Perry Rhodan Neo 175: Der Moloch (eBook)
160 Seiten
PERRY RHODAN digital (Verlag)
978-3-8453-4875-9 (ISBN)
3.
Perry Rhodan
Das Schwarze Ei
Die MAGELLAN fiel aus dem Hyperraum.
Perry Rhodan wusste, dass die Rematerialisation keineswegs in Nullzeit ablief. Zwar betrug die Zeitspanne lediglich einige Femtosekunden, aber diesmal schien es deutlich länger zu dauern. Die ersten Wahrnehmungssequenzen tropften in sein Gehirn. Genau so fühlte es sich zumindest an. Rhodan hatte Mühe, den Blick zu scharf zu stellen. Die ganze Umgebung war verschwommen, verwaschen, und ein seltsames Ruckeln des Blickfelds störte den Gleichgewichtssinn.
Rhodan lehnte sich zurück, schloss kurz die Augen und atmete tief durch. Langsam bildete sich die gewohnte Kulisse aus Bildern und Geräuschen, die typisch für die Zentrale des Riesenschiffs war. Über allem lag der Holodom und zeigte den umgebenden Weltraum.
Das ist Droo Karuuhm?, schoss es Rhodan durch den Kopf.
»Kreellpartikeldichte stark erhöht«, sagte Mischa Petuchow laut. »Das ist beinahe wie in der Ödnis ... über Modul.«
Die Erinnerung an Andromeda war frisch. Aber in der Milchstraße auf dieses Phänomen zu stoßen, war etwas völlig anderes. Die Gefahr der aus dem Creaversum in den Normalraum diffundierenden Fremdmaterie kannte mittlerweile jeder an Bord. Trotzdem: Die Eastside der Milchstraße war so etwas wie die Nachbarschaft der Erde.
Wie sich der Maßstab verschiebt, nachdem man eine andere Galaxis erreicht hat, dachte Rhodan. Die Nachbarschaft vergrößert sich schlagartig – und die Probleme der Nachbarschaft kauft man gleich mit.
»Die Fremdmaterie stürzt in einer Spirale ins System hinein«, sagte Petuchow.
»Sieht der Stern deshalb so merkwürdig aus?«, wollte Reginald Bull wissen. »Erinnert ein bisschen an die Wega ... nur in Rot«
»Der Zentralstern ist ein Roter Riese«, antwortete der Ortungsoffizier. »Spektralklasse M5, ein Vergleich wäre Antares, also ein riesiger Brocken.«
»Sieht aus wie ... ein Ei«, schob Bull nach. »Rotiert das rote Monstrum derart schnell?«
»Nein«, sagte Petuchow leise und gedehnt. »Das liegt nicht an der Rotation. Die Deformation ist anders, so als ziehe etwas den Stern in die Länge. Sie folgt diesem Schwerkrafteinfluss offenbar. Das ist ... Das ist ein Planet.« Er räusperte sich. »Und was für einer. Anzeige!«
Ein Teil des Holodoms vergrößerte einen bestimmten Ausschnitt. Bull riss die Augen auf. Rhodan selbst konnte kaum glauben, was sich ihm da offenbarte.
»Madre Dios ... was für ein Brocken«, kommentierte Renaya Dalva de Vasconcelos. »Ein Moloch.«
Jepprafomm sah aus, als habe ihn die schwarze Kreatur des Todes zu einem persönlichen Gespräch eingeladen. Rhodan bemerkte, wie die Seitenzähne des Azaraq sich rhythmisch bewegten.
»Droo Karuuhm«, flüsterte der Blue fasziniert. »Das Schwarze Ei ...«
»Nennen wir die Sonne Ovi«, schlug Petuchow vor. »Der lateinische Lokativ. Würde gut zur Bezeichnung auf Aza passen.«
Bull musterte Petuchow mit schrägem Grinsen. »Lassen wir ein wenig unsere klassische Bildung raushängen, Petuchow?«
Der Ortungsoffizier schmunzelte lausbübisch. »Bevor Doktor Leyden mit seinen Vorschlägen kommt ... Er ist nach wie vor auf der Suche nach einem Mond, den er nach sich benennen kann.«
»Der Planet wäre ihm sicher ebenfalls recht gewesen«, kicherte Gucky, der seinen Platz in der Mutantenlounge verlassen hatte. »Das Monstrum wäre ganz nach seinem Geschmack ... Seht euch das an!«
Eine riesige Welt schwoll im Hologramm stetig an, ein Gigant von einem Planeten.
»Eine Mischung aus einem Eisriesen und einer Supererde«, kommentierte Petuchow. Er projizierte die Daten in einem Informationshologramm, das sich neben dem extrapolierten Bild des Planeten ständig aktualisierte. »Dieses Monstrum hat den dreizehnfachen Durchmesser der Erde – wenn die Messungen korrekt sind. Diesbezüglich habe ich durchaus Vorbehalte. Die Sensorik der MAGELLAN hat enorme Probleme; das liegt an dieser verdammten Kreelldichte. Aber es sind definitiv mehr als einhundertsiebzigtausend Kilometer. Damit ist Moloch größer als Jupiter, und zwar deutlich.«
Manche Namen drängen sich einfach auf, dachte Rhodan. Moloch. Wenn das nicht passt ...
»Die Atmosphäre besteht bis in eine Tiefe von etwa siebenhundert Kilometern aus Wasserstoff mit relevanten Anteilen von Methan und einigen Edelgasen. Ich habe Anzeigen von Helium, Neon, Xenon und Krypton. Das Methan absorbiert die roten Frequenzbereiche, deshalb die blaue Grundfarbe.«
»Eine Mischung aus Uranus und Neptun – rein farblich gesehen«, stellte Bull fest. »Aber was ist das für ein verrücktes schwarzes, schlieriges Zeug?«
Rhodan betrachtete die Schlieren, die sich beinahe wie Ölspuren auf Wasser durch die Atmosphäre zogen. Sie wirkten unheimlich.
Petuchow holte laut hörbar Atem. »Das ist Molkex, fürchte ich. Keine Ahnung, wie das geht, aber die gravitativen Eigenschaften sind ziemlich deutlich. Sie erzeugen dieses bizarre, fraktale Muster. Sobald man das Bild besser auflöst, sieht man es genauer.«
»Die weißen Federwolken ...?«, fragte Rhodan.
»Kreell«, sagte Petuchow. »Frisch herüberdriftendes Kreell. Die vom Molkex erzeugte Gravitationsmatrix fokussiert die frisch auftauchende Fremdmaterie auf bestimme Bereiche. Wenn Sie wissen wollen, warum das so ist, fragen Sie Doktor Leyden. Ich bin sicher, danach wissen wir alle wenigstens, warum wir nichts davon verstehen.«
»Ha«, machte Bull. »Meine Rede!«
»Haben Sie noch mehr für uns Mister Petuchow?«, fragte Rhodan.
»Hab ich«, antwortete der Ortungsoffizier. »Hier im Querschnitt sehen Sie's.« Das Hologramm des düsterblauen Planetenmonsters riss auf. »Der Kern besteht aus diversem Eis, wahrscheinlich so etwas wie der Kondensationskern. Darüber hat sich über Jahrmillionen eine Schicht Kreell über die nächste gelegt, wurde zu Molkex und komprimiert den Kern weiter. Die Schwerkraft nimmt Ausmaße an, bei denen ich nicht sagen kann, ob das physikalisch überhaupt möglich ist. Was dort im Zentrum entsteht, ist ... exotisch. Eigentlich müsste sich aus einer solchen Massenballung längst ein Schwarzes Loch gebildet haben. Bei einem Planeten sollte das unmöglich sein. Und ...« Petuchow brach ab.
»Ja, Mister Petuchow?«, fragte Rhodan.
Statt einer Antwort projizierte der Ortungsoffizier eine Kurve.
»Reden Sie!«, drängte Bull. »Wir drehen ja schon durch.«
Montoya trat neben Rhodan. »Moloch wächst. Weiter und weiter. Solange in seinem Umfeld Kreell in dieser Menge ins Universum driftet, ändert sich daran nichts. Dieses ... Ding verschlingt alles mit einem geradezu monströsen Appetit.«
Conrad Deringhouse löste sich aus einer Holowolke. Aus der Zeitspanne, die er darin verbracht hatte, schloss Rhodan, dass die MAGELLAN das eine oder andere Kümmernis hatte: Die Schadensmeldungen waren offenbar zahlreich. Alarm hatte das nicht ausgelöst, also bestand keine unmittelbare Gefahr. Wahrscheinlich waren es Marginalien, die nur durch ihre Anzahl zum Problem wurden.
»Conrad, alles klar?«, wollte Rhodan wissen.
Der hagere Admiralleutnant senkte kurz den Kopf. »So weit ja. Viele kleine Ausfälle.« Er deutete auf die Projektion von Sonne und Planet. »Hübsche Burschen. Ich denke, wenn Moloch ein derart seltsames Gravitationsverhalten zeigt, ist das die Ursache für die Verformung der Sonne. Wir sollten bleiben, wo wir sind.«
Die Pilotin hob die Hand. »Ganz meine Meinung.«
»Immerhin ist die Bezeichnung der Blues hierfür kein Rätsel mehr«, äußerte Bull knurrig. »Das mit dem Ei kann man wörtlich nehmen.«
Jepprafomm verdrehte die Linksaugen. »Das ist nicht komisch, Reginald Bull.«
Bull drehte sich zu Jepprafomm um. »War nicht als Scherz gedacht. Wenn ich das richtig verstanden habe, ist dieses Raumgebiet für die Azaraq eine Art Dorado. Was auf diesem Moloch an Molkex vorhanden ist, dürfte jede Vorstellung sprengen.«
Gucky schnalzte mit der Zunge. »Kein Wunder, dass dieses System Schatzsucher und Glücksritter anzieht.«
»Ich weiß nicht«, mischte sich Petuchow ein. »Ovi badet das System förmlich in Strahlung; es ist höllisch da draußen. Ein Eldorado ist das kaum.«
»Dieser Stern ist also nicht nur von seiner Verformung her ein Sonderfall, habe ich das richtig verstanden?«, wollte Rhodan wissen.
Petuchow schob Rhodan und den anderen ein Kommunikationsholo zu, in dem Eric Leyden und Belle McGraw zu sehen waren. Der Hyperphysiker hob den Kopf. Er hatte Rhodans Frage mitbekommen.
»Ovi – wieso fragt eigentlich niemand danach, wie ich diesen Stern genannt hätte? – ist kein roter Standardriese. Aber die Verformung liefert uns einige wichtige Hinweise. Belle?«
Die stämmige Astronomin, Mitglied des berüchtigten Leyden-Teams, schob sich eine widerspenstige, schwarze Haarsträhne aus den Augen. Das war nicht einfach, denn McGraws kurzen Haare sperrten sich. »Dass Moloch mit seiner unglaublichen Masse eine Sonne derart verformen kann, ist an sich eindrucksvoll, aber in diesem Zusammenhang das Unspektakulärste.«
»Unspektakulär?«, murmelte Gucky.
»Hallo, Lausbiber!«, grüßte McGraw den Ilt. »Und ja: unspektakulär. Ich sag dir auch gleich, warum. Erstaunlicherweise ist es nämlich Moloch, der den überwiegenden Teil des auftauchenden Kreells an sich zieht. Nicht Ovi. Das erklärt, warum dieses Monstrum in diesem Ausmaß wachsen konnte. Aber dass ein Planet das Schwerkraftzentrum eines Systems ist, das ist grotesk. Dennoch ist genau das der Fall. Wir haben eine ...«
Leyden drängte McGraw beiseite. »......
| Erscheint lt. Verlag | 31.5.2018 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Perry Rhodan Neo |
| Verlagsort | Rastatt |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Fantasy / Science Fiction ► Science Fiction |
| Schlagworte | Neo • Perry Rhodan • Perryversum • Science Fiction |
| ISBN-10 | 3-8453-4875-5 / 3845348755 |
| ISBN-13 | 978-3-8453-4875-9 / 9783845348759 |
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