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Vom Warten - Georg Christian (Fotograf) Dörr

Vom Warten

Marion Brasch, Dietmar Dath, Vincent Klink, Ludger Lütkehaus, Andreas Maier, Philipp Mosetter, Nora-Eugenie Gomringer u. a. Über Zeitlöcher und Warteschlangen
Buch | Hardcover
192 Seiten
2018 | 1. Auflage
marix Verlag ein Imprint von Verlagshaus Römerweg
978-3-7374-1096-0 (ISBN)
CHF 28,90 inkl. MwSt
Es vergeht kein Tag, an dem wir nicht auf irgendetwas warten. Am Bahnsteig, an der Supermarktkasse, im Wartezimmer – auf das Glück, die Liebe, ein besseres Leben. Diese Wartezeiten summieren sich im Laufe eines Lebens auf durchschnittlich fünf Jahre. Das Warten begleitet uns ein Leben lang und es genießt keinen sonderlich guten Ruf. Meist wird Wartezeit als gestohlene Lebenszeit empfunden, als Eingriff in unseren Tagesablauf. Wer warten muss, fühlt sich fremdbestimmt. Doch kann Warten auch als geschenkte Zeit empfunden werden, als Gelegenheit zur Muße. Warten als Chance innezuhalten in einer sich in zunehmendem Maße beschleunigenden Welt, als Möglichkeit zur Entschleunigung.
Gegenwärtige Autorinnen und Autoren wie Stephanie Bart, Marion Brasch, Dietmar Dath, Andrea Diener, Werner Frizen, Andreas Göttlich, Nora-Eugenie Gomringer, Vinzent Klink, Ludger Lütkehaus, Andreas Maier, Philipp Mosetter, Katja Thorwarth, Mark-Stefan Tietze u. a. lassen uns in Originalbeiträgen an ihren »Wahrheiten über das Warten« teilhaben und unsere Sicht auf dieses Alltagsphänomen überdenken.

Stefan Geyer, geb. 1953, ist Wahl-Frankfurter mit Berliner Wurzeln, Herausgeber und Autor.

Auf ein Bier von Philipp Mosetter Ich habe ihr einen Zettel hingelegt. »Bin bei Klaus« steht drauf. Ich will nicht, dass sie auf mich wartet. Das wäre mir unangenehm. Mit Warten, dieser ungeliebten Tochter der Zeit, kann man sich ja ganz schön dieselbe verderben. Sie wartet natürlich trotzdem, also trotz meines Zettels, den ich ihr ja deshalb hinterlassen habe, damit sie nicht warten muss, weil sie ja weiß, wo ich bin und sie ebenso weiß, dass ich da für gewöhnlich nicht länger als ein oder zwei Bierchen bin. Ich merke es am zweiten Bier. Schon beim ersten Schluck schmeckt das zweite Bier anders. Es schmeckt nicht mehr so schön gesellig, sondern eher, wie soll ich sagen, ungeduldig. Ich probiere noch einen Schluck, tatsächlich. Ich kann ihr Warten tatsächlich am Geschmack meines Bieres erkennen. Zunächst zweifelt man bei solchen, nahezu übersinnlichen Wahrnehmungen ja an sich selbst. Also probiere ich noch einen Schluck. Aber kein Zweifel, ganz nervös schmeckt mein Bier, es kribbelt auf der Zunge, taucht den Gaumen in eine leicht herbe, melancholische Stimmung, die Kälte der Einsamkeit rinnt den Hals hinunter. Eindeutig, sie wartet. Bei einem Rotwein würde man das Warten nicht so deutlich schmecken können. Ein Rotwein ist geschmacklich doch ganz bei sich. Da ich bei Klaus aber Bier trinke, kann ich schmecken wie sie wartet – also bezahle ich. Ich kenne übrigens niemanden, der nachdrücklicher warten kann als sie. Sie würde mir wahrscheinlich auch in den Rotwein ihr Warten hinein schmecken. ...

Erscheinungsdatum
Verlagsort Wiesbaden
Sprache deutsch
Maße 125 x 200 mm
Gewicht 397 g
Themenwelt Literatur Anthologien
Literatur Märchen / Sagen
Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte Andrea Diener • Andreas Maier • Augenblick • Georg Christian Dörr • Glück • Katja Thorwart • Leben • Liebe • Literatur • Marion Brasch • Mark-Stefan Tietze • Moment • Momentum • Muße • Mußestunden • Philipp Mosetter • Stephanie Barth • Warten • Wartezeit • Zeit • Zeitpunkt
ISBN-10 3-7374-1096-8 / 3737410968
ISBN-13 978-3-7374-1096-0 / 9783737410960
Zustand Neuware
Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR)
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