Jake Foster hat den Traum von einer eigenen Brauerei. Nachdem seine Freunde Niclas und Andrew Hunter ihr Glück in Sunset Cove gefunden haben, hält ihn nichts mehr in Boston. Es wird Zeit, seine Vision in die Realität umzusetzen. Die Harbour Beach Brewerie ist genau das, wonach er gesucht hat. Doch ihm fehlt das nötige Kapital. Die Investorin Eliza Woodward ist eine der schönsten Frauen, die Jake je getroffen hat - aber auch äußerst undurchsichtig. Sie signalisiert ihm, mit ihm ins Geschäft kommen zu wollen, zieht ihr Angebot jedoch kurzfristig zurück. Niclas' und Andrews Vater, Theodor Hunter bietet Jake das fehlende Geld an. Unter einer Bedingung, die Jake den Boden unter den Füßen wegzieht. Als Eliza abermals auftaucht und ihr Interesse an der Brauerei und an ihm bekundet, wird sein Lebenstraum plötzlich zu einem gefährlichen Unterfangen - und Jake zur Zielscheibe.
Hinter dem Pseudonym Ella Thompson verbirgt sich die SPIEGEL-Bestsellerautorin Jana Lukas. Nach Möglichkeit verbringt sie jeden Sommer an der Ostküste der USA. Ihre persönlichen Lieblingsorte sind die malerischen New-England-Küstenstädtchen. An den endlosen Stränden genießt sie die Sonnenuntergänge über dem Atlantik - am liebsten mit einer Hundenase an ihrer Seite, die sich in den Wind reckt.
2
Es war ein gewagter Schritt, und doch fiel es Jake nicht schwer, seine Zelte in Boston abzubrechen. Er hatte darauf hingearbeitet, eine eigene Brauerei zu führen. Über die Frage, wo diese Brauerei stehen würde, hatte er sich nie Gedanken gemacht. Er war sich immer sicher gewesen, er würde schon wissen, welches Projekt seines war, wenn er das Angebot in den Händen hielt. Dass sich die Harbour Beach Brewerie ausgerechnet auf Cape Cod befand, wohin es seine Freunde verschlagen hatte, war das Sahnehäubchen auf dem Stück Kuchen, nach dem er gegriffen hatte.
Jake ließ den Blick ein letztes Mal durch sein Apartment schweifen. Es war nicht gerade schäbig gewesen, besonders komfortabel allerdings auch nicht. Ein Platz zum Schlafen, Duschen und Essen. Mehr hatte er nie gebraucht, nie gewollt. Er atmete den Hauch Sojasoße, Kokosöl und Erdnüsse ein, der immer im Apartment hing, weil es drei Stockwerke über einem Thairestaurant lag. Dann hängte er sich seine Gitarrentasche quer über den Rücken, warf seine abgewetzte Lederjacke auf den letzten Karton Schallplatten, hob ihn an und schob die Tür mit dem Fuß hinter sich zu. Seine Plattensammlung war sein Heiligtum. Aber im Moment wäre sie ihm auf Cape Cod nur im Weg. Er würde sie gemeinsam mit seinen Büchern und seiner Musikanlange bei seiner Mutter unterstellen, bis er auf der Halbinsel ein eigenes Zuhause gefunden hatte. Nur seine Gitarre würde er mitnehmen.
*
Eliza saß in ihrem Büro im Woodward Tower und starrte auf den Inner Harbour hinaus. Unzählige weiße Segel leuchteten auf dem tiefblauen Wasser. Die Amphibienbusse der Stadtrundfahrt tuckerten zwischen ihnen hindurch und priesen Bostons Sehenswürdigkeiten an. Sie konnte sich vorstellen, wie die Touristen mit großen Augen vom Wasser aus die Skyline aus Beton, Glas und den stets präsenten roten Klinkern betrachteten, die sich am Ufer majestätisch in den Himmel erhob und das Sonnenlicht reflektierte. Zwischen den Bürotürmen würden sie historische Kleinode entdecken, wie den Nachbau des Tea Party-Schiffs Eleanor oder das Old State House. Das war es, was Boston für Eliza zu etwas Besonderem machte. Die Verflechtung von Geschichte und Moderne.
Ihre Bürotür wurde geöffnet, und sie zuckte kaum merklich zusammen. Im Spiegel der bodentiefen Fenster erkannte sie die Gestalt ihres Mannes. Wer sonst betrat ihr Büro, ohne anzuklopfen und auf ihr Herein zu warten? Eliza konnte seinen Gesichtsausdruck nicht deuten. Aber ihr war klar, dass es ein Fehler wäre, Greg zu ignorieren. Ein letztes Mal ließ sie den Blick über den unbeschwerten Sommer vor ihrem Fenster gleiten, schob dann ihren Bürostuhl mit der Fußspitze an und drehte sich, bis sie ihm ins Gesicht blicken konnte. In ihrem Brustkorb breitete sich ganz automatisch ein pochender Schmerz aus. Was durchaus Einbildung sein konnte. Wie lang lag ihre letzte Verletzung zurück? Waren es bereits zwei Wochen? Mehr? Weniger? Sie konnte es nicht mehr mit Sicherheit sagen. Die Hämatome waren inzwischen verblasst. Ihre geprellten Rippen heilten.
Greg Ellerton war ein gut aussehender Mann. Einer, dem Anzüge ganz hervorragend standen. Er war nur ein paar Zentimeter größer als Eliza, aber unter der Kleidung lag ein durchtrainierter Körper, der mit mehrmaligen Fitnessstudiobesuchen pro Woche und gesundem Essen gepflegt wurde. Sein blondes Haar war von einem angesagten Friseur modisch kurz geschnitten, besaß aber noch immer das richtige Maß an Konservativität, um bei ihren Kunden und Geschäftspartnern Vertrauen zu wecken. Seine Schuhe waren so blank gewienert, dass er sich in ihrem Leder wahrscheinlich spiegeln konnte, und seine blaugrünen Augen blickten scharf und intelligent. Nur der Hauch an Geringschätzung, der in seinem leicht nach oben gezogenen rechten Mundwinkel lag, und den mit Sicherheit außer ihr niemand sehen konnte, zeigte, was für ein Mensch er wirklich war.
Er durchquerte den Raum, und Eliza bemühte sich, ihre unverbindliche Miene aufrechtzuerhalten. Mit einer ausholenden Bewegung – die sie noch einmal dazu brachte zusammenzuzucken – ließ er eine Mappe mit Unterlagen auf ihren Schreibtisch fallen. »Unterschreib die«, verlangte er und warf einen Blick auf die Rolex an seinem Handgelenk. Sie hatte ihm die Uhr zu ihrem ersten Jahrestag geschenkt. »Wir haben ein Meeting um zwei. Ich hoffe, du bekommst es bis dahin gebacken, die Sache durchzusehen. Wäre zwar nicht verwunderlich …«, er machte eine künstliche Pause, die genau so lange anhielt, wie er brauchte, sich über sie zu beugen und die Fäuste vor ihr auf der Tischplatte abzustützen. Sie hasste sich selbst dafür, dass diese bedrohliche Geste sie die Schultern einziehen ließ. »… dass du dich mal wieder blöd anstellst und alles ruinierst.« Er wollte fortfahren, und Eliza wusste genau, wie es weitergehen würde. Wie er eine ihrer Unzulänglichkeiten nach der anderen aufzählen würde – und da gab es viele. Doch ein Klopfen an der Tür schien ihre Rettung zu sein.
»Herein«, rief sie, ehe Greg noch etwas sagen konnte. Erleichterung durchflutete sie, als der Firmenanwalt der Woodward Holding, Jeffrey Penn, den Raum betrat. »Jeff, schön dich zu sehen.«
»Störe ich?«, fragte er von der Tür aus und blickte mit wachsamen Augen zwischen Eliza und Gregs Rücken hin und her.
Ihr Mann öffnete bereits den Mund, um ihn abzuwimmeln, doch Eliza war schneller. »Aber nein«, sagte sie. »Komm doch rein.«
Greg bedachte sie mit einem wütenden Blick. Bis er sich aufgerichtet und zu Jeffrey umgedreht hatte, war der böse Gesichtsausdruck verschwunden und hatte dem offenen Lächeln Platz gemacht, mit dem er die Menschen täuschte – mit dem er auch sie vor Jahren getäuscht hatte. »Jeff.« Er nickte dem Anwalt zu. »Schön, Sie zu sehen.«
»Ich muss mit Ihrer Frau sprechen«, sagte Jeffrey zu ihm.
Gregs Lächeln blieb in seinem Gesicht, aber Eliza konnte klar erkennen, wie er die Zähne zusammenbiss. Wenn er auf Jeffrey losgehen würde, weil er endgültig die Kontrolle über seine Aggressionen verlor, wäre alles vorbei. Jeffrey würde sich niemals einen von Gregs Ausrastern gefallen lassen. Aber natürlich hatte er sich im Griff. Er ließ den Anwalt spüren, dass er ihn nicht mochte – mehr aber auch nicht. Der Funken Hoffnung, der für einen Augenblick in ihrem Herzen aufgeflammt war, erlosch. Begleitet von einem unfassbar schlechten Gewissen. Denn Jeffrey und seine Frau Bella waren neben ihrer Haushälterin Maggie die einzigen Freunde, die sie noch hatte. Ihre engsten Vertrauten. Auch wenn Eliza ihnen von der dunklen Seite ihres Lebens nichts erzählte, denn sie wollte nicht, dass ihr Freund und Mentor verletzt wurde. Schon gar nicht von Greg.
»Wir haben keine Geheimnisse voreinander«, ließ Greg ihn auf seine herablassende Art wissen, die er Fremden gegenüber nur selten zeigte.
»Das glaube ich Ihnen, Gregory.« Jeffrey war der Einzige, der ihren Mann immer mit seinem richtigen Vornamen ansprach, was Greg auf den Tod nicht ausstehen konnte. Es war die Art ihres alten Freundes, ihm zu zeigen, dass er ihn nicht respektierte. »Ich halte mich trotz allem an meine anwaltliche Schweigepflicht.«
»Wie Sie meinen.« Greg wandte sich zu Eliza um. »Wir sehen uns zum Lunch, Schatz.«
Eliza musste sich zusammenreißen, um nicht zusammenzuzucken oder den Kopf zur Seite zu drehen, als er sich vorbeugte und seine Lippen über ihre Wange strichen. Die Gänsehaut, die die Berührung über ihren ganzen Körper laufen ließ, war unvermeidlich. Greg richtete sich auf. »Jeff.« Er nickte dem älteren Mann zu, und im nächsten Moment fiel die Tür hinter ihm ins Schloss.
Jeffrey nahm auf dem Besucherstuhl vor ihrem Schreibtisch Platz und legte im Gegensatz zu ihrem Mann die Mappe, die er mitgebracht hatte, mit einer sanften Bewegung auf die Tischplatte und schob sie in ihre Richtung. »Ich habe alles zusammengetragen, was du über Jake Foster wissen wolltest. Falls du noch immer interessiert bist, in die Brauerei zu investieren, kann ich dir nur dazu raten. Er hat gute Studienabschlüsse, hat immer hart gearbeitet. Seine Konten sind nie überzogen. Ganz im Gegensatz, er hat sich ein ordentliches Polster angespart. Keine Verhaftungen. Ein paar Strafzettel wegen überhöhter Geschwindigkeit und Falschparkens. Im vergangenen Jahr taucht er in Zusammenhang mit einem Polizeieinsatz auf Cape Cod auf. Er hat dabei geholfen, Murray Bralvers dingfest zu machen. Du erinnerst dich an diesen Mörder, der Niclas Hunters’ Freundin bedroht hatte?«
Eliza nickte. Dieser Fall war genau wie der Freispruch von Niclas’ Lebensgefährtin durch alle Medien gegangen.
Jake Foster. Eliza lehnte sich in ihrem Sessel zurück und knetete nachdenklich ihren kleinen Finger. Sie hatte nicht mehr an ihn gedacht, seit seiner Nachricht auf ihrem Anrufbeantworter. Unbehaglich strich sie über ihre Rippen. Sie konnte den Schmerz, der an jenem Nachmittag in ihrem Körper gewütet hatte, noch immer spüren. Damals hatte sie ihre Assistentin gebeten, Jake zurückzurufen und ihm im Nachhinein mitzuteilen, dass sie unpässlich gewesen war. »Ich soll es deiner Meinung nach also machen?«, fragte sie Jeffrey. Ihm konnte sie in diesen Dingen vertrauen wie keinem anderen. Denn auch wenn Greg ihr immer wieder sagte, dass sie unfähig war, tief in ihrem Inneren wusste sie, dass sie ein Gespür fürs Geschäftliche hatte. Trotzdem traf sie ohne den Rat ihres Freundes keine Entscheidungen mehr.
»Da du sowieso aus deinem persönlichen Fonds investieren willst, musst du das mit niemandem absprechen. Außer mit mir.« Du musst Greg nicht um Erlaubnis bitten, schwang der unausgesprochene Satz zwischen den Zeilen mit. »Und selbst...
| Erscheint lt. Verlag | 8.7.2019 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Die Lighthouse-Saga | Die Lighthouse-Saga |
| Verlagsort | München |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Romane / Erzählungen |
| Schlagworte | Boston • Cape Cod • eBooks • Frauenromane • Insel • Intrigen • Leuchtturm • Liebe • Liebesromane • Nicholas Sparks • Nora Roberts • Romane für Frauen • Serien |
| ISBN-10 | 3-641-23409-3 / 3641234093 |
| ISBN-13 | 978-3-641-23409-6 / 9783641234096 |
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