Ein Zuhause für unser Glück (eBook)
130 Seiten
CORA Verlag
978-3-7337-5732-8 (ISBN)
Eine überzeugte Aussteigerin ist die zierliche Jemima. Vor dem Großstadtleben in London ist die Ex-Anwältin aufs Land geflohen. Sam dagegen lebt als Architekt gern in der City. Schlechte Aussichten für ihre Liebe! Oder werden sie durch ein überraschendes Ereignis doch noch ein glückliches Paar?
<p>Caroline Anderson ist eine bekannte britische Autorin, die über 80 Romane bei Mills & Boon veröffentlicht hat. Ihre Vorliebe dabei sind Arztromane. Ihr Geburtsdatum ist unbekannt und sie lebte die meiste Zeit ihres Lebens in Suffolk, England.</p>
1. KAPITEL
„Typisch! Muss ich nun abbiegen oder nicht?“ Als Sam das Fenster öffnete, um das Verkehrsschild zu lesen, blies ihm ein eisiger Wind den Schnee ins Gesicht. Schützend hielt er eine Hand vors Gesicht. Das Schild war von einer dichten Schneeschicht bedeckt, es war unmöglich, die Aufschrift zu erkennen.
Eigentlich war er ziemlich sicher, welche Richtung er nehmen musste. Schnell ließ er das Seitenfenster wieder hochgleiten, damit nicht noch mehr Schnee in den Wagen wehte, und klopfte sich den Pullover ab. Natürlich hätte er aussteigen und den Schnee vom Schild wischen können, aber diese Möglichkeit sagte ihm angesichts des heftigen Schneesturms wenig zu.
Wütend betrachtete Sam die zugeschneite Windschutzscheibe und betätigte den Scheibenwischer. Der Schnee, auf den sie Weihnachten vergeblich gewartet hatten, kam jetzt im Februar. Darauf hätte er gut verzichten können. „Wirklich ganz wunderbar“, sagte er ironisch vor sich hin.
Da er sich unschlüssig war, welche Richtung er einschlagen sollte, lehnte er sich zurück, legte eine Verdi-CD ein und wartete, dass es zu schneien aufhörte. Eine halbe Stunde später hatte der Wind noch mehr zugenommen und heulte gespenstisch ums Auto.
„Es hat keinen Zweck, länger zu warten“, überlegte Sam und fuhr vorsichtig an. Er war froh, dass er einen Wagen mit Allradantrieb gekauft hatte. Eines Tages war er es nämlich leid gewesen, ständig auf irgendwelchen schlammigen Baustellen stecken zu bleiben. Es hatte zwar immer einige kräftige Bauarbeiter gegeben, die das Auto wieder herausgezogen hatten, doch hier war er ganz auf sich allein gestellt. Noch rollte der Wagen langsam, aber stetig vorwärts. Allerdings bezweifelte er, Sam, allmählich, dass er das Bauernhaus seiner Großeltern noch an diesem Abend erreichen würde.
Meter um Meter kämpfte der Wagen sich durch den tiefen Schnee. Der Sturm fegte über die Felder und türmte die weißen Massen auf dem Weg auf. Erst als rechts eine dichte Hecke auftauchte, die den Sturm abhielt, konnte Sam das Tempo etwas beschleunigen.
„Endlich“, sagte er vor sich hin. Auf der linken Seite lag ein Bauernhof, dessen Wohnhaus und Ställe auch schon bessere Tage gesehen hatten. Und doch machte das hell erleuchtete Haus einen einladenden Eindruck in dieser unwirtlichen Umgebung.
Sobald er die Lichter hinter sich gelassen hatte, fühlte Sam sich schrecklich einsam. Das war seltsam, denn eigentlich hatte er genug von seinen Mitmenschen mit ihren großartigen Ideen, die sich niemals umsetzen lassen würden. In seinen Augen waren die Leute, mit denen er es zu tun hatte, Narren, die nie zu einer Entscheidung kamen. Er hatte London gar nicht schnell genug verlassen können.
Und fühlte er sich plötzlich einsam, weil weit und breit keine Menschenseele zu sehen war? Sehr merkwürdig! Sehnsüchtig betrachtete er den kleinen Bauernhof im Rückspiegel, als er abbog.
Das war keine gute Idee gewesen! Mit dreißig Stundenkilometern fuhr er in eine Schneewehe am Ende der Hecke und blieb stecken. Der Sicherheitsgurt verhinderte, dass er durch die Windschutzscheibe geschleudert wurde, schnitt ihm jedoch in die Brust.
Sam lehnte sich erschrocken zurück. Als er sich von dem Schock erholt hatte, legte er den Rückwärtsgang ein. Der Wagen bewegte sich keinen Zentimeter.
„Verflixt!“ Wütend schlug Sam mit der flachen Hand aufs Lenkrad und betrachtete die Schneemassen, die sich auf der Motorhaube aufgetürmt hatten. Und der Sturm trieb den Schnee direkt gegen die Fahrerseite.
Noch einmal versuchte Sam vergeblich, rückwärts zu fahren, dann gab er auf. So kam er offensichtlich nicht weiter. Vielleicht konnte der Landwirt von dem Bauernhof, an dem er gerade vorbeigefahren war, ihn mit dem Traktor herausziehen oder ihn wenigstens im Haus übernachten lassen. Denn bis zu seinen Großeltern würde er es kaum schaffen, obwohl er kaum drei Kilometer von ihnen entfernt sein konnte.
„So etwas Dummes!“ Sam stellte den Motor aus und rutschte auf den Beifahrersitz. Dabei holte er sich einige blaue Flecken, und fast hätte er sich auch noch ernsthaft an der Handbremse verletzt.
Fluchend stieg er schließlich auf der Beifahrerseite aus und stand im tiefen Schnee. Nachdem er die Tür zugeknallt hatte, öffnete er die hintere Tür, nahm seinen Mantel vom Rücksitz und machte sich frierend auf den Weg zum Bauernhaus.
Ein eisiger Wind blies ihm ins Gesicht. Gebeugt kämpfte Sam sich im Schneesturm voran. Schon bald sah er die hell erleuchteten Gebäude vor sich. Allerdings ging das Licht in dem Moment aus, als er den Hof betrat.
Jemima war mit ihrem Latein am Ende. Es war eisig kalt, ihre spröden Hände hatten zu bluten begonnen, es wollte einfach nicht aufhören zu schneien, und Daisy III. litt schon wieder an einer Euterentzündung.
Als sie einen Wagen vorbeifahren hörte, der viel zu schnell war, horchte sie auf. Am Ende der Hecke türmte sich inzwischen bestimmt eine Schneewehe, und … Tatsächlich! Im nächsten Moment hörte sie, wie das Auto hineinfuhr. Jemima seufzte. Wahrscheinlich würde der Fahrer über kurz oder lang bei ihr auftauchen und sie bitten, den Wagen herauszuziehen. Aber wie? Der Traktor war defekt.
Sie widmete sich wieder Daisys entzündetem Euter, während sie hörte, wie der Fahrer vergeblich versuchte, den Wagen zurückzusetzen.
„Armes altes Mädchen“, sagte sie leise und massierte Salbe in das gerötete Euter ein, bevor sie Daisy melkte, um den Spannungsschmerz zu reduzieren. Das wurde für sie beide ein schmerzhaftes Unterfangen, denn Daisy schlug immer wieder nach ihr aus.
„Du könntest wirklich etwas dankbarer sein, altes Mädchen“, sagte Jemima einschmeichelnd und wich dem nächsten Tritt aus. „Ganz ruhig, so ist es gut. Wir haben es schon geschafft, Daisy.“
Sie richtete sich auf und hielt sich das schmerzende Kreuz.
Inzwischen schien der Fahrer des Wagens es aufgegeben zu haben, sein Fahrzeug aus den Schneemassen zu befreien. Wahrscheinlich würde er gleich im Stall auftauchen und sie um Hilfe bitten.
Plötzlich wurde es um sie her stockdunkel.
„Auch das noch!“ Jemima stöhnte, wartete, bis ihre Augen sich an das Dunkel gewöhnt hatten, und ging zu Bluebell hinüber, um sie von der Melkmaschine loszumachen. Man konnte ja nicht wissen, wann es wieder Strom geben würde.
Ausgerechnet während des Melkens musste der Strom ausfallen! Wie oft hatte sie das Elektrizitätswerk schon gebeten, eine neue Leitung zu ziehen, aber bisher war nichts passiert.
Wahrscheinlich war das Überlandkabel bei dem Sturm mal wieder an der alten, abgestorbenen Eiche gerissen. Die Leute vom Elektrizitätswerk weigerten sich, neue Leitungen zu ziehen, bevor die Eiche gefällt war. Und dafür war der Besitzer des Baumes verantwortlich. Leider gehörte die Eiche ihr, Jemima.
Sie hatte eine Firma um einen Kostenvoranschlag gebeten, den Auftrag jedoch nicht erteilt, weil sie nicht einsah, dass sie einige Hundert Pfund für das Fällen eines einzigen Baumes ausgeben sollte, ganz zu schweigen davon, dass ihr das Geld dazu fehlte.
Vielleicht hätte sich die Investition doch gelohnt, wenn man bedachte, dass nun dreißig Kühe mit der Hand gemolken werden mussten!
Jemima fuhr erschrocken zusammen, als es hinter ihr krachte. Im nächsten Moment fluchte jemand ausgiebig.
Es war natürlich der Autofahrer, der im Dunkeln über den Hof irrte und die Hunde wild gemacht hatte.
Jemima griff nach dem Milcheimer, stellte ihn zur Seite und öffnete vorsichtig die Stalltür. Sofort wehten ihr eisige Schneeflocken ins Gesicht. Schnell zog sie die Wollmütze tiefer in die Stirn und wagte sich auf den Hof. Im nächsten Moment prallte sie mit jemandem zusammen.
„Au!“
„Entschuldigung.“
Der Mann wich zurück und rieb sich leise fluchend den schmerzenden Oberkörper. Jemima sah auf. Der Schnee brannte ihr so stark auf den spröden Wangen, dass ihr die Tränen kamen.
„Kann ich Ihnen helfen?“, rief Jemima.
Der Fremde sah sie an. Obwohl er direkt vor ihr stand, konnte sie sein Gesicht in der Dunkelheit kaum erkennen.
„Ich möchte den Hofbesitzer sprechen. Ist das Ihr Vater?“
Der Mann schien es gewohnt zu sein, Anweisungen zu geben. Da war er bei ihr gerade an der richtigen Adresse. Jemima lächelte ironisch.
„Der Hof gehört mir“, erklärte sie.
„Seien Sie nicht albern! Sie können ja kaum älter als sechzehn sein.“
Sollte sie nun erfreut oder beleidigt sein? Sie beschloss, über seine Bemerkung hinwegzugehen. Vielleicht wirkte sie im Dunkeln wirklich so jung, und besonders groß war sie schließlich auch nicht. „Stecken Sie fest?“, fragte sie.
„Ja“, antwortete er kurz angebunden. „Ich brauche ein Seil. Meinen Sie, Ihr Vater würde so freundlich sein, meinen Wagen mit dem Traktor aus der Schneewehe zu ziehen?“
Jemima verbiss sich das Lachen. „Sicher würde er das tun“, sagte sie in verbindlichem Tonfall. „Aber er wohnt in Berkshire, außerdem ist der Traktor kaputt.“
„Wie bitte? Wieso ist er kaputt?“, fragte er ungläubig.
Jemima seufzte. Nun musste sie ihre eigene Dummheit zugeben. „Weil er eben kaputt ist.“
„Völlig kaputt?“
„Jedenfalls kann ich ihn nicht innerhalb der nächsten zehn Minuten reparieren.“
Der Mann stöhnte und machte eine resignierte Geste. „Könnten wir vielleicht irgendwohin gehen, wo wir vor diesem grässlichen Schneetreiben geschützt sind?“
„Nichts lieber als das.“ Sie kehrte in den Stall zurück. Er...
| Erscheint lt. Verlag | 23.5.2018 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Digital Edition |
| Digital Edition | Digital Edition |
| Übersetzer | Eberhard Freiherr von Schaezler |
| Verlagsort | Hamburg |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Romane / Erzählungen |
| Schlagworte | bücher für frauen • Cora • cora bücher • cora digital edition • cora liebesromane • cora neuerscheinungen • cora romane • Cora Verlag • cora verlag kindle • eBook • ebook angebote • ebook günstig • ebook liebesroman • Frauenroman • Frech • Liebesgeschichte • Liebesroman • romantisch • Romantische Bücher • Sexy |
| ISBN-10 | 3-7337-5732-7 / 3733757327 |
| ISBN-13 | 978-3-7337-5732-8 / 9783733757328 |
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