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Jerry Cotton Sonder-Edition 77 (eBook)

Die bitteren Träume von Harlem

(Autor)

eBook Download: EPUB
2018 | 1. Aufl. 2018
80 Seiten
Bastei Entertainment (Verlag)
978-3-7325-6290-9 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Jerry Cotton Sonder-Edition 77 - Jerry Cotton
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Eine rätselhafte Mordserie beunruhigte Harlem. Die Opfer waren lauter Rauschgiftzwischenhändler. Ein neuer Mann schaltete alle Konkurrenten aus. Phil und ich ermittelten auf dem gefährlichsten Pflaster Manhattans. Und Schritt für Schritt brachten wir Licht in die bitteren Träume von Harlem ...

1

»Da ist einer hinter uns her«, brummte Atlanta Smith. Er starrte in den rechten Seitenspiegel des schweren Fernlastzugs und verzog sein dunkelhäutiges Gesicht zu einer angsterfüllten Grimasse. »Du hast wieder deinen Gewerkschaftsbeitrag nicht bezahlt, Mister Tyler«, fügte er hinzu und rollte die großen Augen. »Und jetzt folgen die Jungs uns und werden uns ganz fürchterlich verhauen.«

»Hoffentlich«, knurrte Frank Tyler am Steuer des schweren Trucks. »Das täte dir mal richtig gut. Deine Seele ist doch so schwarz wie deine Haut.«

»Ja, Mister Tyler, du bist ein Weißer, und deshalb hast du immer recht, Mister Tyler. Aber sie sind trotzdem hinter uns her.«

»Na, sicher. Wir haben den Goldschatz von Fort Knox geklaut. Da müssen sie doch hinter uns her sein.«

Tyler drehte das Steuerrad. Seine schaufelgroßen Hände bewegten sich mit der Lässigkeit, die aus seiner Bärenkraft kam.

Er thronte wie ein Riese im Führerhaus des schweren Lastzugs. Atlanta Smith, sein farbiger Beifahrer, ließ sich aber auch jede Nacht etwas Neues einfallen, um die langen Fahrstunden zu verkürzen.

»Vielleicht sind es gar nicht die Jungs von der Transportgewerkschaft«, orakelte der Farbige jetzt düster. »Vielleicht sind es richtige Gangster, die uns den Goldschatz abnehmen wollen. Oh, Mister Tyler, ich habe schrecklich große Angst! Fünfhundert Mafiagangster gegen uns zwei. Mit hundert, da könnte man ja drüber reden. Aber gleich so viele!«

»Jaja.« Tyler schaltete am Berg einen Gang zurück. »Immer dieser Aufwand! Zünd mir mal eine Zigarette an, damit du auch mal was Nützliches für die menschliche Gesellschaft leistest.«

»Sofort, Mister Tyler.« Als er ihm die Zigarette zwischen die Lippen schob, sagte Smith: »Wenn’s im Hals kratzt, musst du husten, Mister Tyler. Das ging mir bei der ersten Zigarette auch so. Aber du brauchst keine Angst zu haben, ich verrate es deiner Mammy nicht.«

»Du bist ein lausiges Stinktier.« Frank Tyler grinste. Er hatte den stets zu Späßen aufgelegten Farbigen ins Herz geschlossen. Er zeigte ihm seine Zuneigung, indem er ihn mit Schimpfwörtern bedachte.

»Hast du Stinktier zu mir gesagt?«, fragte Atlanta Smith und fletschte sein Raubtiergebiss.

»Ja. Genau. Stinktier. Soll ich dir erklären, was das ist?«

»Nicht nötig, Mister Tyler. Ich war auf der Oberschule. Ich weiß, was ein Stinktier ist. Es ist ein sehr passender Ausdruck für mich. Ich bin ein Neger, und alle Neger stinken. Das weiß jedes Kind in Amerika.«

»Dann solltest du dich verdammt mal danach richten«, sagte Tyler. »Jetzt fahre ich seit über zwei Jahren mit dir diesen Schlitten, und du Saukerl stinkst immer noch nicht. Man kann sich auf gar nichts mehr verlassen.«

»Und dabei gebe ich mir so viel Mühe«, versicherte Atlanta Smith und sah wieder in den Seitenspiegel. »Mister Tyler, du hast sie noch nicht abgehängt. Sie sind immer noch hinter uns her.«

Frank Tyler warf einen schnellen Blick in den linken Seitenspiegel. Tatsächlich folgte ihnen seit etwa dreißig Meilen ein anderer Lastzug. Den Scheinwerfern nach konnte es ein Dodge sein, einer von den neuen mit den Halogenscheinwerfern. Der Kumpel musste ebenso schwer geladen haben wie sie selbst, sonst hätte er längst an ihnen vorbeiziehen können.

»Ich will dir mal was sagen, du Rotznase«, verkündete Frank Tyler großartig.

»Au fein! Sag mir mal was, Mister Tyler!«

»Siehst du da unten schon unsere schöne Raststätte liegen? Da rechts, wo die roten Lichter sind?«

»Ja, Mister Tyler. Jedes Mal, wenn wir die Tour nach New York haben, ärgere ich mich über die rote Leuchtreklame. Ich muss immer an ganz was anderes denken als an eine Raststätte.«

»Egal, was du denkst. Jedenfalls werde ich dort ausscheren und in der Raststätte eine schöne Tasse Kaffee trinken. Und weißt du, was passieren wird? Unsere fünfhundert Mafiagangster werden an uns vorbeibrausen, und wir sind sie los.«

Frank schob den Blinkhebel abwärts, damit der Lastzug hinter ihnen gleich wusste, warum Frank die Geschwindigkeit bergab nicht erhöhte. Als sie auf dem Parkplatz vor der Raststätte ausrollten, kam der unbekannte Kollege hinter ihnen her.

»Uhuuuu!«, heulte Atlanta Smith. Er sprang mit einem großen Satz aus dem hochgelegenen Fahrerhaus hinunter auf die Erde. »Jetzt kommen die fünfhundert Gangster! Oh, Mister Tyler, ich verkrieche mich unter der Schürze der Wirtin.«

»Das könnte dir so passen«, meinte Frank, knallte die Tür zu und stiefelte mit seinen zweieinhalb Zentnern hinter seinem Beifahrer her. »Heute gibst du den Kaffee aus, du schwarzer Geizkragen. Gestern habe ich bezahlt.«

»Ich bin ein armer Neger und tue alles, was der große weiße Mister befiehlt.«

»Fein«, sagte Frank zufrieden. »Als zweites befehle ich dir, das Steuer zu übernehmen, wenn wir die letzten hundertachtzig Meilen runterreißen.«

»Dabei kann ich gar nicht Auto fahren«, erwiderte Atlanta Smith stöhnend.

»Das erste wahre Wort, das ich von dir höre. Junge, heute ist gar nichts los in diesem Schuppen. Nicht einmal Oklahoma-Bill ist da. Den Kerl beneide ich.«

»Warum, Mister Tyler?«

»Der fährt für ein Varieté. Im vorigen Sommer hatte er achtzehn bildhübsche Mädchen geladen, eine Rollschuhtruppe. Achtzehn Leckerchen! Und was kutschieren wir durch die Gegend? Verpackungsmaterial! Da soll einer noch Lust an der Arbeit haben. Kaffee, bitte. Zweimal. Der Stinker bezahlt.«

Sie nahmen ihre Becher und setzten sich an einen Ecktisch, nachdem Atlanta Smith gehorsam Münzen auf die Theke gezählt hatte. Ein paar Minuten hielt selbst er einmal den Mund, während er den Kaffee schlürfte. Dann beugte er sich vor und raunte geheimnisvoll: »Mir ist was aufgefallen, Mister Tyler.«

»Was denn?«

»Die fünfhundert Gangster sind nicht reingekommen!«

»Klar doch. Was sollen die hier drinnen? Die klauen doch inzwischen unsere wertvolle Ladung. Du weißt doch: den Goldschatz!«

»Verflucht«, brummte der Farbige. »Und dabei wollte ich mich nächste Woche mit meinem Anteil zur Ruhe setzen.«

»Daraus wird nichts. Du kannst wieder von vorn anfangen. Als Laufbursche für die Mafia. Hoffentlich kriegst du den Job. Die brauchen intelligente Leute.«

»Dann brauchst du dich ja gar nicht erst zu bewerben. Gehen wir?«

»Wir gehen. Damit wir pünktlich in New York sind.«

Sie brachen auf. Als sie die breiten Schwingtüren der Raststätte aufstießen, blieb Frank Tyler erschrocken stehen.

Atlanta Smith rieb sich die Augen, schluckte, blinzelte und fragte heiser: »Wie lang ist unser Zug, Mister Tyler?«

»Über fünfundsechzig Fuß.«

»Und wie hoch?«

»Mehr als dreizehn.«

»Das dachte ich doch. So ein Ungetüm kann man nicht übersehen. Aber siehst du unsere schöne Mühle?«

»Nein«, sagte Frank Tyler tonlos. »Unser Zug ist nicht mehr da …«

***

Bud Nolan zog die Handbremse fest. Die Scheinwerfer ihres schweren Dodge-Zugs strahlten die weiß leuchtenden Stämme des Birkenwäldchens an, das nur zwei Meilen neben dem großen Highway lag. Nolan trug einen dunkelbraunen Rollkragenpullover. Das verdammte Ding geriet in kratzenden Konflikt mit seinen Bartstoppeln am Hals.

»Sieh nach, ob er kommt«, knurrte er, während er sich den geröteten Hals rieb. »Oder bist du auch dazu noch zu faul?«

Dominguez Salvatore spuckte das Streichholz aus, dessen Ende er zu Fasern zerkaut hatte. »Halt dein dämliches Maul! Arbeitest du dich tot, hä?«

»Werd bloß nicht frech, Nigger!«

»Ich bin kein Neger! Ich bin Puerto Ricaner. Soll ich dir den Unterschied erklären?«

»Ach ja. Tu das mal.«

Der Puerto Ricaner hatte die rechte Tür bereits aufgestoßen, sodass die Beleuchtung des Führerhauses eingeschaltet worden war. Jetzt drehte er sich zu Nolan um, der am Steuer saß. Für ein paar Sekunden starrten sie sich hasserfüllt an. Nolan hatte Vorurteile gegen alles und jedes, und Salvatore besaß die Heißblütigkeit eines leidenschaftlichen Temperaments.

»Eines Tages schlitz ich dir den Bauch auf«, zischte Salvatore heiser vor Wut.

»Angeber«, knurrte Nolan. Seine tückischen Augen glitzerten. Die rote Narbe an seinem Kinn hatte sich dunkler gefärbt.

Von hinten überflutete sie Scheinwerferlicht. Das schwere Rumpeln vom Motor des herankommenden Lastzugs riss sie aus ihrem Streit.

»Er ist da«, knurrte Nolan. »Los, an die Arbeit. Und beweg dich, du fauler Drecksack. Ich habe keine Lust, alles allein zu machen!«

Er sprang vom Fahrerhaus hinunter. Genau hinter ihnen hielt der zweite Lastzug. Die Scheinwerfer wurden ausgeschaltet. Nick Castello schwang sich aus dem Fahrerhaus und fuhr sich mit dem Handrücken über die schweißfeuchte niedrige Stirn.

»Das Kurzschließen war kein Problem«, sagte er. »Aber ich hatte Angst, dass die Kerle zu früh aus der Raststätte kämen. Los, reißt eure Ladetüren auf.«

Auf dem vordersten Lastwagen waren leere Kartons, ein paar Ballen alte Zeitungen und einige zerfledderte Taschenbücher geladen. Nolan und Salvatore warfen das ganze Zeug raus. Dann machten sie sich über die Ladung des zweiten Zugs her und verstauten sie auf dem ersten. Anschließend schoben sie ihren wertlosen Krempel auf die Ladefläche des zweiten Zugs. Als sie fertig waren, schwitzten alle drei.

»Dass mir jetzt keiner mit einer Zigarette herumfummelt«, warnte Castello und kletterte mit einem Vier-Gallonen-Kanister auf den zweiten Zug. Er kippte...

Erscheint lt. Verlag 24.4.2018
Reihe/Serie Jerry Cotton Sonder-Edition
Jerry Cotton Sonder-Edition
Verlagsort Köln
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Krimi / Thriller / Horror Krimi / Thriller
Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte 2017 • 2018 • Abenteuer • Al Capone • alfred-bekker • Anna Basener • Bahnhofsroman • Bastei • Bestseller • Cora • Deutsch • eBook • E-Book • eBooks • erste-fälle • gman • G-Man • Groschenheft • Hamburg • Heft • Heftchen • Heftchen-Roman • Heftroman • Heft-Roman • Horst-Bosetzky • international • Jerry Cotton • Kindle • Klassiker • Krimi • Krimiautoren • Kriminalgeschichten • Kriminalroman • Krimis • krimis&thriller • letzte fälle • martin-barkawitz • Mira • nick-carter • Polizeiroman • Pulp • Pulp Ficition • Reihe • Romanheft • Roman-Heft • schwerste-fälle • serial content • Serial Novel • Serial Novels • Serie • Serien • Seriennovellen • Soko-Hamburg • spannend • spannende Krimis • Spannungsroman • stefan-wollschläger • Tatort • Terror • thomas-herzberg • Thriller • uksak • Wegner
ISBN-10 3-7325-6290-5 / 3732562905
ISBN-13 978-3-7325-6290-9 / 9783732562909
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