G. F. Unger 1952 (eBook)
Bastei Entertainment (Verlag)
978-3-7325-6260-2 (ISBN)
Auf dem Weg der Rache treibt Lee Cumberland Hester Lombards Herde nach Laramie, wo er seinen ehemaligen Freund und seine treulose Frau zu finden hofft ...
Er atmet hörbar aus und starrt Lee Cumberland mit flackernden Augen an.
Und Lee sieht mit einem Mal alles in voller Klarheit.
Schon ihre Väter waren Freunde, und sie hinterließen ihren Söhnen große Ranches. Das war einige Jahre vor dem Krieg. Auch die Freundschaft der Söhne war so groß wie die der Väter. Ihre Ranches waren die größten des ganzen Countys. Lee Cumberland und Nathan Britt verkörperten Macht, Rinderreichtum und Einfluss.
Und dann kam eine junge Lehrerin in die Stadt.
Sie verliebten sich beide in Maureen Prent. Das ganze Land beobachtete den Wettbewerb um die schöne Lehrerin, und es blieb lange ungewiss, wer von den beiden Freunden sie erringen würde.
Aber dann wurde Lee Cumberland der glückliche Bräutigam. Es wurde eine Hochzeit, zu der zweihundert geladene Gäste kamen – nur Nathan Britt nicht.
Und als die Feier ihren Höhepunkt erreicht hatte, kam die Nachricht, dass der Krieg zwischen den Nord- und Südstaaten ausgebrochen sei.
Am anderen Tage mussten sich Lee Cumberland und Nathan Britt der Sache des Südens zur Verfügung stellen.
Und dann folgten die Kriegsjahre. Sie waren wieder Freunde und vermieden es, über die junge Frau zu sprechen, die daheim auf Lee Cumberland wartete.
Sie kämpften in den Schlachten bei Bloody Angle, The Wilderness, Yellow Tavern und Appomattox, und ihre Freundschaft schien fest und groß zu sein.
Aber dann legte General Lee bei Appomattox die Waffen nieder.
Lee und Nathan waren plötzlich entlassene Kriegsgefangene.
Und nun sind sie also auf der Heimreise, aber nur Lee wird Maureens Liebe besitzen. Nathan Britt wird zusehen müssen.
Immer noch starren sich die beiden Männer an.
Lee Cumberlands Gesicht ist schmal, aber es ist markant. Er ist ein sehr männlicher Typ, nicht hübsch, sondern eben männlich. Seine Nase ist kurz und gerade. Er wirkt hart und stolz. Es geht jedoch keine böse Härte von ihm aus.
»Nathan, du bist verrückt«, sagt er sanft. »Das ist doch Irrsinn! Wir haben damals beide fair um Maureen geworben. Sie hat sich für mich entschieden. Warum erkennst du ihre Entscheidung nicht an?«
»Ich will sie besitzen! Vom ersten Augenblick an wollte ich sie besitzen. Wenn du nicht gewesen wärst, so hätte ich sie bekommen, bestimmt. Und ich kann nicht mein ganzes Leben als euer Nachbar zusehen, wie sie dich liebt. Ich träume seit drei Jahren jede Nacht, dass du tot bist, Lee, und ich allein heimkehren werde. Ich träume immer wieder, dass sie mir gehören wird. Bis jetzt wollte ich es dem Schicksal überlassen, mir zur Erfüllung meiner Wünsche zu verhelfen. Aber jetzt habe ich lange genug gewartet. Wir sind hier mitten in der Wildnis. Vielleicht sind wir auf hundert Meilen in der Runde die einzigen Menschen in diesem Land. Du wirst nicht heimkehren, Lee.«
Die letzten Worte stößt er heiser hervor.
Lee Cumberland schluckt hart, denn er weiß plötzlich, dass er den einstigen Freund nicht mehr von dieser Idee abbringen kann. Lee Cumberland hat hier wohl das Ende aller Wege erreicht. Er gibt sich keinen Hoffnungen mehr hin, weiß er doch, wie gut Nathan Britt mit dem Colt umgehen kann.
»Du bist trotzdem ein Narr«, stößt er hervor. »Vielleicht kannst du Maureen auf diese Art bekommen, vielleicht! Aber diese Sache hier wird dein ganzes Leben lang an dir fressen. Du wirst die Hölle in dir spüren. Du könntest nie mehr im Leben auf etwas stolz sein. Nathan, du bist dann nur noch äußerlich ein großer und stolzer Mann. Innerlich bist du ein Hundesohn! Eine Frau fühlt und spürt das eines Tages. Irgendwann wirst du dann wieder Dinge tun, die nur ein Hundesohn tun kann. Dann wird Maureen dich richtig sehen. Und sie wird dich verachten. Dann lebst du erst richtig in der Hölle! Überleg es dir!«
»Ich habe es mir lange genug überlegt!«
»Dann schieß doch, du Bastard!«
Lee Cumberland verlegt sein Gewicht nach vorn. Es sieht so aus, als wollte er sich auf Nathan Britt stürzen.
»Halt!«, ruft dieser. »Ich will dir noch eine letzte Gunst erweisen! Ich will herausfinden, ob das Schicksal mir ein Zeichen gibt! Setz dich hin, Lee, so wie ich. Und dann wollen wir sehen, wer die höchste Karte zieht.«
»Was soll das, Nathan?«
Doch der löwenmähnige Riese gibt vorerst keine Antwort. Er holt mit der Linken ein abgegriffenes Kartenspiel hervor und wirft es Lee vor die Füße.
»Du kannst selbst mischen, Lee! Und dann werden wir jeder eine Karte ziehen. Die höchste Karte gewinnt!«
»Und wenn ich die höchste Karte ziehe?«
»Das wirst du nicht! Ich bin sicher, dass das Schicksal mir ein Zeichen gibt. Wenn ich die Karte ziehe, werde ich auf dich schießen. Aber gut: Wenn du mich schlagen kannst, so will ich mich diesem Zeichen beugen. Dann reiten wir getrennt nach Hause. Du hast mir im Krieg zweimal das Leben gerettet, Lee, deshalb muss ich dir diese Chance geben. Deshalb konnte ich dich nicht im Schlaf erschießen. Ich gebe dir noch diese Chance. Wir spielen um dein Leben. Gewinne ich, so wird Maureen bald mir gehören. Verliere ich, so reiten wir als Feinde heim. Das ist die Gunst, die ich dir gewähre! Los, misch die Karten!«
»Du Narr, du hirnverbrannter und verrückter Narr! Du willst mich hier abschießen und suchst nach Zeichen, die deinen Plan gutheißen! Du hast schon selbst erkannt, dass dich die Sache in die Hölle bringt, und willst dich damit betäuben, indem du mit mir um mein Leben spielst. Du bist zu feige, einen Menschen zu töten, der wehrlos ist. Du hast Angst vor der Hölle!«
»Wir spielen um mein Glück mit Maureen und um dein Leben«, knurrt Nathan Britt. »Misch endlich die Karten! Was willst du noch? Ich gebe dir doch eine Chance. Und weil das so ist, werde ich später in den Spiegel sehen können, ohne mich anzuspucken! Ich gebe dir eine Chance und setze Maureen aufs Spiel! Los!«
Lee Cumberland nimmt langsam die Karten, nachdem er sich hingehockt hat. Er beginnt langsam zu mischen und sieht Nathan Britt dabei an.
»Wenn ich gewinne, wirst du mich dennoch töten«, murmelt er heiser, und er macht mit den mischenden Händen eine schnelle Bewegung. Die Karten fliegen wie wirbelnde Blätter in Britts Gesicht.
Lee wirft sich vor.
Aber obwohl Nathan Britts Sicht einen Moment durch die vielen Spielkarten versperrt wird, reißt er den Colt des einstigen Freundes hoch und schießt mehrmals, bis der schwere Körper Lee Cumberlands, noch vom Schwung des Ansturms getragen, auf ihn fällt.
Nathan Britt stößt den leblosen Körper von sich und erhebt sich keuchend. Er lässt die Waffe fallen und krächzt: »Er hat mich angegriffen! Ah, er hat mich angegriffen! Ich musste ja schießen! Er hat seine Chance gar nicht gewollt! Er hat mich angegriffen!«
Er wischt sich über das schwitzende Gesicht und starrt einen Moment auf den Mann zu seinen Füßen. Er sieht das Blut in Lees Haar und sieht den dunklen Fleck in dessen Schulter, wo die andere Kugel ausgetreten ist. Lee Cumberland liegt auf dem Gesicht.
»Er hat mich angegriffen«, krächzt Nathan Britt noch einmal. »Vielleicht hätte ich sonst überhaupt nicht geschossen. Vielleicht hätte ich es sonst gar nicht fertiggebracht, auf ihn zu schießen, obwohl ich es wollte. Jetzt ist alles vorbei!«
Er rafft schnell seine Habseligkeiten zusammen, schnürt sein Bündel und sattelt sein Pferd. Nur noch einmal wirft er einen scheuen Blick auf den leblosen Mann.
Wie von bösen Geistern gejagt, reitet er davon.
Bald verklingen seine Hufschläge.
Und die Sonne steigt langsam empor. Die Vögel zwitschern in den Bäumen, der River plätschert. Das Pferd reißt sich von der Leine los und geht zum Wasser.
Lee Cumberland aber rührt sich nicht.
☆
Das Blockhaus steht in einer tiefen Falte des Canyons. In einem Corral bewegen sich zwei Esel und ein Pferd. Ein Bach kommt aus einer Felsspalte.
Alles ist ruhig und friedlich.
Der Sommer geht zu Ende. Das Laub an den Bäumen färbt sich bereits zu den schönsten Farben des Jahres.
Sam Hunter hat nach vielen Jahren erfolgloser Suche endlich einmal Glück gehabt. Er hat zwar keine Goldader gefunden, aber aus dem Kies des Baches, dort, wo der Kies fast so fein wie Sand ist, hat er für rund zweitausend Dollar Gold herauswaschen können.
Er verlässt seine Hütte und bleibt in der Abendsonne stehen.
Drüben sieht er den Fremden am Bach sitzen und fragt sich jetzt noch, nach vier Monaten, wie es möglich war, dass dieser Mann am Leben blieb.
Er geht hinüber und setzt sich neben den mageren Mann auf einen Stein. Er betrachtet ihn prüfend und nickt dann zufrieden.
»Nun gut, Lee«, murmelt er, »du bist über den Berg. Seit zwei Wochen nimmst du jeden Tag ein Pfund an Gewicht zu. Es wird nicht lange dauern, und du bist wieder der Mann, der du vorher gewesen warst. Du bist schon ein harter Bursche, mein Sohn. Du bist jetzt wieder kräftig genug, um reiten zu können. Ich selbst bin hier fertig. Wir können morgen nach Fort Worth aufbrechen. Ich habe hier genug Gold gefunden, um mir endlich den Mietstall in Fort Worth kaufen zu können. Bald werde ich vor diesem Stall in der Sonne sitzen und nur manchmal meinem Stallburschen helfen, wenn zu viel Betrieb ist. Ich werde jeden Tag drei Zigarren rauchen und sonntags in die Kirche gehen. Ich habe einen ziemlich sicheren Lebensabend vor mir. Und auch du wirst eines Tages wieder …«
Am nächsten Tag brechen sie auf.
Eine volle Woche später, es ist schon Nacht, erreichen sie Fort Worth. Sie mieten sich ein Zimmer und schlafen bis zum Mittag des...
| Erscheint lt. Verlag | 3.4.2018 |
|---|---|
| Reihe/Serie | G.F.Unger |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | 2017 • 2018 • Abenteuer-Roman • alfred-bekker • Bestseller • bud-spencer • buffalo-bill • Cassidy • Chaco • clint-eastwood • Country • Cowboy • Deutsch • eBook • E-Book • eBooks • Erwachsene • Exklusiv • für • GF • g f barner • Indianer • jack-slade • Jugend • Karl May • kelter-verlag • Kindle • Klassiker • Krimi • Laredo • larry-lash • Lassiter • lucky-luke • Männer • martin-wachter • pete-hackett • peter-dubina • Reihe • Ringo • Roman-Heft • Serie • sonder-edition • Western • Western-roman • Westernromane • Wilder-Westen • Winnetou • Wyatt-Earp |
| ISBN-10 | 3-7325-6260-3 / 3732562603 |
| ISBN-13 | 978-3-7325-6260-2 / 9783732562602 |
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