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Alpengold 265 (eBook)

Seine schöne Schwägerin
eBook Download: EPUB
2018 | 1. Aufl. 2018
Bastei Entertainment (Verlag)
978-3-7325-6016-5 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Alpengold 265 - Maria Fernthaler
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Andreas, der Bauer vom Schrannenhof, hat seine Frau verloren. Sie starb bei der Geburt ihres ersten Kindes. So sehr der Bauer den kleinen Bernd liebt - der Tod der geliebten Frau hat ihn zu einem traurigen, mit dem Schicksal hadernden Menschen werden lassen.

Mit seinem Hof geht es bald gefährlich bergab. Die alte Magd Rosl sieht die Katastrophe auf den Schrannenhof zukommen. Verzweifelt bittet sie schließlich Anna, die junge Schwägerin der verstorbenen Bäuerin, um Hilfe. Das Mädchen gibt seine Stellung als Magd in der Steiermark auf und kommt auf den Schrannenhof.

Der kleine Bernd liebt seine Tante vom ersten Augenblick an. Doch der Bauer selbst will, dass Anna wieder geht. Er will sich nicht helfen lassen - und er hat Angst davor, sich eines Tages in die schöne Schwester seiner Frau zu verlieben ...

»Bernd, komm her!« Die Stimme der alten grauhaarigen Magd drang über den Hof.

Auf einem Holzstapel saß ein fünfjähriger Junge und blickte gedankenverloren in den hereinbrechenden Abend. Blond und blauäugig war der Bub, und sein rundes Gesicht mit den unzähligen Sommersprossen auf der Stupsnase war in Kummerfalten gelegt.

»Bernd, so hör doch! Das Essen steht auf dem Tisch«, drang abermals die energische Frauenstimme aus dem Küchenfenster, und widerwillig schickte sich der Kleine an, seinen unbequemen Platz auf dem Holz zu verlassen.

Beide Hände in die Taschen seiner Lederhose vergraben und den Kopf zu Boden gesenkt, so kam er über den Hof. In der Tür des alten Bauernhauses stand eine kleine, rundliche Frau mit mahnendem Gesicht. Kopfschüttelnd blickte sie dem Jungen entgegen.

»Dass man dich immer ein paarmal rufen muss, Bernd! Hast du denn gar keine Ohren im Kopf?«, sagte sie und fuhr liebevoll durch das wirre blonde Haar des Kleinen.

»Ich hab auf den Vater gewartet, Rosl. Wird er heut wieder net mit uns essen?«

Zwei tieftraurige Augen schauten die alte Magd an. Der schnürte sich die Kehle zusammen. Fünf Jahre lang ging das nun so, und fast immer wartete der Bub vergebens, dass der Vater rechtzeitig nach Hause kam, um mit ihm zu essen.

»Vielleicht kommt er heut, Bernd, ich weiß es net«, sagte die alte Frau beruhigend und führte das Kind in die Küche, in der es nach frisch gebackenen Schmalznudeln roch. Es war Bernds Lieblingsessen. Doch selbst die Schmalznudeln konnten seine Miene nicht aufhellen.

Er rutschte auf seinen Platz unter dem Herrgottswinkel, und für eine Weile ging sein Blick hinauf zu dem Bild, das eine junge Frau zeigte. Sie stand hoch oben auf dem Heuwagen und trug auf dem kastanienbraunen Haar ein buntes Kopftuch. Dieses Bild war alles, was dem Kind von seiner Mutter geblieben war.

»Iss deine Nudeln, Bub, sonst werden sie kalt. Ich hab dir extra eine Vanillesoße dazu gemacht.«

Doch noch blieben die Nudeln unberührt.

»Wenn die Mutter noch bei uns wär, dann wär alles anders«, meinte der Bub andächtig, »dann könnt der Vater net immer oben sitzen im Wald.«

»Dorthin geht er, wenn er mit seinen Gedanken allein sein will, Bernd. Freilich wär es anders, wenn deine Mutter noch leben tät. Dann hörte man endlich wieder Lachen auf dem Schrannerhof. Jetzt könnt man manchmal meinen, er wär ausgestorben.«

»Erzähl mir von früher«, bat der kleine Bub und begann endlich zu essen.

Die alte Rosl seufzte. Was sollte sie ihm erzählen, dem kleinen Knirps von gerade mal fünf Jahren? Dass es einmal glückliche Zeiten gegeben hatte auf dem alten Hof? Lachen und Frohsinn waren in dem großen Haus gewesen und ein junges verliebtes Paar, dem das Glück aus den Augen geleuchtet hatte. Drei Jahre waren sie verheiratet gewesen, die Agnes und der Andreas, als sich endlich der heiß ersehnte Nachwuchs angekündigt hatte.

Dann lag nach knapp acht Monaten der kleine Bernd in der Wiege, sechs Wochen zu früh. Der alte Dorfarzt bangte um sein Leben und um das der jungen Bäuerin. Während das Kind durchkam, schloss die junge Frau ihre Augen für immer.

In dieser Nacht verschwand der junge Bauer und tauchte erst nach zehn Tagen wieder auf. Er war ein anderer geworden, selbst die besten Freunde erkannten ihn nicht wieder. Und während er früher arbeitsam und fleißig gewesen war, verbrachte er nun seine Tage damit, im Wald zu sitzen und hinunter aufs Dorf zu schauen. Stundenlang saß er dort, verbittert und einsam.

Das einzige Interesse galt noch dem Kind. Was sonst auf dem Hof vorging, schien er kaum wahrzunehmen. So verfiel der stolze Besitz mit der Zeit, und nach einigen Jahren war der Schrannerhof nicht mehr das, was er einst war.

Jeder versuchte, dem Andreas Burger, seinem Besitzer, ins Gewissen zu reden, doch alles Reden war vergebens. Wenn er auch versprach, sich in Zukunft wieder mehr um den Hof zu kümmern, so saß er doch weiterhin oben im Wald oder verbrachte Stunden auf dem Friedhof am Grab der verstorbenen Bäuerin.

Sollte sie das dem kleinen Jungen erzählen, der sie andächtig anschaute? Der Kleine hatte eine freudlose Kindheit, und wäre sie nicht gewesen, was wäre wohl aus ihm geworden? So erzählte sie ihm von der Mutter, die bei allen Leuten beliebt gewesen war, und freute sich, dass die blauen Augen aufstrahlten und nebenbei der Teller leer wurde.

»Ich hätt sie gern bei mir, die Mutter«, sagte Bernd.

»Wirst schon noch bessere Zeiten erleben, Büberl«, entgegnete die alte Frau begütigend, »aber schau hinauf zur Uhr. Es ist gleich sieben. Jetzt heißt es sich waschen und ins Bett gehen.«

Bernd verzog sein Gesicht und schaute hinaus auf den Hof.

»Kann ich net auf den Vater warten?«, bettelte er.

Rosl schüttelte den Kopf.

»Es kann Nacht werden, bis er vom Wald herunterkommt. Also, marsch in deine Kammer. Wenn ich fertig bin mit dem Geschirr, komm ich noch hinauf.«

Sie stellte einen Teller mit Nudeln für den Bauern ins Ofenrohr, damit sie warm blieben. Der Bub schickte sich an zu gehen. Wenn die Rosl in einem solchen Ton sprach, dann war es besser zu folgen. Außerdem wollte er sie nicht ärgern, denn nach dem Vater war sie das Liebste, was er auf der Welt hatte.

Seine Kammer war klein, und es gab nur wenige Spielsachen. Er spielte auch gar nicht gern hier oben, wo er immer allein war. Am liebsten war er unten auf dem Hof und wartete, bis die Kinder vom Nachbarhof von der Schule kamen. Der eine, der Hansl, der war schon sechs, und er war sein allerbester Freund.

Als der Bub im Bett lag, hörte er von draußen das Zwitschern der Vögel. Es war schön auf dem Schrannerhof, und nirgendwo wäre er lieber gewesen. Wenn der Vater nur mehr Zeit gehabt hätte! Hansls Vater spielte sogar am Sonntag mit den Kindern, und darauf war der Bernd ein wenig neidisch.

Er hörte die Rosl die Treppe heraufkommen und laut schnaufen.

»Jetzt wird gebetet, Bernd. Draußen ist es gleich dunkel«, sagte sie.

Die Hände des Kindes falteten sich gehorsam, und leise sprach es die gelernten Worte.

»Weckst du mich morgen früh, bevor der Vater geht, gell«, bettelte er, und die Rosl versprach es ihm. Dann stieg sie wieder hinunter in die Küche und setzte sich mit dem Nähkorb unter den Herrgottswinkel. Sie ging nie schlafen, bevor der Bauer nicht im Hause war. Meist kam er erst bei Einbruch der Nacht.

Die Kuckucksuhr schlug neun, als sie endlich Schritte hörte. Gleich darauf stand Andreas Burger, der Bauer vom Schrannerhof, in der Küche. Sorgenvoll blickte die Magd ihm entgegen.

Ein blonder Vollbart umrahmte ein gebräuntes Gesicht, zwei blaue Augen schauten die alte Frau trüb an. Er war groß und sehr hager, der alte Anzug schien förmlich an seinen knochigen Schultern zu hängen. Niemand erkannte in ihm jenen Andreas Burger wieder, der einst ein gut aussehender junger Bursche gewesen war, dem die Herzen der Mädchen zugeflogen waren.

»Kommst spät, Anderl! Ich hab dir die Nudeln in das Rohr gestellt.« Sie wollte sich erheben, doch er winkte müde ab.

»Lass es sein, Rosl. Ich hab keinen Hunger und geh gleich hinauf in meine Kammer … Schläft der Bub schon?«

»Ja, er hat lange auf dich gewartet. Du müsstest dich mehr um das Kind kümmern, Bauer. Außer dir hat es doch niemanden.« Rosl musterte ihn mit strengem Blick. »Die Rechnungen für die Saatbestellung vom Frühjahr sind gekommen. Wir werden sie in den nächsten Tagen bezahlen müssen«, fuhr sie fort.

Das schmale Gesicht des Bauern verzog sich zu einem ironischen Lächeln.

»Von was soll ich sie denn bezahlen, Rosl? Das letzte Geld ist für das Kalb draufgegangen, das im Stall steht.«

»Dann musst du es eben wieder verkaufen, Andreas. Sonst schicken sie uns den Gerichtsvollzieher.«

»Kann man denn hier net in Frieden leben?«, fragte er grimmig.

Die alte Frau schaute ihn vorwurfsvoll an.

»Das könntest du schon, Anderl. Aber dazu müsstest du wieder der Bauer werden, der du einmal warst. Schau dir an, wie alles verfällt um dich herum. Der Stall müsste erneuert werden, das Haus frisch gestrichen. Die Zäune sind morsch. Das Getreide steht meterhoch und müsste geerntet werden. Ich bin eine alte Frau und hab genug im Haus zu schaffen.«

»Es verlangt auch keiner von dir, dass du dich um den Hof kümmerst«, knurrte er böse, »und wenn du es ruhiger haben willst, dann geh doch.«

Rosl traten die Tränen in die Augen.

»So sollte dich dein Vater reden hören, Andreas! Als junge Magd bin ich auf den Schrannerhof gekommen und hab seitdem nur ihm gedient. Und jetzt willst du mich wegschicken. Denkst du denn nur an dich und net an den Buben, den dir deine Frau hinterlassen hat?«

Andreas setzte sich auf die Bank und vergrub das Gesicht in den Händen. Die alte Frau sah, dass die mageren Schultern in tiefem Schmerz zuckten. Sofort versiegten ihre Tränen. Es tat ihm leid, was er eben gesagt hatte, das wusste sie, ohne dass er sie um Verzeihung bat. Seine Verzweiflung tat ihr weh.

»Ist schon gut, Andreas, ich weiß, dass du es net so gemeint hast. Aber ich bitt dich noch einmal: Komm wieder zu dir. Denk an den Buben und dass du es ihm schuldig bist, ein guter Vater zu sein. Die Agnes wär net zufrieden, könnt sie dich vom Himmel aus sehen.«

»Red net von ihr«, seufzte er, und sein Blick ging hinauf zu dem Bild im Herrgottswinkel. »Ich kann net leben ohne sie«, fügte er tonlos hinzu.

»Du musst...

Erscheint lt. Verlag 27.2.2018
Reihe/Serie Alpengold
Verlagsort Köln
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte 2017 • 2018 • Anna Basener • Arzt • Baccara • Bahnhofsroman • Bastei • Bergdoktor • Berge • Bergpfarrer • Bianca • Cora • Der Bergdoktor • Der Bergpfarrer • Deutsch • Dr. Daniel • Dr. Laurin • Dr. Norden • Dr. Stefan Frank • eBook • eBooks • Groschenheft • Hedwig Courths-Mahler • Heft • Heftchen • Heftchen-Roman • Heftroman • Heft-Roman • Heimat • Heimatromane • Historical • Julia • Kelter • Kindle • Klassiker • Landarzt • Liebe • Liebesromane • Mira • Pulp • Pulp Ficition • Romanheft • Roman-Heft • romantisch • serial content • Serial Novel • Serial Novels • Serie • Serien • Seriennovellen • Tiffany • Toni-Hüttenwirt
ISBN-10 3-7325-6016-3 / 3732560163
ISBN-13 978-3-7325-6016-5 / 9783732560165
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