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Gabriele Reuter – Gesammelte Werke (eBook)

Romane und Geschichten

(Autor)

eBook Download: EPUB
2025 | 3., Überarbeitete Fassung
1242 Seiten
Null Papier Verlag
978-3-96281-407-6 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Gabriele Reuter – Gesammelte Werke - Gabriele Reuter
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Ihre wichtigsten Werke in überarbeiteter Fassung Die zu Lebzeiten viel gelesene Autorin wurde bekannt durch ihren Roman 'Aus guter Familie' (1895), der die 'Leidensgeschichte eines Mädchens' (Untertitel), einer typischen 'höheren Tochter' der Wilhelminischen Ära erzählt. Das Buch verkaufte sich bis 1931 in 28 Auflagen. Weitere Bestseller waren etwa ihr Roman 'Ellen von der Weiden' (1900), die Novellensammlung 'Frauenseelen' (1901) oder der Roman 'Der Amerikaner' (1907). Null Papier Verlag

Gabriele Reuter (8.2.1859-16.11.1941) war eine deutsche Schriftstellerin. Die zu Lebzeiten viel gelesene Autorin wurde bekannt durch ihren Roman 'Aus guter Familie' (1895), der die 'Leidensgeschichte eines Mädchens' (Untertitel), einer typischen 'höheren Tochter' der Wilhelminischen Ära erzählt. Das Buch verkaufte sich bis 1931 in 28 Auflagen. Weitere Bestseller waren etwa ihr Roman 'Ellen von der Weiden' (1900), die Novellensammlung 'Frauenseelen' (1901) oder der Roman 'Der Amerikaner' (1907).

Gabriele Reuter (8.2.1859–16.11.1941) war eine deutsche Schriftstellerin. Die zu Lebzeiten viel gelesene Autorin wurde bekannt durch ihren Roman "Aus guter Familie" (1895), der die "Leidensgeschichte eines Mädchens" (Untertitel), einer typischen "höheren Tochter" der Wilhelminischen Ära erzählt. Das Buch verkaufte sich bis 1931 in 28 Auflagen. Weitere Bestseller waren etwa ihr Roman "Ellen von der Weiden" (1900), die Novellensammlung "Frauenseelen" (1901) oder der Roman "Der Amerikaner" (1907).

Aus guter Familie
Erster Teil
Zweiter Teil
Das Tränenhaus
Erstes Kapitel
Zweites Kapitel
Drittes Kapitel
Viertes Kapitel
Fünftes Kapitel
Sechstes Kapitel
Siebentes Kapitel
Achtes Kapitel
Neuntes Kapitel
Zehntes Kapitel
Elftes Kapitel
Zwölftes Kapitel
Dreizehntes Kapitel
Vierzehntes Kapitel
Fünfzehntes Kapitel
Sechzehntes Kapitel
Der Amerikaner
Erstes Kapitel
Zweites Kapitel
Drittes Kapitel
Viertes Kapitel
Fünftes Kapitel
Sechstes Kapitel
Siebentes Kapitel
Achtes Kapitel
Neuntes Kapitel
Zehntes Kapitel
Elftes Kapitel
Ellen von der Weiden
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
16
17
Frauenseelen
Treue
Graue Stunden
Clementine Holm
Kinder
Die Frau mit den Ziegenfüßen
Five o'clock
Eines Toten Wiederkehr
Schwester Elisabeth
Die Barmherzigen
Das Opernglas
Ins neue Land
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
Irmgard und ihr Bruder
I
II
III
IV
V
VI
VII
VIII
IX
X
XI
XII
XIII
XIV
XV
XVI
XVII
XVIII
Literaturverzeichnis
Index

I.


Breit und hell fiel ein Strahl der Früh­lings­son­ne durch das ver­staub­te Bo­gen­fens­ter ei­ner Dorf­kir­che. Er durch­schnitt als war­mer, glän­zen­der Strei­fen die graue Däm­me­rung und ver­lor sich hin­ter weißem Git­ter in den schat­tig-feuch­ten Tie­fen des Pfarr­stuh­les, den meh­re­re fest­lich ge­klei­de­te Her­ren und Da­men be­setzt hat­ten. Mit­ten in der Licht­bahn stand die Kon­fir­man­din vor dem Al­tar. Das klei­ne Kreuz auf ih­rer Brust glüh­te gleich ei­nem über­ir­di­schen Sym­bol, und wie ein Kranz welt­li­cher Herr­lich­keit flim­mer­te, von tau­send Gold­fun­ken durch­sprüht, das brau­ne Haar über dem ro­sen­ro­ten, trä­nen­be­tau­ten, fei­er­li­chen Kin­der­ge­sicht.

Sie stand ganz al­lein an dem hei­li­gen Orte, durch­schau­ert von der Be­deu­tung des Au­gen­blicks – ban­gend, das Ge­lüb­de aus­zu­spre­chen, das auf ih­ren Lip­pen schweb­te und sie für ein Le­ben der Wahr­heit und der Hei­li­gung un­wi­der­ruf­lich ver­pflich­ten soll­te.

Hin­ter ihr, zwi­schen den schma­len Holz­bän­ken, hör­te sie das Ge­pol­ter ei­ni­ger nie­der­kni­en­den Ta­ge­löh­ner­kin­der, die be­reits die Ein­seg­nung emp­fan­gen hat­ten. Aga­the wünsch­te plötz­lich mit krank­haf­ter Hef­tig­keit, un­ter den pein­lich glatt­ge­kämm­ten und rot­ge­seif­ten Köp­fen, den un­ge­schick­ten Ge­stal­ten dort sich ver­ber­gen, sich an der Ge­mein­schaft mit ih­nen stär­ken zu kön­nen.

Ihr Herz woll­te sein Schla­gen aus­set­zen, eine Furcht er­griff sie, ein Schwin­del, in­dem sie auf die Knie sank und den Kopf mit dem Ge­fühl neig­te, es müs­se in der nächs­ten Mi­nu­te ihr Da­sein, das froh emp­fun­de­ne Da­sein, ge­gen einen Zu­stand von frem­der Schau­er­lich­keit, voll er­ha­be­ner Schmer­zen und be­klem­men­der Won­nen ein­ge­tauscht wer­den.

Über sich hör­te Aga­the die sanf­te, ernst­fei­er­li­che Stim­me des Geist­li­chen die Fra­ge an sie rich­ten: ob sie dem Teu­fel, der Welt und al­len ih­ren Lüs­ten ent­sa­gen, ob sie Chri­sto an­ge­hö­ren und ihm fol­gen wol­le. In sü­ßer Schwer­mut hauch­te sie »ja«, fühl­te die Berüh­rung der seg­nen­den Hän­de auf ih­rem Haup­te und ver­such­te mit ge­walt­sa­mer An­stren­gung, alle ihre Sin­ne ein­zut­au­chen in die An­be­tung der ewi­gen Gott­heit – des Herrn, der über ihr schweb­te.

Aber sie ver­nahm das Rau­schen ih­res ei­ge­nen sei­de­nen Klei­des; ein ge­rühr­tes Flüs­tern und un­ter­drück­tes Schluch­zen drang aus dem Pfarr­stuhl, wo ihre El­tern sa­ßen, zu ih­ren Ohren; sie hör­te ein Ge­sang­buch ir­gend­wo pol­ternd zur Erde fal­len und eine ge­mur­mel­te Ent­schul­di­gung – sie lausch­te auf die falschen Töne, die der Küs­ter bei sei­ner lei­sen Or­gel­be­glei­tung griff – sie muss­te an ein Buch den­ken, an eine an­stö­ßi­ge Stel­le, die sie ver­folg­te … Trä­nen quol­len un­ter ih­ren ge­senk­ten Li­dern her­vor, krampf­haft fal­te­ten sich ihre Hän­de, auf den schwar­zen Hand­schu­hen sah sie die Trä­nen­trop­fen nas­se Fle­cke bil­den – sie konn­te nicht be­ten …

Nicht in die­ser Stun­de? Nicht wäh­rend we­ni­ger Se­kun­den konn­te sie Gott al­lein an­ge­hö­ren? Und sie hat­te ge­schwo­ren, für ihr gan­zes Le­ben dem Ir­di­schen ab­zu­sa­gen! Sie hat­te einen Mein­eid ge­leis­tet – eine un­tilg­ba­re Sün­de be­gan­gen! Mein Gott, mein Gott, wel­che Angst!

Ver­such­te der Teu­fel sie? Es gab doch einen Teu­fel. Sie fühl­te ganz deut­lich, wie er in ih­rer Nähe war und sich freu­te, dass sie nicht be­ten konn­te. Lie­ber Gott, ver­lass mich doch nicht! – Vi­el­leicht kam die Prü­fung über sie, weil sie in der Beich­te, die sie hat­te nie­der­schrei­ben und dem Geist­li­chen über­rei­chen müs­sen, nicht auf­rich­tig ge­we­sen … Hät­te sie sich so ent­setz­lich de­mü­ti­gen sol­len … das be­ken­nen? Nein – nein – nein – das war ganz un­mög­lich. Lie­ber in die Höl­le!

Der Schweiß brach ihr aus, so pei­nig­te sie die Scham.

Das konn­te sie doch nicht auf­schrei­ben. Tau­send­mal lie­ber in die Höl­le!

… Jetzt nicht dar­an den­ken … Nur nicht den­ken. Wie war es denn an­zu­stel­len, um Macht über das Den­ken zu be­kom­men? Sie dach­te doch im­mer … Al­les war so ge­heim­nis­voll schreck­lich bei die­sem christ­li­chen Glau­bens­le­ben. Sie woll­te es ja an­neh­men … Und sie hat­te ja auch ge­lobt – nun muss­te sie – da half ihr nichts mehr!

Mit ei­nem un­er­träg­li­chen Zit­tern in den Kni­en be­gab das Mäd­chen sich an ih­ren Platz zu­rück. Der Ge­sang der Ge­mein­de und das Spiel der Or­gel schwol­len stär­ker an, wäh­rend der Geist­li­che die Vor­be­rei­tun­gen zum Abend­mahl traf, aus der schön­ge­form­ten Kan­ne Wein in den sil­ber­nen Kelch goss und das ge­stick­te Lei­nen­tuch von dem Tel­ler mit den hei­li­gen Obla­ten hob.

Das Licht der ho­hen Wachs­ker­zen fla­cker­te un­ru­hig. Aga­the schloss ge­blen­det die Au­gen vor dem hel­len Son­nen­schein, der die Kir­che durch­ström­te, und in dem Mil­li­ar­den Stau­ba­to­me wir­bel­ten. War die Him­mels­son­ne nur dazu da, al­les Ver­bor­ge­ne zu schreck­li­cher Klar­heit zu brin­gen?

In stump­fem Er­stau­nen hör­te sie ne­ben sich zwei ih­rer Mit­kon­fir­man­din­nen lei­se flüs­tern – flachs­köp­fi­ge Mäd­chen, die einen Duft von schlech­ter Po­ma­de um sich ver­brei­te­ten.

»Wie­sing – wo is Dien Mod­der?«

»Sei möt uns’ lüt­t’ Kalf bör­nen.«

»Ju! He­wet et ji all? Dat’s fin! Dat kunnst mi ok gliek ver­tel­len!«

»Klock Twelf hat’s de Bleß bracht. Wie sünd all die Nacht in’n Stall west!«

Wie konn­te man über so et­was in der Kir­che re­den, dach­te Aga­the. Ein Zug hoch­mü­ti­ger Missach­tung be­weg­te ihre Mund­win­kel. Sie wur­de ru­hi­ger, si­che­rer im Ge­fühl ih­res hei­ßen Wol­lens. Eine Mü­dig­keit – eine Art von se­li­ger Er­mat­tung be­schlich sie bei dem Ge­san­ge je­nes al­ten mys­ti­schen Abend­mahls­lie­des:


Freue dich, o lie­be See­le,
Lass die dunkle Sün­den­höh­le,
Komm ans hel­le Licht ge­gan­gen,
Fan­ge herr­lich an zu pran­gen.

Denn der Herr voll Heil und Gna­den
Will dich jetzt zu Gas­te la­den,
Der den Him­mel kann ver­wal­ten
Will jetzt Zwie­sprach’ mit dir hal­ten.

Eile, wie Ver­lob­te pfle­gen,
Dei­nem Bräu­ti­gam ent­ge­gen.
Der da mit dem Gna­den­ham­mer
Klopft an dei­nes Her­zens Kam­mer.

Öff­n’ ihm dei­nes Geis­tes Pfor­ten,
Red’ ihn an mit sü­ßen Wor­ten:
Komm, mein Liebs­ter, lass dich küs­sen.
Lass mich dei­ner nicht mehr miss­en.

Nun war es nicht der er­ha­be­ne Gott-Va­ter, der das Op­fer for­der­te, nicht mehr der hei­li­ge Geist, der un­be­greif­lich-furcht­ba­re, der mit den Glu­ten des ewi­gen Feu­ers sei­nen Be­lei­di­gern droht, der nie­mals ver­gibt – jetzt nah­te der himm­li­sche Bräu­ti­gam mit Trost und Lie­be.

»Wer da un­wür­dig is­set und trin­ket, der sei ver­dammt« – heißt es zwar auch hier. Aber über das Mäd­chen kam eine fro­he Zu­ver­sicht. Vor ihr in­ne­res Auge trat Je­sus von Na­za­reth, wie ihn die Kunst, wie ihn Ti­zi­an ge­bil­det hat, in sei­ner schö­nen, jun­gen...

Erscheint lt. Verlag 1.7.2025
Reihe/Serie Gesammelte Werke bei Null Papier
Gesammelte Werke bei Null Papier
Verlagsort Neuss
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte Adel • Betrug • Hedwig Courths-Mahler • Heimat • Heimatroman • Herzschmerz • Kaiser • König • Liebesroman • Schnulze • Verrat
ISBN-10 3-96281-407-8 / 3962814078
ISBN-13 978-3-96281-407-6 / 9783962814076
Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR)
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