Dr. Stefan Frank 2444 (eBook)
Bastei Entertainment (Verlag)
978-3-7325-6368-5 (ISBN)
Eigentlich freut sich Alexandra Schubert, die Lebensgefährtin von Dr. Stefan Frank, sehr, als ihre siebzehnjährige Nichte Paula ihren Besuch ankündigt. Die Augenärztin fühlt sich für das Mädchen verantwortlich, seit dessen Mutter vor einigen Jahren gestorben ist. Außerdem verbindet beide ein inniges Verhältnis.
Doch als Paula dann wirklich in Grünwald eintrifft, wird schnell klar, dass ihr Besuch nicht ganz so unkompliziert verlaufen wird, wie erhofft.
Paula wirkt gleich bei ihrer Ankunft blass und ungewöhnlich müde, und dann stellt sich auch noch hohes Fieber ein. Dr. Frank, der die Jugendliche untersucht, hört heraus, dass sie bereits seit Wochen unter anhaltender Mattigkeit leidet. Ein Bluttest soll Gewissheit bringen, was dem Mädchen wirklich fehlt.
Als wenn das für Alexandra nicht schon genug Sorgen bedeuten würde, lernt Paula in dieser Zeit auch noch den sehr bekannten und erfolgreichen Rapper Sir Fox kennen. Und so unglaublich es auch erscheint: Der Musiker zeigt unverhohlenes Interesse an der zehn Jahre jüngeren Schülerin und arrangiert weitere Treffen. Aber kann das wirklich gut gehen, oder wird er Paula das Herz brechen?
„Da ist sie!“ Dr. Alexandra Schubert winkte aufgeregt.
Dr. Stefan Frank brauchte etwas länger, um den zierlichen Teenager zu entdecken, der zwischen etlichen anderen Fluggästen durch die breite Tür kam. Nicht, weil er Paula Wegener nicht sofort erkannt hätte – die Siebzehnjährige sah ihrer Tante Alexandra sehr ähnlich –, sondern weil er seine Lebensgefährtin betrachtete.
Ihm wurde warm ums Herz, wenn diese Lebensfreude in ihren braunen Augen aufblitzte und sie dieses Lächeln lächelte, das er gar nicht oft genug sehen konnte.
Außerdem wusste er genau, wie viel dieses Treffen Alexandra bedeutete. Seit dem Krebstod ihrer Schwester Karen vor ein paar Jahren fühlte sie sich deren Tochter noch inniger verbunden.
Paula Wegener zog einen violetten Koffer auf Rollen hinter sich her und schaute sich suchend um. Als sie ihre Patentante erspähte, verschwand die Falte zwischen ihren braunen Augen, und sie winkte erleichtert zurück.
Wenig später fielen sich Tante und Nichte in die Arme.
„Du glaubst ja gar nicht, wie sehr ich mich auf dich gefreut habe!“, rief Alexandra. „Frag Stefan. Ständig musste er sich anhören, wann du landest, was ich alles mit dir unternehmen möchte und was ich noch einkaufen muss, damit du während deiner Woche in Grünwald nicht vom Fleisch fällst.“
„Ständig nicht“, berichtigte Dr. Frank schmunzelnd. „Nur mehrfach. Hallo, Paula. Schön, dich zu sehen.“
Die Schülerin ließ ihre Tante los und gab ihm die Hand.
„Hallo, Stefan. Das ist aber nett, dass du zum Flughafen mitgekommen bist.“
Sie war sehr zufrieden mit sich, weil sie bei der Anrede nicht stotterte wie noch bei ihrem letzten Besuch, als Dr. Frank ihr das Du angeboten hatte. Schließlich war Alexandra nun schon eine ganze Weile mit dem Arzt zusammen. Da lag es doch nahe, dass Paula ihn duzte.
„Ich dachte mir, hier werde ich sicher gebraucht“, erwiderte Stefan Frank schmunzelnd. „Ich kümmere mich um dein Gepäck und chauffiere euch nach Grünwald, dann könnt ihr beide in aller Ruhe plaudern.“
„Was habe ich bloß für einen aufmerksamen Partner.“ Alexandra streichelte ihm über die Wange. „Stefan hat völlig recht, du brauchst freie Hände.“ Während er den Koffer nahm, zog sie etwas aus ihrer schwarzen Umhängetasche. „Und zwar hierfür.“ Sie drückte ihrer Nichte die längliche Kunststoffbox in die Hand.
Neugierig klappte Paula die Box auf.
„Eine Laugenstange!“
„Und zwar nicht irgendeine“, erklärte Alexandra stolz. „Von Bäcker Huber aus Grünwald, die magst du doch am liebsten.“
„Mit gekochtem Schinken und Allgäuer Bergkäse.“ Paula strahlte. „Mir läuft schon das Wasser im Mund zusammen. Du bist echt toll, Alexa.“
„Auf dem Flug zwischen Hamburg und München gibt es ja nur ein paar Nüsse oder so, das ist doch etwas für den hohlen Zahn“, meinte die braungelockte Augenärztin.
Zufrieden schaute sie zu, wie ihre Nichte genüsslich abbiss. Dann hakte sie Paula unter, und die beiden folgten Stefan Frank, der mit dem Koffer Richtung Parkhaus schlenderte.
„Du bist blass um die Nase“, stellte Alexandra fest. „Dein Vater hat mir bei unserem letzten Telefonat gesagt, dass du viel für die Schule tun musst.“
„Ja, es kommt allerhand zusammen. Keine Ahnung, warum es immer noch ein Test und noch ein Referat und noch eine Klassenarbeit sein muss. Im Beruf brauche ich später bestimmt nur einen Bruchteil von dem Stoff.“
„Willst du immer noch Entwicklungshelferin werden?“
Paula nickte entschieden.
„Oh ja. Und mit einem Studium hat man bessere Chancen auf eine Stelle. Also häng ich mich rein, damit ich das Abi schaffe.“
„Na, bei deinen Noten schaffst du das doch auf jeden Fall.“
„Schon, aber Stellen für Entwicklungshelfer gibt es nicht wie Sand am Meer, also brauche ich ein sehr, sehr gutes Abi. Und Fremdsprachen sind auch wichtig. Darum hab ich jetzt noch mit Portugiesisch angefangen – an der Volkshochschule.“
Alexandra Schubert zog die Brauen hoch.
„Donnerwetter, ich bin beeindruckt.“ Sie zögerte kurz. „Hast du denn überhaupt noch Zeit für Hobbys? Was macht das Zeichnen?“
„Ach, du kennst mich doch, dafür finde ich immer Zeit“, antwortete Paula undeutlich, weil sie kaute. „Andere Leute schreiben Tagebuch oder stricken, und ich zeichne – wenn auch im Moment nicht mehr ganz so oft.“
„Sicher bist du froh, dass jetzt Ferien sind.“
„Und ob. Am meisten freue ich mich aufs Ausschlafen. Nein, stimmt nicht, am meisten freue ich mich natürlich auf dich, Alexa!“, korrigierte sie sich.
Die Augenärztin lachte. „Dicht gefolgt vom Ausschlafen.“
„Genau. In den letzten Tagen habe ich mich wie gerädert gefühlt, wenn der Wecker ging.“
„Konntest du denn an den Wochenenden nicht ausschlafen?“
„Doch. Letzten Sonntag musste Papa mich sogar wecken, weil es schon fast Mittag war und Anne auf der Matte stand, um das Bioreferat noch mal durchzugehen. Ich weiß auch nicht … Im Moment könnte ich ständig schlafen.“
Alexandra tätschelte den Arm ihrer Nichte.
„Keine Sorge, das lässt sich einrichten. In Grünwald hast du keinerlei Verpflichtungen, und mein Appartement liegt ruhig. Du kannst einfach in den Tag hineinleben – beziehungsweise hineinschlafen.“
„Klingt himmlisch.“ Paula steckte den Rest ihrer Laugenstange in den Mund.
***
„Das Gulasch ist dir wirklich gelungen“, lobte Stefan Frank seine Lebensgefährtin zwei Tage später.
„Stimmt, Alexa“, pflichtete Paula dem Arzt bei und legte ihr Besteck auf den leeren Teller. „Gibst du mir das Rezept? Dann kann ich bei Papa Eindruck schinden. Er kocht ja nicht so gern. Zwar meckert er nicht deswegen, aber er findet es bestimmt toll, wenn ich mal einspringe.“
„Kein Problem. Vorher solltest du allerdings wissen: Das Gulasch muss anderthalb Stunden köcheln.“
Ihre Nichte riss die Augen auf.
„Anderthalb Stunden! Aber du hast es doch im Nu gemacht.“
„Ich hatte vorgekocht, weil ich nicht viel Zeit am Herd verbringen will, wenn du hier bist.“
„Ach so. Na, dann spare ich es mir besser für eine besondere Gelegenheit auf“, meinte Paula mit deutlich weniger Enthusiasmus. „Weihnachten oder Papas Geburtstag vielleicht.“
„Gute Idee. Was haltet ihr beide von einem Verdauungsspaziergang?“, erkundigte sich Alexandra. „Es ist ja noch hell, und der Regen, den man für heute Abend angekündigt hat, lässt zum Glück auf sich warten.“
„Ich bin dabei.“ Stefan Frank stand auf und begann, das Geschirr in die Spülmaschine zu räumen.
Paula hielt sich eine Hand vor den Mund und gähnte herzhaft.
„Tut mir leid, Leute, ich passe. Sonst schlafe ich noch an irgendeinen Gartenzaun gelehnt ein, und ihr müsst mich nach Hause tragen. Oder rollen, wenn ich bedenke, was für Portionen ich seit meiner Ankunft hier verdrückt habe.“
„Du willst schon ins Bett?“ Alexandra blickte auf ihre Armbanduhr. Es war gerade mal acht Uhr.
„Ja, ich bin echt müde. Muss an eurer frischen bayerischen Luft liegen. Aber wisst ihr was?“ Sie erhob sich. „Ihr geht jetzt, und ich übernehme das Abräumen. Na los“, drängte sie, weil ihre Tante nicht gleich reagierte. „Sonst überlege ich es mir noch anders.“
„Untersteh dich.“ Stefan Frank reichte seiner Lebensgefährtin eine Hand und zog sie hoch. „Komm, Alexa.“
Fünf Minuten später spazierten die beiden Arm in Arm durch das abendliche Grünwald.
„Also: Was ist los?“, fragte Dr. Frank.
„Los?“, wiederholte Alexandra gedehnt.
„Manchmal denkst du ziemlich laut.“
Sie lächelte schwach.
„Na gut. Du hast recht.“
„Geht es um Paula?“
„Ja. Sie ist so blass und erschöpft. Heute Nachmittag waren wir in der Pinakothek der Moderne. Du weißt ja, Paula zeichnet für ihr Leben gern. Es gab eine Ausstellung mit Zeichnungen. Ich war hundertprozentig sicher, dass die sie interessieren.“
„Und das war nicht der Fall?“
Alexandra seufzte. „Paula musste ständig gähnen – und das lag bestimmt nicht an den Exponaten. Ich frage mich, ob sie sich übernimmt. Ihr Vater sagt, dass sie viel für die Schule tut, weil sie unbedingt ein gutes Abi schaffen will. Dagegen ist natürlich nichts einzuwenden, aber vielleicht übertreibt sie es mit dem Ehrgeiz?“
„Schwer zu sagen. Wir kriegen ja nicht mit, wie sie sich in Hamburg verhält. Allerdings macht Paula auf mich nicht den Eindruck, als würde sie bis in die Nacht über ihren Schulbüchern hocken.“
„Nein, so weit geht sie laut Bobby nicht, aber vielleicht setzt sie sich selbst zu stark unter Druck? Jedenfalls ist sie völlig platt. Wie ein Ballon, aus dem man die Luft gelassen hat.“
Dr. Frank überlegte kurz.
„Schläft sie denn gut?“
„Wie ein Murmeltier! Sie geht früh zu Bett und schläft bis in die Puppen. Trotzdem schlurft sie herum, als hätte sie die Nacht durchgefeiert. Früher konnte sie sich für so viele Dinge begeistern, aber jetzt wirkt sie irgendwie desinteressiert. Das finde ich merkwürdig.“
„Hm. Könnte es mit dem Tod ihrer Mutter zusammenhängen? Ich weiß, der liegt schon ein paar Jahre zurück, aber Trauer verläuft ja manchmal in Wellen.“
Alexandra atmete durch. Der Tod ihrer...
| Erscheint lt. Verlag | 24.4.2018 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Dr. Stefan Frank |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | 2017 • 2018 • Anna Basener • Arzt • arzt-krimi • Arztromane • Baccara • Bahnhofsroman • Bestseller • Bianca • Cora • Der Bergdoktor • Der Bergpfarrer • der-Notarzt • Deutsch • Doktor • Dr. • dr daniel • Dr. Daniel • dr laurin • Dr. Laurin • dr norden • Dr. Norden • Dr. Stefan Frank • eBook • E-Book • eBooks • E-Books • Familiensaga • Fortsetzungsroman • Frauen • für • Groschenheft • Großdruck • große-schrift • Happy End • Hedwig Courths-Mahler • Heft • Heftchen • Heftchen-Roman • Heftroman • Heft-Roman • Historical • Julia • kaipurgay • Kelter • Kindle • Klassiker • Klinik • Klinik-roman • Krankenhaus • Krankenschwester • Kurfürstenklinik • Landarzt • Liebe • Liebesroman • Liebesromane • martin-Kelter • Medizin • Mira • Modern • Patient • patricia-vandenberg • Pulp • Pulp Ficition • Romance • Romanheft • Roman-Heft • romantisch • Schicksalsroman • serial content • Serial Novel • Serial Novels • Serie • Serien • Seriennovellen • spannend • Tiffany • Verlag |
| ISBN-10 | 3-7325-6368-5 / 3732563685 |
| ISBN-13 | 978-3-7325-6368-5 / 9783732563685 |
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