Folge 25/26 Chronik der Sternenkrieger Doppelband (eBook)
380 Seiten
Uksak E-Books (Verlag)
978-3-7389-1808-3 (ISBN)
Der Morrhm-Häuptling brachte Sunfrost in den Maschinentrakt. Über seinen Kommunikator nahm er zwischenzeitlich Kontakt mit Poggra und seinem Clan auf. Schließlich hatte er keineswegs die Absicht, an Bord der VONDRASH zurückgelassen zu werden. Die Selbstzerstörungsanlage war schließlich aktiviert.
Unterwegs versuchte Rena über ihren Kommunikator Kontakt zu den sich offenbar nähernden Space Army Corps Einheiten zu bekommen.
Möglicherweise lag eines der Schiffe ja in Reichweite.
Schließlich empfing sie sogar die ID-Kennung der MARIA STUART.
Gott sei Dank, durchfuhr es sie.
Sie meldete sich. Auf dem Mini-Display erschien das von Schlieren durchzogene Gesicht von Captain Brabak Gossan. Ein bekanntes Gesicht nach all der Zeit als Sklavin... Nichts kann besser für die nötige Dosis Euphorie sorgen, die ich wohl brauchen werde, um den Rest auch noch durchzustehen! Gleichgültig, wie dieses ganze Spiel auch immer enden mag...
Sie hatte kaum einen einzigen Satz herausbringen, geschweige denn die MARIA STUART vor der drohenden Explosion warnen können, als die Verbindung bereits wieder abgebrochen war. So sehr sie auch an ihre Gerät herumschaltete, sie ließ sich nicht wiederherstellen.
„Gib es auf, Sklavin“, sagte Atraan schließlich.
Rena glaubte, die non-verbalen Signale, die diese Äußerung begleiteten, inzwischen gut genug interpretieren zu können, um ein gewisses Amüsement erkennen zu können.
Am besten ich mache gar nicht erst den Versuch, die Psyche eines Morrhm verstehen zu wollen, ging es ihr durch den Kopf. Gleichzeitig versuchte sie, ihren Hass zu unterdrücken. Denn sie wusste, dass sie der nicht weiterbringen würde. Es hieß jetzt einen kühlen Kopf zu bewahren. Alles andere führte nur in eine Sackgasse. Du hast keine Chance, also kannst du sie auch nutzen.
Überall an Bord der VONDRASH herrschte das blanke Chaos. Sklaven der unterschiedlichsten Herkunft und Morrhm, die zu den Hangars gelangen wollten, begegneten sich auf den Korridoren. Niemand bewachte noch die Gefangenen. Hier und da versuchten einige der K'aradan-Sklaven, die Gelegenheit auszunutzen und ihre Wut an den offensichtlich auf dem Rückzug befindlichen Morrhm auszulassen. Es war der Mut der Verzweiflung, der sie dazu trieb, denn natürlich hatten sie unbewaffnet nicht den Hauch einer Chance. Immer wieder waren grässliche Schreie zu hören. Und manchen, die von Monoschwertern zerhackt wurden, blieb nicht einmal mehr dazu die Gelegenheit.
Über einen per Kommunikator ausgegebenen Rundspruch erfuhr Atraan – und damit auch Rena –, dass eine Hangarsektion durch Treffer des Gegners vollkommen zerstört war.
Atraan dirigierte daraufhin über Funk seinen Clan zu einer anderen Hangarsektion um.
Als Poggra ihn mit Fragen darüber zu nerven begann, was er denn noch so Dringendes zu erledigen hätte, schaltete er ihre leise, gurgelnde Stimme einfach ab.
Schließlich erreichten sie einen Kontrollraum.
Die Bedienungsmannschaft hatte ihn längst verlassen.
Ganz in der Nähe war eine Explosion zu hören.
Der Boden erzitterte und Rena dachte für einen Moment darüber nach, dass das Chaos im Maschinentrakt wahrscheinlich mit einem deutlich erhöhen Niveau an Radioaktivität einherging. Aber das ist jetzt alles nicht mehr so wichtig... Hauptsache dieses Inferno überleben und dabei nicht diejenigen ins Verderben ziehen, die hier im Kessimu-System gewartet haben, um diesen Marodeuren das Handwerk zu legen...
Atraan aktivierte eine Konsole.
Sie reagierte mit einem Lichtblitz an der Stelle, an der sich eigentlich eine Anzeige hätte öffnen müssen.
Beißender Qualm stieg aus dem Gehäuse auf.
Atraan kümmerte sich nicht weiter darum, sondern ging zur nächsten Konsole und hatte hier mehr Glück. Sie war noch in Betrieb. Er aktivierte die Anzeigen. Ein Teil der Wand verwandelte sich in einen Bildschirm, der sich wiederum in verschiedene Fenster teilte.
Eines dieser Fenster zeigte ein sich näherndes Raumschiff.
Atraan stieß einen Laut aus, der wohl nichts anderes als pure Überraschung signalisierte. Er wandte den Kopf in Renas Richtung. „Ich wusste gar nicht, dass dein Volk ein Anhänger der Hrrangor-Taktik ist“, stellte er fest.
„Ich auch nicht“, bekannte Rena. „Zumal ich keine Ahnung habe, was das sein soll!“
Atraan lachte dröhnend.
„Hrrangor ist ein Held unserer Geschichte. Und zwar aus einer Zeit, als wir angeblich nur auf einer einzigen Welt lebten und nicht mit Raumschiffen, sondern auf gewaltigen Flößen einen Ozean aus purem H20 befuhren. Natürlich glaubt heute niemand mehr diese Geschichten, aber auch wenn sich Mütter diese Geschichten ausgedacht haben mögen, um ihre Kinder zu erschrecken und sie dazu zu bewegen, ihnen zu gehorchen, wird die Taktik eines selbstmörderischen Angriffs, der die eigene Zerstörung miteinkalkuliert, noch heute nach diesem Helden namens Hrrangor benannt.“
„Ging es nicht eigentlich darum, dass du mir zeigen wolltest, wie wir Sklaven uns retten können?“, fragte Rena Sunfrost.
Sie hatte zunächst gezögert, diese Frage zu stellen. Schließlich war ihr durchaus klar, dass ihr Schicksal am seidenen Faden hing und Atraan es sich durchaus auch wieder anders überlegen konnte. Schließlich war sein Interesse an einer Rettung der Sklaven nicht gerade als überragend zu bezeichnen, sondern entsprang vielmehr einer halb boshaften Laune.
Atraan kümmerte sich nicht weiter um Renas Einwand.
Stattdessen schaltete er mit geradezu provozierender Ruhe an den Kontrollen der Konsole herum und veränderte den Darstellungsmodus. Eine schematische Darstellung samt Kursextrapolation des derzeitigen Kurses machte auch Rena auf den ersten Blick klar, dass das sich nähernde Space Army Corps Schiff auf einem Kollisionskurs war. Rena hatte das Schiff längst als Sondereinsatzkreuzer MARIA STUART identifiziert. Auch sie war jetzt durch den Kurs, den das Schiff eingeschlagen hatte, zutiefst irritiert.
Rena war zwar kein gelernter Rudergänger und der neue Mesonenantrieb der SEKs erlaubte ein deutlich erhöhtes Maß an Manövrierfähigkeit – aber dass dieses Schiff dem drohenden Zusammenprall wohl kaum noch ausweichen konnte, lag auf der Hand.
Was soll das? Hat Gossans Crew die Kontrolle über das Schiff verloren?
„Hrrangor forderte die Götter heraus. Der Totengott Troom hatte beschlossen, seine Seele zu nehmen, aber während normalerweise selbst jeder Morrhm-Krieger anerkennt, dass Troom die einzige Macht des Universums repräsentiert, der man sich nicht widersetzen kann, wollte Hrrangor dies nicht akzeptieren. Wenn es schon für ihn selbst keine Rettung geben sollte, dann doch wenigstens für alle, die nach ihm von diesem ständigen Begleiter aller Krieger heimgesucht wurde. Und so fasste er einen Plan.“
Ich für mein Teil wäre schon glücklich darüber, selbst einen Plan zu haben, wie ich Troom entkommen könnte, dachte Rena voller Ungeduld.
Die Ruhe, die der Morrhm-Häuptling an den Tag legte, war für Rena nur noch sehr schwer erträglich. Was will er mit seiner Erzählung bezwecken? Mir vorführen, wie sehr ich – im Gegensatz zu ihm – am Leben hänge? Aber eine so subtile, verfeinerte Form des Sadismus ist bei einem Barbaren wie ihm wohl kaum anzunehmen...
Atraan fuhr fort: „Hrrangor nahm sich vor, Troom zu besiegen. Als der Totengott ihm erschien, fuhr er ihm mit einem Floß entgegen, das bis zum Rand mit primitivem Sprengstoff gefüllt war. Als er Troom erreicht hatte und der Totengott ihn mit seinen finsteren Schattenarmen umfing, ließ er die Ladung hochgehen.“
„Ich nehme an, die Sache war ein Desaster“, versuchte Rena die Erzählung ungeduldig abzuschließen. „Schließlich hat der Tod nichts von seiner Macht eingebüßt.“
„Vollkommen richtig“, stimmte Atraan zu. „Hrrangor hat einfach nicht bedacht, dass man den Tod nicht töten kann...“
„Wie wahr!“
„Aber der Kommandant dieses Sichelschiffes scheint diese Erfahrung erst selbst machen zu wollen, dieser Narr!“
Man kann tatsächlich an einen Kamikaze-Angriff denken, überlegte Rena. Obwohl das nun wirklich nicht zu den taktischen Vorgehensweisen gehört, die man auf der Space Army Corps Akademie beigebracht bekommt!
Auf der Anzeige an der Wand sah Rena jetzt Kolonnen von Zeichen. Rena war noch weit davon entfernt, sie wirklich lesen zu können. Aber das Erstaunliche an diesen Zeichenkolonnen konnte selbst einer Analphabetin nicht entgehen.
Es ist immer dasselbe Zeichen! Wie Datenmüll! Als ob jemand die gesamte Information durch Nullen ersetzt hätte!
„Da scheint auch nicht mehr alles zu funktionieren“, knurrte Atraan. „Aber es wäre wohl ein Wunder, wenn es anders wäre.“ Er deutete auf das Display. „Auf den großen Schirm bekomme ich es jetzt nicht mehr, aber in etwa einer Viertelstunde werden sich mehrere Sauerstoffblasen aus einer...
| Erscheint lt. Verlag | 14.3.2018 |
|---|---|
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Fantasy / Science Fiction ► Science Fiction |
| ISBN-10 | 3-7389-1808-6 / 3738918086 |
| ISBN-13 | 978-3-7389-1808-3 / 9783738918083 |
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Größe: 471 KB
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