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G. F. Unger 1956 (eBook)

Die Gilde der Schmutzigen

(Autor)

eBook Download: EPUB
2018 | 1. Aufl. 2018
Bastei Entertainment (Verlag)
978-3-7325-6403-3 (ISBN)

Lese- und Medienproben

G. F. Unger 1956 - G. F. Unger
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Nancy zahlte mir hundert Dollar im Monat, damit ich zu ihrem Schutz mein Leben riskierte. Ich war ein Narr, denn ich liebte das eiskalte Biest ...


Sie hatte eine Ausstrahlung, die ich sofort spürte, und obwohl ich sie nur sitzen sah, wäre ich jede Wette eingegangen, dass sie makellos gewachsen war.

Weil sie die staunende Bewunderung in meinen Augen erkennen konnte, verzog sie ihren Mund und zeigte mir damit unmissverständlich, dass sie auf die Bewunderung aller Männer verzichten konnte, ja, dass sie darauf pfiff, weil sie längst herausgefunden hatte, wie wenig Männer etwas taugten.

Da lehnte ich mich wieder in meine Ecke zurück, schloss die Augen und wollte meinen Schlaf fortsetzen. Doch das Knurren meines leeren Magens konnte ich nicht verhindern. Und überdies hatte ich auch bei geschlossenen Augen ihr Bild deutlich vor mir.

Heiliger Rauch, was für ein Weib! Dies war fortwährend der Gedanke in mir.

Dann aber hielt die Kutsche plötzlich.

Eine Stimme tönte draußen. »Bleibt nur ruhig und friedlich! Sonst bekommt ihr mehr Blei, als ihr vertragen könnt!«

Die Stimme des Fahrers erwiderte mürrisch und bitter vom hohen Bock aus: »Aaah, ihr Schlauköpfe, wir haben keine Geldkisten mit. In dieser Kutsche gibt es nichts zu holen. Da habt ihr diesmal aber Pech, ihr verdammten Witwenmacher.«

Einige der Reiter, die unsere Kutsche umgaben, lachten nun.

»Das werden wir ja sehen«, sagte einer. »Steigt ab! Kommt heraus aus der Kutsche. Und werft vor allen Dingen die Waffen runter!«

Der letzte Befehl galt dem Fahrer und dessen Begleitmann. Denn diese hatten oben zwei Gewehre bei sich. Das wusste ich.

Wir kletterten aus der Kutsche. Wir waren sieben Passagiere. Ich half der Schönen heraus. Sie nahm tatsächlich meine Hand, so als wäre das selbstverständlich.

Einer der Reiter sagte: »Da ist sie ja«, und er meinte die Schöne. Ich begriff, dass die Kerle es allein auf sie abgesehen hatten.

Ein anderer Reiter sagte: »Also, wir können es ganz kurz machen, schöne Lady. Wir sollen nur das Geld zurückholen, das Sie in der Stadt den Burschen abgeknöpft haben, die sich für erstklassige Pokerspieler hielten. Es müssten so an die dreitausend Dollar sein. Vielleicht haben Sie dieses Geld im Gepäck, vielleicht aber auch unter Ihren Röcken. Sollen wir es erst suchen? Oder wollen wir die Angelegenheit gütlich erledigen?«

Sie stand neben mir. Und ich hörte sie heftig atmen. Dann sagte sie: »Ich gebe euch freiwillig die Hälfte.«

Da lachten die drei Reiter amüsiert. Und einer sagte: »Lass es gut sein, Honey. Heraus mit dem Geld! Oder müssen wir rau werden?«

»Schon gut«, murmelte sie. »Ich weiß immer, wann ich verloren habe.«

Sie stand neben mir. Nun wandte sie sich ab, um den Reitern den Rücken zuzukehren. Sie hob vorn ihre Röcke hoch. Es waren mehrere Röcke, wie man sie zurzeit als Lady trug. Am untersten Rock waren Taschen aufgenäht. In diesen Taschen war das Geld verteilt. Es musste Papiergeld sein, denn es klimperte nicht, war auch leicht.

Aber sie holte nicht Geld, sondern einen kleinen Derringer aus einer der Taschen. Es war ein doppelläufiges, kleines Ding, und sie würde damit gegen die drei Straßenräuber nicht die geringste Chance haben. Dennoch versuchte sie es.

Und ich konnte nicht tatenlos daneben stehen und zusehen. Ich trug meinen Colt nicht in einem Gürtelholster, sondern unter der Jacke hinter Gürtel und Hosenbund geschoben.

Als sie mit dem Derringer herumwirbelte, um den Kampf mit den Banditen aufzunehmen, da hatte ich meinen Colt schon in der Hand und wurde mir dieser Tatsache erst bewusst, als die Waffe zu krachen begann.

Auch ihr Derringer krachte.

Und dann war auch schon alles vorbei.

Zwei der Reiter jagten angeschossen davon. Sie konnten sich nur mühsam in den Sätteln halten. Der dritte Bandit lag am Boden.

Wir kletterten eilig in die Kutsche, denn der Fahrer und dessen Begleitmann trieben uns mit schnellen Worten dazu an.

Die Schöne saß mir wieder gegenüber.

Die anderen fünf Passagiere redeten noch erregt durcheinander. Wir aber schwiegen. Nur manchmal sahen wir uns an.

Ich dachte: Sie könnte sich wenigstens bedanken für meine Hilfe.

Aber das tat sie nicht. Noch nicht.

Erst als wir dreißig Meilen weiter eine Relaisstation erreichten und unser Gespann wechselten, wobei wir uns alle die Beine vertraten, etwas Kaffee und belegte Brote bekamen in der Station, trat sie zu mir und sagte: »Danke, Texas, danke. Und was muss ich dafür zahlen?«

Ich grinste und sah auf sie nieder. Dann sagte ich: »Schwester, es waren meine letzten drei Kugeln im Colt. Jetzt ist er leer. Wenn Sie mir einen Dollar leihen könnten, damit ich mir Zündhütchen, Pulver und Blei kaufen kann – es könnte ja sein, dass wir unterwegs noch mal …«

»Sicher«, sagte sie. »Dort im Anbau ist der kleine Stationsstore. Gehen wir hinein. Ich denke mir, dass Sie auch eine neue Hose, ein frisches Hemd und ein paar andere Dinge gebrauchen könnten. Vielleicht haben die dort im Store etwas für Sie, mal sehen. Wie ist denn Ihr Name, Texas?«

»Ach«, erwiderte ich, »was ist schon ein Name in dieser Zeit? Aber warum nicht, ich meine, warum sollte ich mich nicht vorstellen? Ich bin Joshua Taggert. Und wie heißen Sie, schöne Schwester?«

»Nancy Dollar«, sagte sie.

Dann betraten wir den Store. Als wir wieder herauskamen, wartete schon die abfahrbereite Kutsche auf uns. Ich trug wahrhaftig eine neue Hose, neue Stiefel, ein neues Hemd und auch neues Unterzeug. Ich sah nun nicht mehr wie ein entlassener Soldat der Konföderierten, sondern wie ein Cowboy aus.

Bevor wir in die Kutsche kletterten hielten wir auf halbem Weg noch einmal an. Nancy Dollar sah zu mir empor und sagte: »Wollen Sie einen Job, der Ihnen hundert Dollar im Monat und freie Unterkunft und Verpflegung in den besten Hotels am jeweiligen Ort einbringt?«

Es war eine knappe Frage.

Und ich wusste sofort, dass sie meinen Colt mieten wollte. Sie brauchte einen Beschützer, eine Art Leibwächter. Denn sie war eine Spielerin, die mit viel Bargeld unterwegs war und wahrscheinlich zumeist gewann. Wäre ich nicht gewesen, würde sie bettelarm geworden sein. Und ein Spieler – oder eine Spielerin – ohne Spielkapital hatte keine Chance.

Ja, sie brauchte Schutz in dieser miesen Welt. Ich aber brauchte die hundert Dollar. Solch eine Summe schien mir ein riesiger Berg Geld zu sein. Es war der fünffache Monatslohn eines Cowboys. Dazu kam noch, dass ich alles sonst frei haben würde.

Sie musste eine sehr erfolgreiche Spielerin sein.

Und so nickte ich. »Versuchen wir es mal miteinander, Nancy Dollar«, sagte ich.

Ihr Blick wurde fester, funkelnder, härter. »Aber eines schreib dir hinter die Ohren, Joshua Taggert«, hörte ich sie dann sagen. Sie holte Luft, um es mir zu sagen. Vielleicht musste sie auch noch nach den richtigen Worten suchen.

Doch ich kam ihr zuvor. Ich sagte: »Ich weiß schon Bescheid. Du mietest nur meinen Colt, nur meinen Schutz. Sonst darf ich mir nichts herausnehmen. Denn du hast genug von den Männern. Für dich sind Männer der letzte Dreck. Du nimmst ihnen zwar an den Spieltischen das Geld ab – und du lässt dich von einem Mann beschützen. Doch sonst …«

»Richtig«, unterbrach sie mich herb, »sonst habe ich nicht die Absicht, mich noch einmal mit einem Manne einzulassen. Verstanden?«

»Genau«, sagte ich.

Dann gingen wir zur Kutsche, stiegen ein – und schon ging die Reise weiter.

Aber als ich dann in meiner Ecke saß, die Augen schloss und mein hagerer Körper sich entspannt dem Schaukeln und Stoßen der Kutsche anpasste, da dachte ich über diese Nancy Dollar nach.

Sie verachtete die Männer. Und dennoch lebte sie als Spielerin von ihnen und ließ sich jetzt von einem Mann – nämlich von mir – gegen Revolverlohn beschützen. Das war ziemlich widersprüchlich.

Aber was wusste ich von ihr? Nichts! Deshalb sollte ich mir sicherlich kein Urteil über sie anmaßen. Vielleicht war sie einmal einem Mistkerl in die Hände gefallen – oder mehreren. Ich wusste, es gab Frauen, die hatten fortwährend Pech mit Männern, obwohl sie schön und begehrenswert waren. Das gab es. Vielleicht gehörte sie zu dieser Sorte.

Wir fuhren den ganzen Tag, wechselten alle dreißig Meilen unser Sechsergespann und überholten Wagenzüge, die nach dem Goldland oder hinüber nach Santa Fe wollten.

Als die Nacht anbrach, waren wir immer noch unterwegs. Der Wagenweg stieg stetig an, wand sich in die Berge hinauf. Stunde um Stunde und Meile um Meile fuhren wir schon. Die Postkutsche war nun überfüllt. Alle neun Plätze waren belegt, und sogar oben auf dem Dach hockten zwei Passagiere zwischen dem Gepäck.

Es war zwischen Mitternacht und Morgen, als wir vor einem Hotel in Gushole hielten. Die Campstadt lärmte, tobte, war voll in Betrieb. Denn Gushole lag mitten im Canyon. Und überall im Canyon und auch in den Querschluchten wurde Gold gefunden.

Die rauen Kerle, die tagsüber schufteten auf Claims und in Minen, waren gierig nach allen Sünden und Lastern der Erde. Sie wollten Spaß in den Nächten bei Feuerwasser, Kartenspiel, Tanz und bei den käuflichen Mädchen. Und so kamen sie alle Nacht nach Gushole wie eine Herde zur Schlachtbank oder zumindest zum Wollescheren.

Wir stiegen aus.

Der Nachtportier des Hotels kam heraus, blieb vor der Eingangstür stehen und sagte laut genug, sodass wir es alle hören konnten: »Hier ist nichts mehr frei, beim besten Willen nicht. Hier platzt alles aus den Nähten!« Nach diesen Worten ging er wieder hinein und knallte die Tür...

Erscheint lt. Verlag 2.5.2018
Reihe/Serie G.F.Unger
Verlagsort Köln
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Krimi / Thriller / Horror
Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte 2017 • 2018 • Abenteuer-Roman • alfred-bekker • Bestseller • bud-spencer • buffalo-bill • Cassidy • Chaco • clint-eastwood • Country • Cowboy • Deutsch • eBook • E-Book • eBooks • Erwachsene • Exklusiv • für • GF • g f barner • Indianer • jack-slade • Jugend • Karl May • kelter-verlag • Kindle • Klassiker • Krimi • Laredo • larry-lash • Lassiter • lucky-luke • Männer • martin-wachter • pete-hackett • peter-dubina • Reihe • Ringo • Roman-Heft • Serie • sonder-edition • Western • Western-roman • Westernromane • Wilder Westen • Wilder-Westen • Winnetou • Wyatt Earp • Wyatt-Earp
ISBN-10 3-7325-6403-7 / 3732564037
ISBN-13 978-3-7325-6403-3 / 9783732564033
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