.«

Frau Kirchner holte tief Luft und presste zwei Finger an ihre Schläfe, während sie mit dem Stift in ihrer anderen Hand auf ihr Klemmbrett klackerte.

»Lassen Sie es uns trotzdem versuchen. Ich kann Ihr persönliches ›gut‹ bestimmt ungefähr einordnen.«

Die betongrauen Augen der Psychologin bohrten sich in Lilas Kopf. Manchmal fragte sie sich, ob die ältere Frau ein Alien war, der mithilfe seines Röntgenblicks jegliche Gedanken durch das menschliche Bewusstsein wabern sehen konnte. Die Frau mit der akkuraten blonden Bobfrisur und der strengen Miene war echt unheimlich.

»Ich fühle mich gut.«

»Und weshalb?« Frau Kirchner hob eine Hand. »Und bitte fassen Sie sich kurz.«

Waren Psychologen für gewöhnlich nicht geduldige Zuhörer? Frau Kirchner mit ihrer eckigen Lesebrille und ihrem genauso eckigen Kinn war jedenfalls beides nicht – weder geduldig noch eine Zuhörerin. Außerdem war sie so kalt, als schliefe sie im Kühlschrank. Oder in einem Sarg?

Aber zurück zur Frage. Oder besser: zum Test. Die Wahrheit war: Lila fühlte sich großartig. Und auch das ›weshalb‹ ließ sich leicht beantworten: Heute war ihre letzte Gruppensitzung beim Anti-Aggressivitäts-Training. Allerdings konnte sie wohl kaum verkünden, dass sie froh war, all die Nasen um sich herum nie mehr wiedersehen zu müssen. Wenn sie ehrlich war, gruselte es sie regelrecht vor manchen dieser Gestalten.

Da war zum Beispiel Jeannette, die Kochlöffelakrobatin. Sie hatte ihren Mann mit einem Kochlöffel krankenhausreif geschlagen, nachdem sie ihn dabei erwischt hatte, wie er sich mit einer Arbeitskollegin in der Mittagspause einen Frischkäse-Bagel geteilt hatte. Es mochte zwar beeindruckend sein, dass jemand ein Plastikkochutensil so treffsicher zu schwingen vermochte, dass es ein Nasenbein brach, ohne selbst zu zerbrechen, aber diese Kunst war dennoch zutiefst beängstigend. Das war allerdings noch nichts gegen Ginger, die bissige Stangentänzerin. Die konnte es nämlich überhaupt nicht leiden, »angetatscht« zu werden, und brachte das des Öfteren durch Einsatz ihrer Zähne unmissverständlich zum Ausdruck. Doch Lilas absolute Nummer eins in den Grusel-Charts war Mareike mit dem Killerblick. Niemand starrte so gehässig und bedrohlich wie die übergewichtige Frau in dem quietschpinken Kunstlederoberteil. Sie gab gern »Schlampen aufs Maul«. Um welche ›Schlampen‹ es sich dabei handelte, war irrelevant. Jede Frau im Umkreis von einhundert Metern schien für sie in diese Kategorie zu fallen.

Ach ja, es war eine herzallerliebste Truppe, die sich da jeden Dienstag und Donnerstag im vierten Stock eines grauen Wohnklotzes in Berlin-Friedrichshain traf. Und alle waren sie wütend – auf die Welt im Allgemeinen, auf das System und auf die Kerle im Besonderen. Ginge es nach den sieben Frauen – und der Psychologin –, dann waren die Männer ohnehin für den Untergang der zivilisierten Welt verantwortlich. Diese Sitzungen konnten einen regelrecht aggressiv machen. Ironischerweise.

Lila gehörte hier nicht her. Sie war kein wütender oder gewalttätiger Mensch. Dass sie an dem Anti-Aggressivitäts-Training teilnahm, hatte sie ihrem Exfreund Flo und seinem überbezahlten Anwalt zu verdanken. Versuchten Totschlag hatten sie ihr vorgeworfen und von ihr verlangt, dieses Training zu absolvieren, wenn sie einer Strafanzeige entgehen wollte. Dabei wollte sie Flo gar nicht anfahren. Ehrlich! Doch wenn man seinen Freund mit der Sekretärin seines Vaters rumknutschen sah, konnte man schon mal Gas und Bremse verwechseln. Außerdem war gar nichts passiert. Folgen hatte die Aktion nur für den Hydranten und Flos Auto gehabt.

So lächerlich der Vorschlag auch gewesen war – und das war er, denn selbst Flos Anwalt musste darüber lachen –, um des lieben Friedens willen absolvierte Lila das Training. Das Ganze hatte sie jedoch eine Menge Nerven gekostet und am Ende auch ihren Job bei der Nachmittagsbetreuung für Grundschulkinder am Prenzlauer Berg – denn wer wollte sein Kind schon jemandem überlassen, der ein Aggressionsproblem hatte? Aber jetzt hatte sie es endlich geschafft.

Sie lächelte die Psychologin siegessicher an.

»Ich bin rehabilitiert.« Sie versuchte, so aufrichtig wie möglich auszusehen. »Wissen Sie, dass morgen Frühlingsanfang ist? Der perfekte Tag, um neu anzufangen. Ich habe schon gepackt und ziehe morgen früh bei meiner Mutter aus.«

Frau Kirchner hob die Brauen und schielte über den Rand ihrer Brille. »Glauben Sie denn, Sie sind bereit, um in die Welt hinauszugehen?«

»Na, ich bin doch schon die ganze Zeit über frei herumgelaufen …«

Die Psychologin rümpfte die Nase und notierte etwas auf ihrem Klemmbrett.

»Von jetzt an werde ich nur noch U-Bahn fahren, versprochen«, scherzte Lila, was zur Folge hatte, dass die Frau noch mehr auf ihr Papier kritzelte.

»Mit diesem Training haben Sie lediglich den ersten Schritt getan«, meinte Frau Kirchner. »Nun möchte ich, dass Sie im Alltag umsetzen, was Sie hier gelernt haben. Bevor Sie handeln, versetzen Sie sich in die Gefühlslage Ihres Gegenübers, Lila. Ein sinniger nächster Schritt wäre die Aussprache mit Ihrem Exfreund. Nehmen Sie ihm die Angst vor Ihnen.«

Wem? Flo? Der hatte ganz bestimmt keine Angst. Im Gegenteil, der lachte sich doch jetzt ins Fäustchen.

Als Mitglied einer der reichsten und angesehensten Familien Berlins konnte sich Saubermann Flo keinen Skandal leisten. Blöd nur, dass seine Freundin Lila so viele schmutzige Dinge über ihn wusste. Als er sie schließlich satthatte, musste er sich deshalb etwas ausdenken, wie er sie mundtot machen konnte. Und was war da wirkungsvoller, als die Ex als geisteskranke Irre darzustellen, die ihn umbringen wollte?

»Ich bin sicher, Flo kommt zurecht.« Lila unterdrückte eine Grimasse. »Ich habe gehört, er will demnächst heiraten. Irgendwo in den Bergen – mit Kirche und Torte und Tauben und dem ganzen Chichi.«

Natürlich würde er das. Lila hatte ihn zwei Jahre lang bearbeitet, um ihn so weit zu bekommen. Letztendlich war ihr Plan aufgegangen. Nur, dass er jetzt eben die Sekretärin seines Vaters heiratete statt Lila. Aber das machte nichts. Im Gegenteil. Sie war froh, dass sie seinen wahren Charakter noch rechtzeitig erkannt hatte.

Frau Kirchner hob einmal mehr die Brauen und setzte ihren glänzend silbernen Kugelschreiber auf dem Papier an. »Bevor wir uns von Ihnen verabschieden, verraten Sie uns doch Ihre Pläne für die Zukunft.«

In näherer Zukunft würde Lila den Schnapsschrank ihrer Mutter plündern, in der Hoffnung, die letzten sechs Monate aus ihrem Gedächtnis auslöschen zu können. Aber das war wahrscheinlich nicht unbedingt das, was die Psychologin hören wollte.

»Ich habe einen Vier-Stufen-Plan.« Lila straffte die Schultern, und ein Lächeln legte sich wie von selbst auf ihre Lippen. »Den habe ich mir als Kind bereits ausgedacht. Wissen Sie, ich wollte immer eine Prinzessin sein. Da ich aber nicht gerade aus königlichem Hause stamme, muss ich mir – und das ist Stufe eins – einen Prinzen suchen.«

Frau Kirchner blinzelte sie mit großen Augen an, und einige der Frauen um sie herum lachten kaum verhalten.

»Es gibt nicht viele Prinzen in Deutschland«, entgegnete die Psychologin trocken.

»Es geht nicht um den Titel. Betrachten Sie es doch mal aus der Sicht eines Kindes. Wer ist ein typischer Märchenprinz? Ein gutaussehender Mann mit gütigem Herzen und reicher Familie. Das ist meine Definition eines Prinzen.«

»Sie wollen also einen gutaussehenden Mann mit dickem Bankkonto.« Sie schob die Brille auf ihrer Nase zurecht und fixierte Lila wieder mit ihren betongrauen Augen. »Hallo, Einzelfall.« Nun wurde sie aber ein klein wenig sarkastisch, oder nicht? »Und am besten soll es auch noch Liebe auf den ersten Blick sein.«

»Bloß nicht«, widersprach Lila und schüttelte heftig den Kopf. »Ich bitte Sie, wer liebt denn heute noch? Heutzutage und in unserer Gesellschaft steht die Liebe ja nun wirklich nicht auf Platz eins der Must-haves.«

Mit diesen Worten schaffte es Lila endlich, der kaltschnäuzigen Psychologin eine Reaktion zu entlocken. Ihr klappte der Kiefer herunter.

»Sie sind Ärztin, Psychologin. Sie wissen, was in den Köpfen der Menschen vorgeht. Das Verliebtsein ist nichts weiter als ein geschickt gemixter Hormoncocktail, mit dem die Natur das Überleben der Spezies Mensch sichern möchte. Alles nur Illusion. Deshalb verfliegt diese ganze Schmetterlinge-im-Bauch-Nummer so fix. Und bevor Sie es sich versehen, haben Sie einen armen Schlucker geheiratet, der sich selbst hasst und weder sich noch Sie oder den gemeinsamen Nachwuchs versorgen kann.« Lila hüpfte vom Stuhl auf und gestikulierte wie ein...

Erscheint lt. Verlag 1.8.2018
Verlagsort Köln
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte 20. - 21. Jahrhundert • Deutschland • Frauen Bücher • Frauen Bücher Bestseller • Frauenroman • Frauenroman Bestseller • Gefühl • Gefühle • High Society • Humor • Humor für Frauen • humorvolle Bücher • Humorvolle Liebesgeschichte • Liebe • Liebe / Beziehung • Liebesleben • Liebesroman • Liebesromane für Frauen • Liebesroman lustig • Liebesroman (modern) • Liebesroman witzig • lustige Bücher für Frauen • lustige Romane • Romantic Comedy • Romantik • Unterhaltung
ISBN-10 3-7325-4797-3 / 3732547973
ISBN-13 978-3-7325-4797-5 / 9783732547975
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