Folge 21/22 - Chronik der Sternenkrieger Doppelband (eBook)
380 Seiten
Uksak E-Books (Verlag)
978-3-7389-1779-6 (ISBN)
Ein Roboter, dessen Gestalt an einen stilisierten Pshagir-Körper aus Metall erinnerte, trat Man’ran entgegen. Dessen metallische Außenhaut war wesentlich empfindlicher, als es bei einem Pshagir der Fall war. Die Etnord-Pshagir waren die Elitesoldaten der Neuen Ordnung. Aber für ungefährliche Aufgaben reichte oft das Personal nicht, zumal die Vermehrungsrate der eingeschlechtlichen Pshagir-Körper nicht sonderlich hoch war und sich auch durch genetische Manipulation nicht wesentlich hatte steigern lassen.
Für ungefährliche Aufgaben einen Pshagir anzustellen wäre Verschwendung von Fähigkeiten gewesen. Gewisse Handlangerdienste überließ man daher besser den sensiblen Maschinen.
„Ihr Bastaneem!“, tönte es aus dem Lautsprecher des Roboters. Dabei reichte er Man’ran ein Gerät, das dieser sich an den Waffengürtel hängte. Das Bastaneem ersetzte im tonlosen Vakuum des Weltalls den Sonar-Sinn der Pshagir. Es war in seiner Funktionsweise dem Sonar-Sinn nachempfunden, nur dass es auf Radiowellen-Basis arbeitete und keine Ultraschallwellen brauchte. Ein Chip, den man Man’ran wie jedem Elitesoldaten im Dienst des Herrn der Neuen Ordnung kurz nachdem er von seinem Erzeuger als verpuppte Larve aus dem Maul gewürgt worden war, eingesetzt hatte, konnte die Daten empfangen und leitete sie zeitgleich an das Pshagir-Gehirn und den Etnord-Parasiten weiter. Das Gehirn des Dreiarmigen enthielt zwar längst keine Persönlichkeitsreste seines ursprünglichen Besitzers mehr, aber die Verarbeitung von eingehenden optischen, akustischen oder elektromagnetischen Daten war eine Lernleistung, die ihresgleichen im Universum suchte. Innerlich verneigten sich viele Etnord davor.
Man’ran betrat die Schleusenkammer. Hinter ihm schloss sich die Tür. Die Atemluft wurde abgesaugt. Auch ein Pshagir brauchte Sauerstoff, aber notfalls konnte er seine Atmung für mehrere Einheitstage der Neuen Ordnung unterbrechen. Der Metabolismus dieser Spezies war äußerst anpassungsfähig.
Vor Man’ran öffnete sich das äußere Schleusentor. Er ging bis zum Rand. Die künstliche Schwerkraft fesselte ihn an den Boden und verhinderte, dass er einfach ins All trieb. Er kletterte hinaus und geriet einen Moment unter Schwerelosigkeit. Seine Pranken versuchten sich vergeblich an der kristallinen Außenhaut des Raumschiffs festzuhalten. Aber das war so gut wie unmöglich. Er trieb einige Meter in den Weltraum, bevor ihn die künstliche Schwerkraft plötzlich gegen die Oberfläche des Raumers zog. Er fiel förmlich auf die fluoreszierende Schicht. Dies geschah mit einer Heftigkeit, die bei den Angehörigen der meisten anderen Spezies schwerste Verletzungen hervorgerufen hätte. Nicht so bei einem Pshagir.
Der Dreiarmige rappelte sich auf. Er stand auf einer großen, fast fünfhundert Körperlängen durchmessenden tellerartigen Fläche, die das größte Strukturelement des Pshagir-Schiffes bildete.
Es stand bereits ein anderer Pshagir da und schien auf ihn zu warten.
Das musste sein Gegner sein. Verbal verständigen konnten sie sich nicht. Erstens war das während solcher Übungskämpfe ohnehin verpönt. Und zweitens verfügte jeder Pshagir-Krieger über Kenntnisse in der Zeichensprache der Krieger, die ausschließlich mit den beiden kleinen Händen und den dazugehörigen Armen durchgeführt wurde, da man traditionellerweise bei den Pshagir davon ausging, dass der kräftigere Arm die Waffe hielt und daher nicht zur Kommunikation benutzt werden konnte.
Seb’an, erkannte Man’ran überrascht, als seine Radiopeilung das Gegenüber abgetastet hatte. Pshagir erkannten sich bereits an winzigen Unterschieden im Relief der Körperoberfläche. Seb’an war einer der Offiziere des Flaggschiffs und hatte einen guten Ruf als Kämpfer. Er kommandierte die Landetruppen. Es war eine Spezialeinheit, die immer dann zum Einsatz kam, wenn es auf einem für die Neue Ordnung eroberten Planeten ungewöhnlich starken Widerstand gab.
Mitunter weigerten sich gewisse Spezies standhaft, ihre Körper herzugeben.
Sie hingen an ihrer Individualität. Man’ran konnte das bis zu einem gewissen Grad durchaus verstehen. Andererseits kannte er keinerlei Gewissensbisse bei dem Gedanken, dass die Persönlichkeiten von Millionen Individuen ausgelöscht wurden, sobald die Etnord einen Planeten ihrem Reich einverleibten. So ist nun mal der Lauf des Universums, lautete die allgemeine Auffassung der Etnord. Leben bedeutet Vernichtung anderen Lebens, so hieß es in den Überlieferungen der Etnord. Und im Universum ging es im Wesentlichen nur um eines: Herrschaft. Man konnte entweder Herrscher oder Diener sein. Und die Etnord waren in ferner Vergangenheit lange Diener gewesen. Diener eines Volkes, dessen Name noch heute für ehrfürchtige Schauder sorgte und deren technische Wunderwerke wahrscheinlich von keiner derzeit existierenden Rasse verstanden wurden - Die Erhabenen. Aber jetzt waren die Etnord auf dem besten Weg, endlich das Erbe ihrer alten Herren anzutreten. Ein rechtmäßige Erbe, wie Man’ran fand. Und dabei pflichteten ihm sicherlich hundert Prozent der Etnord-Pshagir zu.
Man’ran stellte sich breitbeinig auf.
Er nahm Kampfhaltung an.
Beide Gegner belauerten sich. Die visuellen Außensensoren des Schiffs verfolgten das Geschehen, sodass ein Großteil der Besatzung des Flaggschiffs zuschauen konnte. Lernen durch das Beispiel, so hieß die Philosophie, die dahinter steckte. Es genügte nicht, einen fast unzerstörbaren Pshagir-Körper zu besitzen, um kämpfen zu können. Die geistige Einstellung war genauso entscheidend wie eine perfekte Körperbeherrschung. Für die Etnord-Parasiten, die in einen Pshagir eingesetzt wurden, bedeutete es häufig genug einen langen, mühsamen Lernprozess, diesen Körper tatsächlich so zu beherrschen, wie es für die Verwendung in der Elitetruppe der Neuen Ordnung notwendig war.
Beide Kontrahenten näherten sich vorsichtig, immer mit dem Gedanken, dass der Gegner vielleicht einen blitzschnellen Vorstoß unternahm.
Mitunter entschied bei gleichrangigen Gegnern erst der eintretende Sauerstoffmangel irgendwann den Kampf, wenn einer der beiden Kämpfer als erster gezwungen war, wieder zu atmen und deswegen in seine Schleuse zurückkehren und den Kampfplatz verlassen musste.
Es ging darum, den Gegner von der Plattform zu werfen. Gleichgültig mit welchen Mitteln. Es gab keine Regeln. Ein erheblicher Kraftaufwand war notwendig, um die künstliche Schwerkraft von 1 g zu überwinden. Anfänger trainierten mit geringerer Gravitation, Fortgeschrittene sogar mit einer Schwerkraft bis zu 1,7 g.
Man’ran griff an.
Er schnellte auf seinen Kontrahenten zu und versuchte diesen zu packen und von der Plattform zu schleudern. Die Kräfte, die ein Pshagir entfalten konnten, reichten dazu vollkommen aus. Und wer den ersten Griff ansetzen konnte, hatte den Vorteil auf seiner Seite.
Vorausgesetzt, er schaffte es, den Gegner tatsächlich auch zu packen.
Seb’an war ein erfahrener Kämpfer. In ungezählten Einsätzen hatte er ein instinktives Reaktionsvermögen entwickelt, das selbst unter Pshagir seinesgleichen suchte. Die neuronale Einheit zwischen dem Pshagir-Körper und dem Etnord-Implantat war bei ihm besonders weit fortgeschritten. Es gelang dem Etnord in der Brust des Seb’an-Körpers beinahe spielerisch, Teile des Pshagir-Gehirns zu aktivieren und für sich nutzbar zu machen. In diesen Hirnarealen waren viele Bewegungsabläufe und Reflexe gespeichert. Außerdem vermochte ein Pshagir-Etnord auf diese Weise die Leistungsfähigkeit seiner Sinne sehr stark zu steigern. Der Sieg des Kriegers ist eine Frage der geistigen Disziplin, lautete ein altes Axiom der traditionellen Pshagir-Überlieferung. Etnord mit anderen Wirtskörpern hielten solche Sätze in der Regel für hohle Sprüche. Die Pseudophilosophie einer Spezies, die für das Leben auf Extremwelten angepasst war und in deren ursprünglicher Gesellschaftsordnung die Krieger weit vor allen anderen Gruppen rangierten. Aber jeder Etnord, der in einen Pshagir-Körper eingesetzt wurde, ahnte sehr schnell, wie wichtig dessen Beherrschung war. Und das ging nur durch geistiges Training. Nur so konnten die Nervenzellen des Parasiten auf eine Weise mit den Hirnzellen des Wirtes verbunden werden, dass sie eins wurden und die enormen Möglichkeiten genutzt werden konnten, die in diesem Körper steckten.
Seb’an wich geschickt aus. Der Angriff Man’rans ging ins Leere. Durch die Wucht seiner eigenen Bewegung ging Man’ran zu Boden, rollte sich aber geschickt ab – und gerade noch schnell genug um dem Zugriff Seb’ans zu entgehen, der seine Chance natürlich sofort erkannt hatte.
Im Abstand von zwei bis drei Pshagirischen Körperlängen standen sie sich nun gegenüber, verlagerten das Gewicht von einem Bein auf das andere und belauerten sich. Für Augenblicke geschah so gut wie nichts.
Bei einem Pshagir-Körper gab es keine Mimik. Auch ein Anspannen der Muskeln und dergleichen war durch die dicke, unempfindliche und von...
| Erscheint lt. Verlag | 23.2.2018 |
|---|---|
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Fantasy / Science Fiction ► Science Fiction |
| ISBN-10 | 3-7389-1779-9 / 3738917799 |
| ISBN-13 | 978-3-7389-1779-6 / 9783738917796 |
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