Perry Rhodan Neo 172: Der gelbe Tod (eBook)
160 Seiten
PERRY RHODAN digital (Verlag)
978-3-8453-4872-8 (ISBN)
2.
Ruhe vor dem Sturm
»Haaaaaaaalt!«, schrie jemand dazwischen, genau in dem Moment, als Leutnant Christophe Lente den Befehl befolgen wollte. »Nicht funken, stoppstoppstopp!« Lentes Finger verhielt gerade noch über der Eingabe. Verwirrt blickte er zu Rhodan.
Conrad Deringhouse, der neben Rhodan stand, runzelte die Stirn. »Was soll das heißen?«
Perry Rhodan hatte soeben die Kapitulation angeordnet. Gucky hatte ihm widersprochen, doch er sah keinen anderen Ausweg, um die Besatzung zu schützen, und hatte auf dem Befehl bestanden.
Kein Wunder, sie waren von mehr als tausend Diskusraumern der »Blues«, wie die Terraner die fremdartigen Azaraq spontan getauft hatten, umgeben – und es war kein freundschaftliches Treffen. Der Beschuss erfolgte aus allen Rohren, um den Libraschirm zu überlasten und anschließend auf Rammkurs zu gehen. Die Blues waren an sich, abgesehen von dem Molkexüberzug ihrer Schiffe, waffentechnisch unterlegen – aber sie hatten eine raffinierte Raumschlachtstrategie entwickelt. Nicht nur, dass sie sich auf die Manöver der MAGELLAN perfekt eingestellt hatten und ständig durch Gegenbewegungen einen Durchbruch des gigantischen Kugelraumers verhinderten – gleichzeitig prasselten ununterbrochen Energiestrahlen auf den Libraschirm ein, und zwar mit Punktbeschuss. Es war nur eine Frage der Zeit, bis sie durchbrachen. Gemessen an der gewaltigen Übermacht musste die MAGELLAN wohl oder übel die Waffen strecken.
Und nun wurde gebremst? Gewiss, als Kommandant hätte ohnehin eigentlich Deringhouse die Order zur Kapitulation geben müssen. Aber seit wann nahm irgendein Besatzungsmitglied die Befehlskette in einer überaus kritischen Situation wie dieser bürokratisch, sofern die Anweisung vom Expeditionsleiter kam?
»Weil, Sir ... sehen Sie!«
Im Holodom wurde das Bild der um die MAGELLAN herumschwirrenden gatasischen Diskusraumer angezeigt – hell unterlegt, da der pechschwarze, lichtschluckende Molkexüberzug eine Sichtung an sich unmöglich machte. Doch die Energieemissionen ermöglichten die Ortung und Positionierung und damit auch eine visuelle Markierung.
»Ich sehe es! Da soll doch ...« Der Mausbiber vollendete den Satz nicht, sondern deutete aufgeregt an den rechten Rand des gezeigten Ausschnitts.
Dort tauchten plötzlich weitere als Lichtpunkte gekennzeichnete Energieemissionen auf. Die schnell heranrückten. Und immer mehr wurden.
»Ja, wir sehen richtig!«, rief auch Lente nun aufgeregt. »Sir, ich fange Funkfetzen zwischen den neuen Schiffen und unseren Angreifern auf ... der Translator tut sich schwer, aber wir können etwas für uns herausfiltern: Das ist definitiv keine Unterstützung für Tharvis Kerrek!«
»Nicht?«, sagte Perry Rhodan überrascht. »Aber was dann?«
»Merkst du es nicht, Perry?«, flüsterte Gucky.
»Was ...« Er lauschte unwillkürlich, sah um sich. »Da ist nichts.«
»Genau«, bestätigte der Ilt. »Der Beschuss hat aufgehört ...«
Wenige Minuten zuvor auf der KOLKAAR
»Jetzt haben wir sie!«, rief der Kommandant der KOLKAAR. Guddoor Kell wanderte, wie es seine Art war, in der Zentrale umher. So konnte er seine Leute beobachten, damit sie keinen Fehler machten, und alle Bildschirme in den Blicken behalten. Ein riesiger Holoschirm beherrschte eine der Wände – wie ein Fenster, das großformatig den Kugelraumer der Fremden zeigte, die MAGELLAN, umgeben von einer unüberschaubaren Menge an Diskusraumern der Gataserflotte. Letztere wurden durch eine spezielle Markierung sichtbar gemacht.
Die KOLKAAR gehörte zu dem Verband, der den Punktbeschuss auf die pelzlosen Zweiaugen eröffnet hatte. Kell ging dabei jedes Risiko ein und rückte dem großen Raumer immer näher.
Seine Zentralemannschaft wunderte sich offensichtlich nicht darüber. Azaraq waren gnadenlos im Krieg. Das eigene Leben zählte nichts. Man arbeitete synchron wie eine einzige Hand.
Vielleicht hätte Kell nicht ganz so riskant gehandelt, wenn er gesund gewesen wäre. Aber das würde er nie mehr herausfinden. Und es spielte auch keine Rolle.
Sein Kampfschiff und damit die Familien seiner Mannschaft würden Ruhm und Ehre ernten, wenn es ihm gelang, den Kugelraumer aufzubringen.
»Es muss uns gelingen!«, schärfte er der Mannschaft ein.
Die befolgte den Befehl begeistert, Ruhm und Ehre waren Ansporn genug.
Die KOLKAAR war ein 800-Meter-Schlachtschiff bei einer Höhe von 320 Metern. Genau wie die übrigen Diskusraumer des Verbands war sie nachtschwarz, ohne jegliche Rückstrahlung. Das Wichtigste dabei war jedoch nicht der »Unsichtbarkeitseffekt« des mühevoll aufgetragenen Materials, sondern die Panzerungswirkung. Es war unmöglich, mit Energiewaffen angegriffen zu werden – auftreffende Energiestrahlen wurden sofort in den Hyperraum abgestrahlt.
Diese Erfahrung hatten die Haarlosen längst gemacht. Leider verfügten sie trotzdem über eine geheimnisvolle Waffe mit gewaltiger, durchschlagender Kraft, die sie in ihrem Funkverkehr »Transformkanone« nannten. Sie konnten damit sogar ein Superschlachtschiff zerstören.
Aber: Hatten sie genug Energie und kurz gehaltene Aufladezeiten, um gegen tausend Schiffe gleichzeitig zu bestehen?
Sicher nicht, dachte Kell höhnisch. Und deswegen werde ich euch auch kriegen. Der Ehrgeiz brannte in ihm, je mehr er fühlte, wie seine Kräfte schwanden. Trotz der kühlen Innentemperatur spürte er, wie seine Körpertemperatur zwar langsam, aber stetig stieg. Bald würde das Fieber ausbrechen. Wahrscheinlich zeigten sich schon mehr gelbe Male an seinem Körper, doch hoffentlich waren sie nicht für die anderen sichtbar.
Bei jedem verlief der gelbe Tod anders. Manche starben schon nach wenigen Stunden, andere erst nach qualvollen Tagen. Kell wusste, dass er sein Ende durch den Hormonausstoß angesichts der Schlacht beschleunigte. Deshalb hatte er vor dem Aufbruch vorsorglich jede Menge Aufputsch- und Schmerzpflaster aufgetragen, die alle dreißig Minuten eine Dosis injizierten. Das diente der Verzögerung der Krankheitssymptome und verhinderte eine Schwächung, denn schließlich ging es um seine Position. Sein Stellvertreter wartete nur darauf, dass Kells feiner Pelz verblasste. Sah ihn nun schon als viel zu alt an, um noch im aktiven Dienst zu sein. Besser wäre es doch für einen Plusdreißiger, in der Admiralität zu dienen oder als Ausbilder. Um in Ehren zu verbleichen, bis aus dem satten Dunkelblau ein schwaches Hellblau geworden war.
Pah! Da wurde Kell doch lieber gelb.
»Positionen zehn bis fünfzehn vorbereiten!«, ordnete der Kommandant an, der trotz seiner Gedanken konstant bei der Sache blieb und alles in den Blickfeldern, vorn wie hinten, behielt.
Auf der Ober- und auf der Unterseite des Diskuskörpers befand sich je ein Geschützring, in Schächte segmentiert, die jeweils bei Aktivierung aufgefahren wurden. Sobald eine Batterie abgeschossen war, trat während des Energienachladevorgangs die nächste Abteilung in Aktion. Desintegrator- und Thermostrahlgeschütze, die über die hochschwenkenden Schächte ein- und ausgefahren wurden.
Selbst wenn sie volle Breitseite gäbe, könnte die KOLKAAR allein den Schutzschirm der MAGELLAN niemals durchdringen. Aber sie waren viele, sehr viele. Und sie setzten in klarer Aufstellung mit Koordination des Flaggschiffs ihre Batterien einzeln zum kombinierten Punktbeschuss ein. Damit war Dauerfeuer garantiert, ohne dass es durch Permanentbeanspruchung eines Schiffs zum explosiven Rückschlag durch Überladung oder eine nicht minder fatale spontane Entleerung der eigenen Geschütze kam. Überreaktionen konnten im Eifer des Gefechts trotzdem schon mal vorkommen. Azaraq waren sehr temperamentvolle Wesen, die kaum je verziehen, die lieber ihre Köpfe zusammenprallen ließen, als einen Streit mit Worten beizulegen. Sie gaben gern alles, zu jedem Zeitpunkt, privat und am liebsten in der Schlacht.
»Näher heran!«, befahl Kell. »Wir brechen jeden Moment durch, dann geben wir eine volle Breitseite mit den Torpedos. Diesem Massehammer können sie auf die Entfernung nicht entkommen, und wir verlieren außerdem keine Zeit durch Beschleunigung. Ein Schlag, und sie sind fertig.«
»Wir wahrscheinlich auch«, warnte der Waffenoffizier. »Zu nah dran.«
»Problem damit?«
»Nicht das geringste. Fürs Protokoll, ich bin dazu verpflichtet, auf mögliche Risiken und Gefahren hinzuweisen.« Der Offizier zögerte kurz, dann fügte er hinzu: »Und ich würde gern den Gesang der donnernden Speere anstimmen.«
»Erlaubnis erteilt! Sie übernehmen den Part des Vorsingers.«
Erfreut senkte und hob der Waffenmeister den Kopf, präsentierte den am unteren Hals sitzenden Mund und gab den Ton vor.
Kell konnte sich auf seine Leute verlassen. Sie waren alle erfahrene Raumsoldaten. Seit fünf Jahren hatten sie sich hervorragend bewährt und jede Schlacht überlebt. Dass es nicht auf Dauer so weitergehen würde, war allen bewusst. Man redete ohnehin schon über sie. Einerseits klang das ehrfürchtig, aber auch Neid und sogar Misstrauen schwangen hier und da in den Lobestönen mit. Ging denn alles mit rechten Dingen zu? Sie waren Veteranen mit einem schon unheimlichen Glück – die blaue Kreatur des Kampfes musste es ganz besonders gut mit ihnen meinen
Kells Mannschaft konnte in jedem Fall nachvollziehen, dass der Kommandant diesmal aufs Ganze gehen würde. Egal wie es ausging – dieser Kampf würde die Legende vollenden, Ruhm und Ehre einbringen und einen angesehenen Namen für ihre Nester.
Niemand hatte nachgefragt, was genau die Haarlosen...
| Erscheint lt. Verlag | 19.4.2018 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Perry Rhodan Neo |
| Verlagsort | Rastatt |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Fantasy / Science Fiction ► Science Fiction |
| Schlagworte | Neo • Perry Rhodan • Perryversum • Science Fiction |
| ISBN-10 | 3-8453-4872-0 / 3845348720 |
| ISBN-13 | 978-3-8453-4872-8 / 9783845348728 |
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