Notärztin Andrea Bergen 1346 (eBook)
64 Seiten
Bastei Entertainment (Verlag)
978-3-7325-6014-1 (ISBN)
Es ist so schön!, denkt die hübsche Amelia Holm - und damit meint sie einfach alles: ihre junge Liebe zu Thorsten, ihr neues Leben am Rhein und ihre erste Stelle als Frauenärztin am Elisabeth-Krankenhaus. Und die Patientinnen lieben 'ihre' Frau Doktor Holm, die sich mit großem Engagement und Einfühlungsvermögen für sie einsetzt ...
Als sie Ina Teubner kennenlernt, eine ehrgeizige Pharmareferentin, ahnt Amelia zunächst nicht, welche Gefahr von dieser Frau für sie ausgeht, denn Ina versteht es geschickt, sie mit ihrem Fachwissen über neue Wege in der Geburtshilfe zu beeindrucken. Dass Ina Teubner in Wahrheit ganz andere Absichten verfolgt und wie eine Spinne ein Netz um sie webt, erkennt Amelia viel zu spät. Da ist es im Kreißsaal unter ihrer Leitung schon zu einer Katastrophe gekommen - und ein junges Paar weint um seinen tot geborenen kleinen Sohn ...
Amelia schloss die Augen und wandte ihr Gesicht der Sonne zu, die durch die Fenster der Skihütte fiel. Es war ein wunderschöner Tag, und man konnte schon einen Hauch von Frühling spüren, auch wenn es erst Februar war und noch beachtliche Mengen Schnee lagen.
Sie seufzte wohlig. La Bresse, ihr Lieblingsort in den Vogesen! Während ihrer Studienzeit war sie öfter hergekommen, zu jeder Jahreszeit, mit Kommilitonen oder auch mal allein. Nun hatte sie ihr Medizinstudium beendet und genoss die letzten freien Tage mit verschiedenen Winteraktivitäten, bevor in der kommenden Woche das Berufsleben für sie begann.
Laute Stimmen und Gelächter erklangen, und Amelia wandte den Kopf. Mehrere Leute kamen in die Hütte gepoltert und brachten einen Schwall kalter Luft mit herein. Jemand legte Holz im Ofen nach, der eine mollige Wärme verbreitete.
Amelia blickte über die grob gezimmerten Tische und Bänke in der Hütte. Sie waren alle voll besetzt. Nur derjenige, auf den sie insgeheim wartete, war nicht unter den Anwesenden, er …
Er, das war Thorsten, ein dunkelhaariger, gut aussehender und wahnsinnig netter Mann, der in ihrem Alter war. Amelia hatte ihn beim Schneeschuhwandern getroffen. Sie waren ins Gespräch gekommen, nachdem sie sich mehrmals auf einem der Schneeschuhpfade begegnet waren.
Amelia hatte Probleme mit ihrer Bindung gehabt, und Thorsten hatte ihr geholfen, sie wieder zu befestigen. Später hatten sie in der Cafeteria der Skistation zusammen einen Kaffee getrunken, und am nächsten Tag hatten sie gemeinsam eine Schneeschuhwanderung unternommen.
Habe ich mich in ihn verliebt?, fragte sich Amelia. Sie musste zugeben, dass sie sich richtig nach ihm sehnte. Wie wunderbar wäre es, wenn er jetzt zur Tür hereinkommen und sich zu ihr setzen würde!
Amelia schenkte sich Tee aus der Thermoskanne nach, die sie im Rucksack mitgenommen hatte. Während sie ihn trank, wanderten ihre Gedanken zurück an den Rhein, wo sie auf der Gynäkologischen Station des Elisabeth-Krankenhauses ihre erste Stelle als Assistenzärztin antreten würde.
Sie freute sich sehr darauf, hatte aber auch gleichzeitig ein wenig Angst. Diesmal war sie nicht Medizinstudentin im Praktischen Jahr wie am Universitätsklinikum in Heidelberg, nun war sie approbierte Ärztin, würde selbstständig arbeiten und Verantwortung tragen. Würde sie sich am Elisabeth-Krankenhaus wohlfühlen? Würden die zukünftigen Kollegen nett sein?
»Hallo, darf ich mich zu dir setzen?« Eine angenehme Männerstimme unterbrach ihre Gedanken. Amelia hatte diese Stimme noch lebhaft in Erinnerung. Prompt beschleunigte sich ihr Herzschlag, und eine süße Schwäche kroch ihr die Beine hoch.
Sie drehte den Kopf und erblickte den Mann, der ihr nicht mehr aus dem Sinn ging. Bei der offensichtlichen Freude in seinem Blick begann ihr Herz, Purzelbäume zu schlagen.
»Hallo«, brachte sie leicht heiser hervor. »Ja, gern«, fügte sie lächelnd hinzu und räumte Anorak und Rucksack zur Seite, damit er neben ihr Platz nehmen konnte.
»Schön, dass ich dich hier treffe, Amelia«, sagte er. »Bist du mit Schneeschuhen hier oder mit Skiern?«
Auf dieser Seite des Skihügels waren nicht nur Schneeschuhpfade angelegt, sondern auch Loipen, die ebenso romantisch durch den Wald führten. Amelia hatte auch diese ausprobiert.
»Mit Schneeschuhen«, erwiderte sie. »Und du?«
»Ebenfalls.« Er nahm seine bunte Strickmütze ab und fuhr sich mit den Fingern durch das zerzauste Haar, bevor er sich auf der Bank niederließ. »Ich habe dir ja erzählt, dass ich mich mit Skiern nicht so recht anfreunden kann«, fügte er mit einer Grimasse hinzu.
»Richtig, da bist du nur hingefallen«, erinnerte Amelia sich. Sie drehte an ihrem langen braunen Zopf, der ihr weit über die Schulter fiel, und lachte.
Thorsten packte seinen Imbiss aus und legte alles vor sich auf den Tisch. Zwei üppig belegte Brötchen kamen zum Vorschein, ein mit Schokolade überzogenes Croissant, eine Banane, eine Saftpackung und ein Energie-Riegel.
»Du scheinst ja mächtig Hunger zu haben«, bemerkte Amelia belustigt.
»Hab ich auch.« Thorsten biss herzhaft in eins der Brötchen. »Nach meinem anstrengenden Vormittag brauche ich jetzt mein Kraftfutter.«
Amelia betrachtete ihn lächelnd. Wie schön, dass er nun doch noch aufgetaucht war! Hatte sie sich das nicht sehnsüchtig gewünscht? »Was war denn so anstrengend an deinem Vormittag?«, wollte sie wissen.
»Mein Kampf mit dem Snowboard.« Thorsten kaute genüsslich.
Amelia verbiss sich ein Grinsen. Sie wusste, dass er unbedingt Snowboard fahren wollte, es aber erst einmal lernen musste. Er hatte sich zu einem Kurs angemeldet, doch die Sache schien sich schwieriger zu gestalten als gedacht.
»Es ist nicht gut gelaufen?«, erkundigte sie sich vorsichtig.
»Nicht besonders«, gab er zu. »Mein großes Problem ist das Lenken. Mein Körper bewegt sich immer in andere Richtungen, als ich will. Und schon liege ich wieder auf der Nase. Frustrierend!«
»Dann solltest du vielleicht doch lieber bei den Schneeschuhen bleiben«, schlug Amelia vor.
»Das sehe ich allmählich ein, deshalb bin ich auch darauf umgestiegen. Langlauf kann ich ebenfalls vergessen, da kriege ich einfach den Rhythmus nicht hin. Aber beim Snowboard will ich noch nicht aufgeben.« Thorsten brach das Croissant in zwei Hälften und reichte Amelia eine davon, was sie dankend annahm.
»Schneeschuhwandern ist ohnehin eine gute Idee gewesen«, bemerkte er zwischen zwei Bissen. »Denn dabei habe ich dich getroffen. Darf ich dich anschließend ein Stück begleiten?«
»Aber gern«, erwiderte Amelia. Und die Hoffnung stieg in ihr auf, dass Thorsten für sie ebensolche Gefühle haben könnte wie sie für ihn.
***
Sehr weit kamen sie an diesem Nachmittag allerdings nicht mehr. Dafür hatte Thorsten die Idee, am Abend eine Schneeschuhwanderung im Mondschein zu unternehmen.
Natürlich war Amelia sofort damit einverstanden. Konnte sie sich etwas Romantischeres vorstellen, als mit Thorsten bei Vollmond durch den Wald zu wandern?
»Wunderbar«, stimmte sie zu. »In der Zwischenzeit hätte ich Lust, ins Hallenbad zu gehen. Kommst du mit?«
Leider lehnte Thorsten ab. Er war Software-Entwickler und wollte zurück in sein Hotelzimmer, um noch ein paar Stunden am Laptop zu arbeiten. So verabredeten sie sich zu einer bestimmten Uhrzeit bei den Schneeschuhpfaden.
Auch allein hatte Amelia ihren Spaß im Hallenbad. Sie schwamm ein paar Runden, ging in die Sauna und gönnte sich anschließend einen Eisbecher. Später, beim Abendessen in einem gemütlichen Bistro, traf sie ein nettes Paar, mit dem sie bereits mehrmals ins Gespräch gekommen war. Obwohl sie jede Menge Abwechslung hatte, verging die Zeit bis zu ihrer Verabredung mit Thorsten viel zu langsam.
Endlich war es so weit, um zum Treffpunkt zu gehen. Amelias Herz schlug höher, als sie schon von Weitem Thorsten zu erblicken glaubte. Doch er war es nicht. Der andere Mann trug nur eine Skijacke in der gleichen Farbe.
Amelia nahm ihre Stirnlampe aus dem Rucksack und setzte sie auf. Sie fröstelte, als ein kalter Windstoß über den Platz fegte. Hoffentlich kam Thorsten bald! Zwischen den Bäumen würde es geschützter sein.
Amelia wartete und wartete, doch Thorsten erschien nicht. Enttäuschung breitete sich in ihr aus. Er war also einer von der unpünktlichen Sorte, das gefiel ihr nicht.
Endlich tauchte er auf. Im Laufschritt kam er auf sie zu, seine Schneeschuhe unter dem einen Arm, die Stöcke unter dem anderen. »Tut mir leid, dass ich mich verspätet habe«, rief er atemlos. »Ich war so in meine Arbeit vertieft, dass ich nicht auf die Uhrzeit geachtet habe.«
»Das kommt vor«, erwiderte Amelia versöhnlich. Sie war viel zu froh, dass er doch noch gekommen war, als dass sie auf ihn hätte ärgerlich sein können.
Er schnallte sich die Schneeschuhe an und setzte seine Kapuze auf. »Etwas windig hier«, fand er. »Komm, laufen wir uns warm!«
Sie wanderten los. Nur wenige andere Schneeschuhwanderer waren an diesem Abend unterwegs. Hin und wieder sah man die Lichter ihrer Stirnlampen durch den Wald tanzen. Ansonsten war es eine ziemlich dunkle Nacht, auch wenn die Sterne am Himmel standen.
Und dann wurde es auf einmal hell, als wäre eine Straßenlaterne angegangen.
»Oh, der Mond!« Richtig ehrfürchtig blickte Amelia auf die silberne Scheibe, die sich jetzt zwischen die dunklen Tannenwipfel schob.
»Da braucht man ja gar keine Lampe mehr, so hell ist er«, meinte Thorsten und knipste seine Stirnlampe aus. Gleich darauf schaltete er sie wieder an, denn ohne Licht war es doch sehr dunkel im Wald.
Sie liefen weiter. Zwischendurch blieb Amelia immer wieder stehen, um den Mond zu betrachten. Sehnsüchtige und romantische Gefühle zogen durch ihr Herz. Mit Thorsten hätte sie immer so weiterlaufen können.
Irgendwann war der kalte Wind auch zwischen den Bäumen zu spüren. Amelia zog ihre Mütze tiefer in die Stirn.
»Wollen wir umkehren?«, schlug Thorsten vor.
Amelia war damit einverstanden, denn ihr war trotz der Bewegung ziemlich kalt geworden. Sie spürte ihre Zehen kaum noch.
Nach einer Weile blieb sie an einer Stelle stehen, wo ein weiterer Pfad nach rechts abzweigte. Er war kaum benutzt und schwer zu erkennen.
»Hast du was dagegen, wenn wir noch einen Umweg machen?«, fragte sie. »Ganz in der Nähe ist ein kleiner Weiher, mein...
| Erscheint lt. Verlag | 27.2.2018 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Notärztin Andrea Bergen |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
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| ISBN-10 | 3-7325-6014-7 / 3732560147 |
| ISBN-13 | 978-3-7325-6014-1 / 9783732560141 |
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