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Notärztin Andrea Bergen 1351 (eBook)

Von Frau zu Frau

(Autor)

eBook Download: EPUB
2018 | 1. Aufl. 2018
Bastei Entertainment (Verlag)
978-3-7325-6412-5 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Notärztin Andrea Bergen 1351 - Isabelle Winter
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Prüfend mustert Dr. Andrea Bergen die schöne Mila von Seggern, die sie an diesem späten Abend um Hilfe gebeten hat. Erst vor Kurzem hat Andrea die bekannte Ballerina nach einem ominösen Treppensturz behandelt. Heute hat Mila sich Hämatome und eine schwere Verbrennung am Arm zugezogen - bei einem häuslichen Unfall, wie Mila der Notärztin unter Tränen versichert.

Als Andrea kurz darauf das Haus des Tänzerehepaares verlässt, will eine dunkle Ahnung sie nicht mehr loslassen: Ist Matteo von Seggern etwa nicht der liebevolle, fürsorgliche Ehemann, für den ihn alle Welt hält? In Milas Augen jedenfalls hat namenlose Angst gestanden - und die verzweifelte Bitte, dass Andrea über das, was sie gesehen hat, Stillschweigen bewahrt ...

»Wahnsinn, was für eine tolle Wohngegend«, sagte Rettungsassistent Ewald Miehlke staunend, während er mit großen Augen aus dem Krankenwagen blickte.

»So richtig nobel«, stimmte der Rettungssanitäter Jupp Diederichs zu, der den Wagen steuerte.

Die Notärztin Andrea Bergen nickte nur schweigend. Auch sie schaute hinaus und spähte angestrengt die Straße entlang, doch für die Opulenz der Villen und der parkähnlichen Gartenanlagen hatte sie gerade keinen Sinn. Geistig bereitete sie sich auf den Einsatz vor, der vor ihnen lag.

Sie störte sich nicht daran, dass Jupp und Ewald über die Häuser und die Leute, die wohl darin wohnen mochten, sprachen. Sie wusste, dass das die Methode der beiden war, mit der Anspannung vor einem notärztlichen Einsatz umzugehen. Sie selbst jedoch wurde ganz ruhig und konzentriert.

»Da ist es«, sagte Jupp in dem Moment.

Das große zweiflügelige Tor stand weit offen, sodass sie die breite Kiesauffahrt hochfahren konnten, die von ehrwürdigen Ahornbäumen flankiert wurde. Der Weg führte geradewegs auf das Gebäude zu: eine imposante Villa mit großen Fensterfronten, verspielten architektonischen Details und einer weitläufigen Veranda.

Die weiße Fassade wirkte im warmen Abendlicht fast rosa. Ein Springbrunnen befand sich auf dem gekiesten Hof vor dem Haus. Das hochsprühende Wasser funkelte wie tausend Diamanten.

Aber so schön es hier auch sein mochte: Die Bewohnerin dieser beeindruckenden Villa brauchte gerade dringend Hilfe, also hielt die Notärztin sich nicht mit langen Betrachtungen auf. Sie schnappte sich ihren Notarztkoffer und sprang aus dem Wagen, sobald dieser stillstand, dicht gefolgt von Jupp und Ewald.

Die Patientin war die Treppe hinuntergefallen und benommen am Boden liegen geblieben, so viel wusste Andrea. Wie schwerwiegend die Verletzungen aber waren, würde sich jetzt gleich erst herausstellen. Innerlich machte sie sich auf das Schlimmste gefasst, als sie durch die offen stehende Tür ins Haus eilte.

Durch einen großzügigen Eingangsbereich mit schönen Holzdielen gelangte die Notärztin in den eindrucksvollen Wohnbereich. Das Zimmer sah aus, als hätte es vor allem eine repräsentative Funktion, um Gäste zu empfangen, nicht so sehr, als würde eine Familie hier gemütliche Abende vor dem Fernseher oder mit einem Brettspiel verbringen. Eine breite Treppe führte nach oben zu einer offenen Galerie, auf der man Bücherregale sehen konnte.

In einem cremefarbenen Ledersessel am Fuß der Treppe saß eine zierliche junge Frau mit glänzenden schwarzen Locken. Sie wirkte erschöpft, aber als Andrea den Raum betrat, blickten ihr die wachen dunklen Augen der Frau entgegen.

Eine weitere Frau, die der ersten wie aus dem Gesicht geschnitten war, nur älter, saß auf einem Schemel neben dem Sessel und legte der Patientin gerade behutsam ein feuchtes Tuch auf die Stirn. Andrea nahm auf Anhieb an, dass diese Frau die Mutter sein musste.

Geschmeidig richtete sich die Patientin im Sessel auf. Als Andrea die auffällige Anmut und Grazie ihrer Bewegungen wahrnahm, fiel es ihr wie Schuppen von den Augen: Sie hatte diese wunderschöne Frau schon einmal gesehen! Das war Mila von Seggern, eine bekannte Balletttänzerin. Erst letztes Wochenende hatte Andrea sie auf der Bühne erlebt, als sie ihren Mann Werner dazu überredet hatte, mit ihr ins Ballett zu gehen.

»Vielen herzlichen Dank, dass Sie hergekommen sind.« Milas Stimme war angenehm sanft und melodisch wie das Rauschen eines Baches, der Blick aus ihren großen dunklen Augen bekümmert. »Und es tut mir sehr leid, dass Sie den Weg umsonst auf sich genommen haben. Es ist gar nicht so schlimm, es geht schon wieder. Meine Mutter hat es sich nicht nehmen lassen, Sie zu rufen, aber ich habe gleich gesagt, dass das nicht notwendig ist. Tut mir wirklich leid.«

»Unsinn, Liebling«, widersprach die Mutter der Balletttänzerin streng. »Du warst bewusstlos! Mit so einem Sturz ist nicht zu spaßen. Und nun sei vorsichtig, bewege dich nicht zu ruckartig. Was, wenn du eine Gehirnerschütterung hast? Oder Schlimmeres?«

»Das werden wir gleich herausfinden«, sagte Andrea sanft.

Sie wollte sich selbst ein Bild von der Lage machen. Die Sorgen der Mutter, die sich als Emilie Ahrend vorstellte, waren durchaus berechtigt. Die Notärztin warf noch einen kurzen Blick zur Treppe: Bei einem solchen Sturz konnte man sich gefährlich verletzen.

Sie mussten ein Schädel-Hirn-Trauma sicher ausschließen können. Noch dazu blutete Mila von Seggern aus einer Kopfwunde. Auch die kurze Bewusstlosigkeit war ein Warnzeichen und deutete auf ein Schädel-Hirn-Trauma hin.

Behutsam begann Andrea mit der Untersuchung. Sie stellte Mila einfache Fragen, um ihren Bewusstseinszustand nach der Glasgow-Coma-Skala einzuordnen. Um die motorischen Fähigkeiten zu testen und zudem weitere Verletzungen zu entdecken, bat sie die Tänzerin, Arme und Beine zu bewegen. Mithilfe von Licht prüfte sie die Pupillenreaktion der Patientin.

Mila ließ die Untersuchung seufzend über sich ergehen. Sie protestierte nicht, doch es schien ihr etwas unangenehm zu sein, dass so viel Aufhebens um sie gemacht wurde.

»Mama, kann ich wieder kommen? Oder muss ich noch in meinem Zimmer bleiben?«, fragte ein glockenhelles Stimmchen.

Andrea hob den Kopf und sah ein kleines Mädchen mit schwarzen Wuschellocken und großen blauen Augen, die ängstlich und besorgt dreinblickten. Nervös knetete die Kleine den Saum ihres hellblauen Baumwollkleides und blickte zwischen ihrer Mutter, der Notärztin und den Sanitätern hin und her. Dabei trat sie von einem Fuß auf den anderen.

Emilie reagierte sofort. »Laura, Schätzchen, bitte geh noch einmal in dein Zimmer und spiel ein wenig, ja?«, bat sie das Kind, das offenbar ihre Enkeltochter war, mit sanfter Stimme. »Deine Mama kann jetzt nicht. Ich bleibe noch ein wenig bei ihr, solange die Ärztin sich um sie kümmert, und komme dann zu dir.«

Schniefend nickte das Mädchen und zog von dannen. Man hörte ihre tapsenden nackten Füße, die sich entfernten.

»Geh ruhig zu ihr, bitte«, sagte Mila. »Sie ist ganz beunruhigt. Ich komme hier zurecht. Die Notärztin ist ja bei mir, und mir geht es wirklich gut.«

Nickend erhob sich Emilia vom Hocker und folgte ihrer Enkeltochter. Andrea lächelte Mila aufmunternd zu und setzte ihre Untersuchung fort. Die blutende Kopfwunde versorgte sie und stillte die Blutung.

»Vermutlich ein leichtes Schädel-Hirn-Trauma ersten Grades«, sagte die Notärztin schließlich. »Um sicherzugehen, werden wir Sie aber ins Elisabeth-Krankenhaus mitnehmen, wo ein CT durchgeführt wird. So kann man den Schweregrad besser einschätzen. Außerdem haben Sie sich beim Sturz einige Prellungen zugezogen. Das ist schmerzhaft, aber zum Glück nicht weiter dramatisch. Sie hatten wirklich Glück im Unglück.«

Mila seufzte. »Wie ungeschickt von mir! Ich muss wirklich besser aufpassen. Ich war mit den Gedanken irgendwo, hatte es gleichzeitig eilig, habe immer zwei Stufen auf einmal genommen … und schon ist es passiert.«

Andrea lächelte warmherzig. »Ach, jedem passiert mal ein Missgeschick. Wichtig ist, dass Sie in Zukunft besser auf sich aufpassen.«

»Allein schon um meiner kleinen Tochter willen«, sagte Mila leise.

Erstaunt hob Andrea die Augenbrauen. »Und um Ihrer selbst willen, hoffe ich doch?«, ergänzte sie.

Eilig nickte Mila. Ihr melancholischer Blick wanderte zum Fenster, hinter dem die Sonne mittlerweile beinahe vollständig untergegangen war.

»Aber ja, das natürlich auch«, bestätigte sie.

Irgendetwas in ihrem Tonfall machte Andrea stutzig, und sie überlegte, ob sie nachhaken sollte. Aber dann lächelte die anmutige Tänzerin, und alle Schatten verschwanden aus ihrem Gesicht. Also kam Andrea zu dem Schluss, dass sie sich den seltsamen Tonfall und den traurigen Blick vielleicht nur eingebildet hatte, oder dass beides bloß auf den sturzbedingten Schock zurückzuführen war.

Kurz sprach sie sich mit Jupp und Ewald ab, dann brachten sie Mila in den Rettungswagen, um sie ins Krankenhaus transportieren zu können. Emilie wollte am liebsten gleich mitkommen, blieb aber mit der kleinen Laura zurück, um sich um das Kind zu kümmern.

»Keine Sorge«, sagte Andrea aufmunternd, als ihr auffiel, wie schwer es Mila fiel, sich von ihrer Tochter zu trennen. »Mit Sicherheit müssen Sie nicht lange im Krankenhaus bleiben; die Untersuchungen werden nicht allzu viel Zeit in Anspruch nehmen. Bald können Sie Ihre Tochter wieder in die Arme schließen.«

Sanft küsste Mila Laura auf die Wange, dann nickte sie Andrea dankbar zu. »Die Kleine ist einfach das Wichtigste in meinem Leben«, erklärte sie.

***

»Sehen Sie, alles halb so wild«, sagte Andrea im Krankenhaus lächelnd.

Alle erforderlichen Untersuchungen waren durchgeführt worden. Die behandelnden Ärzte hätten Mila zwar gerne über Nacht zur Beobachtung im Elisabeth-Krankenhaus behalten, um sicherzugehen, dass es wegen der Gehirnerschütterung keine Komplikationen gab. Doch die Tänzerin bestand darauf, nach Hause zu ihrer Familie zurückzukehren. Unter gar keinen Umständen wollte sie eine Nacht außer Haus verbringen. Weil sie glücklicherweise glimpflich davongekommen war, hatten die Ärzte schlussendlich keine Einwände dagegen.

Für Andrea war es der letzte Einsatz des Tages gewesen. Statt nach ihrem Dienst direkt nach Hause zu fahren, hatte sie sich die Zeit genommen, noch ein bisschen mit Mila zu plaudern. Nachdem der erste Schreck verflogen war, war die...

Erscheint lt. Verlag 8.5.2018
Reihe/Serie Notärztin Andrea Bergen
Verlagsort Köln
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Krimi / Thriller / Horror
Literatur Romane / Erzählungen
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ISBN-10 3-7325-6412-6 / 3732564126
ISBN-13 978-3-7325-6412-5 / 9783732564125
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