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Winterwundertage (eBook)

Roman

(Autor)

eBook Download: EPUB
2018
Goldmann Verlag
978-3-641-22582-7 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Winterwundertage - Karen Swan
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Alex Hyde, eine junge, höchst erfolgreiche Unternehmensberaterin aus London, nimmt wenige Wochen vor Heiligabend einen lukrativen Auftrag an: Sie soll »Kentallen«, einer familiengeführten Whisky-Destillerie, wieder zum Erfolg verhelfen. Kaum hat sie die abgelegene schottische Insel Islay betreten, begegnet sie Lochlan, Erbe der Dynastie. Attraktiv, charismatisch und unberechenbar – noch nie hat es Alex mit einem Auftraggeber wie ihm zu tun gehabt. Im Laufe der Zusammenarbeit kommen sie sich immer näher, die Grenzen zwischen Privatem und Beruflichem verschwimmen zusehends. Und Alex bemerkt zu spät, dass ihr, zum ersten Mal überhaupt, die Kontrolle entgleitet ...

Karen Swan arbeitete lange als Modejournalistin für Zeitschriften wie Vogue, Tatler und YOU. Heute lebt sie mit ihrer Familie im englischen Sussex und schreibt jedes Jahr zwei Romane – einen für die Sommersaison und einen zur Weihnachtszeit.

1. Kapitel

Mayfair, London, Freitag, 1. Dezember 2017

H ier das Büro von Alex Hyde.«

Die forsche, sachliche Stimme von Louise Kennedy durchdrang die von einem Strauß weißer Pfingstrosen geschwängerte Stille des mit einem dicken Teppich ausgelegten Büros.

»Nein, bedaure, sie ist nicht zu sprechen. Wenn Sie mir Ihren Namen nennen würden?«

Louises manikürte Fingernägel schwebten erwartungsvoll über der Tastatur, der Cursor saß bereits in der Namensspalte. Auf der Telefonanlage daneben blinkte ein rotes Lämpchen – da wartete schon der nächste Anrufer. Louise kam sich vor wie bei der Flugsicherung: eine Maschine nach der anderen musste auf die richtige Landebahn dirigiert, vorübergehend geparkt und dann weitergeleitet werden.

»Sie müssen mir schon Ihren Namen nennen, wenn Sie …« Doch der Anrufer bestand darauf, unbedingt persönlich mit Alex Hyde sprechen zu müssen, war es nicht gewöhnt, abgewiesen zu werden. Louise achtete darauf, nicht in die Sprechmuschel zu seufzen, was unprofessionell gewesen wäre. Ihre Finger zappelten ungeduldig, als würden sie mit einem Stift spielen, sie wollte weiter, hatte es eilig. Das rote Lämpchen blinkte noch. In spätestens sechzig Sekunden musste sie rangehen, es konnte ja wichtig sein. Auf dem Niveau, auf dem sie tätig waren, konnte es den Verlust vieler Arbeitsplätze und großer Vermögen bedeuten, ja sogar um Leben und Tod gehen.

»Bedaure, das ist nicht möglich.« Die Stimme des Anrufers wurde drängender, und Louise runzelte die sorgfältig gewachsten Augenbrauen. »Weil sie in New York ist.« Ihr Blick fiel erneut auf das Blinklicht. »Nein, das ist vertraulich«, entgegnete sie, ohne sich vom Befehlston des Anrufers einschüchtern zu lassen. Aufgeblasenheit und Arroganz bei der Kundschaft waren ihr täglich Brot, ja, es waren oftmals gerade diese Eigenschaften, die sie zu Alex Kunden werden ließen. »Ich kann sie bitten, Sie zurückzurufen, wenn Sie das möchten. Weiß sie denn, worum es sich handelt?« Ihre Finger zuckten ungeduldig.

Draußen fuhr mit blinkendem Blaulicht ein Krankenwagen vorbei, und durch die nerzgrauen Jalousien hindurch war ein schmutzig grauer Himmel erkennbar, an dem sich schwere Regenwolken zusammenballten. Menschen in dicken Wintermänteln liefen, das Handy am Ohr, mit gesenkten Köpfen vorüber. Die Gehsteige glänzten nass vom letzten Regenguss.

Louise spitzte missbilligend die Lippen. Na bitte, das hatte sie sich doch gleich gedacht. »Aha, verstehe, es handelt sich also um eine Erstanfrage.« Sein anmaßender Ton suggerierte eine enge persönliche Bekanntschaft, wahrscheinlich jedoch waren er und Alex einander höchstens einmal auf einer Cocktailparty über den Weg gelaufen oder Alex’ Name war auf einer Jubiläumsfeier ehrfürchtig von Mund zu Mund weitergetragen worden wie ein verstohlener Freimaurer-Händedruck.

»Tut mir leid, wir operieren mit einer Warteliste. Vor Mai nächsten Jahres hat Ms Hyde leider keine freien Termine mehr.« Ihr Blick fiel erneut auf das rote Lämpchen. Es blinkte noch, aber sicher nicht mehr lange. Sie würde ihm noch zehn Sekunden geben … »Soll ich Sie schon mal vormerken und Sie melden sich dann nächstes Jahr wieder?«

Nun wurde er ausfallend. Louises makellose Augenbrauen schossen in die Höhe. Dem war offenbar nicht klar, dass an ihr kein Weg vorbeiführte und dass sie nicht nur dafür bezahlt wurde, den Terminkalender zu verwalten, sondern auch dafür, mögliche Klienten vorab auszusortieren. »Nun, wie gesagt, Ms Hyde ist momentan außer Landes. Wann sie wieder da sein wird, kann ich Ihnen leider nicht sagen. Wenn Sie mich jetzt bitte entschuldigen würden, ich habe einen Klienten in der anderen Leitung. Sie können gern noch einmal anrufen, wenn Sie Ihre Meinung ändern sollten.« Sie wollte auflegen, den Blick auf das hartnäckig blinkende Lämpchen gerichtet.

Drei, zwei, ei …

Ihre Hand sackte kraftlos auf die Schreibtischplatte, das soeben Gehörte hallte in ihren Ohren nach wie Schüsse. Sie beugte sich geschockt vor und lauschte konzentriert, die Ellbogen auf den Schreibtisch gestützt, den Blick auf den blinkenden Cursor auf dem Bildschirm gerichtet. Das rote Lämpchen (das aufgehört hatte zu blinken) war vollkommen vergessen. Stille trat ein, dann:

»Könnten Sie das bitte wiederholen?« In Louises Stimme lag ein vollkommen untypisches Beben. »Ich fürchte, ich habe Sie falsch verstanden.«

Am gleichen Tag in New York

Alex Hyde starrte auf die Wallstreet hinab. Dort regierte das Ego, es pulste wie ein Muskel im dichten Verkehrsgewühl. Furchtlos, als ob sie unverwundbar wären, hetzten die Leute von einer Straßenseite zur anderen, ungeachtet der wütend hupenden gelben Taxis, deren aufblinkende rote Bremslichter sich in der Ferne verloren. Die Statuskennzeichen dieser Menschen würden von der Straße aus nur dezent bemerkbar sein (das rote Knopfloch an einem Maßanzug, beispielsweise) oder, im Gegenteil, offen und kaum übersehbar (eine Rolex Oyster oder eine karibische Gesichtsbräune). Von hier oben wirkten die Passanten dagegen wie Feldspäne auf einem Magnetbrett, sie wogten hierhin und dorthin, wie von unsichtbaren Strömungen gelenkt, zielgerichtet, allzeit in Eile, von Termin zu Termin hetzend. Wohin es sie trieb, konnte Alex sich denken. Sie wollten hier herauf, in den 98sten Stock dieses Wolkenkratzers, wollten es schaffen, so wie der Mann, der hier saß. Auch sie wollten Masters of the Universe werden, Dreh- und Angelpunkt von Macht und Geld.

Aber keiner von ihnen würde es so weit bringen, denn sie konnten sich nicht von ihrer Warte aus betrachten. Nicht mal aus zwei Schritten Distanz konnten sie sich wahrnehmen, geschweige denn aus zweihundert Metern Höhe. Nicht mal ihr eigenes Spiegelbild würde ihnen verraten, was Alex bereits wusste und was sie erst noch begreifen mussten: dass Ehrgeiz nicht reichte, dass Zielbewusstsein nicht genügte, dass Talent allein nicht die Antwort war. Wenn sie sich nicht einmal dessen bewusst waren, wie sollten sie es je bis in diese schwindelerregenden Höhen schaffen, in diese geheiligten Hallen der Macht?

Der Mann, dem sie den Rücken zukehrte, schien das zu begreifen, was sich auch darin äußerte, dass er die Voraussicht besaß, sie zu kontaktieren, als man ihm den Posten des neuen Präsidenten der Bank of America anbot. Sich einzugestehen, dass er überfordert war und Hilfe brauchte, war das Beste, was er für seine Karriere tun konnte. Alex wandte sich von der harten Dezembersonne, die einen vereinzelten Strahl in die Straßenschluchten warf, ab und blickte ihn an. Gelassen löste sie sich vom Fenster und ging an ihren Platz zurück, verfolgt vom besorgt-ängstlichen Gesichtsausdruck ihres Klienten.

»Howard, erinnern Sie sich, wie wir letztes Mal über Maximum-Performance sprachen?«

Er beobachtete sie, wie eine Antilope eine Löwin beobachtet, die sich durchs hohe Savannengras anschleicht. »Ja.«

Sie setzte sich wieder in ihren Sessel ihm gegenüber, schlank und elegant in einem schmal geschnittenen, elfenbeinweißen Crêpe-Kleid von Phillip Lim, das ihrer sehnigen, durchtrainierten Figur schmeichelte. Das halblange kastanienbraune Haar umhüllte frisch geföhnt ihre Schultern. Himmel, sie liebte die Blowout-Bars von Manhattan, die es hier an jeder Ecke gab und wo man sich schnell mal die Haare föhnen lassen konnte! Sie hatte nur eine Winzigkeit Make-up aufgelegt, da ihre sanft gebräunte Haut den samtigen Glanz von ihrem Aufenthalt in einem Besinnungs- und Entspannungs-Retreat in Costa Rica noch nicht verloren hatte.

»Was haben wir gesagt, wissen Sie es noch?« Sie betrachtete ihn mit einfühlsam geneigtem Kopf, die großen braunen Augen still und fragend auf ihn gerichtet.

»Sie sagten, der Mensch müsse voll und ganz im Reinen mit sich sein.«

Sie nickte. »Ganz recht. Es geht um Ausgewogenheit, um Balance. Ein Mensch kann nur dann Höchstleistungen erbringen, wenn alle Bereiche seines Lebens, der physische, der spirituelle, der mentale und der soziale, im Gleichgewicht sind.« Sie lächelte aufmunternd. »Und gerade weil das so selten vorkommt, sieht man die Dinge in so einem Zustand mit größerer Klarheit, kann weise Entscheidungen treffen und selbstbewusst und gelassen agieren. Aber wenn wir auch nur einen dieser Bereiche vernachlässigen«, warnte sie, »begeben wir uns auf gefährliches Territorium. Wie soll unser Verstand flexibel bleiben, wenn wir aufhören zu lernen, uns weiterzubilden, und uns mit dem zufriedengeben, was täglich auf unserem Schreibtisch landet? Wie sollen wir den Stress verarbeiten, den unsere Stellung mit sich bringt, wenn wir unser Fitnessprogramm vernachlässigen und den Personal Trainer mit Ausreden abspeisen? Wir dürfen den Körper nicht schwach werden lassen, den Verstand nicht mechanisch, die Emotionen abgestumpft oder das Gemüt unsensibel. Man kann nicht in einem Vakuum agieren. Nicht auf diesem Niveau jedenfalls, auf dem wir uns befinden. Die Luft ist dünn hier oben, Howard.«

Er ahnte, worauf das hinauslief, und seufzte. »Sie wollen sagen, dass ich sie aufgeben muss.«

»So etwas würde ich nie tun, Howard, das wissen Sie doch. Ich kann nur Ratschläge geben, entscheiden müssen Sie selbst.« Sie spürte das dezente Vibrieren ihres Handys an ihrer Seite. »Aber wenn die Beziehung längst tot ist, wenn da nichts mehr ist als … abgestandene Luft«, sagte sie schulterzuckend, »dann sollten Sie sich schon fragen, ob dies der Ausgewogenheit nicht abträglich ist.«

Howard umklammerte mit...

Erscheint lt. Verlag 15.10.2018
Übersetzer Gertrud Wittich
Verlagsort München
Sprache deutsch
Original-Titel The Christmas Secret
Themenwelt Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte Buch • eBooks • Frauenromane • Geschenk • Karen Swan • kleine geschenke für frauen • Liebe • Liebesromane • Romane für Frauen • Romantik • Schottland • Sternenwinternacht • Weihnachten • Weihnachtsgeschenk • weihnachtsromane 2020 • Whisky • Winter
ISBN-10 3-641-22582-5 / 3641225825
ISBN-13 978-3-641-22582-7 / 9783641225827
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