Zwei Alfred Bekker Krimis - Das Drachen-Tattoo/ Der Brooklyn-Killer (eBook)
300 Seiten
Uksak E-Books (Verlag)
978-3-7389-1956-1 (ISBN)
Die Zentrale der Grand National Bank war ein weißgelber Sandsteinbau an der Ecke Broadway/Cedar Street im so genannten Financial District. Wall Street und die Börse waren nur ein paar Ecken entfernt. Mit zwanzig Stockwerken war das Gebäude der Grand National in dieser Gegend eher ein Zwerg.
Schon am Eingang waren Security Guards der Firma Telso Security Service Inc. postiert, wie an den Uniformen unschwer zu erkennen war. Ich wandte mich an einen der Posten und zeigte ihm meine ID-Card. „Wir werden hier von Director Kenneth Duggan erwartet“, erklärte ich.
Der Security Guard nahm über Funk Kontakt mit seinen Vorgesetzten auf. Dann sagte er: „Warten Sie hier einen Moment. Sie werden gleich abgeholt.“
Wenig später trat eine junge, attraktive Frau mit dunklen, zu einem strengen Knoten zusammengefassten Haaren und einem konservativ wirkenden Kostüm auf uns zu und begrüßte uns.
„Guten Tag, mein Name ist Kate Lamont.“
„Jesse Trevellian, FBI. Dies ist mein Kollege Special Agent Milo Tucker.“
„Angenehm. Ich werde Sie dann zu Direktor Duggan bringen.“
„Danke.“
Wir folgten ihr zu den Aufzügen.
Es ging ganz nach oben. Direktor Duggan war ein großer, korpulenter Mann, der allein durch seine körperliche Erscheinung schon Respekt einflößend wirkte. Sein dunkles Haar war bereits mit grau durchwirkt. Der dunkelgraue, dreiteilige Anzug war eine edle Maßanfertigung. Am Handgelenk blitzte eine Rolex und das Wappen auf seiner Krawattennadel legte nahe, dass er Mitglied im Lions Club war.
Kate Lamont stellte uns auf gleichermaßen charmante und geschäftsmäßig-freundliche Art und Weise einander vor.
Direktor Duggan führte uns zu einer Sitzecke. An der Wand hing ein modernes Gemälde. Auf einem Hinweisschild war zu sehen, dass es sich um einen Basquiat handelte. Ich nahm an, dass die Bank das Gemälde als Wertanlage gekauft hatte.
Wir setzen uns und bekamen Kaffee angeboten, was wir dankend ablehnten.
„Miss Lamont ist meine rechte Hand“, sagte Duggan und ein versonnenes Lächeln spielte plötzlich um die Lippen des knallharten Bankers. „Sie ist zwar noch nicht lange hier in der Zentrale, hat sich aber in meinem Büro schon vollkommen unentbehrlich gemacht!“ Duggan seufzte. „Gute Mitarbeiter sind rar, müssen Sie wissen.“
„Wo waren Sie vorher?“, fragte ich an Kate Lamont gewandt, die gerade ihre Beine sehr grazil übereinander geschlagen hatte.
„Bis vor sechs Wochen war ich noch im Büro der Filialleitung unserer Niederlassung in New Jersey“, sagte sie.
„Ja, der Job verlangt von guten Leuten heute, dass sie mobil sind“, meinte Duggan. „Das ist der Preis des Erfolgs...“
„Mister Duggan, seit kurzem ist das FBI Field Office New York federführend bei den Ermittlungen in Bezug auf die Serie von Überfällen auf Geldtransporter, von denen Ihre Bank in letzter Zeit heimgesucht wird. Die bisherigen Ermittlungen der Kollegen aus New Jersey haben nach wie vor keinen zwingenden Ermittlungsansatz gefunden. Und abgesehen davon, dass alle Taten von sehr gut über die Sicherheitsmaßnahmen informierten Tätern auf ähnliche Weise begangen wurden, liegt für uns den Schluss nahe, dass entweder bei Ihnen oder in der beauftragten Transportfirma jemand sitzt, der mit den Gangstern zusammenarbeitet“, sagte Milo sachlich.
Duggan runzelte die Stirn. Eine tiefe Furche erschien mitten auf seiner Stirn und sein Gesicht bekam einen dunkelroten Farbton.
„Glauben Sie, darüber hätten wir nicht auch schon nachgedacht?“
„Bevor diese Serie begann, haben Sie Drohungen erhalten...“, gab Milo ein weiteres Stichwort.
Duggan nickte. „Ja, das ist richtig und Ihre Kollegen aus New Jersey haben uns oft genug vor Augen gehalten, wie dumm es von uns gewesen ist, die Sache unter der Decke zu halten. Aber Sie müssen auch unsere Seite verstehen!“
„Dafür sind wir hier“, sagte ich.
Duggan atmete tief durch und beruhigte sich wieder etwas. Ich fragte mich, weshalb sich so viel Dampf in diesem Kessel angestaut hatte... War das wirklich nur der Druck, den ihm wahrscheinlich der Vorstand auf Grund der Serie von Überfällen machte? Schwierigkeiten mit Kunden, die vielleicht der Grand National schon ihr Vertrauen entzogen hatten? Oder steckte noch etwas anderes dahinter?
Ich beobachtete Duggan genau.
Er griff in die Seitentasche seines Jacketts und holte ein silbernes Pillendöschen hervor, nahm daraus ein Dragee und steckte es sich in den Mund. Ohne Wasser schluckte er es hinunter.
Wenig später schien es ihm schon wieder besser zu gehen.
„Wir stehen hier alle ziemlich unter Druck, Agent Trevellian“, entschuldigte er sich.
„Ich denke, angesichts dessen, was geschehen ist, wundert das niemanden“, sagte ich.
„Glauben Sie mir, wir haben unser Personal durchforstet und nach Zusammenhängen gesucht. Wir haben alle überprüft, die möglicherweise die Gelegenheit hatten, Informationen an die Täter weiter zu leiten. Trotzdem hat es weitere Überfälle gegeben.“
„Was ist mit Telso Security?“, fragte ich. „Haben Sie mal darüber nachgedacht, den Security Service zu wechseln?“
„Ja, natürlich. Das Problem ist, dass Telso gegenwärtig Marktführer an der Ostküste in diesem Bereich ist. Wir brauchen einen Security Partner, der in der Lage ist, sämtliche Transporte und Sicherungsaufgaben in den Filialen zu übernehmen. Wenn ein Sicherheitskonzept nicht aus einem Guss ist, dann weiß sehr schnell die eine Hand nicht, was die andere tut.“
„Jetzt sagen Sie mir bloß nicht, dass es keine andere Security Firma gibt, die in der Lage wäre, diese Aufgabe zu übernehmen.“
„Wir sind durch langfristige Verträge gebunden. Außerdem scheint das Problem, wie ich leider zugeben muss, eher bei uns zu liegen. Schließlich gibt es auch andere Banken, deren Sicherheit von Telso Security gewährleistet wird und deren Transporte nicht überfallen werden.“
„Im Übrigen gibt es im Moment tatsächlich einen Engpass auf dem Geldtransporter-Markt“, mischte sich nun Kate Lamont ein. „Ich weiß nicht, ob Sie von dem SecureTransit-Skandal in Philadelphia gehört haben...“
Das hatten wir natürlich. Die Sache war groß durch die Medien gegangen. SecureTransit war die Nummer zwei an der Ostküste auf diesem Markt gewesen, bis sich herausgestellt hatte, dass in dieser Firma Gelder unterschlagen worden waren. Beträge aus den Tages- und Wocheneinnahmen großer Geschäfte und Warenhäuser waren nicht bei der entsprechenden Bank angekommen. Anschließend hatte man die Fehlbeträge durch die in der Folgezeit eintreffenden Summen ausgeglichen, so dass zunächst der Eindruck entstand, dass es nur zu Einzahlungsverzögerungen gekommen war. Da einige Mitarbeiter, die von der Sache Wind bekamen, die Beteiligten erpressten, um selbst von dem Geschäft etwas abzubekommen, wurden immer größere Beträge entnommen.
Das Ganze brach irgendwann zusammen, als die Fehlbeträge zu stak anwuchsen und die ersten Kunden aufmerksam wurden. Wie bei jedem Schneeballsystem wurden am Ende die letzten von den Hunden gebissen. SecureTransit hatte Konkurs angemeldet, mehrere tausend Mitarbeiter – hauptsächlich Wachleute – verloren ihren Job und einige Supermarktketten und andere Geschäftsleute blieben auf den fehlenden Summen sitzen. Dass die Schuldigen inzwischen im Gefängnis saßen, nutzte den Geschädigten natürlich kaum etwas.
„Ich habe davon gehört“, sagte ich.
„Dann verstehen Sie sicher, dass man den Security Service nicht leichtfertig wechselt, zumal wenn man jahrelang ohne Beanstandung gut zusammengearbeitet hat“, fuhr Kate Lamont fort. „Das ist auch eine Frage des Vertrauens. Diese Überfälle mögen schlimm sein, zumal sie jetzt erstmalig ein Menschenleben gefordert haben. Aber für unsere Bank wäre ein Fall wie SecureTransit weitaus schlimmer. Und Sie können mir glauben, dass sich gerade in dieser Branche einige schwarze Schafe tummeln. Unternehmen, die Leute mit zweifelhafter Vergangenheit einstellen, weil sie das Personal nicht richtig überprüfen und dergleichen...“
„Ich verstehe“, sagte ich.
„Sehen Sie, Agent Trevellian, wir machen unseren Kunden ein ungewöhnlich günstiges Komplett-Angebot. Wenn Sie Geschäftsmann wären und einen Laden hätten, dessen Einnahmen Sie täglich zur Bank bringen wollten, damit sie sicher aufgehoben sind, dann übernehmen wir alles für Sie. Unser Transporter kommt bei Ihnen vorbei nimmt das Geld mit. Sie gehen keinerlei Risiko ein, weil die Bank beziehungsweise die Versicherung dafür einsteht! Im Endeffekt ist das alles viel billiger, als wenn Sie selbst einen Geldtransporter mieten. Und mit Ihrer Geldbombe privat zur Bank zu gehen, kann ich Ihnen angesichts der Kriminalität heutzutage auch nicht empfehlen. Aber da brauche ich Ihnen ja wohl nichts erzählen...“
„Davon abgesehen wird die Frage, ob wir...
| Erscheint lt. Verlag | 29.11.2018 |
|---|---|
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror |
| ISBN-10 | 3-7389-1956-2 / 3738919562 |
| ISBN-13 | 978-3-7389-1956-1 / 9783738919561 |
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