G. F. Unger Western-Bestseller 2350 (eBook)
Bastei Entertainment (Verlag)
978-3-7325-6249-7 (ISBN)
Weil ich meine Braut Linda, die von Kiowas entführt worden war, nicht im Stich lassen wollte, hatte mich die Armee in der Falle. So war ich gezwungen, viele Kiowas zu töten, obwohl sie doch nur um ihre Freiheit kämpften ...
Wir lagen an diesem Nachmittag – es war ja ein sehr warmer Frühlingstag – unter Bäumen, welche das erste Grün erkennen ließen. Es war windstill, und die Sonne wärmte und ließ den Frühling mehr als nur ahnen.
Ich sagte: »Du weißt, Linda, ich bin nur Offizier auf Kriegszeit. Wenn der Krieg vorbei ist, werden sie die Armee reorganisieren und mich wieder auf den Dienstgrad zurückstufen, den ich vor dem Krieg hatte. Dann bin ich wieder Sergeant. Aber meine Verpflichtung läuft keine zwei Jahre mehr. Dann verlängere ich nicht mehr und werde wieder Zivilist. Willst du auf mich warten und mich heiraten?«
»Warum nicht jetzt, Joshua?«, fragte sie und wirkte dabei irgendwie herausfordernd, so als wollte sie mich fragen: »Hast du Angst?«
Und die hatte ich.
Denn der Krieg war noch nicht aus.
Ich wollte sie nicht in die Gefahr bringen, eine junge Witwe zu werden. Das sagte ich ihr.
Und da erwiderte sie nur: »Na gut, Mister Joshua Keel – oder Lieutenant. Ich werde auf dich warten. Schreib mir in zwei Jahren, wohin ich kommen soll. Schreib mir postlagernd nach Kansas City. Denn ich weiß nicht, wo ich nach dem Krieg wohnen werde. Also, Josh! Und jetzt liebe mich, damit ich zwei Jahre davon zehren kann. Denn zwei Jahre sind eine verdammt lange Zeit.«
So war das also damals, lieber Leser meiner Geschichte.
Und dann vergingen diese beiden Jahre, die ich noch zu dienen hatte.
☆☆☆
Auch Colonel John Warwick war nach dem Krieg zurückgestuft worden. Er war nun wieder Major, aber wir alle nannten ihn immer noch Colonel.
Nur mich nannten sie nicht mehr Lieutenant, sondern Master Sergeant.
Und als solcher trat ich in der Kommandantur in das Arbeitszimmer von Major Warwick, der wie ein zerzauster Falke hinter seinem Schreibtisch hockte.
Ich salutierte und grinste ihn dabei an.
Er verzog das Gesicht und knurrte dann: »Sersch, ich bin bevollmächtigt, Sie sofort zum First Lieutenant zu ernennen, wenn Sie sich neu verpflichten. Wollen Sie als Offizier der glorreichen Armee weiterdienen?«
»Nein, Sir«, erwiderte ich knapp.
Er zuckte unmerklich zusammen. Nur innerlich, gewissermaßen. Aber ich sah es ihm an. Und er wirkte plötzlich sehr beleidigt und verbittert.
Dann fragte er: »Was haben Sie gegen die Armee und einen Offiziersrang, den Sie schon mal hatten? Aufgrund meiner guten Beurteilung und Empfehlung in Ihrer Führungsrolle macht die Armee Ihnen dieses großzügige Angebot. Was also hält Sie davon ab, es anzunehmen?«
»Sir, ich war kaum mehr als ein Junge, als mich ein Werbeoffizier der Armee betrunken machte. Und als ich wieder nüchtern war, da gehörte ich der Armee. Ich hatte eine Verpflichtung unterschrieben und Handgeld erhalten. Und ich war Rekrut geworden. Siebzehn war ich damals. Ein Offizier der Armee hatte mich reingelegt wie so viele andere Burschen vor und nach mir. Aber ich habe meinen Vertrag dennoch erfüllt, auch als der Krieg ausbrach. Ich habe mein Wort gehalten bis zuletzt. Jetzt ist endlich Schluss, Sir.«
Ich machte eine Pause und fragte dann: »Sir, kann ich meine Entlassungspapiere haben? Und die Anweisung an den Zahlmeister für das Entlassungsgeld für treue Dienste? Ich habe es eilig. Denn meine Verlobte wird mit der nächsten Postkutsche kommen. Wir wollen dann weiter nach Santa Fe. Ich möchte sie in Zivil in meine Arme nehmen, damit sie gleich erkennen kann, dass ich einen neuen Lebensabschnitt begonnen habe.«
Nun hatte ich alles gesagt. Er sah es mir nicht nur an, sondern spürte es.
»Ich hätte nie geglaubt, dass Sie die Armee hassen, Sersch«, murmelte er.
»Nicht hassen, Sir«, erwiderte ich, »nein, nicht hassen.«
»Aber?« Er fragte es hart.
»Die Armee kann erbarmungslos sein zu sich selbst, nicht nur gegen ihre Gegner. Man ist ihr ausgeliefert, ist nicht frei. Ich will frei sein.«
Er nickte.
Dann schob er einige Papiere über den Schreibtisch.
»Unterschreiben Sie, Sersch«, murmelte er resignierend. »Trotz Ihrer Einstellung, die Sie mich jetzt erst erkennen ließen, waren Sie ein erstklassiger Soldat. Viel Glück als Zivilist.«
Wir wechselten keine Worte mehr.
Ich ging dann aus seinem Raum ins Vorzimmer, wo der Adjutant und die beiden Schreiber ihre Schreibtische hatten.
Einige Offiziere waren hier versammelt, offenbar wurden sie zu einer Besprechung bestellt wie so oft.
Captain Phil Keeney fragte: »Nun, Sersch, sind Sie jetzt Zivilist?«
Ich sah ihn an und nickte. Er war meiner Meinung nach ein verdammter Mistkerl, ein Schinder und ein eitles Arschloch.
Ich wandte mich zur Tür. Denn ich wollte zum Zahlmeister. Dieser würde mir einen sogenannten »Laufzettel« geben, mit dem ich mich überall abmelden musste, angefangen von der Kleiderkammer, wo ich meine Uniform abgeben musste, bis zur Ausrüstungskammer, zum Stallsergeant und so weiter und so weiter. Zuletzt musste ich mit dem abgehakten Laufzettel dann wieder zum Zahlmeister, der mir endlich das Entlassungsgeld auszahlen würde.
Als ich schon bei der Tür war, da klirrte die Stimme von Captain Keeney hinter mir her: »Zum Teufel, Sersch, nehmen Sie Haltung an, und antworten Sie mir auf meine Frage!«
Ich wandte mich ihm zu.
Dann sprach ich langsam Wort für Wort: »Captain, ich bin seit einigen Minuten Zivilist. Sie können mir keine Befehle mehr geben. Sie können mich mal kreuzweise, verstehen Sie? Es ist vorbei, dass ich Sie ertragen muss.«
Nach diesen Worten verschwand ich, und ich ließ eine lähmende Stille zurück.
Als ich aus der Kommandantur trat, sah ich eine heimkehrende Doppelpatrouille durch das offene Haupttor kommen.
Aber sie kam nicht allein.
Ein halbes Dutzend Reiter unter Captain Ernest Benteen führte einen traurigen Zug an. Es waren ein halbes Hundert Kiowas, doch nur Frauen und Kinder – keine Krieger.
Dieser sich mühsam dahinschleppende Zug wurde flankiert von Kavalleristen, und zum Schluss ritt der Rest der Doppelpatrouille unter Sergeant Hiob Kane. Auch die beiden Zivilscouts, Chester und Blue Pete, gehörten zu dieser starken Doppelpatrouille.
So kamen sie also mit ihren Gefangenen durch das Haupttor auf den Paradeplatz gezogen und hielten an.
Hinter mir traten der Colonel und die Offiziere aus der Kommandantur. Ich wich zur Seite, denn ich wollte nichts mehr mit ihnen zu tun haben. Einer von ihnen sagte mit einem triumphierenden Ton in der Stimme: »Jetzt haben wir ihn, diesen verdammten Hurensohn, ja, jetzt haben wir ihn! Denn Benteen nahm all seine Frauen und Kinder gefangen – zumindest einen großen Teil von ihnen. Jetzt muss er aufgeben und sich unterwerfen. Wir haben ihn!«
Die anderen Offiziere ließen Zustimmung hören.
Ich aber dachte: Diese Narren! Sie kennen Red Joseph immer noch nicht. So bekommen sie ihn und seine Krieger nie – nein, niemals auf diese Weise. Oha, wie dumm ist diese Armee doch.
Ich verließ die Veranda der Kommandantur.
Denn was ging mich das alles noch an? Ich war kein Soldat mehr. Und so strebte ich meinem Quartier zu.
Da ich der ranghöchste Sergeant im Fort war, hatte ich eine Kammer für mich wie die unverheirateten Lieutenants.
Ich entledigte mich meiner Uniform und zog mir das nagelneue Zivilzeug an, welches ich von einem der fahrenden Händler gekauft hatte, die immer wieder zu unserem Fort kamen. Es hieß Fort Eagle.
Ich war noch nicht ganz angezogen und hatte kaum Zeit gehabt, das neue Gefühl auszukosten, nun kein Soldat mehr zu sein, als Bill Chester, der alte Scout, hereinkam. Er war so etwas wie mein väterlicher Freund gewesen während der vergangenen zwei Jahre. Ich hatte eine Menge von ihm über die Kiowas gelernt.
Er setzte sich auf mein Bett und stieß einen seufzend klingenden Fluch aus, welcher bittere Resignation erkennen ließ.
Dann sprach er: »Das gibt Ärger, Josh.«
»Sicher«, erwiderte ich und warf mir den neuen Waffengurt um die Hüften, nahm dann meinen Colt, den ich im Krieg erbeutet hatte, und überprüfte die Ladung in der Trommel und die Zündhütchen auf den sechs Pistons.
Es war eine erstklassige Waffe. Sie hatte einem Südstaatenmajor gehört und war von einem wirklich erstklassigen Künstler gefertigt worden.
»Aber das alles geht mich nichts mehr an, Bill«, sprach ich weiter.
Er nickte und fragte: »Hast du Tabak und Blättchen? Mir ging das Rauchzeug aus unterwegs. Wir haben das Dorf überfallen und zwei Dutzend alte und sehr junge Krieger niedergemacht. Die Hälfte der Frauen und Kinder konnte entkommen. Den Rest brachten wir her. Und nun glaubt die Armee, dass Red Joseph sich ergeben wird. He, Josh, glaubst du das auch?«
Ich warf ihm meinen Tabaksbeutel zu.
»Nein, das glaube ich nicht«, beantwortete ich seine Frage. »Aber das ist mir verdammt egal. Ich warte nur noch auf Linda. Sie wird mit der Postkutsche kommen von Kansas City her. Ich steige zu ihr, und dann geht’s weiter.«
Ich sagte es triumphierend und begann dann meine sämtlichen Uniformteile und die sonstige Ausrüstung in eine große Zeltplane zu packen. Dort musste jedes Teil auf den Strichlisten abgehakt werden.
Aber Bill Chester sagte vorwurfsvoll: »Hast du so wenig von mir gelernt, Joshua? Habe ich dir so wenig beigebracht auf den vielen Patrouillen, die wir gemeinsam ritten im Kiowaland? Kennst du Red Joseph so wenig?«
Es waren drei enttäuscht klingende Fragen.
Und dann stellte er die vierte Frage hart: »Was wird er tun?«
Er meinte Red Joseph, da gab...
| Erscheint lt. Verlag | 13.3.2018 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Western-Bestseller |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | 2017 • 2018 • Abenteuer-Roman • alfred-bekker • Bestseller • bud-spencer • buffalo-bill • Cassidy • Chaco • clint-eastwood • Country • Cowboy • Deutsch • eBook • E-Book • eBooks • Erwachsene • Exklusiv • für • GF • g f barner • Indianer • jack-slade • Jugend • Karl May • kelter-verlag • Kindle • Klassiker • Krimi • Laredo • larry-lash • Lassiter • lucky-luke • Männer • martin-wachter • pete-hackett • peter-dubina • Reihe • Ringo • Roman-Heft • Serie • sonder-edition • Western • Western-roman • Westernromane • Wilder Westen • Wilder-Westen • Winnetou • Wyatt Earp • Wyatt-Earp |
| ISBN-10 | 3-7325-6249-2 / 3732562492 |
| ISBN-13 | 978-3-7325-6249-7 / 9783732562497 |
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