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G. F. Unger Sonder-Edition 135 (eBook)

Blutige Fährte

(Autor)

eBook Download: EPUB
2018 | 1. Aufl. 2018
Bastei Entertainment (Verlag)
978-3-7325-6302-9 (ISBN)

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G. F. Unger Sonder-Edition 135 - G. F. Unger
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In unserer Jugend waren wir Freunde gewesen, und vor wenigen Stunden hatte ich die Skalpjäger, die sein Dorf überfielen und alle Frauen und Kinder bestialisch niedermetzelten, im Revolverduell getötet. Deshalb ließ Hurtado mich am Leben, als er mit seiner Apachen-Horde über Red Mesa hinwegfegte und in seinem Hass alle weißen Männer umbringen ließ. Hätte Hurtado gewusst, dass ich es sein würde, der seine blutige Fährte schon bald beenden würde, er hätte nicht gezögert, mir mit eigener Hand die Kehle durchzuschneiden...

Später dann kam ich in Santa Cruz in die Missionsschule zu den Padres. Ich wäre damals als Junge lieber bei den Apachen geblieben und einer von ihnen geworden. Erst später begann ich zu begreifen, dass ich ein Weißer war mit gelben Haaren und blauen Augen – und dass ich als Weißer in diesem Land eine Menge Vorteile und Privilegien besaß, noch verstärkt durch die gute Schulbildung, die ich den Padres verdankte.

Nun, wir erreichten also damals kurz vor der Abenddämmerung die Red Mesa Station im Santa Juanita Canyon und trieben unsere Wildpferde in einen Corral. Die Tiere waren noch längst nicht richtig zugeritten, also noch fast so wild wie an dem Tag, da wir sie in einer Schlucht wie in einer Falle fingen. Sie waren durstig wie wir alle. Denn wir hatten die Alkali-Wüste hinter uns. Die Red Mesa Station war mehr als nur eine Post- und Frachtstation, bei der man die Gespanne wechseln konnte. Es gab eine Schmiede, ein Gasthaus, einen Saloon und einen Store, dazu noch ein paar Hütten und Corrals.

Und natürlich gab es auch eine Quelle, sie füllte einen kleinen See, der nach der Wüste zu abfloss und nach zwei oder drei Meilen im Boden versickerte.

Vor dem Saloon standen einige Sattelpferde.

Und drinnen war Betrieb. Eine Gitarre erklang. Dazu konnte man die dunkle Stimme von Dolores hören. Dolores war dick und fett. Nur ihr Gesicht war wunderschön. Wenn man sich ihren unförmigen Körper wegdachte und sich nur auf ihr Gesicht und ihre Stimme konzentrierte, dann war sie für einsame Burschen, die aus der Apachenwüste kamen, eine wunderschöne Fee.

Außer ihr gab es noch einige Mädchen, die ihre Körper verkauften an die einsamen Reiter, die von irgendwoher kamen und nach irgendwohin wieder verschwanden.

So war das nun mal hier in dieser kleinen Welt, in der die Red Mesa Station sozusagen den Nabel darstellte, den Mittelpunkt.

Nun, wir wuschen uns bei den Wassertrögen den Staub ab und machten uns auf den Weg zu unserer »Tränke«.

John Farraday, der Stationsmann, kam uns vom Stationshaus entgegen, schnitt uns den Weg ab.

»Wie viele Pferde sind es?« So fragte er nach kurzer Begrüßung.

»Siebenundfünfzig«, erwiderte ich. »Wir bekommen fünfhundertundsiebzig Dollar, Mister Farraday. Am besten wäre, Sie geben uns jetzt hundert als Vorschuss. Den Rest holen wir uns, wenn wir nach unserer Feier wieder nüchtern sind.«

Er nickte.

Doch dann sagte er: »Geht nicht in den Saloon. Dort sind Al Wade und ein paar andere Skalpjäger, deren Namen ich nicht kenne. Aber es sind Skalpjäger. Geht lieber nicht in den Saloon.«

Er sprach seine Worte fast bittend.

Wir wussten jetzt, warum er uns entgegengekommen war. Er hatte mich und meine drei Partner warnen wollen. Denn Carlos, Juan und Nemez waren Halbblutmänner, Brüder überdies. Ihre Mutter war ein Mädchen vom Stamm der Chiricahuas, das von einem Missionar, der nicht keusch bleiben konnte, geschwängert worden war. Sie hatte ihre Söhne anfangs ohne Hilfe des Vaters aufziehen müssen, denn dieser hatte die Vaterschaft geleugnet, obwohl er als gläubiger Padre doch nach den Zehn Geboten leben sollte.

Die drei Brüder wuchsen dann teils bei den Apachen – teils bei den Missionaren auf, wobei Letztere wohl stets das Gefühl hatten, wegen ihres Mitbruders etwas gutmachen zu müssen.

Manchmal besuchten die Brüder ihre Mutter bei den Chiricahuas.

Als sie es wieder mal taten, da war sie nicht mehr am Leben. Skalpjäger hatten das Dorf überfallen.

Die Brüder waren also auf Skalpjäger nicht gut zu sprechen, wie man sicherlich verstehen kann.

Und Al Wade war ein im ganzen Land bekannter Skalpjäger. Manchmal zog er mit fünfzig Reitern los und brachte viele Skalpe zu dem Prämienzahlstellen.1)

Noch bevor ich etwas sagen konnte, sprach Carlos kehlig: »Skalpjäger? Ay, ich glaube nicht, dass wir sie mögen. Und weil das so ist, gehen wir ihnen nicht aus dem Weg. Oder doch, Brüder?«

»Nein«, sagte Juan.

»Die sollen uns aus dem Weg gehen«, sprach Nemez.

Ich sagte nichts. Aber als sie sich wieder in Bewegung setzten, ging ich mit ihnen. Denn wir waren Partner, Sattelgefährten. Wir kannten uns schon lange und hatten einen Vertrag mit der Post- und Frachtlinie. Wir fingen Wildpferde und lieferten diese für zehn Dollar das Stück. Weitere fünf Dollar bekamen wir für das Zureiten. Bis die Tiere dann im Sechsergespann laufen konnten, mussten die Leute der Postlinie noch harte Arbeit leisten.

Doch die Postlinie bevorzugte die hageren Mustangs, weil sie zäh und ausdauernd waren, sodass sie von einer Station zur anderen durchhielten – also an die dreißig Meilen trabten oder gar galoppierten.

Nun, ich will nicht abschweifen.

Wir setzten uns also in Richtung Saloon in Bewegung. Drinnen tönte Gelächter. Mädchen kreischten. Die Gitarre und der Gesang der dicken Dolores Mateos waren verklungen.

Als wir die Tür erreichten, hielten wir an.

Es war eine Schwingtür. Man konnte über die Flügel hinweg in den Saloon sehen. Rauch, Schnaps- und Weingeruch und der Dunst von Leder, Schweiß und Menschen drangen uns in die Nase.

Auf einem Tisch tanzte eines von Dolores’ Mädchen. Sie hatte nicht mehr viel an. Die Skalpjäger umstanden den Tisch und klatschten mit den Händen den Takt. Musik oder Gesang war nicht zu hören. Nur das brettharte Klatschen der Hände tönte und ließ den Körper des Mädchens zucken. Ich sah ihre weit geöffneten Augen und wusste, dass sie irgendein Zeug geraucht hatte. Sie war entrückt. Wahrscheinlich hatte sie das Gefühl, schwerelos zu schweben.

Ich wusste, drüben in Mexiko sammelten sie irgendwelche Kräuter, die man wie Tabak rauchte. Dann bekam man das Gefühl, zum Himmel aufzusteigen.

Und ich hatte von einer alten Hexe der Yagui-Indianer gehört, die irgendwelches Pulver in das Lagerfeuer von Soldaten warf, die sie und ihre Sippe gefangen hatten. Die Soldaten atmeten den Rauch ein und waren viele Stunden betäubt.

Carlos sagte rau hinter mir: »Gehen wir, Gil. Wir haben Durst.«

Er stieß mich sanft an.

Und so hatte ich die Wahl. Ich konnte ihm und seinen Brüdern den Weg hinein freigeben oder vor ihnen hineingehen.

Ich tat Letzteres.

Als wir eintraten, sahen sie zu uns her.

Hier drinnen brannten schon die Lampen.

Ich kannte Al Wade vom Sehen. Und er kannte mich.

Er deutete sofort mit dem Zeigefinger auf mich, so als wäre dieser Finger ein Revolverlauf.

In der anderen Hand hielt er ein halb volles Glas.

Laut sagte er: »Seht euch die an.«

Sie klatschten nicht mehr im Takt, hielten inne. Und auch das Mädchen auf dem Tisch hielt inne in ihren Bewegungen.

Sie verharrte wie eine Puppe auf einer Spieluhr, wenn das Federwerk abgelaufen ist.

Die Kerle sahen zu uns her.

Ich setzte mich zum Schanktisch hin in Bewegung. Die drei Brüder folgten mir. Obwohl ich mich nicht nach ihnen umsah, wusste ich, dass sie die Blicke der Skalpjägermannschaft hart, ja, mit Abneigung und Feindschaft erwiderten.

Ich konnte sie gut verstehen.

Skalpjäger hatten einst ihre Mutter ermordet, um für deren Skalp fünfundzwanzig Dollar zu bekommen.

Es war Abscheu und Hass in den drei Brüdern Carlos, Juan und Nemez Hermosillo.

Und sie waren stolz.

Deshalb konnten sie nicht draußen bleiben.

Sie mussten hereinkommen und deutlich machen, dass auch sie Rechte besaßen, die ihnen niemand streitig machen durfte, schon gar nicht solche blutigen Skalpjäger, also Mörder, Menschenjäger, die auch Frauen und Kinder töteten und gewiss zum Dreck dieser Erde gehörten.

Als wir den Schanktisch erreichten, wischte Paco Mateos – es war der Mann der dicken Dolores – nervös mit einem Lappen auf der Platte herum.

»Tequila, Paco, Tequila für uns.« So sprach ich ruhig, denn wir wollten uns erst mal den Staub aus den Kehlen putzen und das Feuer im Leib spüren.

Aber da sagte Al Wades Stimme lässig: »Paco, den drei Indianern gibst du nichts! Jag sie raus! Indianer und Nigger haben in einem Saloon nichts zu suchen. Jage sie raus, Paco! Und wenn sie nicht parieren, machen wir ihnen Dampf.«

Nun war alles klar.

Ich vermochte ein bitteres Seufzen nicht zu unterdrücken.

Da waren wir viele Wochen in der Einsamkeit gewesen und hatten Wildpferde gejagt. Und nun waren wir noch keine einzige Stunde wieder unter Menschen, und schon saßen wir im schlimmsten Verdruss.

Aber hätten wir draußen bleiben sollen wie räudige Hunde?

Wäre es klüger gewesen, auf unser Recht zu verzichten und vor solch einer blutigen Mörderbande zu kuschen?

Es mochte sein, dass das Sprichwort »Der Klügere gibt nach« seine Berechtigung hat. Doch gewiss nicht in diesem Land. Dieses Land war zu hart. Und wer hier nachgab, der gehörte nicht zu den Klugen, sondern zu den Schwachen.

Deshalb gaben hier nur die Schwachen und Furchtsamen nach.

Alle anderen Menschen taten alles, um sich zu behaupten. Das war selbstverständlich für sie und ließ sie in diesem Land überleben.

Bei den drei Brüdern kamen noch die Verachtung und der Hass hinzu.

Wir wandten uns um.

Und wir waren vier gegen sieben.

Carlos sagte: »Lasst uns nur in Ruhe, ihr Stinker. Oder ihr bekommt was aufs Maul.«

Es ging dann sehr schnell.

Einer der Kerle schnappte fluchend nach dem Colt. Sein Fluchen war auch das Signal für die anderen.

Und so zogen sie alle.

Nein, sie wollten...

Erscheint lt. Verlag 17.4.2018
Reihe/Serie G. F. Unger Sonder-Edition
Verlagsort Köln
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Krimi / Thriller / Horror
Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte 2017 • 2018 • Abenteuer-Roman • alfred-bekker • Anna Basener • Bahnhofsroman • Bestseller • bud-spencer • buffalo-bill • Cassidy • Chaco • clint-eastwood • Cora • Country • Cowboy • Deutsch • Die Abenteurer • eBook • E-Book • eBooks • Erwachsene • Exklusiv • für • GF • g f barner • G. F. Barner • G. F. Unger • Groschenheft • Heft • Heftchen • Heftchen-Roman • Heftroman • Heft-Roman • Indianer • jack-slade • Jugend • Karl May • kelter-verlag • Kindle • Klassiker • Krimi • Laredo • larry-lash • Lassiter • lucky-luke • Männer • martin-wachter • Mira • pete-hackett • peter-dubina • Pulp • Pulp Ficition • Reihe • Ringo • Romanheft • Roman-Heft • serial content • Serial Novel • Serial Novels • Serie • Serien • Seriennovellen • Western-roman • Westernromane • Wilder-Westen • Winnetou • Wyatt Earp • Wyatt-Earp
ISBN-10 3-7325-6302-2 / 3732563022
ISBN-13 978-3-7325-6302-9 / 9783732563029
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