G. F. Unger Western-Bestseller 2356 (eBook)
Bastei Entertainment (Verlag)
978-3-7325-6382-1 (ISBN)
Vansitters Killer hatten mir in Golden Camp eine Falle gestellt, um zu verhindern, dass ich meine Nancy aus ihren Klauen befreite. Doch ich kam mit dem Blizzard ...
Ich konnte mich nicht verirren, solange der Blizzard meine linke Seite traf.
Der Schnee wurde aber immer härter. Bald war er mit Hagel vermischt. Manche Hagelstücke waren so groß wie Taubeneier. Sie prügelten mich erbarmungslos. Auch mein armes Pferd hatte zu leiden.
Die Eisstücke waren wie Steine.
Also, um es kurz zu machen, wir mussten Schutz und Wärme finden, mein braves Pferd und ich. Sonst waren wir bald verloren.
Aber was sollte ich tun?
Vielleicht fand ich eine Höhle.
Aber ich fand keine. Dafür fand ich etwas, was ich in meinen kühnsten Träumen nicht erwartet hätte.
Ein Haus war da. Ich wunderte mich zuerst, warum mein Pferd plötzlich hielt. Dann wunderte ich mich, weil der Blizzard nicht mehr ganz so schlimm tobte.
Aber dann sah ich dicht vor der Nase meines Pferdes die Blockhauswand.
Nun, ich fand den Stall. Er schloss sich gleich an das Blockhaus an. Es war Platz in ihm für ein halbes Dutzend Pferde – doch es waren nur zwei in ihm eingestellt worden.
Ich versorgte mein Pferd, und dabei kam meine Durchblutung wieder in Gang.
Als ich fertig war mit meinem Red, fühlte ich mich wieder einigermaßen wohl.
Bevor ich hinüber zum Haus ging, sah ich noch einmal nach meinem Colt. Und auch den kleinen Derringer im Stiefelschaft überprüfte ich noch einmal ganz genau. Meine ledernen Chaps hatte ich ausgezogen.
Und dann ging ich also noch einmal hinaus in den brüllenden und orgelnden Blizzard, schloss sorgfältig das Stalltor und erreichte nach einem Dutzend Schritten das Blockhaus.
Ich klopfte nicht, denn das hätte man nicht gehört.
Ich trat ein mit Schnee- und Eishagel. Der Blizzard orgelte wieder einmal besonders laut.
Mit dem Rücken drückte ich die Tür zu und lehnte mich dagegen.
Es waren drei Menschen im Raum, zwei Männer und eine Frau.
Die Frau stand am Herd. Die Männer saßen am Tisch – das heißt, sie hatten dort gesessen. Denn bei meinem Eintritt sprangen sie hoch, wichen etwas auseinander und griffen nach ihren Revolvern.
Ich wusste sofort Bescheid, zu welcher Sorte sie gehörten.
Sie starrten mich an. Ich wusste, dass sie mich zu erkennen hofften und dies nicht konnten, weil Schnee und Eis mich tarnten.
Ich hatte Zeit, mir die Handschuhe abzustreifen. Ich nahm sie in die Rechte, denn meinen Colt trug ich links.
Dann sah ich an den beiden Männern vorbei auf die Frau.
Sie war ein paar Jahre jünger als ich, doch sie war schon eine Frau. Nur auf den ersten Blick konnte man sie für ein Mädchen halten.
Ich sagte zu der schönen Frau: »Ma’am, verzeihen Sie mir, dass ich hier so eindringe. Aber wer täte das nicht an meiner Stelle? Welcher Mensch bliebe draußen im Blizzard?«
»Ich nicht«, sagte sie. »Mir sind Sie willkommen.«
Sie betonte das »Mir« ganz besonders, und auch in ihren Augen erkannte ich genug.
Und so wandte ich mich wieder den beiden Männern zu, die ich für zweibeinige Wölfe hielt, zumindest für Hartgesottene.
Einer sagte auch schon: »Wer bist du? Woher kommst du? Antworte, wenn du schon so plötzlich hereinkommst!«
»Ach«, sagte ich, »ich bin nur Mike Brannan, und ich wollte mit einer kleinen Fleischherde für die Goldgräber über den Pass. Dann kam der Blizzard, und ich fand dieses Obdach. Der Ma’am bin ich willkommen. Also seid auch ihr nett zu mir, Freunde.«
Ich gab meiner Stimme einen versöhnlichen und freundlichen Klang, so gut ich das konnte. Meine Hände waren nun warm genug – und auch sonst hatte ich jetzt alles überwunden. Ein Eisenofen strahlte eine Menge Hitze aus.
»Wer seid ihr denn, Freunde?« Dies fragte ich dann scheinbar sorglos und gemütlich. Aber in Wirklichkeit war ich so wachsam wie ein Wüstenwolf, der sich zum Abendbrot eine Klapperschlange aussuchte, weil nichts anderes sonst zu bekommen war.
Sie zeigten mir ihre Zähne. Doch es war keine Freundlichkeit in diesem Zähnezeigen. Man konnte es beim besten Willen nicht für ein Lächeln halten.
Sie tauschten einen kurzen Blick aus. Es war von diesem Moment an ein Einverständnis zwischen ihnen.
Ich spürte instinktiv, dass sie mich töten wollten.
Dieses instinktive Wissen war plötzlich in mir, und es war stark und scharf. Es gab keinen Irrtum.
Ich war hier in eine Sache hineingerannt, bei der es keine Zeugen geben durfte. So etwa musste es sein.
Ich sah schnell zu der rothaarigen Frau hinüber.
Sie stand noch immer am Herd, und sie hatte Furcht, aber sie behielt sie unter Kontrolle.
»Es sind Banditen«, sagte sie. »Ihre Kumpane stahlen meine Rinder und trieben sie über den Pass. Ich wurde hier von diesen beiden Strolchen bewacht. Bis jetzt waren sie zu feige, eine Frau zu töten. Sie schoben es immer wieder auf. Aber jetzt, Fremder …«
Ich konnte nicht länger zuhören.
Denn aus den Augenwinkeln sah ich ihr Zucken.
Ich konnte nicht länger warten. Sie hatten ja schon bei meinem Eintreten die Hände an den Revolvern gehabt, waren bereit zum Ziehen.
Und nun zogen sie.
Das Zucken ihrer Schultern verriet es mir, noch bevor sich ihre Arme bewegten.
Sie waren schnell, unheimlich schnell.
Und ich war etwas langsamer als sonst. Wahrscheinlich war ich von der Kälte des Blizzards doch noch nicht völlig aufgetaut. Aber ich schoss den links vor mir stehenden Buddy von den Beinen, bevor er auf mich abdrücken konnte.
Dann aber bekam ich es von dem anderen, indes ich auf ihn meinen zweiten Schuss abfeuerte. Wir gaben es uns im selben Sekundenbruchteil.
Doch dann war die Sache beendet.
Ich hatte auch den zweiten Gegner voll getroffen, und er fiel, während ich immer noch stand, wartete, den Pulverrauch in Nase und Augen bekam und die ersten Schmerzen in meiner Seite spürte. Dort war seine Kugel bei mir angekommen.
Die Wunde konnte mich jedoch gewiss nicht umbringen, dies erkannte ich schon bald nach dem ersten Schock.
Vor mir lagen die beiden mir noch fremden Männer.
Ich wusste, dass sie tot waren.
Ich sagte nach einer Weile heiser: »Ma’am, waren es wirklich Banditen?«
Sie nickte. »Es waren Mörder. Sie und ihre Kumpane haben meinen Mann und unsere beiden Reiter erschossen, um die Herde bekommen zu können. Das war eine miese Bande, die vor dem Winter noch schnelles Geld machen wollte. Und wir hier waren ihnen gerade recht. Sie hätten gewiss auch mich getötet, um keine Zeugen zu hinterlassen. Sie haben mir das Leben gerettet, Mister Brannan.«
Ich staunte. Sie hatte sogar meinen Namen behalten, den ich nur einmal genannt hatte.
Dann murmelte ich: »Die beiden Toten schaffe ich gleich hinaus, Ma’am. Aber sie müssen erst mal nach meiner Wunde sehen. Ich möchte nicht zu viel Blut verlieren.«
Sie warf einen Blick auf die beiden Toten. Einer hatte den Tisch umgerissen. Sie schluckte würgend und deutete auf eine Tür.
»Dort in die Schlafkammer«, sagte sie. »Legen Sie sich aufs Bett. Ich fülle nur eine Schüssel mit heißem Wasser und suche Verbandszeug zusammen. Dort hinein, Mike Brannan.«
Ich ging, hielt mir die schmerzende Seite.
Aber dann verhielt ich noch einmal: »Wie ist Ihr Name, Ma’am?«
»Nancy Shayne«, sagte sie. »Mein Mann war Buck Shayne.«
»Gun Shayne?« So fragte ich staunend.
Sie nickte. »Ja, er war jener Shayne, den sie einst Gun Shayne nannten«, murmelte sie dann. »Doch auch Ihr Name, Mike Brannan, ist nicht unbekannt. Ich glaube sogar, dass Sie einst mit meinem Mann geritten sind – früher, als er noch nicht mein Mann war. Er nannte einmal Ihren Namen. Deshalb merkte ich ihn mir vorhin so leicht. Und als ich Sie ziehen sah, da wusste ich, dass Sie der Revolvermann Mike Brannan sind.«
Ich sagte nichts mehr.
Die Kugel hatte zwei Fingerbreit über dem Hosengürtel ein Stück Fleisch weggerissen.
Ich hatte Glück gehabt.
Sie versorgte meine Wunde mit kundigen Fingern.
Das Pflaster, welches meine Wunde nun zusammenhielt, ersetzte ein Nähen.
Ich zog meine Jacke wieder an, setzte meinen Hut auf und machte mich daran, die Toten hinauszuschaffen.
Und da kam sie, um mir zu helfen.
Auch sie war nun in einen Mantel gehüllt und trug Stiefel unter den Röcken.
Sie sagte schlicht: »Wenn Sie sich zu sehr anstrengen, hält das Pflaster nicht auf der Wunde. Ich muss Ihnen helfen, Mike. Hinter dem Haus ist eine tiefe Felsspalte in der Canyonwand. Dorthin …«
Später saßen wir zusammen am Tisch. Sie hatte das Abendessen für sich und die beiden Männer gekocht.
Nun aßen wir es zu zweit.
Der eiserne Kanonenofen und auch der Herd gaben zwar eine Menge Wärme ab, doch ich fragte mich, ob überhaupt genug Holz draußen vorhanden war.
»Dies hier sollte unsere Ranch werden«, sprach Nancy. »Wir hatten eine Herde von Kansas heraufgebracht. Etwas mehr als tausend Rinder. Als wir hier ankamen, war es noch Sommer. Buck und unsere beiden Cowboys bauten dies alles hier. Und kurz vor Anbruch des Winters wollten wir die Rinder an die Goldgräber jenseits des Passes verkaufen. Buck wusste, dass die Fleischpreise dann den höchsten Stand hatten. Mit dem Geld hätten wir uns neu ausgerüstet und vom Frühjahr an die Ranch richtig ausbauen können. Aber dann kamen Ray Millard und seine Horde. Sieben Mann stark.«
»Ray Millard«, sagte ich gedehnt. »Red Ray Millard?«
Sie nickte.
Und da seufzte ich. Denn auch diesen Vogel kannte ich,...
| Erscheint lt. Verlag | 24.4.2018 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Western-Bestseller |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | 2017 • 2018 • Abenteuer-Roman • alfred-bekker • Bestseller • bud-spencer • buffalo-bill • Cassidy • Chaco • clint-eastwood • Country • Cowboy • Deutsch • eBook • E-Book • eBooks • Erwachsene • Exklusiv • für • GF • g f barner • Indianer • jack-slade • Jugend • Karl May • kelter-verlag • Kindle • Klassiker • Krimi • Laredo • larry-lash • Lassiter • lucky-luke • Männer • martin-wachter • pete-hackett • peter-dubina • Reihe • Ringo • Roman-Heft • Serie • sonder-edition • Western • Western-roman • Westernromane • Wilder-Westen • Winnetou • Wyatt-Earp |
| ISBN-10 | 3-7325-6382-0 / 3732563820 |
| ISBN-13 | 978-3-7325-6382-1 / 9783732563821 |
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